Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXXIII (1971)
- Issue
- 7 (Julio, 1971)
- Date
- 1971-07-01
- Page
- Seite 18 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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18 BOLETIN INFORMATIVO JULIO 1971 Ein gescheiierier Versuch: ARABISCHER BOYKOTT Nachdem es den Arabern seit Gründung des Staates nicht geglückt ist, die Israelis “ins Meer zu werfen” oder sie politisch zu isolieren, hat die Arabische Liga versucht mit allen nur möglichen Mitteln Israel wirtschaftlich zu ruinieren. Zu diesem Zweck wurde im Jahre 1955 ein zentrales Boykottbüro geschaffen, das von einem aegyptischen Direktor geleitet wird mit dem Ziel, durch wirtschaftlichen “blackmail” Israel wirtschaftlich an den Rand des Abgrundes zu bringen, nachdem es weder auf militaerischem noch politischem Gebiet geglückt ist. Eine weltweite Boykottaktion wurde in Bewegung gesetzt, für die grosse finanzielle Mittel zur Verfügung gestellt wurden. Nach 15 Jahren lebhafter Aktivataet kann festgestellt werden, dass der unter Einschaltung von grossen Gesellschaften und Persönlichkeiten in vielen Laendern unternommene Versuch gescheitert ist. In diesen 15 Jahren hat das Wirtschaftswachstum in Israel Dimensionen angenommen, die mit keinem Entwicklungsland zu vergleichen sind. Der arabische Boykott hat auf vielen Gebieten dazu geführt, dass das Wirtschaftstempo sich erheblich beschleunigt hat. Das Nationalprodukt ist durchschnittlich um 10 Prozent jaehrlich gestiegen. Die Exporte haben im Jahre 19619 einen Betrag von 742 Millionen Dollar erreicht im Vergleich zu 57 Millionen Dollar im Jahre 1953. Die Grundkonzeption des arabischen Boykottbüros, die Welt davon zu überzeugen, dass die Kaufkraft von 14 arabischen Staaten mit einer Gesamtbevölkerung von 100 Millionen gegenüber einer Einwohnerzahl von 3 Millionen in Israel die für Israel wichtigen internationalen Wirtschaftsverbindungen veranlassen würde, ihre Handelsbeziehungen unter arabischem Druck abzubrechen. hat sich nicht verwirklicht. Diese Zahlen mögen auf den ersten Blick ininformierte Wirtschaftskreise beeindruckt haben. Sie haben vielleicht, auch hier und dort Handelspartner, die mit den arabischen Laendern und Israel Geschaeftsbeziehungen pflegen, beeinflusst, Furcht zu haben, von den arabischen Drohungen auf die schwarze Liste des Boykottbüros gesetzt zu werden. Diejenigen Unternehmen, die daraufhin Marktuntersuchungen vorgenommen haben, sind aber zu dem Ergebnis gekommen, dass die Kaufkraft der 100 Millionen Araber als potentielle Verbraucher keinen Vergleich mit dem Lebensstandard und den wirtschaftlichen Bedürfnissen des Dreimillionenvolkes darstellt. Es hat sich nach 15 iaehriger Erfahrung herausgestell, dass in den meisten Faellen diejenigen Unternehmen, die arabische Boykottdrohungen unbeachtet gelassen haben, in der Lage waren, ihre Wirtschaftsbeziehungen zu den Arabern aufrechtzuerhalten und das Handelsvolumen mit Israel zu vergrössern. Internationale Wirtschaftsorganisationen wie GATT, OECD, FEC und EFTA bemühen sich Handelsschranken zu beseitigen und haben die Praxis eines Wirtschaftsboy. kotts verurteilt. Die Berner Konferenz, die euronaeisehe Aussenhandelsversicherungen repraesentiert, hat beschlossen, dass alle Firmen, die den Forderungen des arabischen Boykotts Folge leisten, von jeder Uebernahme eines Risikos bei etwaigen Schaeden oder Verlusten ausgeschlossen werden. Am 2. Dezember 1968 hat das Exekutivkomitee der Internationalen Handelskammer eine Resolution in gleichem Sinne angenommen. Sowohl der Board of Trade in England wie auch das französische Centre National pour le Commerce Exterieur haben Entschliessungen aehnlichen Inhalts gefasst. Von deutschen offiziellen Stellen, sei es der Industrie— und Handelstag oder die Vereinigung der deutschen Handelskammern, ist über Erklaerungen zu diesem Thema bisher nichts bekannt. Der arabische Boykott ist als unzulaessige Praxis einer Drohung und Erpressung zu bezeichnen, von der sich jeder distanzieren sollte. Er verachtet alle Grundsaetze des internationalen freien Handels und kann nur als unethisch und ungesetzlich betrachtet werden. Jeder der sich den Forderungen des arabischen Boykotts unterwirft, beraubt sich selbst einer Freiheit, die zu jedem wirtschaftlichen Liberalismus grundsaetzlich gehört. (Jüdische Wochenzeiiung) Düsseldorf Zwecks Anfertigung von Gardinen und Installationen von Leisten aller Art Klaus Grube yCttUBs Miguel Claro 858 — Telefon 4014b Gerne zeigen wir Ihnen auch Stoffe aus unserem reichhaltigen Lager. ISRAEL - Nach Angaben des Statistirchen Zentralamts erreichte die Zahl der Einwohner Israels am Jahresschluss nahezu drei Millionen Einwohner — genauer: 2,998.000; hiervon waren etwa 2,600.000 Juden. Im vergangenen Jahre wuchs die Landesbevoelkerung um 2,7% — 79.600 Seelen. Der juedische Bevoelkerungsanteil stieg um 2,5% oder 63.100 Seelen. Im Kalenderjahr 1970 wurden bei den juedischen Einwohnern 61.000 Geburten registriert, waehrend es im vergangenen Jahre 58.000 waren. Die Geburtenrate stieg pro 1.000 juedische Einwohner von 22,8 im Jahre 1968, 23,4 im Jahre 1969, auf 24 im Jahre 1970. Der Umbau der Bahnstrecke Tel-Aviv ■— Haifa wurde nach vierjaehrige Bauarbeiten beendet. Auf der 91 km langen Strecke wurden 91.000 Tonnen neue Schienen gelegt und 150.000 Holzschwellen gegen Betonschwellen ausgetauscht. Die Bauarbeiten erforderten IL 17,5 Millionen. Mit der Fertigstellung sind nunmehr die Voraussetzungen fuer eine erhebliche Erhoehung der Geschwindigkeit der Personenzuege auf dieser Strecke gegeben. . Im Laufe des vergangenen Jahres haben die Kibbuzim in Israel 1.850 Neueinwanderer auf genommen. Bisher sind insgesamt 6.000 Araber aus Ost-Jerusalem Mitglieder der Histadruth geworden. Die Regierung hat beschlossen, die Zahl der Krankenhausbetten im Lande um 10% zu erhoehen. Zwischen 1962 und 1969 stieg die Zahl der Krankenhausbetten in Israel von 6,5 auf 7,9 pro Tausend Einwohner. Vergleichswe i s e gab es im Jahre 1962 pro 1.000 Einworner in Aegypten zwei Hospitalbetten, in Jordanien und im Libanon fuenf, in Frankreich acht, in den Vereinigten Staaten und in Grossbritannien zehn und in der Schweiz zwoelf. Nahh einer statistischen Untersuchung gibt es heute 6.691 Aerzte in Israel, von denen 6.100 ihre Praxis ausueben; damit kommt auf je 450 Einwohner ein Arzt. Das Personal der Feuerwehr wird um einhundert Angestellte vermehrt. Jetzt kann man sich in Deutschland in Schwimmbekken aus Israel tummeln. Ein Unternehmen in der Hafenstadt Aschdod, das sich auf Glaswolle spezialisiert, hat soeben einen Auftrag erhalten, hundert Schwimmbecken aus Glasfasern an eine Firma in der Bundesrepublik zu liefern. Diese Kunststoffbecken sind acht mal vier Meter gross und haben eine Tiefe von eineinhalb Metern — eignen' sich also besonders fuer Anlagen im Garten der eigenen Villa. Der Anteil der Jugend an der Altersgliederung der Bevoelkerung ist in Israel hoeher als in irgendeinem anderen Land der Welt. Die Altersgruppe bis zum vollendeten 18. Lebensjahr stellt in Israel 44 Prozent der Gesamtbevoelkerung dar. Hierzu einige Vergleichszahlen: In Schweden entfallen auf diese Altersschicht nur 28,4 Prozent, in Amerika hingegen 38,5 Prozent, waehrend Holland mit 39,1 Prozent schon der israelischen Rekordzahl ziemlich nahe kommt. 18% der Bevoelkerung lesen keine Zeitung, 29% lesen “Maariw”, 16% “Jedioth Achronoth”, 8% “Haarez”, 4% “Dawar”, 3% andere hebraeische und 9% fremdsprachige Zeitungen. 13% lesen zwei Zeitungen taeglich. Im Jahre 1970 wurden 140.000 Kriminalfaelle von der Polizei bearbeitet, darunter 85 Morde, 185 Raubueberfaelle, 88.000 Eigentunmsd e 1 i k t e, 1.660 Faelle im Zusammenhang mit Rauschgift. Auf dem Hermon konnten zum Wochenende 3.000 Skifahrer gezaehlt werden. In der dort eroeffneten Skischule unterrichten zwoelf Instruktoren. Der Praesident der Jewish Agency Executive, Arie Pineus, erklaerte anlaesslich eines Treffens im Ingenieur- Club, dass 62% aller Neueinwanderer innerhalb der ersten sechs Monate keinen gesellschaftlichen Kontakt mit Israelis haben. Auf den Strassen des Landes fahren derzeit 240.000 Privatwagen; vor zehn Jahren waren es 70.000. BIBEL - WETTBEWERB IM ZENTRAL - GEFAENGNIS von Herbert Freeden (Jerusalem) Die Bibel ist in Israel nicht nur das Wort der goettlichen Weisung, sie ist vielmehr das Handbuch fuer Geschichte, Geographie, Archaeologie, Folklore, ja sogar Militaerkunde, und nur so ist zu verstehen, dass Bibel-Wettbewerbe hierzulande ein nationaler Sport geworden sind — internationale und re gionale, Tourniere fuer Kinder und fuer Erwachsene, fuer Staedter und Kibbutzniks, fuer Atheisten und Orthodoxe, im Radio, Fernsehen und in der Schule. Ein Bibel-Wettbewerb im Gefaengnis gehoert allerdings auch hier zu den denkwuerdigen Kuriosa. Die Szenerie glich nicht der einer Strafanstalt, sondern der eines maurischen Palastes. In einem malerischen Innenhof unter einem Nachthimmel, der ueber den Lichter-Guirlanden noch dunkler erschien, sassen in festlichen Gewaendern die Ehrengaeste — Maenner und Frauen, Rabbiner und christliche Prieser, Moslems und Drusen. Vom eigentlichen Publikum jedoch waren nur die Gesichter zu sehen... an den beiden Fensterreihen, die sich an den drei Aussenwaenden entlangziehen, draengten sich die Zuschauer —hinter Gittern. Nicht etwa die verschleierten Frauen eines Serail, sondern die Insassen des Zentral-Gefaengnisses von Ramleh; sie starrten auf die strahlend erleuchtete, improvisierte Buehne, auf der das Tournier stattfinden sollte. Einer nach dem anderen wurden die Teilnehmer auf die Buehne gerufen und setzten sich auf den von ihren Namensschildern markierten Plaetzen hinter einen langen Tisch. Jeder erhielt Beifall entweder von Familienmitgliedern, die eingeladen waren, oder von den “Kollegen” hinter den vergitterten Fenstern, je nachdem aus welcher Zelle er kam. Der groesste Applaus galt der einzigen weiblichen Teilnehmerin, die als bester Bibel-Kenner aus dem Frauengefaengnis Tirza hervorgegangen war. Aber auch drei Vertreter der Minderheiten — ein Moslem, ein arabischer Christ und ein Druse — wurden mit lautem Beifall begruesst. Allerdings wurde niemand bei seinem wirklichen Namen aufgerufen, um nicht seine Identitaet und die seiner Familie preiszugeben, sondern bei einem wohlklingenden Pseudonym, das Maedchen z.B. Schulamit Bat Abraham (Schulamit, Tochter des Abraham). Der Tisch war mit Mikrophonen ausgestattet und mit Blumen geschmueckt. Ueberhaupt fehlte es nicht an Schmuck —. blau-weisse Fahnen, grosse photographische Reproduktionen des Davidturms und der Klagemauer und am sinnreichsten, ein riesiges Banner mit dem Zitat aus Josua: “Und lass das Buch des Gesetzes nicht von Deinem Munde kommen, sondern betrachte es Tag und Nacht, auf dass Du haltest und tust nach dem, das drinnen geschrieben steht”. Die Gefaengnisfuersorge legt grossen Wert auf Bibelstudien und ermutigt Wettbewerbe, die sie fuer erzieherisch und fuer einen wichtigen Faktor der seelischen Rehabilitierung haelt. An den “Ausscheidungskaempfen” in allen Gefaengnissen des Landes hatten hunderte von Straeflingen teilgenommen; die meisten hatten sich ihr Wissen erst in den Bibelkursen angeignet, die in den Gefaengnissen genau so veranstaltet werden, wie in allen Berufsgruppen und Gesellschaftsschichten in Israel; andere waren in Bibel und Talmud schon seit ihrer Kindheit geschult. Im Semi-Finale waren nur noch siebzig uebriggeblieben, und fuer die Endrunde war ihre Zahl auf fuenfzehn geschmolzen. Das Preisrichter-Kollegium bestand aus Vertretern der vier Religionen — Juden, Christen, Moslems und Drusen — zusaetzlich zu “weltlichen” Persoenlichkeiten, wie einem internationalen Bibel-Champion und sogar einem Richter vom Bezirksgericht in Tel Aviv, der hier alte Bekannte wiedertraf. Der erste Bibel-Wettbewerb in Gefaengnissen wurde 1964 veranstaltet, aber diesmal machte man versuchsweise den Beginn, auch Frauen und Repraesentanten der Minderheiten zuzulassen, in der Annahme, dass sie in ihrer Haft genuegend Zeit hatten, Hebraeisch zu lernen und sich mit der Bibel zu beschaeftigen. Das Sujet fuer dieses Jahr waren Fragen aus den Buechern Ruth und Esther, aus den Klageliedern und dem Hohelied, sowie aus dem Ecclesiasticus. Jede Antwort, die nur einigermassen richtig war, wurde vom Haendeklatschen des Publikums begleitet und mit einer entsprechenden Punktzahl seitens der Preisrichter gewertet. Nur die allerletzte Frage musste schriftlich beantwortet werden. Die Teilnermer gaben einen Zettel dem Quizmaster, der sie den Richtern weiterreichte. Kein Wunder, dass die ersten drei Plaetze von juedischen Haeftlingen gewonnen wurden, die im Bibelstudium grossgeworden waren, aber dass den vierten Platz Christ und Moslem teilten, wurde mit einem kraeftigen Sonderapplaus belohnt. 664612