Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXXIII (1971)
- Issue
- 8 (Agosto, 1971)
- Date
- 1971-08-01
- Page
- Seite 17 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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AGOSTO 1971 BOLETIN INFORMATIVO 17 UMSCHAU VEREINIGTE STAATEN Negerfuehrer ruegt die Diskriminaiicn von Juden Ein Fuehrer der Bewegung fuer die Rechte der Neger, Bayard Rustin, erklaerte an der nationalen Tagung der juedischen Frauenorganisationen in Detroit, die “Black Panthers” repraesentierten nur einen kleinen Teil der schwarzen Amerikaner, gleich wie es auch fuer die “Juedische Verteidigungsliga” der Fall sei, die nur eine verschwindend kleine Gruppe der amerikanischen Juden vertrete. Er aeusserte die Meinung, dass beide Minoritaeten — Juden und Neger — Opfer von Verfolgungen, Ungerechtigkeit und Diskrimination waren und es noch sind. Sie seien deshalb gleichermassen interessiert an der Erhaltung der Demokratie und dem Ausbau der sozialen Rechte, wofuer man bereits gemeinsame Aktionen unternommen habe. Keine fortschrittliche soziale oder politische Bewegung koenne ohne die enge Zusammenarbeit von Juden und Negern von Erfolg begleitet sein. NORMAN BENTWICH ¡stun üüs HÜ «¡Ü Sali siÄ ^¡lüÜijl ¡1É n mm§ ÄS V *'}* *: ■ ÍV Ê£$Èêà , \ irvV illüÉi : -'v HILFE FUER DIE ARMEN MUSS VERSTAERKT WERDEN Der designierte Praesident der Central Conference of American Rabbis, David Polish (Evanston, 111.), ermahnte die juedische Organisationen in den USA, den Dienst an den Tausenden von armen juedischen Familien in den Staedten zu verstaerken. Man habe diesen vernachlaessigten Zurueckgebliebenen einer aus den inneren Quartieren der grossen Staedte ausziehenden juedischen Bevoelkerung vermehrt behilflich zu sein. Rabbiner Polish verlangt die dringende Schaffung von speziell mit dieser Aufgabe betrauten Hilfsstellen in den Rabbinaten, aehnlich wie sie auch in protestantischen und katholischen Kreisen bestehen. Er wies darauf hin, dass die Vernachlaessigung dieser verarmten Schichten die eigentliche Ursache fuer die Entstehung der Jewish Defense League gewesen sei, die sich urspruenglich fuer deren physischen Schutz gebildet hatte. DIE JEWISH DEFENSE LEAGUE BELAESTIGTE BOARD OF RABBIS 21 Mitglieder der Jewish Defense League, der militanten Verteidigungsliga, haben vor kurzem die Bueros des Board of Rabbis in New York gestuermt. Nach unschoenen Auseinandersetz u n g e n hat man sie energisch des Hauses verwiesen und sie wegen Hausfriedensbruch eingeklagt und ihnen “Terrorisierung” des Personals sowie Beschaedigung der Einrichtungen vorgeworfen. Die Leute der JDL wollten mit ihrer Aktion gegen die Ueberfuehrung eines in Haft befindlichen Mitgliedes der Liga, Avraham Herschkowitz, aus einem Gefaengnis in Manhattan in ein Staatsgefaengnis protestieren und verlangten vom Board eine Intervention bei den Behoerden zur Garantierung der Rechte des Haeftlings als orthodoxer Jude. Ein Sprecher der Verteidigungsliga warf den rabbinischen Autoritaeten vor, nichts fuer juedische Haeftlinge zu unternehmen. Herschkowitz verbuesst eine fuenfjaehrige Freiheitsstr a f e wegen Passf aelschung. Er war im September vergangenen Jahres verhaftet worden, als er ein Flugzeug nach London bestieg, wo er — nach Annahme der Untersuchungsorgane — ein arabisches Flugzeug nach Tel Aviv entfuehren wollte. In einer Erklaerung des Board of Rabbis, der sich auch der American Jewish Congress, das American Jewish Committe, die Antidefamation League und der National Council of Women angeschlossen haben, heisst es, die Zeit sei nunmehr gekommen, “solch terroristischen Handlungen Halt zu gebieten”. Die Invasion der JDL wird als “sinnlos” bezeichnet und erinnere an Taktiken von Sturmtruppen. MASSENSCHLAEGEREI IM BROOKLYN-COLLEGE Kuerzlich ist es auf dem Gelaende des Brooklyn-College in New York zu einer Massenschlaegerei gekommen zwischen rund tausend schwarzen und juedischen Studenten. Der Fuehrer der militanten Jewish Defense League, Rabbi Meir Kahane, wird von der Polizei beschuldigt, Anstifter dieser Schlacht gewesen zu sein, bei der Stuehle, Flaschen und Steine als Waffen benutzt wurden. Wie die Polizei festgestellt hat, hatten die Neger einige Tage zuvor eine hebraeische Schallplatte der juedischen Studenten zerbrochen, die diese gespielt haben sollen, “um die Schwarzen zu aergem”. Kahane soll, nachdem er spaeter davon gehoert hatte, erklaert haben: “Wir wollen hinueber gehen und ihnen eine Live-Vorstellung geben”. Hierauf versammelten sich zahlreiche farbige Studenten vor dem Gebaeude, und als die juedische Gruppe erschien, entwickelte sich der Kampf, bei dem es auch mehrere Verletzte gab. JAPAN BESTSELLER EINES GEHEIMNISUNWITTERTEN AUTORS Einer der juengsten Bestseller in Japan ist das Buch “Japaner‘und Juden”, das bereits seine fuenfzehnte Auflage erreicht hat. Obwohl der Verfasser eine Auszeichnung fuer dieses Buch zugesprochen erhalten hat, ist seine Identitaet unbekannt. Als Name wird Isaiah Ben-Dasan angegeben. Eine Vermutung geht dahin, dass es sich um einen in der japanischen Stadt Kobe geborenen und aufgewachsenen Juden handelt, der spaeter in Israel und in den Vereinigten Staaten gelebt hat. Ein Geruecht will davon wissen, dass es sich um einen Agenten handle, der unbekannt bleiben muesse. Wieder andere vermuten hinter dem Verfasser einen Japaner, der sich als Jude ausgibt. Kritiker sind der Auffassung, dass nur ein Mann mit vertieften Kenntnissen sowohl des japanischen wie des juedischen Aspekts Verfasser dieses Buches sein kann. Dass Buch wurde in japanischen, Zeitungen und Zeitschriften ausfuehrlich besprochen und soll bald ins Englische uebersetzt werden. BUNDESREPUBLIK DAS MASSAKER VON BABIJ JAR ERNEUT VOR GERICHT Vor einem Gericht in Regensburg hat kuerzlich ein Prozess begonnen, in dessen Mittelpunkt der Massenmord an Kiewer Juden in der Schlucht von Babij Jar steht. In einem frueheren Prozess vor einem deutschen Schwurgericht waren bereits Anfang 1969 zwei Mittaeter zu relativ milden Freiheitsstrafen verurteilt worden. Der Beihilfe zum Mord und der Mittaeterschaft bei vielfachem Mord angeklagt sind jetzt drei ehemalige Polizeioffiziere: der 79 jaehrige Martin Besser, der 56 jaehrige Engelbert Kreuzer und der 66 jaehrige Fritz Forberg. Den drei vor Gericht stehenden Nazis wird vorgeworfen, im Herbst 1941 bei sogenannten “Saeuberungsakt ionen” in Suedrussland an der Erschiessung von mehr als 40.000 juedischen Kindern, Frauen und Maennern beteiligt gewesen zu sein. Allein in Babij Jar waren an zwei Tagen 33.700 Juden aus Kiew erschossen worden. Der Prozess duerfte ungefaehr drei Monate dauern. Gegen einen vierten Angeklagten, Ex-Oberst René Rosenbauer, ist aus Gruenden der Vernehmungsunfaehigkeit infolge vorgeschrittenen Alters das Verfahren eingestellt worden. BENTWICH 1883-1971 NORMAN BENTWICH 1883-1971 Wenige Wochen nach seinem 88. Geburtstage ist Professor Norman Bentwich am 8. April in London gestorben. Am 13. April wurde er seinem Wunsche entsprechend in Jerusalem, auf dem Oelberg, in der Gruft seiner Familie, beigesetzt. Mit Norman Bentwich hat die zionistische Bewegung, hat die Universitaet Jerusalem und haben vor allem auch die Juden aus Deutschland und Mitteleuropa einen unersetzlichen Verlust erlitten. Ein Mann hat sie verlassen, der in vieler Beziehung ein Helfer war, dem sie ganz ausserordentliches zu verdanken haben, der mit seinem Namen, seinem Ansehen und mit nie ermuedender Tat fast vier Jahrzehnte fuer sie eintrat. Keine Reise und keine Anstrengung war ihm zu viel, wenn es galt zu helfen, wenn man ihn rief, weil man sein Wissen und seinen Einfluss brauchte. Das Leben von Prof. Norman Bentwich hatte in juedischer und zionistischer Hinsicht manche Hoehepunkte aufzuweisen. Als Sohn des-Herzl-Zionisten Herbert Bentwich (1856- 1932) geboren, ging sein Traum, in Palaestina in juedischem, in zionistischem Sinne wirken zu koennen, in Erfuellung. Nach Abschluss seiner juristischen Studien in Cambridge liess er sich schon 1911 zur englischen Verwaltung nach Kairo versetzen, um dem juedischen Palaestina, das er wiederholt besuchte, nahe zu sein. Als waehrend des Ersten Weltkrieges die Truppen General Allenbys in Palaestina einrueckten, war Norman Bentwich dabei. Unter der Administration von Sir Herbert Samuel, des ersten High Commissionar der englischen Mandatsverwaltung, der ein Onkel seiner Gattin war, wurde Bentwich das Haupt der Justizverwaltung in Palaestina. In dieser Stellung schuf er die Grundlagen des Rechtswesens in unserem Gebiet, eine nicht einfache Aufgabe nach der langen Tuerkenzeit. Nach dem Regierungsantritt der Labour- Party unter James G. Macdonald im Jahre 1929 sah er sich stets wachsenden Schwierigkeiten gegenueber, da ihr ein Jude auf so hohem Posten um der Araber willen unerwuenscht erschien. Nach Erlass des Weissbuches durch Lord Passfield wurde ihm angeboten, freiwillig zurueckzutreten und Oberrichter in Zypern zu werden. Bentwich lehnte das ab und wurde daraufhin 1931 aus dem englischen Staatsdienst entlassen. Fuer Bentwich stellte das eine arge Enttaeuschung dar, denn gerade er war stets fuer einen Abbau der Spannungen zwischen der juedischen und der arabischen Gemeinschaft in Palaestina eingetreten. Doch auch nachdem er ein Jahr spaeter zum Professor der Hebraeischen Universitaet berufen wurde, musste er diesen.Gegensatz am eigenen Koerper — schon 1929 war ein Anschlag auf ihn veruebt worden — spueren. Seine Antrittsvorlesung ueber “Jerusalem die Stadt des Friedens” wurde durch revisionistische Studenten gestoert, er konnte sie nicht vollenden, da dieses Thema natuerlich eine Verstaendigung mit den Arabern beinhaltete. Bald aber sollte Bentwich eine andere nicht minder wichtige und verantwortliche Taetigkeit zufallen. Das Jahr 1933 setzte ein und mit ihm der Umbruch in Deutschland. Wieder war es Bentwich, der sich sofort zur Verfuegung stellte. Er wurde der Direktor der “Abteilung fuer deutsche Fluechtlinge” im damaligen Voelkerbundssekretariat, er foerdete die Arbeit des 1936 gegruendeten “Council for German Jewry”, er reiste nach Berlin, dann nach Prag, nach Wien, war immer als erster zur Stelle, wenn durch die Nazis neue Not entstand, und suchte zu helfen, zu raten, wo immer nur er einen Ausweg sah. In dieser Eigenschaft als Helfer der Juden aus Mitteleuropa liess er auch waehrend des Krieges und nach seiner Beendigung nicht nach. Er besuchte die Lager der DPs, er setzte das Gewicht seines Namens ein, wo er Unrecht sah und er kaempfte fuer das Recht, das diesen Fluechtlingen zustand. Ein ganz besonderes Verdienst erwarb er sich als Vorsitzender der United Restitution Organisation (URO), ein Amt, das er bis zu seinem letzten Tage bekleidete. Was er als der Repraesentant dieser Organisation in den vielen Jahren seit ihrer Gruendung geleistet, gewirkt und erwirkt hat, das koennen im Grunde nur die ermessen, die all diese Zeit mit ihm eng zusammengearbeitet haben. Aber auch die, die in den Genuss der Wiedergutmachung gekommen sind, sollten wissen, dass ohne Norman Bentwich vieles nicht erreicht worden oder jedenfalls nicht in dem Umfange durchsetzbar gewesen waere. Prof. N. Bentwich war auch ein vielseitiger und schoepferischer Schriftsteller. Nicht nur auf juristischem Gebiete hat er zahlreiche Buecher geschrieben. Eine Quelle, auch fuer die Geschichte seiner Familie, stellt vor allem seine Autobiographie “My 77 Years” (1962) dar. In den letzten Jahren widmete er neben der URO seine Kraft vor allem dem Ausbau der Hebraeischen Universitaet. Ein selbstloser Mann, erfuellt von echter Hilfsbereitschaft, ein lauterer Charakter, eine wirklich humane Persoenlichkeit — das war Professor Norman Bentwich. Er hat sich bei aller Bescheidenheit seines persoenlichen Wesens ein dauerndes, unausloeschliches Andenken geschaffen bei allen, die durch seine Tätigkeit ein neues Leben aufbauen konnten, die direkt oder indirekt durch sein Wirken beruehrt wurden. Was er getan hat, was er uns war, wir werden ihn und seine Leistung niemals vergessen! HANS TRAMER (M. B. Tel-Aviv) 6399