Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXXIII (1971)
- Issue
- 3 (Marzo, 1971)
- Date
- 1971-03-01
- Page
- Seite 18 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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18 BOLETIN INFORMATIVO MARZO 1971 TEL AVIV WIRD "SUPERSTADT” Von unseren Korrespondenten in Israel J. E. PALMON Tel Aviv, die groesste Stadt des Landes, ist die einzige Gemeinde, deren Einwohnerzahl in den letzten Jahren stabil geblieben ist oder etwas abgenommen hat. Die Einwohnerzahl bewegt sich um 380.000 herum, und an dieser Ziffer wird sich auch nicht viel aendern. Die Stabilisierung oder Abnahme haengt jedoch nicht mit einer wirklichen Abwanderung oder Strukturveraenderung im Lande zusammen, sondern einfach damit, dass mehr und mehr Einwohner, besonders junge Paare, in die Randstaedte ziehen. Tel Aviv ist heute von fünf Randstaedten umgeben (Holon Bat Yam, Ramat Gan. Giwatayim und Bne Brak), die praktisch mit Tel Aviv zusammengewa c h s e n sind, die jedoch als selbstaendige Stadtgemeinden fortgeführt werden. Alle Vorortgemeinden haben ihren eigenen Bürgermeister und Stadtrat. Die Steuersaetze und Ortsstat Uten sind zum Teil verschieden, was manchen dieser Orte (aus steuerlichen Gründen vor allem) mehr Attraktivitaet verleiht. Die Einwohner der Vorortgemeinden arbeiten zum groessten Teil in Tel Aviv, das ein grosses Wirtschaftszentrum geblieben ist. In Tel Aviv selbst bestehen heute 11.000 Industrie-und Handwerks betriebe, sowie ausserdem 11.000 Geschaefte und Handelsunternehmungen. Die Strassen Tel Avivs sind mit Autos aus allen Teilen des Landes, besonders aus den Nachbarstaedten voll. In den Kindergaerten Tel Avivs stammen 25% der Kinder aus den Nachbargemeinden, in der Universitaet machen die Studenten aus den Randstaedten und anderen Orten 40% aus. Der Bürgermeister von Tel Aviv, Rabinowicz, beklagt sich bei jeder Gelegenheit bitter darüber dass, die Stadt Tel Aviv für die Einwohner der Nachbargemeinden mit zu sorgen hat, aber angesichts der objektiven Entwicklung bleibt gar keine andere Moeglichkeit übrig. Die Loesung waere die Bildung einer gemeinsamen Stadtgemeinde für den ganzen Bezirk, der den Namen Dan traegt. Bisher sind alle Versuche in dieser Richtung an Parteistreigkeiten und persoenlichen Meinungsverschiedenheiten gescheitert. Letztens bahnte sich zum ersten Male die Moeglichkeit an, eine “Dach - Stadtverwaltung” zu gründen, die wenigstens die wichtigsten Aufgaben für die Zukunft gemeinsam loesen soll. Schon heute bestehen einige Zweckverbaende z. B. für Wasserversorgung und Kanalisation, aber sie beziehen sich auf begrenzte Aufgaben und werden nicht den grossen Zukunftssorgen gerecht . DIE VERKEHRSNOT Von den 2,5 Millionen jüdischen Einwohnern Israels wohnt fast eine Million in Tel Aviv und seinen fünf Vorortgemeinden. Diese Zusammenballung von Menschen stellt grosse Probleme. Für den Aussenstehenden sind vor allem die Verkehrsso r g e n sichtbar. Die Regierung Israels belegt zwar den Kauf von Autos mit sehr hohen Steuern, aber dennoch hat die Zahl der Autos in Tel Aviv in schnellem Tempo zugenommmm Einne neue breite Strasse führt nach Tel-Aviv Im Hintergrund das höchste Gebaeude Israels, Shalom Neue Slrassenkreuzung in Ramal Gan m ’ '/K # V- : Ssi*#: men. Taeglich fahren 150.000 lahrzeuge durch die engen Strassen der Stadt, und die Verkehrssorgen werden im mer draengender. Die Tel Aviver Stadtver waltung hat unter Aufwand grosser Summen an 180 Strassenkreuzungen Verkehrsampeln angebracht, die irgendwie Ordnung in den Verkehr hineinbringen sollen. Sie ordnen, aber sie verlangsamen notwendigerweise auch den Verkehrsbetrieb. Immer neue Ampeln und noch strengere Verkehrsvorschriften werden erlassen, sie koennen jedoch angesichts der Enge und Mangels an Parkraum nicht sehr viel helfen. In Gemeinschaft mit der Regierung hat die Stadtverwaltung jetzt zwei grosse Projekte in Angriff genommen, die eine teilweise Entlastung für die Verkehrsnot bringen sollen. Der Bahnhof für die Eisenbahn nach Jerusalem wurde aus dem Stadtzentrum weiter nach ausserhalb verlegt. Der gewonnene Platz soll als grosser Parkplatz für Autos verwendet werden. Ferher wird der durch Tel Aviv fliessende Ajalon (Musrara) Bach abgeleitet. Das tief gelegene Bett dieses Baches wird als Schnellstrasse ausgebaut werden, und Tel Aviv wird dann eine ganz moderne Autostrasse bekommen, die die Stadt von Norden nach Süden durchqueren wird. Die Arbeiten an der Schnellstrasse haben bereits begonnen. Es handelt sich um ein Projekt, dessen Durchführung mehrere Jahre in Anspruch nehmen wird, und für das das israelische Verkehrsministerium noch eine Anleihe der Weltbank zu bekommen hofft. Für die weitere Zukunft wird Tel Aviv mit seinen Randstaedten ohne Bau einer Untergrundbahn nicht ausk.ommen koennen, wie der Bürgermeister Rab i n o w i c z kürzlich bestaetigte. Der. Bau der U-Bahn, für den schon genaue Plaene vcrlievcn. kostet wenigstens 250 Millionen Dollar. Vorlaeufig besteht keine Vorstellung, wie diese Summe aufgebracht werden soll, aber der Bügermeister ist Oprimist und meint, dass nach snaetestens sieben Jahren mit. dem Bau der Untergrundbahn begonnen werden soll. NEUE WOHNVIERTEL Inzwischen veraendert sich das Gesicht der eigentlichen Stadt Tel Aviv mit allen ihren Schwierigkeiten und Begrenzungen sehr schnell- Immer. mehr alte, kleine Haeuser werden abgerissen und durch neue moderne Wohnungen ersetzt. Ferner schiessen im Norden der Stadt, wo noch freie Plaetze zur Verfügung stehen, ganze Viertel aus dem Boden. Hier handelt es sich meistens um “Luxuswohnungen” mit Fahrstuhl, Bodenheizung und vielen anderen Bequemlichkeiten. Dem entsprechend sind diese Wohnungen auch recht kostspielig. Sie werden fast ausschliesslich als Eigentumswohnungen abgegeben, und eine Dreizimaner-Wohnung kostet in den neuen .modernen Vierteln den Gegenwert von über 25.000 Dollar. In anderen Bezirken der Stadt sind dagegen Wohnungen zu billigeren Saetzen zu haben. Die Randgemeinden sind attraktiv, besonders für jüngere Elemente, weil dort die Wohnungspreise im Durchschnitt um 20% unter denen von Tel Aviv liegen. Manche der Vorstaedte haben sehr schoene und moderne Viertel gebaut, die ausserdem gute Verbindung mit dem Tel Aviver Stadtzentrum haben, und diese Neubauten sind auch sehr gefragt. Die Stadtverwaltung hat zwei Aufgaben jetzt ihre besondere Aufmerksamkeit zugewendent, naemlich der Foerderung der Touristik und der Wissenschaft und Kultur. Der Meerestrand und die Promenade am Meeresufer waren Jahre lang vernachlaessigt und boten den traurigen Eindruck von Slumbezirken. Hier wird mit Hilfe einer Gesellschaft (an der auch die Regierung beteiligt ist) langsam Wandel geschaffen. An mehreren Stellen wurden Wellenbrecher angelegt, um das Baden schoener zu gestalten. Ferner wird die Promenade am Meeresufer langsam zur Strasse der grossen Touristenhotels- Reisebüros und Fluggesellschaften. Am noerdlichen Teil dieser Promenade sind mehrere grosse Hotels im Bau, dort soll ein richtiges Touristenzentrum mit einem monumentalen Platz, Cafes, Restaurants, Vergnügungsstaetten und Einkaufszentren geschaffen werden. Die Bauarbeiten sind in vollem Gange, und das Zentrum wird in wenigen Jahren fertig dastehen. Im Moment sind in Tel Aviv 2500 Zimmer in Hotels für Touristen im Bau, weitere 2500 Zimmer sind im Planungsstadium. Abgesehen von grossen Luxushotels wurden und werden auch kleinere moderne Hotels eroeffnet, die billiger sind. An solchen “volkstümlichen Hotels” hatte in Tel Aviv früher ein grosser Mangel bestanden. NEUE FACHSCHULEN Noerdlich des Yarkon-Flusses hat die Tel Aviver Stadtverwaltung das Universitaetsviertel auf beb aut, das durch immer neue Gebaeude und Fakultaeten erweitert wird. In diesem Studienjahre sind an der Tel Aviver Universitaet schon 12-000 Studenten inskribiert. Der Bürgermeister Rabinowicz sieht, dass in wenigen Jahren die Zahl der Studenten auf 18.000 steigen wird. In unmittelbarer Nachbarschaft der Universitaet soll auch die eigene technische Hochschule für Tel Aviv gebaut werden, und die Universitaet würde dann alle Wissensgebiete umfassen. Die Errichtung einer zweiten technischen Hochschule neben der in Haifa ist eine unbedingte Notwendigkeit, da ein grosser Mangel an Ingenieuren und technischen Fachleuten besteht. Die Randstadt Holon hat den Versuch unternommen, eine technische Fachschule ins Leben zu rufen, Es fraet sich jedoch, ob sie gegenüber der Tel Aviver “Konkurrenz” stan d h a 11 e n wird, wenn Tel Aviv mit seinen Plaenen ernst machen sollte. Unweit der Universitaet wird ein weiteres Viertel besonderer Artentstehen, naemlich ein Zentrum von Gymna sien und Fachschulen. Die ersten beiden Schulen sind schon im Bau. Nach der Voraussage des Bürgemeisxers wird ein ganzes System von Lehrstaetten dort entstehen, die die unmittelbare Vorbereitung für die Universitaet darstellen. Mehr im Stadtzentrum will die Stadtverwaltung endlich ihr neues Museum bauen und alle vorhandenen Schaetze in einem würdigen Gebaeude unterbringen. In der gleichen Strasse werden noch andere Kulturstaetten und Gebaeude von Organisationen ihren Platz finden. Die Kriegssituation hat die Aufschiebung des Baus mancher Projekte erzwungen, aber dennoch entwickelt sich die Stadt in schnellem Tempo - besonders gilt dies für den Wohnungsbau, und an machen Stellen hat man den Eindruck, dass Tel Aviv um komplette Viertel bereichert wird, die das Bild der betreffenden Gegend voellig veraendern.