Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXXIII (1971)
- Issue
- 9 (Septiembre, 1971)
- Date
- 1971-09-01
- Page
- Seite 22 (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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22 BOLETIN INFORMATIVO SEPTIEMBRE 1971 WAHRE GESCHICHTEN UM RABBI LOEWS GRAB Ich war sieben Jahre Fremdenführer auf dem alten Jüdischen Friedhof in Prag und konnte die Verehrung feststellen, die Juden und Nichtjuden dem Hohen Rabbi Löw entgegenbringen. Manch ernste und manch lustige wahre Begebenheit kann ich erzaehlen, denn viele Leute glauben heute noch an die Wundertaetigkeit des Golemschöpfers. Ich muss durch meine Artikel über Mary Shelley’s Inspiration, die aus der Golem-Fabel ihren Frankenstein-Roman formte, auch in der Schweiz bekannt geworden sein, denn eines Tages bekam ich einen Brief eines Schweizer Invaliden, der mich bat, einen beigelegten geschlossenen Brief in die Steinspalte der Tumba zu werfen, wobei er einen Zehnfrankenschein beilegte. Ich habe natuerlich das Ansuchen erfuellt. Einst führte ich eine Gruppe von Pragern und sagte, dass so viele Juden ihre Wunschzettel in die Grabspalte zwischen zwei Platten einwuerfen. Da sagte ein Frau zum Erstaunen aller: “Rabbi Löw erfüllt jeden gerechten Wunsch. Ich habe, da ich wegen einer Wohnung schon dutzendmal vergeblich beim Wohnungsamt interveniert hatte, eine Bittschrift hier eingeworfen und binnen einer Woche erhielt ich vom Amt die Wohnung.” Eines Tages kam ein Herr zu mir, er stellte sich als Schweizer vor, aber sein Deutsch hatte keinen Schweizer Akzent. Er gab zu, aus Russland illegal ausgewandert zu sein, deklarierte sich als Jude und weihte mich ein: Sem Bruder, Arzt in Odessa, kaeme heute mit einer offiziellen Intourist-Gruppe aus Moskau nach Prag und am naechsten Tag werde die Gruppe auf den Friedhof geführt werden. Ich solle ihm das Grab des Maharal zeigen, weil er dort seinen Bruder unauffaellig sehen wolle. Isaac Stern, der grosse jüdische Violinist, kam nach Prag und spielte am Abend im Künstlerhaus. Es war ein Sommemachmittag, ich wollte meine Führung beschliessen, er aber sagte mir, ich solle alles erzaehlen, was ich wuesste, denn er hatte in den Erinnerungen einer Tschecho-Amerikanerin, der Metropolitan—Saengerin Destin, gelesen, dass sie diesen jüdischen Friedhof besucht habe, um die richtige Inspiration für die Rolle der Jüdin in der gleichnamigen Oper zu bekommen. Es blieb Isaac Stern nur wenig Zeit zum Kleiderwechsel im Hotel. An einem anderen Spaetnachmittag kam von einem in Prag versammelten wissenschaftlichen Symposion eine Gruppe von Wissenschaftern, um noch rasch vor Torschluss dass Grab des Maharal zu besuchen. Ich erklaerte den Wienern kurz die Golem-Sage durch einen Hinweis auf den Roman von Gustav Meyrink, den Anglosachsen mit einem Hinweis auf das Frankenstein-Monster, nur die Japaner verstanden diese Erklaerung nicht. Also sagte ich kurz: Der Golem war der erste Roboter und Rabbi Löw eigentlich der Vater der Kybernetik! Darauf trat ein aelterer Herr mit Spitzbart auf mich zu und sagte: “Mein Sohn! Ich bin der Vater der Kybernetik”. Es war tatsaechlich Professor Dr. Norbert Wiener. Ich erhielt sein Bild mit Widmung und Unterschrift, musste jedoch vesprechen, künftighin Rabbi Löw nicht den Vater, sondern den Grossvater der Kybernetik zu nennen. Leo Brod Dr. Alfred Hirschberg (Sao Paulo) 70 Jahre Am 27. September vollendet Dr. Alfred Hirschberg, Sao Paulo, das 70. Lebensjahr. Zweifellos gehoert er zu den bedeutendsten Persoenlichkeiten des juedisch-oeffentlichen Lebens in Suedamerika. Dr. Hirschberg, geboren zu Gnesen als Lehrerssohn, studierte in Leipzig und promovierte im Jahre 1927. Schon sehr frueh war er ein eifriger Mitarbeiter des juedischen Centralvereins, in welchem er zum Syndikus (1933) und Chefredakteur der “C.V.-Zeitung” aufrueckte. In den schweren Jahren der Nazidiktatur gelang es ihm, seine ihm ans Herz gewachsenen Organisation ueber die bekannten ungeheuren Schwierigkeiten von damals hinwegzufuehren und auszuharren, solange dies noch irgendwie sinnvoll erschien. Doch auch ihm blieben die Leiden des Konzentrationslagers nicht erspart. Dann, auf Umwegen, vermochte er mit den Seinen 1940 nach Brasilien zu gelangen, wo fuer ihn ein neues Leben begann. Dr. Hirschberg wurde einer der wichtigsten Gemeindeleiter, Herausgeber des Gemeindeblattes “Crónica Israelita”, stand jahrelang an hervorragender Stelle in der Israel-Arbeit, wirkte erfolgreich fuer die Loge “Bene Berith” und trug dazu bei, das “Erbe” des einstigen deutschen Judentums in der “CENTRA’ und im “Leo Baeck-Institut” lebendig zu erhalten, das Vermaechtnis einer grossen Vergangenheit der neuen juedischen Generation naeherzubringen. Alle unsere Menschen, die den Vorzug hatten und noch haben, mit Dr. Alfred Hirschberg fuer die gemeinsamen juedischen Ideale zu wirken, bewundern seinen juedischen Enthusiasmus, sein fundamentales Wissen und die Bereitschaft, immer zur Verfuegung zu stehen, wenn die juedische Welt ihn, seinen weisen Rat, benoetigt. Sie alle gratulieren dem menschlichen und juedischen Vorbild, das er darstellt, und wuenschen ihm viele gesegnete Jahre im Kreise der Familie und zum Wohke der juedischen Gemeinschaften unserer Laender. C. W. Unigemuetliches Aus Oesterreich Maerz 1938... “Ein Volk, ein Reich, ein Fuehrer!”, jubelten damals Hunderttausende von Oesterreichern. In ihrem Begeisterungstaumel vereinten sich Massenhysterie und das Bestreben, sich an den Nationalsozialismus anzupassen. Vom goldenen Wiener Herzen und der vielbesungenen Gemuetlichkeit merkten vor allem jene nichts, gegen die sofort aus politischen oder “rassischen” Gruenden in so brutaler Weise vor gegangen wurde, dass die reichsdeutschen “Befreier” vielfach erstaunt und sogar angewidert waren. Bereits in den ersten Tagen nach dem Einmarsch deutscher Truppen wurden etwa sechzigtausend Oesterreicher verhaftet, und es begang die grausame Misshandlung juedischer Mitbuerger, von denen viele durch Selbstmord endeten. Ueber die Geschehnisse in jenen boesen Tagen schreibt der Zeitgeschichtler Hellmut Andics in seinem Werk “50 Jahre unseres Lebens — Oesterreichs Schicksal seit 1918”: “Den radikalen Zug brachten die oesterreichischen Antisemiten selbst in die Loesung des Judenproblems. Der Anstoss zur Judenverfolgung... ging von jenen Beutemachern des Ungluecks aus, die noch jeder Umsturz an die Oberflaeche gespuelt hat. Politische Ueberzeugung spielte dabei kaum eine Rolle; eine Ideologie wurde nur als Vorwand fuer nackten Raub benuetzt. Eine Unterwelt, die hinter der Fassade biederer Buergerlichkeit latent auf die Chance zum eintraeglichen Fischzug wartete, mobilisierte sich im Maerz 1938 zur Pluenderung”. Diese “Unterwelt” hatte allerdings einen erstaunlich weiten Umfang und Rueckhalt im Verwaltungsapparat, in Wirtschaft, Wissenschaft und Kunst und in den freien Berufen. Nur ein Bruchteil ihrer Beute wurde nach dem Zusammenbruch des Dritten Reiches und der Wiederherstellung Oesterre i c h s den ueberlebenden Opfern der Verfolgung zurueckerstattet. Fuer eine gemaesse materielle und moralische Wiedergutmachung des zugefuegten Unrechtes mangelte es an gutem Willen und Verantwortlichkeitsgefuehl. Maerz 1971... Anlaesslich der Wiederkehr des Jahrestages der Okkupation wurde im Oesterreichischen Fernsehen ein Programm unter dem Titel “Der junge Hitler” gesendet. Gegen diese “sehr eigenartige Form des Gedenkens” protestierte in seltener Einmuetigkeit die Arbeitsgemeinschaft der KZ-Verbaende und Wider standskaempf er Oesterreichs, die sich aus den Organisationen von Angehoerigen der Sozialistischen Partei und der Oesterreichischen Volkspartei sowie von Kommunisten und ihnen Nahestehenden zusammensetzt. Ihr Protest richtete sich dagegen, dass man sich darauf beschraenkt hatte, zu zeigen, wie sich die Geschehnisse im Maerz 1938 noch immer “in einer Minderzahl von verkalkten Gehirnen und von Gestrigen widerspiegeln. .. Nicht ein einziges Opfer hatte die Moeglichkeit, in dieser Sendung ueber die grauenhaften Verbrechen des Nazi-Regimes zu berichten”. Missbrauch des Radios Die Arbeitsgemeinschaft der Opferverbaende prangerte die Sendung als “Missbrauch des Oesterreichischen Rundfunks fuer verkappte Nazi-Propaganda” an. Der amtlichen “Wiener Zeitung” zufolge war diese geharnischte Protestresolution zu erwarten. Das im Jahre 1703 gegruendete Blatt ist in Stil und Geisteshaltung keineswegs verzopft und zeichnet sich durch erhebliche Zivilcourage aus. Seinem kritischen Kommentar ist zu entnehmen, dass in der Fernsehsendung die Periode 1938-1945 als “glueckliche Jahre” gepriesen wurde. Es wurde auch unter anderem ein “Histoerchen” zum besten gegeben, wie man damals einen Juden beim “Fuehrereinzug” zur festlichen Illumination seines Geschaeftes gezwungen habe. Die “Wiener Zeitung” macht Autor und Regisseur des Programms zum Vorwurf, sie haetten nicht ueber ein Minimum von politischem Taktgefuehl verfuegt. Dies ist ein allzu sanfter Tadel, ungleich milder als die wahrscheinlich ueberscha r f e Beschuldigung verkappter Nazi-Propaganda. Die Suche nach den Schuldigen im skandaloesen Einzelfall ist eine inneroesterreichische Angelegenheit. Von weiterem Belang ist es, dass den fuer Bildung der oeffentlichen Meinung in Oesterreich Verantwortlichen offenbar die elementare Einsicht in die Verwerflichkeit des nationalsozialistischen Schandregimes und die aus einer solchen Einsicht resultierende Ueberzeug u n g abgeht, man sei verpflichtet, dies vor allem der jungen Generation bewusst zu machen. Das schlechte Beispiel geben opportunis ti s c h e Politiker. Dass sich im Vorjahr Bundeskanzler Kreisky einen Funktionaer der SS, der noch vor Maerz 1938 illegal aktiver Nationalsozialist gewesen war, als Minister aussuchte und diesen Missgriff verteidigte, war eine recht peinliche Bekundung mangelnden politischen und sonstigen Fingerspitzengefuehls, die durch die Demission des Ministers aus Gesundheitsgruen den bereinigt wurde, aber noch nicht vergessen ist. Einige Monate spaeter wurde von den Behoerden die Vorfuehrung eines aus der Aera des Dritten Reiches stammenden und in dessen Geist konzipierten Heimatfilmes gestattet und erst auf Grund von Protestkundgebungen vorzeitig been d e t. Derartige Missgriffe sind dazu angetan, bei jungen Menschen den Eindruck hervorzurufen, der nach Ansicht der Opferverbaende insbesondere durch die juengste Fernsehsendung geschaffen wird: es duerfte unter Hitler gar nicht so schlimm gewesen sein. Hier sollte nun die Gemuetlichkeit aufhoeren Denn die Gefahr besteht, dass man mit Verniedlichung und Beschoenigung letztlich der Verherrlichung eines Regimes den Weg ebnet, das durch Konzentrationsl a g e r, Gaskammern und unsaegliches Massenelend gekennzeichnet ist. Es gibt zwar in Oesterreich Einrichtungen wie ein Institut fuer Zeitgeschichte und das Dokumentationsarchiv des oesterreichischen Widerstandes; aber die Bemuehungen um die Vermittlung sachgerec hter Vorstellungen von der Hitler- Aera koennen nur allmaehlich jenen verhaeltnismaessig kleinen Teil der Bevoelkerung erreichen, der zur Konfrontation mit einem so unruehmlichen Kapitel der eigenen Vergangenheit bereit ist. Ueber eine ungleich staerkere Massenwirkung verfuegen Radio und Fernsehen. Es ist mit Unbehagen und Besorgnis festzustellen, dass dieses Massenmedium bei einem so wichtigen Anlass, wie es das Gedenken an den Maerz des Unheilsjahrs 1938 ist, bei seiner Aufgabe, im Dienste der Aufklaerung taetig zu sein, arg gefehlt hat. fbl (Isr. Wochenblatt, Zuerich) BLUSAS FALDAS ‘L- &**'.. «f »v * \ Wir beraten Sie unverbindlich bei der Zusami i menstellung Ihrer Reisen im In- und Ausland. \ i Hotel Reserven-Ausfluege-Passagen;; Guenstige Zahlungsbedingungen! 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