Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXXIII (1971)
- Issue
- 10 (Octubre 1971)
- Date
- 1971-10-01
- Page
- Seite 18 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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18 BOLETIN INFORMATIVO OCTUBRE 1971 WARUM NIMMT Diese Frage waere der zutreffenle Titel des Heftes 8-9 des UNESCO “Kurier” (11. Jahrg.) gewesen, der sich stattdessen mit der Ueberschrift: “Der Mensch als aggressives Wesen” dem Leser nicht gerade geschickt empfiehlt. Der Umschlag zeigt in grellen Farben ein vierteiliges Bild des spanischen Malers Juan Genoves, dessen gesamtes Werk nach Erklaerung des Redakteurs “eine einzige Anklage gegen die Tyrannei und die Gewalt, deren Spielzeug die Menschen sind”, sei, das Titelbild stelle “eine auf sich selbst stuerzende Menschenmenge” dar. So wie uns jedoch die Pariser Tagung von achtzehn Wissenschaftlern aus vierzehn Laendern, die das Heft vorwiegend beschaeftigt, durch den Titel unzutreffend gekennzeichnet erscheint, moechten wir auch das Gemaelde von Genoves anders deuten. Uns wird von Bildteil zu Bildteil vor Augen gefuehrt, wie — auf gleichgrosser Flaeche — die Zahl der Menschen waechst, bis sie zum Schluss nur noch eine dunkle Masse bildet. URTRIEB AGGRESSION Auf die von uns gestellte Frage wird also die Antwort gegeben, dass zunehmende Gewalttaetigkeit u. a. eine direkte Folge der Vermassung, der rapiden Bevoelkerungszunahme, der fortschreitenden Urbanisierung der Menschen unserer Zeit ist. Wir verweisen hierzu auf das bedeutsame Buch von Konrad Lorenz “Zur Naturgeschichte der Aggression. Das sogenannte Boese”. Lorenz nahm zwar an der Pariser Aussprache nicht teil, wurde aber, ablehnend oder zustimmend, wiederholt dort zitiert. Seine langjaehrigen Verhaltensforschungen von Tieren hatten ihn zu dem Schluss gebracht, menschliche Aggression sei zu den Urtrieben zu zaehlen. Unter den an der Tagung wie den Beitraegen zum “Kurier” beteiligten Forschern befanden sich Ethologen, das heisst, Vertreter eines Wissenschaftsbereichs, der die vergleichende Forschung des Verhaltens von Mensch und Tier aus angeborenen Instinkten und hormonalen Gegebenheiten, wie aus Umwelt-Einfluessen zum Gegenstand hat. Diese Verhaltensforscher waren sich darin einig, dass trotz der Herausgehobenheit des Menschen unter den Lebewesen (durch sein Denkvermoegen und seine Naturbeherrschung) dennoch im Wirken der Instinkte und in der Reaktion auf Umweltbedingungen oft eine frappante Gleichartigkeit mit der Tierwelt nachweisbar sei. Besonders aufschlussreich in dem Heft ist der Aufsatz des Leiters einer Forschergruppe fuer physiologisches Verhalten vom Max-Planck-Institut im Wuppertal, Paul Leyhausen. So schreibt er von dem Verlangen verschiedener Tiergattungen nach einem abgegrenzten “Revier” und der Aggressivitaet sonst friedlicher Geschoepfe, die aufflammt, wenn Fremde der gleichen Gattung in ihren Bezirk eindringen. Dazu sagt er: “Menschen verhalten sich zweifellos auf mannigfaltige Weise und in vielen Bereichen ihres Lebens territorial. Das beginnt . .. bereits im fruehen Kindesalter. .. Die Einstellung “My home — my castle”, die Art und Weise, in der Erwachsene und Kinder am Strand sich beeilen, ihr Territorium abzustecken, und sich dann ueber “Eindringlinge aergern, sind deutliche Beispiele dieser alles durchdringenden Neigung zum Revierverhalten”. RAUMENGE Auf die -Frage der Ueberbevoelkerung uebergehend, schreibt er: “Fast fuenf Jahre in Kriegsgefangenschaft lehrten mich, dass uebervoelkerte menschliche Gemeinschaften die Symptome von uebervoelkerten Wolfs-, Katzen-, Ziegen-, Maeuse-, Ratten- oder Kaninchengemeinschaften bis ins letzte Detail widerspiegeln, und dass alle Unterschiede nur artspezifisch sind”. Weiterhin spricht Leyhausen von den Beobachtungen verschiedener Verhaltensforscher, die feststellen, wie Raum-Enge die muetterliche Fuersorge von Maeusen, aber auch von Menschenmuettern negativ beeinflusste. “Dies”, faehrt er fort, “wirkt sich stoerend auf die ganze Charakterentwicklung des Kindes aus, fuer die richtige muetterliche Obhut und Liebe im Kleinkindalter so ausserordentlich wichtig sind”. I »»■>»» ifffgfif ®ÜH ti& r-yOlí'!« "Tomas" auch in Israel: (Starphot, Tel Aviv) Verschiedentlich besetzten jüngere Ehepaare aus misslichen Wohnverhaeltnissen Wohnungen, die für Neueinwanderer bereilstehen. SOZIALE UEBERFORDERUNG “Entgegen den landlaeufigen Meinungen”, sagt er, “beruht die Gefahr der Ueberbevoelkerung nicht ausschliesslich und schon gar nicht primaer auf der Schwierigkeit, Nahrung und Obdach zu schaffen. Sie beruht vielmehr darauf, dass bei immer weiter steigender Bevoelkerungsdichte die Toleranzgrenzen der Individuen fuer die unausweichliche, dauernde Naehe anderer Menschen ueberfordert werden”... Eine der uralten Eigenheiten des Menschen sei, dass er eigentlich nur fuer das soziale Leben in kleiner Gruppe tauge, weitgehend von dem Wunsche beherrscht sei, allein zu sein, und auf staendige soziale Ueberforderung mit allen moeglichen Mangelerlebnissen, Verdraengungen, Aggressionen und Aengsten reagiere. Leyhausen spitzt seine Schluesse dann bis zu der Behauptung zu, dass bei einer Bevoelkerungsvermehrung in dem jetzt von Statistikern errechneten Masse in weniger als hundert Jahren “die Haelfte der Bevoelkerung aus Psychiatern bestehen (werde), welche die Neurosen der anderen Haelfte behandeln”. Ueber die Gefahr der Urbanisierung, des Zusammengedraengstseins in Millionenstaedten oder in Randstaedten, die sich als “Betonkaefige” tief in das gruene Land hineinfressen, wurde ausfuehrlich auf der Pariser Tagung diskutiert. Statistische und experimentelle Untersuchungen zeigen, dass mit dem Anwachsen der Staedte die Zahl der Verbrechen steigt — sei es, weil die Masse dem Einzelnen das Bewusstsein der Anonymitaet gibt, sei es, weil er auf die Ueberforderung durch erzwungenes Leben in laermender Umgebund neurotisch reagiert. Unter den Sorechern der Tagung seien drei Wissenschaftler aus asiatischen Laendern hervorgehoben, deren Beobachtungen Licht auf unsere eigenen Verhaeltnisse werfen. Dr. Ali Kemal, Professor fuer Psychiatrie an der Universitaet Bagdad, einer Stadt mit zwei Millionen Einwohnern, von denen die Haelfte in den letzten Jahrzehnten aus laendlichen Gebieten zuzog, wies darauf hin, dass unter den Neu-Zugezogenen die Kriminalitaet am staerksten sei. — Gleiches berichtete Dr. Shih K. Mitra, Dozent der Psychologie an der Universitaet Kalkutta. Er versuchte aber zu erklaeren, es handele sich um Folgeerscheinungen des Uebergangs aus dem Dorf (in dem Jeder den Anderen kennt) in die Anonymitaet der grosstaedtischen Masse. — Unserer eigenen Situation wohl am meisten entsprechend war die Darstellung des Dr. D. B. Lubis von der psychiatrischen Abteilung der medizinischen Fakultaet der Universitaet Indonesiens: In seinem Land sei die Grosstadt ein Zentrum westlicher Kultur. Wenn bei ihnen der Bauer sein Hab und Gut verkaufe, um nach Djakarta zu gehen, bedeute das nicht nurUmzug in die Stadt, sondern in eine voellig andere Kultur, in die er sich eingewoehnen muesse. Ihm zustimmend ergaenzte der Konferenzleiter Dr. David Hamburg (Chef der psychiatrischen Abteilung der Stanford Universitaet in Kalifornien) diese Beobachtung dahin, dass dies nicht nur die Landbewohner treffe. Die Staedte verwandelten sich gegenwaertig so rapide, dass selbst die dort Grossgewordenen sich nur noch muehsam in ihnen zurechtfaenden. “Meine Stadt ist heute verschoenert und modernisiert. Doch ich habe jede persoenliche Beziehung zu ihr verloren. Mir fehlen die farbenfreudigen Gewaender der Zigeunerinnen. Ich finde die alte Negerkirche mit dem'laut haemmernden Klavier nicht mehr. Man hat mir meine ganze Vergangenheit genommen”. Viele von unseren Einwanderern, vor allem die aus orientalischen Laendern, werden aehnliche Empfindungen zu verdraengen haben, an denen sie leiden, und die, wenn die kaum verheilten Wunden unvorsichtig von Anderen beruehrt werden, in Aggression Umschlägen. M. T.-P. ("MB", Tel Aviv) ELRY - FAJAS Ropa Interior Fina MONEDA 858 - FONO 716163 Die “Unbesungenen” Helden Kalriel Kaiz Praesident des JAD WASCHEM. Bei Jad Waschern wurde von Dr. Arje Bauminger, einem hohen Beamten des Erziehungsministeriums, ein Buch über die Nicht juden herausgegeben, die unter dem Regime der Nazis Juden geholfen oder Juden gerettet haben. Eine Sammlung solcher Faelle steht in allen israelischen Schulbibliotheken. Einejetzt erweiterte Ausgabe erschien in englischer Sprache unter dem Titel “Roll of Honours”. Der Autor der “Ehrenliste” ist selber mit neun Schicksalsgenossen von einem christlichen Bauern in Litauen versteckt worden und empfing regelmaessig Lebensmittel von ihm. Der Ehrenliste setzte Aussenminister Abba Eban ein Vorwort voraus, dass sie “als ein Ausdruck tiefer Dankbarkeit und Ehrerbietung für alle die rechtschaffenen Menschen, die ihr Leben riskiert haben, um jüdische Menschen zu retten, zu verstehen sei, in einer der tragischsten Epochen in der Geschichte des jüdischen Volkes. In dem Buch sind Berichte von Errettungen aus 20 Laendern aufgenommen worden, und zwar nur solche, die durch Aktenmaterial oder Zeugenaussagen, bei Jad Waschern niedergelegt, bezeugt sind. Es zeigt sich, dass diese Menschen aus den verschiedensten sozialen Schichten stammen. Bei Jad Waschern besteht eine Abteilung, die die Ehrenliste erstellt und die dazugehörige Dokumentation übernommen hat. Man versucht auch durch Einladungen die lange unbekannten und “unbesungenen Helden” nach Israel einzuladen und sie mit ihren ehemaligen Schützlingen zusammenzubringen. Or. CLAUDIO LEHMAIUIU Innere Medisin Rheumatologie Sprechstunde von Montag bi* Freitag von 18 bi« 20 Uhr, nach vorheriger Anmeldung. Bonen Rivera 2354 Telephon: 43118 Marcos Wisch S. Irene Weissmann de Wisch KINESIOLOGOS Rehabilitación en general Consulta: Las Achiras 2960 Pocuro - Amapolas Fonos: 253336 - 289879