Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXXIII (1971)
- Issue
- 3 (Marzo, 1971)
- Date
- 1971-03-01
- Page
- Seite 20 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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20 BOLETIN INFORMATIVO MARZO 1971 DIE SICHT DER JUGEND MASSADA IN BERLIN Ob die jeweilige Jugend im Recht ist, das haengt sicher weitgehend vom Alter des Beschauers ab. Als wir jung und im K.J.V., im Blau- Weiss oder in den Werkleuten organisiert waren, da hatte zweifelsohne die Jugend recht und nicht die aeltere Generation, die die Anschauugen des C. V. vertrat. Die Geschichte hat es eindringlich genug bewiesen. Als unsere heutigen Generaele in ihrer Jugend, ohne Wissen der Eltern, illegale Waffenkurse mitmachten, da befanden sie sich ebenfalls im Recht. Als die Feinde uns angriffen, da wurden sie unsere Rettung. Ueber die heutige Jugend aber schütteln die Alten erschrocken ihre Koepfe — und dann ziehen sie aus, um die Jugend als alte Zionisten und als Vertreter des Staatsgedankens zu belehren. Waehrend eines solchen Versuches im Kibbuz Elon wandte sich Golda Meir einmal unmutig an die aelteren Chawerim. Es ist Eure Schuld, sagte sie, wenn die Jugend in unserem Staat nicht mehr die Erfüllung eines Traumes sieht. Ihr habt verabsaeumt, ihnen zu erklaeren was dieser Staat für das jüdische Volk bedeutet. Damit hatte sie eine entscheidende Tatsache berührt. Für uns alle, die wir noch in der Galuth geboren wurden, war dieses Land ein Traum, bevor es unsere Wirklichkeit wurde. Als wir aber dann ins Land kamen, auch da blieb der eigene Staat noch lange Zeit ein Traum für uns. Ganz anders steht es mit denen, die noch im Kinderbett lagen, als David Ben Guriön die Errichtung des Staates Israel verkündete. Für sie war der Staat von Anfang an Wirklichkeit. Staatsoberhaupt und Hymne, Fahne und Heer sind ihnen vertraut vom Kindergarten an. Doch Wirklichkeit hat Grenzen, das unterscheidet sich eben vom Traum. Als uns der Feind bedrohte, kam es zum Krieg. Den Sieg von 1967 empfanden wir in erster Reihe als Rettung aus einer grossen Gefahr, aber schon bald zeigte sich eine unterschiedliche Betrachtungsweise. Für die Jungen bedeuteten die neuen Gebiete erobertes Land. Zwar waren viele von Freude und Genugtuung erfüllt über die erweiterten Grenzen, aber trotzdem blieb gefühlsmaessig ein ungeheurer Unterschied zwischen dem eigenen Land und den neu hinzugekommenen und militaerisch besetzten Gebieten. Anderen Parolen hing die aeltere Generation an. Für sie war Israel “in die alten Grenzen von Erez Israel zurückgekehrt.” All diese Parolen, “Auch wir haben ein Recht in Ramleh und in Hebron zu siedeln” oder “Wenn wir staerker gewesen waeren, haetten wir schon 1948 das ganze Land erobert” oder “Erez Israel darf nicht noch einmal geteilt werden”, haben in der Tat eines gemeinsam. Was 19 Jahre Wirklichkeit war, existiert nicht mehr, ein alt-neuer Traum ist an ihre Stelle getreten — der Traum von dem “ganzen Erez Israel”. Dem entspricht es, wenn Golda Meir klipp und klar erklaerte: “Die Grenzen von vor dem Krieg sind gestorben, sie stehen nicht mehr zur Diskussion.” Darin liegt auch der Grund für den steigenden Unwillen, den die Voelker der Welt uns entgegenbringen. Sie haben den Staat Israel in den Grenzen, wie sie 1967 bestanden, anerkannt. Sie missbilligten die Stellung der arabischen Staaten und ihre Weigerung, sich mit bestehenden politischen Tatsachen abzufinden. Sie erkennen uns das Recht auf Verteidigung zu, aber keinesfalls gestehen sie uns zu, Staedte und Laendereien auf die Dauer zu beherrschen, nur weil sie in biblischer Zeit zu Israel gehoerten. Und was sagt nun die Jugend dazu? “Bei uns zweifelt die Jugend nicht, wir haben sie schon immer im Geiste des Erez Israel haschlema erzogen”, erklaerte nach einer Meldung des “Haaretz” vom 30. September Schlomo Samnon, der Leiter der Bnej Akiba. Es ist moeglich, dass in gewissen Jugendbünden die Mitglieder all die Jahre über dazu erzogen wurden, den bestehenden Staat nur als eine Abschlagszahlung auf das zu betrachten, was uns eigentlich gebührt. Aber der Grossteil der Jugend empfindet anders. Für sie ist der augenblickliche Zustand nur ein Provisorium, das nur andauern darf, solange die Araber nicht bereit sind, mit uns zu sprechen. Was aber geschieht, wenn die Araber Vorschlaege machen, und wir lehnen sie unter diesem oder jenem Vorwand ab? Dann erwacht für diese Jugend der Zweifel, und wenn er einmal erwacht ist, ist es schwer, ihn zum Schweigen zu bringen. Dafür mag ein Brief von jungen Menschen ,an Mosche Dajan aus Kerem Schalom, einer Nachalsiedlung im Gazagebiet, ein Beispiel sein. In diesem, im “Maariw” veroeffentlichten Brief heisst es u.a.: “Wir freuten uns, in Ihrem Aufsatz “Im Kriege” zu lesen, wie gut Sie uns verstehen, wie gut Sie den Antimilitarismus kennen, der uns erfüllt... Sie erklaeren uns, dass dieser Krieg ein Krieg um unsere Zukunft ist. Welche Zukunft schlagen Sie uns vor? Die Zukunft eines Volkes, das durch das Schwert lebt, “den Krieg so führen, dass, er uns zum Siege führt”. Wir koennen kaempfen und wieder kaemp- Wir beraten Sie unverbindlich bei der Zusammenstellung Ihrer Reisen im In- und Ausland. Hotel Reserven-AusEluege-Passagen Guenstige Zahlungsbedingungen SPORTSTOUR Teatinos 304. Tel. 68832-83058-6-3100 fen, glauben Sie uns, dass wir alle Kraft aufwenden, um im Kampf zu siegen, aber der Endsieg des Krieges ist der Frieden. Zu einem solchen Sieg genügen nicht die Waffen, dazu bedarf es auch einer Friedenspolitik. Geehrter Herr Minister, nicht für die Zukunft, die wir wollen, kaempfen wir. Unsere Zukunft ist in Ihren Haenden, Sie lenken das Staatsschiff. Sie sind bereit zum Frieden, so wie wir, nur, mit einem kleinen Unterschied. Sie sehen den Frieden in den freundschaftlichen Beziehungen, die herrschen sollen zwischen den Arabern von Raffiach und den Siedlern' von Pitchat Raffiach — eine Siedlung, die im besetzten Gebiet etwa acht km von uns entfernt errichtet wird. Wir glauben, dass Pitchat Raffiach eine politische Tatsache ist, die den Frieden verhindert, die eine Zukunft, wie wir sie uns vorstellen, zers^oert *— und wir koennen nichts dazu tun... Nur mit Worten koennen Sie uns nicht davon überzeugen, dass wir für eine Zukunft kaempfen, die etwas anders ist als Krieg und Vernichtung, wer w e i s s für wie lange. Wir hassen den Krieg, einfach weil er toetet. Zu viele unserer Chawerim sind schon als Kriegsopfer gefallen. Nicht so viele, dass wir deshalb nicht weiter kaempfen wollen, aber zuviele als dass wir einer Politik zustimmen, die sich nur auf den Sieg mit der Waffe stützt und auf dauernde militaerische Ueberlegenheit. Wir koennen nicht den Krieg mit der Begründung führen, dass es “keine Wahl” gibt, wenn wir wissen, es gibt eine Wahl. Es haengt lediglich davon ab. was die politischen Ziele sind, und wer die Politik führt...” Dass es bisher nur eine kleine Anzahl ist, die zweifelt, besagt nicht viel. Auch die Chaluzim waren nur eine kleine Zahl innerhalb der damaligen Generation. Es gibt ja auch noch keineswegs einen festen Weg, den man als Alternative aufzeigen koennte. Aber schon das Suchen der neuen Generation schafft neue Moeglichkeiten. Unsere aeussere Situation erscheint uns zum Teil deshalb so aussichtslos, weil unsere Anschauungen und Werte festgefahren und veraltet sind, geboren vor dreissig oder vierzig Jahren. Die Jugend aber ist vielleicht besser imstande, die heutigen Probleme realistischer zu erfassen. Und tatsaechlich lassen sich lediglich für reale Probleme auch reale Loesungen finden. Steffi Sonnenschein (M. B. Tel-Aviv) VERMIETE 1 - 2 möblierte Zimmer mit Eigenbad, Telefon, Garten, Bilbao-Amörico Vespucio, an alleinstehende Damo. Telefon 391056. STUDENTEN ISRAELISCHER GESCHICHTE Der Taxichauffeur, den das viele Handgepaeck, das ich nach der Ankunft bei mir trug, zu der Frage veranlasste, woher ich komme, wollte mir sofort einen politischen Rat geben: “Wissense, wenn wa uns hier in Berlin die Landkarte ansehen, denn denken wa: Sinai, det brauchnse nich, det is bloss Wüste. Aba det Jebiet westlich vom Jordan und den Gasastreifen da - det kennse nich zurückjebn, det müssense für de Sicherheit ham”. Allerdings schien der Chauffeur dann etwas enttaeuscht, dass ich weder ein Ministerialbeamter noch ein Abgeordneter der Knesseth war —er kannte das Wort—, noch dass ich irgendwelchen Einfluss auf Golda Meir oder Mosche Dajan ausübe. Ein zweiter Taxichauffeur verzichtete auf spezifische Ratschlaege, aber hielt es vor allem für angebracht, seiner Bewunderung Ausdruck zu geben: “Israel? Aus Israel kommse? Sehnse det isn Staat. Wat die jemacht ham, det vadient die hoechste Bewunderung — vadient et. Nischt wie Hut ab!” Und als ich schon die Tür hinter mir zugemacht hatte und auf der Ludwigkirchstrasse stand, rief er mir waehrend des Anfahrens noch nach: “Un denkense nich, dass ich det wejn Trinkgeld jesaacht habe. Det is meine Überzeugung!” Und um die Ecke war er. Um die Ecke und um die Litfassaeule. Es war eine der vielen Litfassaeulenvon denen den Berlinern mit riesigen blauen Buchstaben das Wort MASSA¬ DA entgegenleuchtete — vor einem orangefarbigen Hintergrund. Das wirksame Plakat zeigte die Umrisse des Massadafelsens am Westufer des Toten Meeres sowie einen kurzen Text mit den Oeffnungszeiten der Ausstellung, die Jigal Jadins Massadaexpedition von 1963 bis 1965 gewidmet ist. Es wurde ihr im Schloss Charlottenburg Platz gegeben. Der Besucherstrom, der den Orangerietrakt des seinerzeit von Nehring, Eosander von Goethe und Knobelsdorff geschaffenen, im zweiten Weltkrieg teilweise zerstoerten, dann wieder aufgebauten Charlottenburger S c h 1 o sses füllte, riss nicht ab. Wenn Napoleon, als er sich 1806 in eben diesem Schloss einquartierte, begeistert ausgerufen haben soll “Hier finde ich Versailles wieder”, so war es für den Gast von 1970 noch weit merkwürdiger, in dem reizvollen Barockrahmen die Nachschilderung des gewaltigen Kapitels jüdischer Geschichte zu erleben, das im Jahre 72 unserer Zeitrechnung einsetzte, als die von Flavius Silvus kommandierten Roemer der X. Legion mit Steinschleudern und anderen Kampfmitteln versuchten, in die letzte Festung des jüdischen Widerstands nach dem Fall von Jerusalem eine Bresche zu schlagen und sie zu erobern — was ihnen zum Schluss gelang, wenn auch keiner der Verteidiger lebend in ihre Haende fiel. “Ja, mit daem Besuch sin mir saehr zufriedn”, sagte der diesmal als Massadaexperte agierende permanente Saalwaechter — denn er sprach ein sich von selbst singendes weiches Saechsisch, wie es jetzt in Berlin zu einem haeufig gehoerten und freundlich tolerierten Gastdialekt geworden ist. “Nee, ich gann’ nich laachn. Zu uns gomm' viel maehr Besucher als indn Westfliechl, wose de Vorgeschichde des Menschen saehn genn.” Aber dann hatte er schon keine Zeit mehr, mir über Zahl und Art der Besucher weitere Auskunft zu geben, sondern widmete sich voller Begeisterung diesen selbst, indem er das heroische Ende der Verteidiger von Massada — sicher unabsichtlich — entherosierte: “Wissense, die wolldn von ihrer Festung aus Brandfaggln geechn de Reemer werfen, awr bletzlich schluch der Wind um un das Feier gahm zerigg. Da liessne den Muhd sinken. Das war bei daehn’ genau so wie bei uns in erschdn Weltgriech, womer Schwaefelgaas gechn de feindlichn Linien dreim wolldn, un dann draehte sich der Wind — un mir grichdn das ganze Gelumbe inde Fresse.” Die Besucher waren nicht unbedingt auf dieErlaeuterungen in Saechsisch angewiesen. Die Objekte der unter den Auspizien der Berliner Gruppe der Freunde der Hebraeischen Universitaet veranstalteten Ausstellung waren in. deutscher Sprache klar und instruktiv beschriftet. In riesigen fotografischen Vergrösserungen sah man die Lage des Festungsberges mit den Resten der Herodesburg und die sie umgebende Landschaft. Wichtige Fundstücke wurden teils im Original, teils in Fotos gezeigt. Besonderer Popularitaet erfreuten sich naturalistische N a c h b i Idungen; eine stellte eine massadatypische Z e 1 o tenwohnung dar — mit ihren primitiven “Tischen” und “Stühlen”, d. h. offensichtlichen Überresten der Herrlichkeiten aus dem herodianischen Palast, der ursprünglich den Festungsberg geschmückt hatte. Sprechend veranschaulichte eine ganze Legion von Spielzeugroemern aus plastischem Material die die Zeloten bedraengende Übermacht, die den Kampf so aussichtlos für sie machte. “Siemah, sone jewaltige Armee gejn die paar Mennekens”, hoerte ich aus der Erklaerung, die ein Vater seinem Sohn gab. Und die Parteinahme des Sohnes für die Zeloten war daraufhin noch eindeutiger. Die Persoenlichkeit Prof. Jadins, der sich als Initiator, Organisator und wissenschaflicher Leiter der Ausgrabung um die Aufhellung des Massadakapitels der jüdischen Geschichte ein ausserordentliches Verdienst erworben hat, wurde keineswegs besonders “herausgestellt” — ein Fehlen des Personenkults, der sicher zu begrüssen ist. Eine wesentlich groessere Rolle spielte “Der Unbekannte Archaeologe”. indem die internationale Provenienz und die Interkonfessio nalit. aet der “Ausgrabungsfreiwilligen” sowie ihre verschiedenartige soziale und berufliche Herkunft beschrieben wurde. Die vorher in New York, Washington, London und Paris gezeigte Ausstellung soll auch in Frankfurt und Hamburg dem Publikum zupaenglich werden, ferner in Stockholm, Zürich, Brüssel und Wien. Erich Gollgetrsu, Jerusalem ("Juedische Wochenzeitung", Duesseldorf).