Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXXIII (1971)
- Issue
- 3 (Marzo, 1971)
- Date
- 1971-03-01
- Page
- Seite 17 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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MARZO 1971 BOLETIN INFORMATIVO 17 SORGENKIND: ERZIEHUNG Von SCHALOM BEN CHORIN (Jerusalem) Bei der Eröffnung der Jubilaeumskonferenz der WIZO am 15. November 1970 in den Bauten der Nation legte der Vorsitzende der Zionistischen Exekutive A. L. Pincus im Rahmen seiner Begrüssungsansprache eine Art öffentlichen Sündenbekenntnisses ab. “Die zionistische Organisation hat auf dem Gebiete der Erziehung in der Diaspora versagt”. Pincus meinte, dass sich hier ein weites Aufgabenfeld für die WIZO eröffnet, die berufen sei, jüdische Atmosphaere in der Diaspora zu verbreiten. Im selben Sinne meinte Wohlfahrtsminister Michael Chasani, der an Stelle der erkrankten Ministerpraesidentin Golda Meir die Konferenz namens der Regierung Israels willkommen hiess, dass es das Verdienst und die Aufgabe der WIZO sei, mehr “Jüdischkeit” in die Haeuser der Diaspora, aber auch in Israel zu bringen, denn es ist die jüdische Frau, die den Charakter des Hauses weitgehend bestimmt. Bedenkt man, dass die Zionistische Organisation oder Jewish Agency, nicht nur eine, sondern zwei Erziehungsabteilungen erhaelt, eine allgemeine und eine traditionellreligiöse, dass darüber hinaus eine eigene Dachorganisation jüdischer Grossverbaende unter dem Titel COJO (Conference of Jewish Organisations) unter Aegide von Dr. Nahum Goldmann vor einigen Jahren ins Leben gerufen wurde, die nur der Aktivierung jüdischer Erziehung dienen soll, so ist das Debakel noch offensichtlicher. Im amerikanischen Juden tum ist noch heute das Verstaendnis für die Probleme jüdischer Erziehung offensichtlich gering. Nur acht Cents pro Dollar der Einnahmen der Jewish Walfare Boards in den USA wird für Erziehungszwecke verwendet. Natürlich kann damit das Erziehungswerk nicht bestritten werden. Die meisten Eltern, die ihre Kinder in jüdische Schulen, Sonntagsschulen oder Talmud-Thora- Kurse schicken, bezahlen selbst dafür. Aeusserlich ist das Erziehungswerk des amerikanischen Judentums umfangreich, aber die Ergebnisse, die Kenntnisse des Hebraeischen und der jüdischen Geschichte, sowie der Judentumskunde, sind sehr gering. Prof, Ernst Simon, der Jerusalemer Paedagoge, meinte in diesem Zusammenhang einmal, ein Wort Mark Twains variierend, dass die jüdische Erziehung in den USA breit wie der Mississippi, aber nur drei Zentimeter tief sei. Neuere Statistiken ergeben, dass eine Million jüdischer Kinder ausserhalb Israels, wo jüdischer Unterricht möglich ist, obne jede Jüdische Erziehung bleiben. Das ist an sich eine Tragödie, denn das Judentum kann nur gegen Assimilation und Auflösung durch Vermittlung von Kenntnissen und Inhalten gesichert werden. Auch der Bestand des Staates Israel haengt weitgehend davon ab. Wenn die junge Generation ihr Judentum nicht mehr mit spezifischen Inhalten verbinden kann, reissen auch erfahrungsgemaess die Bande, die Eltern und Grosseltern verknüpfen. Auch die Einwanderung nach Israel ist auf laengere Sicht hin nicht zu planen, wenn eine heranwachsende Generation die seelische Verbindung mit Israel verloren hat, die ohne geistige Verbindung mit dem Judentum nicht möglich ist. Wir sehen in diesem Zusammenhang von einer Katastrophenpolitik ab. Aber selbst wenn hier und dort, in Europa oder Amerika, neue Wellen des Antisemitismus den jungen Juden auf sich selbst zurückwerfen, wird daraus keine jüdische Existenz mehr erwachsen. Wir haben Beispiele dieser Art vor uns. Junge Juden aus Polem, die dort dem Neoantisemitismus kommunistischer Praegung ausgesetzt sind, und vorübergehend Zuflucht in Skandinavien fanden, zogen es vor, möglichst dort zu verbleiben oder nach den USA, Kanada und Australien weiterzuwandern, und nicht nach Israel, das für sie keine erkennbaren Anziehungspunkte hat. Es gibt heute freilich in der Sowjetunion erstaunliche Ausnahmen. Jungen Juden, aufgewachsen ohne jüdische Erziehung, die nach Israel tendieren. Das scheint mir der Tvpus des Trotzjuden zu sein, den wir auch innerhalb der westlichen Assimilation kannten. Druck erzeugt jüdisches Bewusstsein, aber wie es Jean- Amery richtig umschrieb, nur ein negatives: “Mein Judentum ist ein, Auschwitz-Judentum also ein zwar sehr schicksalhaftes, aber doch rein negatives”. Man kann Judentum als tragisches Schicksal erleben. Ein Beispiel dafür gibt Friedrich Torberg in seinem Roman: “Hier bin ich. mein Vater”, dessen Held Otto Maier, immer wieder auf sein Judentum hingestossen wird: Als kleines Kind neben der Mutter auf einer Parkbank, als Gymnasiast in der Auseinandersetzung mit einem antisemitischen Mitschüler, im Erlebnis der ersten Liebe mit einem Bauernmaedchen. das sich vor dem Kuss des Juden (Judenkuss?) fürchtet und schliesslich sogar in einer völlig internationalen Gesellschaft in Paris. Alle diese Erlebnisse aber können den Hel¬ PEDICURO "LUSTIG" CASA CENTRAL SANTIAGO SUC. VINA DEL MAR San Antonio 510, Plaza de Viña del Mar 17* Of. 203, V> piso Of. 10, Entrepiso Fono 33902 Edificio El Escorial Fono 883958 KINESIOLOGIA — ORTOPEDIA Manicure: Damas Caballeros Depilación a la Cera den oder Antihelden nicht zu einer Vertiefung seines Judentums führen. Das geht nur auf dem Wege über jüdisches Lernen. Wenn nach einem Worte Hillels kein Unwissender (Am Haarez) ein Frommer (Chassid) sein kann, so können wir heute erweiternd sagen, dass auf die Dauer kein Unwissender Jude bleibt. Wie aber ist der völligen Verflachung zu steuern? Die Frage wird dadurch noch komplizierter, dass die jüdische Unwissenheit zum Beispiel der amerikanisch-jüdischen Jugend Hand in Hand geht mit einem Ubermass an allgemeiner Bildung. Die Zahl der jüdischen Jugendlichen, Burschen und Maedchen, die heute ein College besuchen waechst von Jahr zu Jahr und betraegt bereits an achtzig Prozent. Sie sind also durchaus keine Analphabeten in ihrem Lebensbereich, sehr oft aber buchstaeblich Analphabeten im hebraeischen Bereich. Selbst wenn eine jüdische Minimalerziehung bis zum Barmizwahalter erfolgt, ist das völlig unzulaenglich, den dieses Wissen steht niveaumaessing in keiner Verbindung mit der allgemeinen Bildung. Alle Versuche, Lehrer aus Israel in die Diaspora zu entsenden, oder hier Lehrer für die Diaspora auszubilden, so wichtig sie sind, bleiben Stückwerk, und nur ein ganz schmaler Sektor, vor allem im orthodoxen Judentum, wird so planmaessig erfasst. In diesem Sektor finden Lehrer aus Israel und Schüler in der Diaspora auch eher eine gemeinsame Sprache als dies bei anderen Strömungen und Gruppierungen der Fall ist. Durch die jüdische Jugendbewegung werden heute ebenfalls nur noch relativ wenige Jugendliche erfasst, so dass man in den zustaendigen Kreisen in Israel und in der Diaspora heute nach neuen Wegen des Unterrichts und der Erziehung sucht, ohne ein wirkliches Aequivalent für bisherige Formen gefunden zu haben. Die jüdische Tagesschule ist natürlich die einzige radikale Lösung, aber in den USA gibt es auch heute noch weite Kreise, die der Errichtung jüdischer Schulen skeptisch gegen übersteh pn, d» sie hier die Gefahr einer Ghetto-Erziehung befürchten. Tatsaechlich ist jüdische Erziehung in der Diaspora von zwei Seiten her gefaehrdet, von Assimüation und selbstgewaehlten Ghetto. Hier einen gangbaren Mittelweg zu finden, ist nicht nur die Aufgabe der Diaspora, sondern auch eine vitale Aufgabe des' um seine Zukunft besorgten Israel. sucht tüchtige kultivierte Frau Tal. 493329 13,30 - 16 und 20 - 21,30 Uhr AUS DER JÜDISCHE» WELT © Nach einer von der Bnej Brith Hillel Foundation veroeffentlichten Statistik ist die Zahl der jüdischen Studenten in den Vereinigten Staaten 33% hoeher als die der Studenten aus dem übrigen Teil der Bevoelkerung. Mehr als 80% der jüdischamerikanischen Jugendlichen, die ihre Gymnasial - Ausbildung vollendet haben, setzen ihre Studien an den Universitaeten fort. Von diesen lernen wiederum mehr als 80% an den grossen Universitaeten — mit je über 5.000 Studenten. © Im akademischen Lehrkoerper der Universitaeten in den Vereinigten Staaten gibt es etwa 50.000 Juden; an den amerikanischen Universitaeten studieren mehr als 400.000 Juden. © Die einst blühende Gemeinde der Juden Indiens, die zu den aeltestep Judenheiten der Diaspora gehoerte, steht vor ihrem Ende. Die ehemals bedeutende Gemeinde von Cochin hat heute nur noch etwa 80 Mitglieder. Es gibt weder einen Rabbiner noch einen Vorbeter mehr und die letzten Mitglieder dieser Gemeinde planen die Auswanderung nach Israel. ® Das jüdische Theater in Warschau hat ein neues Haus mit modernster Bühne erhalten; am 21. November wurde es mit “Tevye der Milchmann” von Scholem Alejchem eroeffnet. © Gouverneur des Staates Pennsylvania wurde erstmalig ein Jude (Milton J. Shnapp). In das Repraesentanten-Haus wurde Frau Bella S. Abzug, Absolventin des jüdischen Theologischen Seminars, neugewaehlt. RELIGIONSFREIHEITSGESETZ IN PORTUGAL Die jüdischen Kultusgemeinden in Portugal werden künftig noch bessere gesetzliche Möglichkeiten für den Religionsunterricht erhalten; das sieht ein Gesetzentwurf vor, der sich auf alle nichtkatholischen Glaubensgemeinschaften sowie die von der Bevölkerungsmehrheit getragene katholische Kirche erstreckt. Die portugiesische Regierung will nach spanischem Vorbild ein eigenes Gesetz über die Religionsfreiheit erlassen. Obwohl in Portugal die katholische Kirche und der Staat getrennt sind und Kultusfreiheit für die nichtkatholische Minderheit (Juden und Protestanten) garantiert ist, sollen diese Rechte nochmals in gesetzliche Norm gegossen werden und den bisher bestehenden Zustand bestaetigen. Zwei Elemente werden von der Presse, die diese Regierungsvorlage ausgiebig diskutiert, besonders hervorgehoben: der Religionsunterricht an Schulen für Nichtkatholiken und die Anpassung des Konkordats an die Normen des Zweiten Vatikanischen Konzils, das die Religionsfreiheit in Katholischen Laendern ausdrücklich proklamierte. Dieses Gesetz soll zusammen mit einer tiefgreifenden Bildungsreform geschaltet werden, was den Schluss erlaubt, dass die Glaubensfreiheit vor allem auf dem Erziehungssektor betont werden soll. Beide Gesetze müssen von der 120 köpfigen National-versammlung verabschiedet werden, wass angesichts des Uebergewichts der Exekutive und der Einheitspartei der Nationalen Volksaktion in allen Zweigen des portugiesis chen Staatsapprats als bereits feststehend angenommen werden kann. Allenfalls sind kleinere Aenderungen im Gesetzestext zu erwarten. Die Regierune kann ihren Entwurf so g”t wie unveraendert durch ein Parlament schleusen, dessen Abgeordnete ausnahms los der von der Reeierung gesteuerten Einheitpartei angehören. "EIN DOKUMENT DER ZEITGESCHICHTE" In den “Erinnerungen” von Albert Speer, dem vor kurzem nach zwanzigjaehriger Haft in Spandau entlassenen ehemaligen Rüstungsminister des Nazireichs, findet sich folgender denkwürdiger Passus. Speers Buch, das schon vor seinem Erscheinen als “ein Dokument der Zeitgeschichte” gepriesen wurde, ist im Verlag Ullstein, Frankfurt a.M./Berlin herausgekommen. Speer erzaehlt über das “Rüstungswunder” des J ahres 1942: Mit der Vollmacht Hitlers versehen, mit einem friedfertigen Goering im Hintergrund konnte ich an den Ausbau der von mir geplanten umfassenden “S e 1 bstverantwortung der Industrie” gehen, so wie ich sie in meinem Schema skizziert hatte. Es gilt heute als sicher, dass der unerwartet schnelle Aufstieg der Rüstungsproduktion auf die Einführung dieser Organisation zurückzuführen ist, deren Grundsaetze jedoch nicht neu waren. Sowohl Generalfeldmarschall Milch wie auch mein Vorgaenger Todt waren bereits dazu übergegangen, hervorragende Techniker aus den führenden Werken der Industrie mit der Leitung von Teilgebieten der Rüstung zu beauftragen. Auch Dr. Todt hatte diese Idee übernommen: Der eigentliche Urheber der “industriellen Selb stverantwortung” war Walther Rathenau, der grosse jüdische Organisator der deutschen Kriegswirtschaft des Ersten Weltkrieges. Seine Erkenntnis, dass erhebliche Produktionssteigerungen durch Austausch technischer Erfahrungen, durch Arbeitsteilung von' Werk zu Werk, durch Typisierung und Normierung erreichbar seien, führten ihn bereits im Jahre 1917 zu dem Lehrsatz, dass unter diesen Voraussetzungen eine Verdoppelung der Erzeugung bei gleichbleibender Einrichtung und gleichbleibenden Arbeitskosten gesichert sei. Im Dachgeschoss des Ministeriums Todt sass ein alter Mitarbeiter Rathenaus, der im ersten Weltkrieg in dessen Rohstofforganisation taetig war und spaeter über deren Aufbau eine Niederschrift verfasst hatte. Von ihm bezog Dr. Todt Erfahrungen.