Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXXIII (1971)
- Issue
- 3 (Marzo, 1971)
- Date
- 1971-03-01
- Page
- Seite 19 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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MARZO 1971 BOLETIN INFORMATIVO 19 "USA braucht eine moralische Führung — aber der Praesidenl hat sie dem Land bisher nicht gegeben" NIXON - NACH ZWEI JAHREN Im Flugzeug von Detroit nach New York traf ich Gien Smith, Hauptmann der Armee, 27 Jahre alt, stationiert in Kaiserslautern, wo er im amerikanischen Nachrichtendienst arbeitet. Wir kamen ins Gespraech... Er stammt aus Michigan, dem “Autostaat”, mit einer Arbeitslosenziffer von 8% (3,1% ueber dem nationalen Durchschnitt). “Wie wuerden Sie sich bezeichnen, konservativ, liberal oder...?” fragte ich ihn. “Ich bin ein Konservativer”, a n t w o rtete der Siebenundzwanzig jaehrige, und auf meine Frage warum erklaerte er, dass es zunaechst gelte, “unsere Familienprobleme in USA zu loesen”, bevor wir andere groessere Probleme in Angriff nehmen koennten. “Warum ist das konservativ? Das will ich auch”, antwortete ich, “aber entscheidend ist doch, wie stehen Sie zu den Problemen unseres Landes: Vietnam, Rassenfrage und... moralische Fuehrung des Landes”. Er zoegerte ein wenig mit seinen Antworten, Aber dann fasste er Vertrauen und sagte: “Ich lehne den Vietnamkrieg als eine unnotwendige militaerische Intervention der USA ab. Der Krieg hat zur Spaltung unseres Landes beigetragen und viele unserer inneren Probleme sind ungeloest geblieben. Was die Rassenfrage anbelangt, so muessen Sie wissen, dass ich ein Mormone bin und wir folgen dem Gesetz der Exklusivitaet. Aber eins ist sicher, um Ihre dritte Frage zu beantworten, das Land ermangelt einer moralischen Fuehrung und der Praesident hat sie dem Lande bisher nicht gegeben.” Waehrend wir im Schneegestoeber gen New York flogen, erschien Praesident Richard Nixon am Fernsehschirm, um mit vier prominenten Journalisten dieses modernen Komunikationsmittels eine Bilanz seiner zweijaehrigen P r a e s i dentschaft wie er sie sieht, zu ziehen. Eine Stunde lang stellte er sich den Fragestellern, behandelte die aussenpolitischen, innenpolitischen, oekonomischen und auch indirekt moralischen Probleme, Wer am naechsten Tage den Wortlaut des Interviews las, musste erneut sein Erstaunen, ueber die Wandlungsfaehigkeit des “tricky Nixon”, wie er im Volksmunde genannt wird, staunen. Sehen wir von generellen Erklaerungen ab wie die, dass “jede Regierung sich hoechste Ziele setzen muss, aber nicht ungeduldig werden darf, wenn diese nicht erreicht werden”, oder dass Nixon in einem kruenftigen Wahlkampfe nicht die vsraechtiichen. demagogischen Mittel des Wahljahres 1970 der Renublikaner gebrauchen wird, die er augenscheinlich nun bedauert, dann ergeben sich die folgenden positiven und. negativen Aspekte der zweitjaehrigen Nixon - Regierung: DTE BILANZ DES PRAESIDENTEN 1. Nixon sieht aussenpolitisch seine grosssten Erfolge. Nach seinen Worten ist das militaerische Ende der USA in Vietnam in Sicht. Der Praesident unterstrich, dass wir “Auf dem Wege zu einem gerechten Frieden” seien. Ein Frieden, der den potentiellen Angreifer entmutigen wird. 2. Negativ steht an erster Stelle, dass Nixons Wohlfahrts — Programm — die de facto Aufteilung der Steuern zwischen Bund, Laendern und Staedten — sich nicht erfuellt hat. Die groessten Tragoedien spielten sich an den Universitaeten Kent State, Jackson State und Wisconsin ab. Es ist zwar wahr, dass in den letzten zwei Jahren der Ausbruch von Gewalt in den Staedten reduziert worden ist, aber “jene drei Tragoedien” haben auf den Praesidenten einen “tiefen Eindruck” hinterlassen. 3. Obwohl Nixon sich huetete, ueber die Reduzierung der Arbeitslosigkeit Ziffern vorauszusagen, so unterstrich er sein Vertrauen in die amerikanische Wirtschaft und prophezeite fuer 1971 eine Besserung und fuer 1972 ein de facto Aufhoeren der Arbeitslosigkeit und Inflation. Das soll ohne neue Steuerforderungen erreicht werden. UNKLAR AUF SEITEN ISRAELS 4. Als das Gespraech auf den Mittleren Osten und ein Buendnis mit Israel zu sprechen kam, weigerte sich der Praesident, eine klare unmissverstaend liehe Antwort zu geben, weil seiner Meinung nach eine solche die Gefahr habe, “neue Konfrontationen” hervorzurufen. Die Israelis haben die Jarring- Gespraeche, die seit August unterbrochen waren, wieder begonnen und man muss alles tun, um diesen eine Erfolgschance zu geben. Wuerden die verschiedenen Auffassungen oeffentlich diskutiert, dann wuerden sie “nie einen Erfolg haben”. Immerhin unterstrich Nixon, dass die Aktionen fuer Israel seitens der U^A deutlicher als Worte spraechen, darunter eine Anleihe von 5n0 Millionen Dollar. fuer die Israel Waffen erwerben koenne. 5. In seiner letzten Pressekonferenz erklaerte der Praesident dass die Bundesregierung nicht die Integration der Vorstaedte erzwingen wuerde. Als einer der Berichterstatter Nixon sagte, wie sehr diese Bemerkung die Minderheiten schockiert haette, gab er eine sehr gewundene Erklaerung ab, die besagte: die Bundesregierung wuerde soviel tun, wie es das Gesetz vorschreibe, aber nicht mehr. 6. Wie ist die Reaktion des Praesidenten zu der Entscheidung des Bundesgerichts, dass in Bundeswahlen das Wahlalter auf 18 Jahre reduziert wird. Nixons Antwort war, dass zur Zeit die Demokraten davon profitieren wuerden, aber er hoffe, das Vertrauen der jungen Menschen zu gewinnen, und wenn eine Voraussage fuer 1972 sich als richtig erweise -- Frieden upd wirtschaftliche Prosperitaet—, dann werden vielleicht Millionen junger Waehler in das republikanische Lager kommen. Natuerlich ist es gut, dass der Praesident fuehlt, er muesse sein politisches Programm “mehr in die Tiefe” dem amerikanischen Volke erklaeren; aber ist das genug? Vor Praesidenl Nixon irait allem ist eine Verpflichtung der Gesinnung und des Geistes fuer Ideale und Ziele notwendig, die enge Parteiinteressen ueberschreitet. Wenn eine solche Kombination in der Person des Praesidenten vorhanden ist, kann die Nation ihm vertrauen, gleichgueltig welcher Partei er angehoert. In der Person Nixons ist das leider nicht gegeben. Das empfinden Konversative, wie der junge Hauptmann im Flugzeug nach New York, wie Liberale und auch Extreme. Was seine Aussenpolitik anbetrifft, so ist sie zumindest zweideutig, wie die tragische Invasion Kambodschas beweist. Auch seine ausweichende Antwort bezueglich Israel muss die Freunde dieses kleinen, tapferen Landes enttaeuschen. ZWEIFEL UND PESSIMISMUS Es ist ueberraschend, dass Nixon fuer die Nichtrealisierung des Wohlfahrtsprogramms nunmehr den Kongress verantwortlich macht, obwohl er in den vergangenen Monaten trotz des grossen Einflusses des Weissen Hauses fast nichts getan hat, um dieses Programm im Kongress voranzutreiben. Was seine wirtschaftlichen Prognosen a n b e t r i f f t, so wuenscht jeder hier, dass sie eintreffen moegen; denn die Arbeitslosigkeit von 1,7 Millionen meist hochqualifizierten, geschulten Kraeften in der Vertei digungsindustrie entpuppt sich zu einem besonders tragischen Problem Nixon hat hier nur “Besserung” in Aussicht gestellt, aber inzwischen gehen hunderttausende Existenzen buchstaeblich zugrunde. Nixons Haltung zum Rassenproblem ist wenn nicht feindlich, so doch voellig inadequat. Die Folge ist, dass in den naechsten Wochen und Monaten mit weiteren Resignationen von Negern in hoeheren Regierungs funktionen zu rechnen ist. Die “schwarze Bevoelkerung” ist von Nixon vollkommen enttaeuscht. Soweit diese sich an den naechsten Wahlen beteiligen wird, wird sie ihre Stimmen unweigerlich den Demokraten geben. Um es auf die kuerzeste Formel, zu bringen: In diesen ersten zwei Jahren der Nixon Regierung ist nicht erkennbar geworden, was der Praesident in seiner Wahlkampagne 1988 in New Hampshire versprach, naemlich das Land “zur Verwirklichung eines Traumes” vorwaerts zu treiben. Als einer der Berichterstatter an diese Worte erinnerte, antwortet er etwas demagogisch, es sei zuerst notwendig, die Gespenster zu bannen, die ueber das Land geistern. Nixon ist nicht der Praesident, der dem Lande die Inspiration oder nach den Worten von Gien Smith “die moralische Fuehrung des Landes” geben kann. Aber das mindeste, was man von dem Praesidenten erwartet ist, dass seine Worte mit seinen Taten uebereinstimmen. Hier entscheidet sich, ob das Land ihm vertrauen kann. Grosse Zweifel bleiben zurueck, die sich unter anderem, was die Ein junger Arzt vom Rambam-Spital in Haifa, der 36jaebrige Schimon Bornstein, erhielt dieser Tage einen Preis der Universitaet Mailand in Höhe von 1,2 Millionen ital. Lire, zusammen mit einem aegypstischen Arzt für eine Forschungsarbeit über postoperative Erscheinungen. Dr. Bornstein, der erst kürzlich aus Belgien auswanderte, errichtete hier am Rambam-Spital mit eigens mitgebrachten Instrumenten eine Abteilung für postoperative Behandlung. Waehrend seiner Studien im Ausland arbeitete wirtschaftliche Ent wicklung anbelangt, in einer ueberwaeltigend pessimistischen Prognose ausdruecken. Gien Smith, Hauptmann beim Nachrichtendienst in Kaiserslautern, sagte beim Abschied: “Ich habe in der Armee neun Jahre gedient. Jetzt will ich ein freier Mann werden... Ich w e i s s, das Land braucht eine Menge Reformen.” Es war John F. Kennedy, der sagte: “Wenn wir eine friedliche Revolution des Landes verhindern, provozieren wir eine gewalttaetige.” er gemeinsam mit einem jungen koptischen Arzt aus Aegypten an der Erforschung der Begleiterscheinungen von Operationen. Die beiden entwickelten auch ein besonderes Geraet, um die Veraenderungen im Körper feststellen zu können. Hierfür haben sie nun die Auszeichnung erhalten. Der Haifaer Arzt wird sich in einigen Wochen zur feierlichen Preisverteilung nach Mailand begeben, wo er seinen äegyptischen Kollegen treffen wird. RELIGIONS - SCHULE Der Unterricht beginnt Freitag, den 2.April 1971, 17.30 Uhr. Wir bitten die Eltern, ihre Kinder bis spaetestens Montag, den 29.Maerz im Gemeindebüro einzuschreiben. SCI B’ne Jisroel WARUM SIE NACH ISRAEL AUSWANDERN Die “Washington Post” hat eine Anzahl von jüdischen Personen interviewt, um zu erfahren, aus welchem Grunde sie nach Israel auswandern. Wir geben einige besonders interessante Antworten wieder: Juden können in Amerika nur eine Randexistenz führen. Sie können hier keine nationale Identitaet besitzen. Ira Gelnik, 24jaehriger Student an der American University. In Israel Kann ich am Fuss der Leiter stehen und dabei glücklich sein. In Amerika muss ich oben stehen, um glücklich zu sein. Alan Neuman, Rechtslehrer an der Howard University. Israel bietet einen neuen Horizont. Mac Shaibe, Mathematiker am Bureau of Labor Statistics. Lebte -Israel jetzt in Sicherheit und Frieden, würden wir möglicherweise nicht hingehen. Wir fühlen: Israel braucht uns. Und wir brauchen Israel. W issenschaftler Harold Steinberg Reden ist sehr billig. Und Geld ist im Grund sehr billig. Worauf es ankommt, ist, dass man, wenn es irgend geht, sein Leben einsetzt. Ich kann und will es. Die 24-jaehrige Maggie Goldberg Sollten wir in Amerika je zu einem Punkt gelangen, an dem wir uns einer Depression — nicht einer Rezession — gegenübersehen und gleichzeitig die aesserste politische Rechte zum Zuge kommen, so waeren wir Juden, wie überall, die Südenböcke. Ich hoffe, dass das nicht Vorkommen wird — aber drohende Wolken sind da... Ich glaube nicht, dass das amerikanische Judentum seiner Existenz als Gruppe sicher ist. Die Geschichte has uns gezeigt, dass jüdische Menschen nur dann in Frieden und Freiheit leben können, wenn das Land, in dem sie sich befinden, wirtschaftliche und politische Stabilitaet geniesst. Haette der jüdische Staat früher existiert, haette es keinen Holocaust gegeben. Harry Dobkin, 60jaehriger Inhaber eines Metallwarenladens, der mit seiner 57jaerigen Frau und 14jaehrigen Tochter nach Israel emigriert. Semanario Israelita Buenos Aires. WISSENSCHAFTLICHE KOEXISTENZ