Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXXIII (1971)
- Issue
- 10 (Octubre 1971)
- Date
- 1971-10-01
- Page
- Seite 20 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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20 BOLETIN INFORMATIVO OCTUBRE 1971 ARABER BOYKOTTIEREN ARABER Nur ein arabisches Land, das er lieber nicht nennen wolle, habe den Vorschlag gemacht, den Import aus den besetzten Gebieten nach Jordanien zu boykottieren, erklaerte der Buergermeister von Bethlehem, Elias Bandak. Auch ohne dass er den Namen nannte, wusste jeder, wen meinte: Libanon. Seit dem Sechs Tage-Krieg von 1967 hat Israels “Politik der offenen Bruecken” der Bevoelkerung der besetzten Gebiete ermoeglicht, ueber die Bruecken des Jordanflusses weiterhin Handel mit dem Haschemitischen Koenigreich und von dort mit der arabischen Welt zu treiben. Der Export von Zitrusfruechten, Gemuesen und anderen landwirtschaftlic h e n Produkten, aber auch einiger Industrieerzeugnisse vom Israel-kontrollierten Westufer und Gazastreifen nach Jordanien belief sich in den letzten zwoelf Monaten auf 20 Millionen Dollar. Die Konkurrenz im Libanon verlangt, dass die Araber die Bruecken sperren, unter dem Vorwand, auf diesem Wege wuerden auch israelische Waren in die arabischen Laender geschleust. Im naechsten Monat wird die Arabische Liga zusammentreten, um ueber Libanons Antrag zu entscheiden. Dem Direktor des arabischen Boykott- Bueros, dem aegyptischen Rechsanwalt Mohammed Machmud Mahgoub, ist nicht ganz wohl dabei. Obwohl seine Organisation, mit Hauptquartier in Damaskus, die Unterstuetzunz von 18 arabischen Staaten geniesst, war sie in ihrem zwanzig] aehrigen Bemuehen, Israels Welthandel abzuschnueren, nicht gerade erfolgreich. Nunmehr eine Million palaestinensischer Araber, die unter israelischer Verwaltung leben, in diesen Boykott einzubeziehen, erscheint psychologisch und praktisch ein zweifelhafter Schritt. Bereits jetzt haben die israelischen Behoe r d e n Beschraenkungen fuer die Einfuhr aus den besetzten Gebieten nach Israel erleichtert, um die arabischen Bauern dafuer zu kompensieren, dass ihre Produkte zwar noch nach Jordanien, aber von dort nicht mehr nach Syrien und dem Irak ausgefuehrt werden, seitdem die syrisch-jordanische Grenze geschlossen ist. Sollte sich die Arabische Liga fuer einen Boykott entscheiden, so wird Israel den besetzten Gebieten seinen Markt oeffnen und durch Aufhebung aller Restriktionen sie fuer den Verlust des Geschaeftes mit den arabischen Nachbarn zu entschaedigen suchen. Dadurch wuerde ihre Wirtschaft mit der Israels noch enger verbunden werden — ein Ergebnis, das sicher nicht im Sinne der Arabischen Liga ist. Ein weiteres Problem stellt die abweichende Haltung Jordaniens dar. Der jordanische Wirtschaftsminister Omar Nabulsi machte klar, dass er das von den Israelis besetzte Westufer nach wie vor als jordanisches Territorium ansieht, und daher Sanktionen gegen jordanische Produkte nicht zustimmen wuerde. Nicht nur Patriotismus, mehr noch oekonomische Notwendigkeit haben diese Erklaerung diktiert: Jordanien, durch seinen Konflikt mit Syrien von der arabischen Welt — bis auf Saudiarabien — abgeschnitten, braucht den Import aus den besetzten Gebieten mehr als diese den jordanischen Markt benoetigen. Auf diesem Hintergrund fand juengstens eine interessante Konferenz statt — zum ersten Mal konnten sich die Buergermeister und Ortsvorsteher des Westufers einigen, eine Sache, die sie gemeinsam angeht, gemeinsam zu besprechen, und so kamen sie mit Genehmigung der israelischen Behoerden in der roemischkatholischen Kirche des Dorfes Bet Sahour bei Bethlehem zusammen. Repraesentan t e n des Gazastreifens wurde von der Militaerverwaltung die Teilnahme verweigert. Vierundzwan z i g Vertreter oertlicher Gemeinden, darunter einflussreiche Persoenlichkeiten wie der Buergermeister von Hebron Scheich Ali Ja’ abari, beschlossen nach einer dreistuendigen erregten Sitzung den ehemaligen jordanischen Kriegsminister Anwar Nusseinbeh, der jetzt in Jerusalem wohnt, und den Buergermeister der groessten Stadt des Westufers, Hikmat el Mazri aus Nablus, nach Kairo zu entsenden, um die betreffenden Instanzen von der Notwendigkeit zu ueberzeügen, die Palaestinenser in den be- H0M0E0PATH1SCHE APOTHEKE Central de Homeopatía Hahnemann Santiago, Sto. Domingo 1022 - TeL 88290 VolLttaendigeA Lager an Homoeop&thischen Medikamenten. Bneeher ueber Homoeopathie. Importierte und chilenische Heilkraeuter WERNER SCHNITZLER S. CONTADOR COLEGIADO N<? 4000 Conlabilidad - Leyes Sociales - Leyes Tributarias RIO JACHAL 1454 — TEL. 371755 Von Herbert Freeden (Jerusalem) setzten Gebieten zu unterstuetzen und ihnen nicht die Exportmoeglich eiten abzuschneiden, mit anderen Worten, die Arabische Liga zu ersuchen, den strittigen Punkt von der Tagesordnung zu streichen. Obwohl die Militaerbehoerden der Buergermeister-Konferenz die Auflage erteilt hatten, sich auf wirtschaftliche Probleme zu beschraenken und keine politischen Fragen zu eroertern, war diese Zusammenkunft als solche bereits ein Politikum, das nicht zu uebersehen ist. Man denkt sogar daran, diese Konferenz zu einer staendigen Einrichtung zu machen, zu einer Art “Parlament” und ihre Teilnehmerzahl auf 100 zu erhoehen, um zumindest in lokalen Fra-- gen ein groesseres Mass von Selbstbestimmung zu erlangen. In der jungen Generation der Araber wurden allerdings Zweifel laut, ob jene Notablen, die seit Jahren den munizipalen Verwaltungen vorstehen, wirklich als die politischen Vertreter der Bevoelkerung gelten koennen. Koenig Hussein duerfte an der Konferenz kaum Freude gehabt haben. Waehrend er immer noch vom “jordanischen Volk zu beiden Seiten des Jordanflusses” spricht, bezeichneten sich die Teilnehmer als Repraesentanten des “palaestinensisc h e n Volkes”. Die Tendenzen fuer eine Autonomie waren in der Konferenz offenbar vorherrschend. Der Absage an Koenig Hussein folgte die Absage an Israel. Hebrons Ali Ja’abari bemerkte einem Journalisten gegenueber, waere es gestattet gewesen, politische Fragen aufzuwerfen, so haetten sie “die Beendigung der Militaerverwaltung auf dem Westufer” diskutiert. El Fatach jedoch sieht in der Buergermeister-Konferenz eine gemeinsame Verschwoerung von Israel und Jordanien und ruft die Bevoelkerung auf, diese Repraesentaz zu boykottieren — eine neue Variante des arabischen Boykotts. VINA DEL MAR HELENE MISCH 1 Poniente 239 Tel. 882146 - Casilla 829 Abierto todo el año. Cada pieza con baño exclusivo. Piezas de 2 ó 3 camas E° 51,— de 1 cama E° 67,50 incluidos desayuno e Impuesto. Almuerzo - Comida - Once RESIDENCIAL MICI M0LNAR empfiehlt ihren vollkommen renovierten Betrieb Av. Libertad 325, Fono 882634 Viña del Mar Nuevo número del Teléfono 222793 SCI B'ne Jisroel DIE “JEWISCH DEFENCE LEAGDE” So umstritten die Jewish Defence League und ihr Gründer und Führer, der 38 Jahre alte Rabbi Meir Kahane, sind — darüber besteht kein Zweifel, dass ihnen die in den Vereinigten Staaten besonders hochgeschaezte und überschaetzte “Publicity” in den Massenmedien reichlich zuteil wird. Es ist offenbar das Ziel der Liga, durch die Provokation von Konflikten und andere Tagessensationen staendig Aufssehen zu erregen. Die Objekte ihrer Aktionen umfassen etablierte jüdische Organisationen, militante Negerorganisationen, arabische Diplomaten, Funktionaere der Sowjetunion und deren Familienmitglieder. Die Methoden bestehen aus Gewaltdrohungen, Behelligungen und unflaetigen Beschimpfungen, den Einsatz von Maeusen und aehnlichen Schocktaktiken. Mitunter lehnt die Liga die Verantwortung für Aktionen terroristischen Charakters ab, ohne sich jedoch von ihnen eindeutig zu distanzieren. Diese Praktiken werden von den seriösen jüdisch-amerikanischen Organisationen — Bne Brit und dessen Anti-Defamation League, dem American Jewish Committee und dem American Jewish Congress — scharf verurteilt. Ihnen zufolge handelt es sich bei der Jewish Defence League um eine zwar lautstarke, aber unrepraesentative Aussenseitergruppe. Man hat auch herausgefunden, dass sich Kahane eine Zeitlang den neutralen Namen Michael King zugelegt hatte und sogar mit zwei Namen, Michael King und Meir Kahane, als Mitverfassern eines Buches über das jüdische Interesse am Vietnam-Konflikt in die Öffentlichkeit zu treten suchte. Uber die Hinter - maenner und Geldgeber waehrend dieser Periode seines Wirkens laesst der sonst keineswegs schweigsame Rabbiner nichts verlauten. Diese und andere saltsame Fakten aus seinem Vorleben haben aber Kahanes Geltung als einer ebenso umstrittenen wie vielbeachteten Figur im amerikanisch-jüdischen Leben keinen Abbruch getan. Sein Aufstieg begann vor etwa drei Jahren. Er veröffentlichte damals regelmaessig Beitraege in der “Jewish Post”. Die Leserschaft dieser Zeitung rekrutiert sich vornehmlich aus Juden, die noch in bestimmten New Yorker Distrikten leben oder vor nachrückenden Negern und Puertoricanern das Feld geraeumt haben. Waehrend die jüdischen Repraesentativorganisationen grundsaetzlich zu einer liberalen und kooperativen Haltung gegenüber “schwarzen” und anderen benachteiligten Bevöikerungsgruppen neigen, besteht in Kreisen der unmittelbar Betroffenen Unwille und Furcht vor diesen Elementen. Rabbi Kahanes Aufruf an Jugendliche zur gewaltsamen Gegenwehr fand zweifellos Widerhall, über dessen Intensitaet die Ansichten auseinandergehen. Jedenfalls wurde damals die Basis zur “Jewish Defence League” gelegt. Uber ihre Mitgliederzahl gibt es keine zuverlaessigen Schaetzungen. Ihr Anspruch, es gehörten ihr bis zu 12.000 Personen an, wird als hochgradig übertrieben angesehen. Der Liga ist aber die Errichtung von Ortsgruppen ausserhalb New Yorks, ja sogar auch in Kanada, gelungen. Die für die Aufrechterhaltung des Organisationsapparates erforderlichen Mittel — die Schaetzungen des Jahresbudgets bewegen sich zwischen 150.000 und 70.000 Dollar — können nicht von den zumeist jugendlichen Teilnehmern an den Aktionen der Liga stammen, sondern von wohlhabenden Erwachsenen, die mit Kahanes Taktik und Praktiken sympathisieren. Ausserdem wird er vielfach zu Vortraegen von Synagogengemeinden eingeladen, deren Mitgliederschaft auf den streitbaren, übrigens persönlich als manierlich geltenden Rabbiner so neugierig ist, dass sie das für ein einmaliges Auftreten geforderte Honorar in der Höhe von 300 Dollar entrichtet. Kahanes Losung ist sehr einfach: “Never again!” Niemals wieder sollen Juden ihren Feinden widerstandslos zum Opfer fallen, wie dies in Europa waehrend der nationalsozialistischen Unterdrückung der Fall gewesen sei. Dass es damals auch heroische Widerstandsaktionen und zahllose Proteste gab; dass die derzeitige Situation in den Vereinigten Staaten von jener grundverschieden ist, die vor drei Jahrzehnten in Mittel — und Osteuropa bestand; dass Anflegeleien und Taetlichkeiten keineswegs heldenhaft sind — derartigen Erwaegungen sind offenbar eine erhebliche Zahl junger und nicht mehr so junger amerikanischer Juden nicht zugaenglich. Sie ahmen vielmehr das Gehaben solcher militanter Protestgruppen wie der “Schwarzen Panther” nach und waehnen, der jüdischen Sache im allgemeinen“ und sogar dem Sowjetjudentum einen Dienst zu erweisen, wenn sie den amerikanischen Behörden durch Befestigung sowjetischer Funktionaere Verlegenheit bereiten. Nicht nur fanatische Anhaenger Kahanes glauben, die Aktionen haetten die Sowjetbehörden dazu veranlasst, die Zahl der Auswanderungsbewilligungen für Juden zu erhöhen. Für das jüdische “Establishment” stellt die Liga eine arge Verlegenheit dar. Man nimmt allerdings vielfach an, die von Kahane mit offenkundigem Geschick hochgespielte Propaganda werde abflauen, wenn sich die sachliche Belanglosigkeit seiner Geschaeftigkeit'herausgestellt haben und der Reiz des Ungewöhnlichen verblasst sein werde. Aber die etablierten jüdischen Organisationen werden wohl in Hinkunft sorgsamer auf das Unbehagen und die Atmosphaere der Unsicherheit zu achten haben, die in einem erheblichen Teil des amerikanischen Judentums besteht, damit es nicht von “Fuehreraehnlichen Typen in die Irre geleitet werde. (Israelitisches Wochenblati, Zürich)