Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXXIII (1971)
- Issue
- 3 (Marzo, 1971)
- Date
- 1971-03-01
- Page
- Seite 15 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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MARZO 1971 BOLETIN INFORMATIVO 15 WELT - PANORAMA > VEREINIGTE STAATEN Beunruhigung über zunehmende Assimilation Ein Berater für Geistliche aller Glaubensbekenntnisse, der in New York amtliche Funktionen ausübt, sprach vor den das Studium am Isaac Elchanan Theologischen Seminar der Jeschiwa-Universitaet abschliessenden Schülern über den sich immer mehr verstaerkenden Mangel an orthodoxen Rabbinern. Diese Erscheinung sei auf die Unzufriedenheit mit der Mehrheit der jüdischen Bevölkerung zurückzuführen, die sich einer religiös-jüdischen Lebensführung widersetzt. Es habe noch nie eine so grosse Enttaeuschung unter den orthodoxen Rabbinern geherrscht, die nachdrücklich vor der Gefahr der Assimilation warnen. Im Ge gensatz zu Geistlichen anderer Konfessionen, die infolge ihrer Gegnerschaft zu Dogma und Praxis ihrer Kirchen ihr Amt verlassen, ziehen sich Rabbiner angesichts ihrer Ohnmacht, den Abfall vom religiösen Leben unter den Gemeindemitgliedern aufzuhalten, zurück. Diese Hoffnungslosigkeit bewegt viele junge Graduierte, andere Dienste innerhalb der jüdischen Gemeinschaft auszuüben. Trotz einer verhaeltnismaessig hohen Salarierung ist damit ein bedrohlicher Mangel an amtierenden Rabbinern entstanden. Die Gesellschaft für hebraeische Tagesschulen, “Tora Umesora”, hat ein Zehnjahresprogramm ausgearbeitet, um 200 neue Schulen in den USA und Kanada zu errichten. Der Direktor der Gesellschaft gab bekannt, dass als erstes 300.000 Dollar zu diesem Zweck für das Jahr 1971 bereitgestellt werden. Gegenwaertig führt diese Organisation 425 Tagesschulen in beiden nordamerikanischen Laendern. Bne-Brii-Auszeichnung für jüdische Literatur Der Bne-Brit-Preis 1970 für hervorragende Leistungen auf dem Gebiet der jüdischen Literatur wird an Rabbi Dr. Abraham Joschua Heschel verliehen für den “positiven Beitrag zur zeitgenössischen Literatur durch seine authentische Interpretation jüdischen Lebens und jüdischer Werte”. Dr. Heschel ist Professor für jüdische Ethik am Jewish Theological Seminary of America und Autor vieler Werke zur jüdischen Geschichte, Philosophie, Mystizismus und Religion. Der Preistraeger wurde 1907 in Warschau geboren als Abkömmling einer langen Linie von chassidischen Rabbinern und doktorierte bereits im Alter von 20 Jahren an der Philosophischen Fakultaet der Universitaet Berlin. Er war spaeter Nachfolger von Martin Buber als Leiter des Frankfurter Lehrhauses. Seit 1940 in Amerika, war er auch Mitarbeiter von Martin Luther King im Kampf um die Negerrechte. Bisherige Traeger des Bne-Brit-Preises waren u. a. Elie Wiesel, Saul Bellow und posthum Isaac Babel. BUNDESREPUBLIK Ex-Nazi als Pressechef der Sozialdemokraten? Nachdem das Hamburger Magazin “Stern” den Herausgeber des SP-Nachrichtendientes, Dr. Erhardt Eckert, als ehemaligen Nazipropagandisten gebrandmarkt hatte, reichte dieser den Parteigremien seinen Demissionsantrag ein. “Stern” hatte ihn beschuldigt, waehrend des Naziregimes zahlreiche antisemitische und rassistische Artikel geschrieben und die Juden in einer seiner Publikationen als “Abschaum der Menschheit” bezeichnet zu haben. Dr. Eckert soll bereits im Jahre 1928. also fünf Jahre vor der Machtergreifung durch Hitler, der National - sozialistischen Partei beigetreten sein. Die zustaendigen sozial-demokratischen Stellen in Bonn haben sich nunmehr hinter ihren Pressechef gestellt und ihn gegen die Anwürfe der Illustrierten verteidigt. Dr. Eckert sei einer der wenigen Journalisten aus der Nazizeit, die nach dem Zusammenbruch Deutschlands ihre Verbindungen mit den Nazis “aufrichtig bedauert” haetten. Waehrend der letzten 25 Jahre habe er genügend Beweise seiner demokratischen Haltung abgelegt und sollte für seine früheren Fehler nicht laenger getadelt werden. Proteste gegen die Umbenennung der Anne-Frank-Schule Heftige Proteste seitens zahzahlreicher Organisationen und Einzelpersonen sind an den Regierenden Bügermeister von Westberlin gerichtet worden, weil der Name “Anne Frank” von der Benennung einer Primarschule entfernt worden ist, nachdem sie diesen Namen zum Andenken an das jüdische Maedchen 'seit Kriegsende getragen hatte. Es verlautete, dass dieser Beschluss, ohne den Bürgermeister zu informieren, durch die Erziehungsbehörden erfolgte, als im Juni dieses Jahres die Anne-Frank-Schule mit einer anderen Primarschule zusammengelegt wurde. Deren Bezeichnung “Kurt- Tucholsky-Schule” ist auf den neuen Schulkomplex übertragen worden. Heinz Galinski, der Praesident der Jüdischen Gemeinde Berlin, beschuldigte die Erziehungsbehörden öffentlich der Taktlosigkeit; auch die Presse aeursserte sich kritisch. EIN JERUSALEM - HAUS In dem deutschen Staedtchen Neuhausen-Erms wurde ein Verein “Freunde Israels” gegruendet, der sich zur Hauptaufgabe die Errichtung einer Staette der Begegnung von Juden und Andersglaeubigen aus allen Voelkern in Jerusalem zum Ziel setzt. Dieses “Jerusalem-Haus” der Freunde Israels soll Vortraege, Ausfluege und Besichtigungen und vor allem Bibelarbeiten organisieren. Eine Hausbibliothek ist geplant und das erste Heft einer Zeitschrift “Mitteilungen der Freunde Israels e. V.” ist soeben unter dem Motto aus dem Propheten Sacharja 8,23 erschienen: “Wir wollen mit euch gehen, denn wir hoeren, dass Gott mit euch ist”. Korrespondierend zu dem Freundeskreis in Neuhausen wurde in Jerusalem ein Komitee “Agudath Beth Jeruschalajim” gegruendet, dem Rabbiner J. Ansbacher Tel- Aviv, Dr. Artur Falk, Bnei- Brak, die Professoren David Flusser und Ernst Simon, sowie Rabbiner Adonijahu Krauss vom Hechal Schlomo in Jerusalem angehoeren. Verbindungsmann ist sozusagen Dr. Ascher Eder in Jerusalem, ein zum Judentum uebergetretener Deutscher, der gemeinsam mit seiner Frau Naomi das Jerusalem-Haus leiten soll. - Mahnmal für NS-Opfer in Stuttgart Mit einer Feier wurde in Stuttgart vor dem Alten Schloss das Mahnmal für die Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft eingeweiht. Etwa 2.000 Menschen, darunter auch Ministerpraesident Filbinger. Gebhard Müller, Reinhold Maier und viele Verfolgte des Naziregimes umstanden die maechtigen schwarzen Granitquader mit der Inschrift: “1933 bis 1945. Verfemt, verstossen, gemartert, erschlagen, erhaegt, vergast - Millionen Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft beschwören Dich: Niemals wieder!” Der Text des Mahnmals ist von Prof. Emst Bloch. "Nelly-Sachs-Haus" übergeben Das Nelly-Sachs-Haus, das Elternheim der jüdischen Gemeinde Düsseldorf, wurde seiner Bestimmung übergeben. An der Eröffnung nahmen zahlreiche Gaeste der Landesregierung, der Stadt, der christlichen Kirchen und caritativen Verbaende, Vertreter jüdischer Nachbargemeinden, Freunde und neue Einwohner teil. BRANDT: JA ZUR NATION — NEIN ZUM NATIONALISMUS Das Ja zur Nation fordert nach Auffassung von Bundeskanzler Willy Brant die Ablehnung des Nationalismus. Vor dem SPD-Vorstand sagte Brandt in Bonn: “Das Ja zur Nation verlangt das Nein zu einem Nationalismus, der unserem Volk und unseren Nachbarn Millionen von Toten gebracht und Europa in jenen Teufelskreis von Unrecht gestürzt hat, der nicht aus der Welt zu schaffen ist, aber beendet werden muss”. Offenbar unter Anspielung auf die Aktivitaeten der “Aktion Widerstand” sprach Brandt von der “europaeischen Rolle” der Bundesrepublik als der einzigen, in der die Interessen der Nation gewahrt und die Interessen der Bundesrepublik auch verteidigt werden müssten “gegen Extremisten, die unter Missbrauch von Demokratie und Nation unserem Volk abermals schweren Schaden zuzufügen bereit sind”. JUGOSLAWIEN Tito bedauert arabischen Extremismus Anlaesslich seines kürzlichen privaten Besuches in Paris hat sich der jugoslawische Staatspraesident Tito — zuverlaessigen diplomatischen Quellen in Paris zufolge — dahin geaeussert, dass der grösste Teil der palaestinensischen Flüchtlinge in den arabischen Laendern angesiedelt werden könne; Israel sollte 50.000 von ihnen in seinem Staatsgebiet aufnehmen. (Exakte Angaben über die Zahl der Flüchtlinge bestehen keine, doch werden sie seitens massgebender unabhaengiger Stellen auf rund 800.000 geschaetzt). Tito soll auch die Absichten der arabischen Terroristen auf Zerstörung des Staates Israel bedauert haben. Ausserdem äeusserte er seine Ansicht, dass Israels “Aggression” 1967 für den seither stark angewachsenen Einfluss der Sowjetunion in Ägypten verantwortlich gewesen sei. Im übrigen hat Tito die Anschuldigungen wegen der Errichtung der SAM-3-Raketen am Suezkanal als nicht berechtigt bezeichnet, da diese “keinen strategischen Wert” haetten. VERMIETE gut möbliertes Zimmer mit Frühstück, Bedienung, Telefon, Warmwasser, zentrale Lage, an kultivierten solventen jüngeren Herrn. TEL. 32819 GEMEINDE SEDER Freitag, den 9. April 1971, 20,30 Uhr Portugal 810 Unter Leitung von Herrn Rabbiner Manfred Lubliner Eintrittskarten bis spaetestens Montag, den 5.April im Gemeindebüro erhaeltlich. Eintritt nur mit Karten. (E9 55 pro Person).