Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXXIII (1971)
- Issue
- 2 (Febrero, 1971)
- Date
- 1971-02-01
- Page
- Seite 10 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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10 BOLETIN INFORMATIVO FEBRERO 1971 AUS ALLER WELT SOWJETUNION AU SW ANDERUN GSWILLIGE BETRACHTEN SICH ALS "ISRAELIS" Erstmals haben auslaendische Besucher mit den russischen Juden persoenlichen Kontakt aufnehmen koennen, die oeffentliche Briefe wegen ihren Gesuchen um Ausreise nach Israel verfasst hatten. Eine Gruppe von amerikanischen Mitgliedern der Organisation zur Hilfe an russische Juden nahm in Moskau, Kiew, Leningrad und Riga solche Kontakte auf. Viele dieser Russen betrachten sich heute eher als “Israelis” denn als Bürger der Sowjetunion mit jüdischer Nationaütaet. Sie führen hebraeische Namen und sprechen Hebraeisch. kennen israelische Taenze und Lieder und hoeren reli g i o e s e Radiosendungen aus Israel. Es ist bekannt, dass einige 100.000 Juden ein- Gesuch um Ausreisevisa gestellt haben; wenige wagen sich mit offenen Briefen an die Welt- Sie haben den festen Entschluss gefasst, nach Israel zu gehen, und nehmen persoenliche und wirtschaftliche Schikanen in Kauf. An die Unterzeichner der oeffentlichen Schreiben sind aus aller Welt Karten zu Rosch Haschana gesandt worden. Die Empfaenger bezeichneten die Anteilnahme an ihrem Schicksal als unschaetzbare moralische Stütze. ITALIEN HUNDERT JAHRE BÜRGERRECHTE DER JUDEN IN ROM Die jüdische Gemeinde Roms und die Union der jüdischen Gemeinden in Italien gaben eine gemeinsame Erklaerung heraus aus Anlass der Hundertjahrfeiern, die zum Gedenken an die Eroberung Roms aus der vatikanischen Herrschaft durch Garibaldi stattfanden. Die Proklamation erinnert daran, dass diese Eroberung das letzte Getto in Italien beseitigt und den Juden Roms die vollen bürgerlichen Rechte verliehen hatte. Der Praesident der Union, Richter Sergio Pipernio, und der Oberrabbiner Roms, Dr. Elio Toaff, nahmen an den offiziellen Feierlichkeiten der Stadt auf dem Capitol teil. NIEDERLANDE NEUE SYNAGOGE IN AMSTERDAM An Rosch Haschana weihte die aschkenasische orthodoxe Gemeinde in Amsterdam eine neue Synagoge ein. In der Gegend ihres Standortes, einer Gartenvorstadt, leben 2500 Juden, hauptsaechlich jüngere Familien. Zum Synagogen-Komplex gehoert auch ein Gemeindezentrum, das der Aufrechterhaltung kultureller und Sozialer Bande unter der Gemeindemitgliedschaft dienen soll. An den Baukosten hat sich auch eine firo test antische Gruppe beteiigt, die an Sonntagen Teile des Zentrums für sich beanspruchen kann. Da die Akustik im Auditorium des Gebaeudes hervorragend ist, werden dort Proben des Amsterdamer Coneertgebouw- Orchesters stattfinden. FRANKREICH ENDLICH VERBOT DES VERKAUFS VON NAZI-EMBLEMEN Der Verkauf von Naziuniformen, Mützen, Kennzeichen, Orden und aehnlichen "Andenken” ist durch den Polizeipraefekten von Paris verboten worden. Vor einigen Monaten hatte der franzoesische Inneminister Marcellin den zunehmenden Handel mit solchen Antiquitaeten kritisiert, so dass nunmehr ein Verbot, das eigentlich schon seit Jahren faellig gewesen waere, erwartet werden koennte. Man hatte seit einiger Zeit ein Anwachsen nazistischer Doktrinen unter den Jugendlichen festgestellt. Obgleich man im allgemeinen hierfür keine plausible Erklaerung gefunden hatte, glauben manche Beobachter, dass dies auf den Einfluss der politischen Linken an den Hochschulen seit 1968 zurückzuführen ist. — Drastisch vor Augen geführt wurde dieses Phaenomen, als kürzlich ein 17jaehriger Junge einen gleichaltrigen Freund überredete, ihn zu erschiessen. Der sein Leben opfernde Fanatiker hatte sich intensiv mit der Naziliteratur aus dem hitlerischen Deutschland befasst und war zur Überzeugung gekommen, eines Heldentodes sterben zu wollen. UNGARN STARKE JÜDISCHE AKTIVITAETEN In der Jüdischen Schule in Budapest werden immer noch 120 Schüler unterrichtet. Sie steht auf dem Niveau der oeffentlichen Schulen und bereitet auch für ein Hochschulstudium vor. Religion und jüdische Geschichte stehen weiter auf dem Lehrplan- In Ungarn gibt es — beit einer jüdischen Bevoelkerung von 100.000 Personen — verschiedene Altersheime und ein Waisenhaus sowie ein Pflegeheim für Kranke und Genesende. Über 40 Synagogen werden in Ungarn benützt, darunter die groesste Synagoge der Welt in Budapest, mit 4500 Plaetzen. POLEN RAPIDES SINKEN DER AUFLAGE VON "FOLKS-SZTYME" In der Folge der Emigration von über 12.000 Juden seit dem Sechstagekrieg 1967, als Polen seine antisemitische Kampagne in verstaerktem Masse ausführte, ist die Auflage der jiddischen Zeitung “Folks - Szfyme” auf 300 Exemplare abgesunken, die von einer hauptsaechlich aelteren Leserschaft bezogen werden. Wie Samuel Tennenblatt, der Herausgeber des Blattes, bekanntgab, ist dieses nunmehr ein “vollstaendig weltliches” Presseerzeugnis; sein Sitz wurde in ein neues Gebaeude im Zentrum Warschaus verlegt. Es wird mit des Billigung der Kultur- und Sozialunion der polnischen Juden herausgegeben und erhaelt vom Staat Subsidien. Nach der Aussage des Herausgebers gegenüber einem auslaendischen Korres- ' pondenten sei dis Lage der Juden im Jahre 1967 “nicht leicht” gewesen, doch sei nun “alles vorüber”. Es gebe unter den Intellektuellen und der polnischen Jugend keinen Antisemitismus. Die Gedenkstaette im ehemaligen Konzentrationslager Auschwitz wird in den polnischen Reiseführern mit zwei Sternen angeführt. Tausende von Polen haben diese Schreckensstaette besucht, doch ist es die Meinung von auslaendischen Beobachtern, dass diese Konfrontation mit dem Wahnsinn ein Aufleben antisemitischer Hysterie nicht zu verhindern vermoege. INDIEN FORTDAUERNDE AUSWANDERUNG NACH ISRAEL Seit der Staatsgründung Israels vor 22 Jahren haben über 22.000 Juden Indien verlassen, jaehrlich ungefaehr 1000 Personen, um sich in Israel anzusiedeln, wo sie sich erfolgreich integriert haben. Obwohl dies für die indischen Juden ein Positivum darstellt, hat es doch zur Folge, dass die jüdische Gemeinschaft sich nunmehr auf knapp 10.000 Menschen reduziert hat. Sollte die Emigration im selben Masse andauem, muss mit einem Verschwinden der jüdischen Gemeinden gerechnet werden. Damit ist eine Wende in der 2000jaehrigen Geschichte der Bne Israel in Indien erreicht. Angesichts dieser Entwicklung fragen sich einige Gemeindeführer, ob das Hundertjahr jubilaeum der Thana-Synagoge, das auf 1979 faellt, nicht schon dieses oder naechstes Jahr gefeiert werden soll, solange noch Juden in Indien leben. Die meisten der indischen von Bombay, kleinere Gemeinden befinden sich in Calcutta — hier hauptsaechlich irakischer Herkunft —, Poona, Achmedabad, Delhi und Cochin. BUNDESREPUBLIK UNVERAENDERTE POLITIK ZU ISRAEL Aus einem Interview der “Allgemeinen”, der jüdischen Wochenzeitung in Düsseldorf, mit dem Stellvertretenden Bundespressechef Rüdiger von Wechmar geht hervor, dass die bundesdeutsche Politik gegenüber Israel unveraendert bleibt. Zur Besprechung von Aussenminister Scheel mit dem israelischen Aussenminister Abba Eban am Rande der Uno-Vollversammlung in New York aeusserte sich von Wechmar, der ebenfalls, in New York zugegen war, dass die Unterredung von einer besonders herzlichen und verstaendnisvollen Atmosphaere getragen gewesen sei. Scheel hat dem israelischen A u s s enminister versichert, was schon anlaesslich des Besuches von Eban in Bonn der Fall gewesen war, dass die Bundesregierung die schon von früheren Regierungen ein genommene Haltung zu L rael in der Weise fortzusetzen gedenkt, dass keinerlei Aenderungen der deutschen Israel-Politik vorgenomnen werden. Vor allem dürfe auch die Ostpolitik der Bundesregierung nicht zu Besorgnis führen, da sie keine antiisraelische Note enthaelt. Im Gegenteil, die Bundesregierung glaubt, dass eine Entspannung in Mitteleuropa Rückwirkungen haben wird auf eine solche auch im Nahen Osten .Scheel hat eine Einladung von Abba Eban zu einem offiziellen Besuch in Israel angenommen und gedenkt, ihn anfangs des naechsten Jahres vorzunehmen. Eine zweite Begegnung hat seitens des Bundesministers im Bundeskanzleramt, Prof. Horst Ehmke, stattgefunden, der sich im Hause des deutschen Generalkonsuls in New York mit Vertretern der jü disehen Organisationen getroffen hat. Minister Ehmke erlaeuterte dabei die Haltung seiner Regierung zu Israel und aeusserte sich auch zum Verhaeltnis zu den jüdischen Mitbürgern und den Juden in der Welt- Auch das Thema und die Probleme der Wiedergutmachung wurden behandelt. Eine ausgiebige Diskussion der Gespraechsteilnehmer berührte vor allem das Auftreten der rechts- und linksradikalen Gruppierungen. Die Themen der Wiedergutmachung und —zu jener Zeit aktuell— der Geiseln kamen nicht zur Diskussion, sei es aus Rücksichtnahme oder weil Minister Ehmke in seinen einführenden1 Worten befriedigende Abklaerung erbracht hatte. Bei den Wahlen im Bundesland Hessen erlitt die rechtsradikale NPD eine deutliche Abfuhr. Sie ist im neuen Landtag nicht mehr vertreten. “Brandt, an die Wand!” Der “Würzburger Terrorabend” hat in der Bundesrepublik grosses Aufsehen hervorgerufen, aber in der Presse nur ein unberichtigt geringes Interesse ausgeloest. Etwa 1500 rechtsradikale Aktivisten der sogenannten “Aktion Widerstand” (gegen die Entspannungspolitik der Bundesregierung und vor allem gegen die Anerkennung der Oder-Neisse-Linie und gegen jede Konzession an die UdSSR) hatten in Würzburg zu einem grossen “nationalen Fackelzug des Protestes” aufgerufen . Die Demonstration wurde von der NPD Würzburg beherrscht, der sich aber auch radikale CSU-Elemente und berufsmaessige “Heimatvetriebene” angeschlossen hatten. Unter unaufhoerlichen p r o v o zierenden Sprechchoeren, wie "Brandt, an die Wand!” begannen die Demonstranten bald, gegen die Zuschauer taetlieh zu werden, die am Strassenrand gegen die Morddrohungen gegen den Bundeskanzler protestierten. Das Beunruhigendste im Verlauf dieser empoerenden Vorfaelle, die an die allerletzten Jahre der Weimarer Republik erinnerten, war das Verhalten der Ordnungskraefte, die ostentativ den entfesselten Mob gewaehren Hessen und von einer Passivitaet waren, die nicht ein Mangel der Organisation gewesen sein kann. — Diese fast wohlwollende Neuf r&litaet der republikanischen Ordnungskraefte gegenüber den wüstqn Exzessen beim ersten “Grossauftritt” des Neonazismus, der in der nationalistischen Hetze ein come back sucht, war, im Negativen, das markanteste Ereignis dieses tristen Würzburger Oktoberabends . K. K.-Bl. "Israelilisches Wochenblatt", Zuerich. GESPRAECH DER 0EKUMENE MIT DEM JUDENTUM WURDE FORTGESETZT In Lugano trafen sich Vertreter des Oekumenischen Rates der Kirchen und des Internationalen Jüdischen Komitees für Zwischenreligioese Konsultationen zu viertaegigen Gespraechen unter dem Thema “Auf der Suche nach der Weltgemeinschaft: Jüdische und christliche Perspektiven”. Mit der Begegnung wurden die Eroerterungen von Februar in Genf fortgesetzt. Vor Konferenzbeginn in Lugano fand ein Meinungsaustausch über Gebrauch und Missbrauch der Bibel für politische Zwecke statt. Ausserdem wurde den Teilnehmern ein Bericht über die oekumenische Studie zum “Dialog mit Menschen anderen Glaubens” vorgelegt, die im Januar 1971 in Addis Abeba Gegenstand der Beratungen des Zentralausschusses des Ökumenischen Rates Sein wird. FLUGZEUG-ENTFÜHRER AUCH IN ISRAEL Die Jerusalemer Polizei konnte zwei Jugendliche festnehmen, die in Israel ein Flugzeug entführen und mit diesem nach Europa fliegen wollten. Die beiden Jugendlichen, die vor fünf Jahren aus Polen eingewandert waren, hatten Flugblaetter in Englisch und in Deutsch vorbereitet, in denen sie gegen die “Rückzugspolitik” der Regierung protestierten. Die Entführung sollte einer grossen Kampagne gegen “Verzicht und Rückzug” dienen. Israels Staatslotterie verkaufte im letzten Jahr in jeder Woche 650.000 Lose gegenüber nur 525.000 Losen im Jahr zuvor. Der Erloes aus diesem staatlich gefoerderten und überwachten Glücksspiel kam auf die stattliche Summe von HO Millionen IL. Nach Auszahlung der Gewinne konnten für den Neubau und für Verbesserungen von Rrankenhaeusern 21 MiHionen IL ausgeschüttet werden, waehrend für Schulbauten 27 Millionen IL zur Verfügung gestellt wurden. Von nun an muss der israelische Beamte hoeflich sein. Jeder Beamte muss einem Antragsteller eine klare, sachliche, hoefliche und rücksichtsvolle Antwort geben. Kann er eine Angelegenheit nicht sofort erledigen, so muss der Beamte einen Zwischenbescheid erteilen. Ausserdem srT er nach Moeglichkeit verhindern, das Publikum unnoetig zu einer Behoerde zu zitieren, wenn die Angelegenheit auch schriftlich zufriedenstellend erledigt werden kann. Die Behoerde hat einen besonderen Hriefsteller für Beamte herausgegeben — rnd der Israeli erwartet nun mit Freuden das erste hoefliche Schreiben ven einer Behoerde. ANNAHME