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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1970-08-01 · 8 (Agosto, 1970) · p. Seite 22

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XXXII (1970)
Issue
8 (Agosto, 1970)
Date
1970-08-01
Page
Seite 22 (sequence 22)
Language
German
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22 BOLETIN INFORMATIVO AGOSTO 1970 Die folgende Rede hat der deutsche Schriftsteller Guenfer Grase zur Eroeffnung einer Ausstellung mit Werken von Auschv/iiz. Hacfilir.gen ver dem Evangelischen Foivm BazLn gehalten Schwierigkeit eines Vaters, seinen Kindern Auschwitz zu erklaeren Diese Ausstellung zeigt Zeichnungen und Farbiges, stellt bildhafte Uebermittlung vor und kann dennoch nicht innerhalb jenes aesthetischen Rahmens verstanden werden, dem sich Ausstellungen von Grafischem und Farbigem ueblicherweise fuegen; es sei denn, der Rahmen moderner Aesthetik laesst sich sprengen und mit Hilfe der hier bildhaft gewordenen Aesthetik erweitern. Adornos Wort, nach Auschwitz koenne man keine Gedichte mehr schreiben, hat so viele Missverstaendnisse provoziert, dass ihm zumindest versuchsweise die Interpretation nachgeliefert werden muss; Gedichte, die nach Auschwitz geschrieben worden sind, werden sich den Masstab Auschwitz gefallen lassen muessen. Spaetestens hier zoegere ich, hoere ich dem Wort Auschwitz nach und versuche ich, das Wort Auschwitz an seiner Echowirkung zu messen. Wir kennen die trivialste Resonanz: Schon wieder Auschwitz! Immer noch Auschwitz? Wird das nicht aufhoeren? Will das nicht aufhoeren? Ich hoffe: nein. Ich widerspreche gleichfalls dem verhalten-vornehmen Echo: Die Antwort auf Auschwitz koenne nur Schweigen, duerfe nur Scham und Verstummen sein. Denn Auschwitz war kein Mysterium, dem Scheu distan zierte und verinnerlichte Betrachtung befiehlt, sondern Realitaet, also zu untersuchendes Menschenwerk. Seit Auschwitz folgt zwar der Kalender nicht einer neuen Zeitrechnung, wohl aber hat sich in unserem Denken — selten bewusst doch imvermeidbar unterbewusst — so etwas wie eine neue Zeitrechnung niedergeschlagen. Seit Auschwitz denkt sich der Mensch anders, zwingen wir uns, anders zu denken, und wird ueberall dort, wo Auschwitz sich fortsetzt, der einmal gesetzte Masstab mitgedacht werden muessen. ZEITLICHER WENDEPUNKT Was vor Auschwitz sich ereignete, unterliegt anderen Kategorien, sofern es beurteilt wird; obgleich es den Vernichtungsmechanismus schon immer gegeben hat: erst die Perfektion liess ihn zur Kategorie werden. Nicht die namentliche Grausamkeit einzelner Personen, sondern die anonyme Reibungslosig k e i t fleissig zu nennender Schreibtischarbeit war das Neue und noch nicht Dagewesene in seiner menschlichen Blaesse, die wir, uns distanzierend, unmenschlich nennen. Die Reduzierung der Realitaet Auschwitz zum zeitlichen Wendepunkt hat dem ehemaligen Konzentrations- und Vernichtungslager Symbolgehalt gegeben: Auschwitz steht stellvertretend fuer Treblinka und Mauthausen, fuer eine Vielzahl ehemaliger Konzentrations- und Vernichtungslager. Diese Symbolisierung erschwert die Aufgabe, den alltaeglichen Mechanismus in Auschwitz zu erklaeren, weil gleichzeitig mit der Ortsbe Zeichnung das Schluesselwort fuer jeglichen Voelkermord mitgesprochen wird. Wenn ich heute meinen Kindern Auschwitz erklaeren will — und sie verlangen diese Erklaerung aus kuehlem Zur 25. Wielerkehr der Befreiung Die niedersaechsische Landesregierung hatte zu einer Feierstunde zur 25. Wiederkehr des Tages eingeladen, an dem Bergen-Belsen am 12. April befreit wurde. Es war eine Gedenkfeier fuer die 50.000 Ermordeten in diesem Konzentrationslager. Viele Kraenze wurden am Internationalen Mahnmal niedergelegt und neben den Vertretern der Landesregierung sah man Geistliche der beiden christlichen Konfessionen, Rabbiner, Diplomaten, Abgeordnete, Politiker und, was besonders auffiel, waren die zahlreichen Jugendlichen, viel zahlreicher als bei aehnlichen Feiern vergangener Jahre. Bundespraesident Dr. Gustav Heinemann hatte zum Gedenken an die Opfer von Bergen-Belsen ein Grusswort geschrieben, das Ministerpraesident Dr. Georg Diederichs verlas. Dieses Grusswort hatte folgenden Wortlaut: “Die Namen Bergen-Belsen, Dachau, Auschwitz, Theresienstadt, Mauthausen und Schirmeck haben 25 Jahre nach Kriegsende nichts von ihrem Schrecken verloren. Die Unmenschlichkeit, die Verbrechen und die Morde, die insbesondere in diesen Lagern begangen wurden, tragen fuer alle Zeiten den Stempel des Einmaligen. Sie koennen und duerfen auch nicht dem Vergessen anheimgegeben werden. In Bergen- Belsen starben in den Jahren 1943 bis 1945 50.000 Menschen, Juden und Christen, Polen, Russen, Franzosen und Deutsche. Sie wurden gemordet oder starben an Hunger und Seuchen. Aber auch die Ueberlebenden sind fuer immer von dem Schrecklichen gekennzeichnet, was sie seelisch und koerperlich zu erdulden hatten. Fuer das, was dort geschah, traegt Deutschland die Verantwortung. Im Blick auf Gegenwart und Zukunft kann daraus nur gefolgert werden: “Niemals wieder darf die Gesinnung Fuss fassen und sich ausbreiten, die hinter solchen Untaten stand; Nationalismus und Fremdenhass, die Gier nach Macht und die Gleichgueltigkeit gegenueber unveraeusserlichen Grundregeln des Rechtes und der Moral, Untertanengeist und arrogante Selbstueberschaetzung”. ''Deutschland-Berichte" moechte”, dann bitte ich Sie geschichtlichen Vergangenheit zu bedenken, dass diese zu begreifen, in seiner Gegen- Schwierigkeiten Dimensionen wart zu erkennen und in Zu gewinnen koennten, die mit kunft nicht blindlings ausder ueberlieferten Kategorie zuschliessen. Auschwitz liegt “Erziehungsprobl e m e” nicht nicht nur hinter uns. mehr zu fassen sein werden. Es gilt, Auschwitz in seiner "Juedischer Presse-Dienst" Israels Erste Stadtsiedlung (Schluss von Seite 21) Wittern heraus, aus blanker Neugierde: “Da war doch was” —, dann werde ich, sobald ich zu erklaeren beginne, umstaendlich und — bald verstrickt im Gehege der Umstaende — missverstaendlich. Immer noch einen Schritt vor Auschwitz muss ich mich im Krebsgang ueben. Immer wieder und abermals liegt vor einer halbwegs hinreichenden Erklaerung weiterer Anlass, noch mehr Ursache zu nennen. Wir sind es auch gewesen. Das haben wir zwar nicht gewollt. Aber das, was wir ta ten, sagten und schrieben, fuehrte auf Umwegen zu einer Orts c h a f t, die Auschwitz heisst, aber auch Treblinka heissen lcoennte. Die Kinder in Deutschland werden im Frieden erwachsen. Zwischen Spiel, Schularbeit und Aussicht auf Ferien werden sie mehr vom Konsumangebot und seinem modischen Wechselspiel gepraegt als von ihren traumatisch gezeichneten Eltern: Welche Chancen habe ich, wenn ich nach dem dreimaligen Abspielen einer Jimmy-Hendrix- Platte und bevor mir die Vorzuege und Moeglichkeiten ei nes Landrovers aufgezaehlt werden, mit der abstrakten Zahl — oder genauer gesagt: abstrakt bleibenden Zahl — sechs Millionen etwas zu erklaeren versuche, das Kindern allenfalls im privatisierten Einzelfall, etwa auf den Namen Anne Frank gebracht, deutlich oder, trivial gesagt, spannend zu werden beginnt? FLUCHT AUS DER GESCHICHTE Die junge, im Frieden herangewachsene Generation ist der Geschichte muede. Und wenn ich diese Friedensgeneration bewusst verallgemeinernd geschichtsmuede nenne, gehe ich von Erfahrungen mit ihr aus und steigere meine Behauptung: Sie empfindet Ekel vor der Geschichte, weil was ihr unterrichtsweise in deutsch -idealistischer Folgerichtigkeit und auf Hegels Weltgeist galoppierend, als Geschichte ge boten wurde und wird, mehr und mehr seine absurden Schuebe offenbart: Aus der Geschichte ■— so heisst es — kann man nicht lernen. Diese von mir hier nur angedeutete Flucht aus der Geschichte kann, so steht zu befuerchten, zunehmende Ablehnung der aufklaerenden Vernunft zur Folge haben: Taeglich erleben wir, wie die nachwachsende Friedensgeneration sich mit hohem moralischem Anspruch ein Sprachklima schafft, dessen immer noch aufklaerend eingefaerbte Diktion, sobald wir nachfragen, verraet, dass ein neuer Irrationalismus Zukunft zu haben droht. Dem ist. wie ich weiss, mit Appellen an die Vernunft nur schwer beizukommen. Die Niederlagen der Vernunft spotten ihrer selbst zu zahlreich, als dass sich blosse Berufung auf die Vernunft schon als Allheilmittel gegen den neuen Irrationalismus bewaehren kann. Wenn also hier die Rede war von den “Schwierigkeiten eines Vaters, der Auschwitz seinen Kindern erkla e r e n blaue Glaswaren kauften, fuer die Hebron beruehmt ist und “Abrahams Baum” bestaun ten, in dessen Schatten der Erzvater geruht haben soll. Das moslemische Gesetz, nach dem Juden verboten war, die Treppe zur Hoehle Machpelah ueber die siebente Stufe hinaus zu betreten, wurde aufgehoben. Man brauchte nicht mehr eine besondere Geneh migung, wie der englisch-juedische Philantrop Sir Moses Montefiore, der um die Jahr hundertwende einen Freibrief des Sultans vorwies, worauf ihm der Kadi von Hebron erwiderte: “Hier steht, dass Sie die heilige Hoehle betreten duerfen, aber nichts davon, dass Sie auch wieder herauskommen”. Eine aehnliche Drohung wurde erst im Jahre 1968 wahr gemacht — inmitten einer Gruppe juedischer Pilger explodierte eine Handgranate. Vor zwei Jahren tauchte eine Gruppe von zehn juedischen Familien — darunter eine, die vor 1929 seit Generationen in der Stadt gelebt hatte— im Parkhotel von Hebron auf, um dort das Pessachfest zu feiern. Bald stellte sich heraus, dass das nur ein Vorwand war und das sie keine Absicht hatten. Hebron wieder zu verlassen. Die Militaerverwaltung war in Verlegenheit — die Leute hatten keine Erlaubnis sich niederzulassen, man erwog sogar, sie nach Je rusalem zurueckzuschic k e n, aber auf Druck der religioesen Parteien nahm die Regierung von einer solchen drastischen Massnahme Abstand. Der Buergermeister von Hebron, der in arabischen Kreisen sehr angesehene Ali Ja’aberi liess durchblicken, dass die Sesshaftmachung dieser Gruppe Spannungen schaffen wuerde. Zu ihrer eigenen Sicherheit wurden die zehn Familien im Gebaeudekomplex der Militaerverw a 11 u n g untergebracht — ein “Sieg” fuer die Araber, die die Gruppe in ein “Ghetto” gedraengt hatte. Weitere Versuche von jue dischen Gruppen, sich in den Staedten der besetzten Gebiete anzusiedeln, Wurden von der israelischen Regierung energisch unterdrueckt — die potentiellen Siedler wurden auf Lastautos geladen und zuruecktransportiert, woher sie kamen. Dagegen entstanden in den seit 1967 von Israel verwalteten Territorien 22 laendliche, halbmilitaerische Siedlungspunkte, davon zehn auf den Golanhoehen. Mit den schwindenden Frie densaussichten — das dreifache Nein der arabischen Khartoum — Konferenz vom August 1967 hatte sich nichts geaendert: keine Anerkennung Israels, keine Verhandlungen, kein Friedensvertrag — wuchs der interne Druck auf die Regierung, etwas in Hebron zu machen. Die Meinungen darueber klafften in dem innerlich so heterogenen Kabinett weit auseinander. Erst ein paar Tage, bevor Vize-Ministerpraesident Yigal Allon den Beschluss bekannt gab, ein juedisches Viertel in Hebron zu bauen, erklaerte Aussenmi nister Abba Eban: “Die Regierung hat zwar solche Plaene in Auftrag gegeben, aber nicht entschieden, ob, wann und wie sie sie ausfuehren wird”. Allon behauptet, der oeffentlichen Meinung Rechnung zutragen, sei an sich noch kein Fehler. Ueber 90% der israelischen Bevoelkerung sei gegen Rueckzug aus den besetzten Gebieten ohne Friedens vertrag, und 68% gegen Verzicht auf Gebiete als Vorbedingung fuer direkte Verhandlungen. Die blutige Sprache des Progroms von 1929 koenne nicht das letzte Wort in der 3.000-jaehrigen Geschichte von Hebron sein. Dann setzte er hinzu, was ihm allerdings von linker Seite als “gespielte Naivitaet” vorgeworden wurde: “Mit dem Bau eines juedischen Wohnviertels, das sich an das Stadtgebiet von Hebron anschliesst, ist noch kein Beschluss ueber die politische Zunkunft dieses Gebietes gefasst worden”.! Ihr Treffpunkt in Santiago! Restaurant | BELLEVUE | Huerfanos 88S, Ecke Esfade - Tel 395432 i I im 12. Stock des Astor-Gebaeude.

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