Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXXII (1970)
- Issue
- 5 (Mayo, 1970)
- Date
- 1970-05-01
- Page
- Seite 27 (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/8553624-8554752-9195205--5755-8554841- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
MAYO 1970 27 BOLETIN INFORMATIVO Rechenschaftsbericht des Praesidenten der Gemeinde, Dr. Hans Reich, in der General-Versammlung vom 26 April 1970 Die Leistungen der B ne Jisroel JUGEND UND ZWEITE GENERATION - UNSERE RELIGIONSSCHULE - MODERNE GOTTESDIENSTE - KULTUR-ARBEIT - KULTUS - DAS GEMEINDEBLATT - ZUSAMMENARBEIT MIT DER GEMEINSCHAFT - CISROCO UND ALTERSHEIM Als wir vor genau einem Jahre von unserer so harmonisch verlaufenden Generalversammlung nach Hause gingen, hoffte ein jeder von uns, dass im kommenden Geschaeftsjahre endlich der so sehr ersehnte Frieden fuer Israel kommen werde. Leider ist jedoch das Gegenteil der Fall. Nach wie vor dauern die Ueberfaelle arabischer Horden an, fast taeglich sterben hoffnungsvolle junge Menschen im Kampfe fuer die Sicherung von Israels Grenzen. Terror- Akte im inneren des Landes rufen erhebliche Verluste auch in der Zivilbevölkerung' hervor. Vor nichts schrecken die arabischen Terroristen zurueck. Alte Menschen, Frauen, Kinder sind die Opfer der zuegellosen Rachsucht und des Hasses, der ihnen eingeimpft wird. Am vergangenen Mittwoch wurde unser Yishuw und insbesondere unsere Gemeinde in Schrecken versetzt. Drei Kinder aus unserer engsten Gemeinschaft wurden von einem ■ heimtueckischen Attentat in Nablos betroffen. Gluecklicherweise scheinen nach den neusten Nachrichten die Verletzungen dieser drei hoffnungsvollen Menschen nicht schwer zu sein. Ich darf wohl im Namen der Generalversammlung und der ganzen Gemeinde von dieser Stelle aus den Kindern und ihren Eltern unser aufrichtigstes Mitgefuehl aussprechen. Auch in das Ausland tragen die Araber ihren Kampf. Mit Entsetzen denken wir alle an das fuerchterliche Attentat auf die Maschine der Swiss Air, bei dem 47 Menschen ihr Leben verloren, an das Attentat auf die Ei Al Maschine in Frankfurt und auf die oesterreichische Maschine im gleichen Orte. Ueberall hin wird dieser heimtueckische Krieg getragen, ohne dass die Welt hiergegen etwas tut, ausser Erklaerungen des Bedauerns abzugeben, die aber die Gegenseite in keiner Weise in ihrem schaendlichen Tun aufhalten. Holt aber Israels ruhmbedecktes Heer oder seine Luftwaffe zu einem Gegenschlag aus, erhebt sich ueberall Wehklagen und alle. Welt verurteilt Israels Regierung, die doch nur ihre Pflicht erfuellt, wenn sie zu unseren Feinden in der einzigen Sprache spricht die sie verstehen, der Gewalt. Waehrend die regulaeren arabischen Heere laufend ihre verlorenen Waffen von Russland geschenkt erhalten, muss Israel, wenn es ueberhaupt Waffen erhaelt, sie in harten Dollar bezahlen. Israel hat nur einen Verbündeten, auf den es sich verlassen kann, das ist das juedische Volk in der ganzen Welt. Und dieses juedische Volk hat es ueberall verstanden, worum es geht und dazu beigetragen, die ungeheuren Lasten Israels su erleichtern. Auch unsere Mitglieder haben verstanden, dass es heute nicht allein um das Bestehen des Staates Israel geht, sondern um das Fortleben aller Juden in der ganzen Welt. EINIGE ZIFFERN Bevor ich nunmehr den Bericht ueber die Taetigkeit unserer Gemeide erstatte, moechte ich Ihnen zunaechst einige Angaben machen, die fuer uns alle von groesstem Interesse sind. Wir hatten am 31. Maerz 1969 einen Mitgliederbestand von 1268 Familien; 34 Hauptmitgliedschaften, sind durch Tod oder durch Wegzug aus Santiago, 4 durch Austritt erloschen; 26 neue Mitglieder sind im Laufe des Geschaeftsjahres unserer Gemeinde beigetreten, sodass unser Mitgliederbestand am 31.3.1970 1256 betrug. Im abgelaufenen Geschaeftsjahr wurden in unserer Sinagoge 28 Trauungen vollzogen 37 Jungens Barmizwa und 4 Maedchen Bath-Mizwa. Nunmehr moechte ich mich in Einzelheiten der von uns im abgelaufenen Geschaeftsjahre geleisteten Arbeit zuwenden. An erster Stelle muss ich mich wie immer, auch heute mit unserem wichtigsten Problem befassen, der Erfassung und Erziehung unserer Kinder sowohl in unserer Religionsschule wie auch in der von uns s. Zt. ins Leben gerufenen und von uns wie immer, auch im vergangenen Jahre aufs Grosszuegigste unterstuetzten Jugendorganisation, dem BARCAI Der Barcai wurde im Jahre 1960 als Jugendorganisation fuer die Kinder unserer Mitglieder gegruendet. Das hat sich im Laufe dieses Jahrzehnts grundlegend geaendert und von den weit ueber 120 Kindern, die die Veranstaltungen des Barcai regelmaessig besuchen, stammt ein grosser Teil aus Familien von Nichtmitgliedern. Die grossen Schwierigkeiten, insbesondere von Seiten unserer Eltern, die in den ersten Jahren bestanden, sind glücklicherweise im Laufe der Zeit ueberwunden worden. Heute, nachdem der Barcai eine angesehene Position unter den hiesigen Jugendbewegungen erworben hat, schicken die Eltern ihre Kinder gern dorthin. Anfang des vergangenen Jahres haben wir ihm, dank der Vermittlung der Centra, einen Scheliach aus Israel gebracht, der sehr gut arbeitet, was sich in einem immer staerkeren Zufluss neuer Kinder zeigt. Insbesondere ist es ihm gelungen, wieder mehr Kinder unserer Mitglieder fuer den Barcai zu gewinnen. Im August vorigen Jahres haben wir in der Strasse Villaseca ein sehr schoenes zweckentsprechendes Haus mit grossem Hof und Garten fuer den Barcai gemietet. Wir koennen heute ohne Uebertreibung mit Stolz sagen, dass der Barcai eines der schoensten Jugendheime Santiagos besitzt. Um Ihnen zu zeigen, welche ungeheuren Anstrengungen wir fuer diesen Teil unserer Arbeit machen, moechte ich Ihnen sagen, dass diese Jugendorganisation, die uns so sehr ans Herz gewachsen ist, uns jaehrlich ueber E° 80.000 kostet. Das ist eine ungeheure Summe, aber Geld, das gut angelegt ist, und angelegt werden muss, weil es ja fuer keine Gemeinde eine wichtigere Arbeit gibt als die Erziehung unserer Jugend. Nur nebenbei sei erwaehnt, dass selbstverstaendlich alls uebrigen Jugendbewegungen, ohne Ruecksicht suf ihre parteipolitische Bindung von uns Subventionen fuer ihre Ferienlager erhielten. ZWEITE GENERATION Die gleiche gute Erfahrung bei unserer Arbeit fuer die juengste Generation, haben wir leider in Bezug auf die sogenannte zweite Generation nicht gemacht. Dies ist jedoch keine Einzelerscheinung bei unserer Gemeinde, sondern eine Tatsache, an der hier saemtliche Kollektivitaeten leiden und ebenso die Jischuwim unseres Kontinentes. Buenos Aires, Montevideo, Sao Paulo und Rio de Janeiro sind Jischuwim, die ich als Mitglied des Direktoriums der Centra genau kenne, und ich kann Ihnen nur sagen, dass ich bei jeder Direktoriumsitzung die gleichen Klagen aus allen diesen Staedten ueber Apathie und Gleichgueltigkeit der zweiten Generation gegenueber dem juedischen Leben im allgemeinen hoere. Ich kann mir nur denken, dass diese jungen Leute bis etwa 35 Jahren, die hier in Lateinamerika geboren oder aufgewachsen sind, su sehr mit dem Aufbau ihrer Existenz und der Gruendung ihrer Familie beschaeftigt sind, um sich ernsthaft und eingehend mit Fragen der juedischen Gemeinschaft zu beschaeftigen und fuer diese zu arbeiten. Bei der letzten Wahl zu unserer Repraesentanz zogen zu unserer groessten Freude 12 Herren der zweiten Generatiin in unsere Gemeindevertretung ein. Der groesste Teil von ihnen unter 30 Jahren. Wir haben diese Herren selbsverstaendlich auf die einzelnen Kommissionen unserer Gemeinde verteilt, die meisten natuerlich in die Kommission fuer die zweite Generation. Ich muss mit Trauer bekennen, dass diese Kommission leider die einzige unserer Gemeinde ist, die keinerlei Erfolge gehabt hat. Waehrend noch vor 2 und 3 Jahren, als etwas aeltere Herren in dieser Kommission mitabeiteten, Vernstaltungen fuer junge Ehepaare in Form von interessanten Vortraegen und Seminaren stattfanden, ist im vergangenen Jahre von unserer nur von juengeren Elementen zusammengesetzten K o m m i ssion nicht eine einzige Veranstaltung zusammengebracht worden. Unser Direktorium wird sich nach dieser Generalversammlung ernshaft mit dieser Frage beschaeftigen muessen, die von ungeheurer Bedeutung fuer den Fortbestand unserer Gemeinde ist. Es kann sein, dass uns gewisse personelle Veraenderungen innerhalb dieser Kommission zu einer erfolgreichen Arbeit helfen, denn wenn nicht in ganz kurzer Frist etwas Ernsthaftes getan wird, geht jener Teil der zweiten Generation, der sich nicht durch das Elternhaus mit der Gemeinde verbunden fuehlt, nicht nur uns, sondern dem Judentum verloren. UNSERE RELIGIONSSCHULE An dem Unterricht unserer Religionsschule, der nach wie vor am Freitag Nachmittag stattfindet, nahmen im vergangenen Jahre 35 Kinder teil. Ueber die Teilnehmerzahl in diesem Geschaeftsjahre haben wir noch keinen genauen Ueberblick, d awir uns ja erst in den ersten Wochen des Schuljahres befinden. Beschaemend ist, dhss, obwohl wir zu einer Versammlung der Eltern zwecks Anmeldung ihrer Kinder fuer die Religionsshule 120 Einladungen herausgeschickt, nur 20 Eltern an dieser teilgenommen haben. Ein derartiges Verhalten der Eltern ist unverstaendlich. Ist es denn wirklich so schlimm fuer die Kinder, wenn sie sich 1 1/2 Stunden woechentlich mit juedischer Religion und allgemeinen Fragen des Judentums beshaeftigen? Die Eltern, die glauben ihren Kindern eine derartige Belastung nicht zumuten zu koennen, vergessen, dass wir hier nicht zusammen waeren, wenn alle so daechten oder gedacht haetten wie sie es tun. Moegen die, die es angeht, doch einmal bedenken, dass unser Judentum durch die Jahrtausende sich lediglich dadurch erhalten hat, dass unsere Vorfahren und der groesste Teil von uns allen das Grosse und Schoene unserer Religion gekannt haben. Schicken Sie uns Ihre Kinder! Wir haben in unserer Religionsschule Klassen mit kleiner Schuelerzahl eingrichtet, damit unsere Lehrer den Maedels und Jungens den Lehrstoff moeglichst nahe bringen. Lassen Sie mich hoffen, dass unsere Gemeinde im kommenden Geschaeftsjahr endlich mit groesserem Verstaendnis und einer groesseren Zusammenarbeit seitens der Eltern rechnen kann und damit die Arbeit unserer Schul-Kommission und unserer Lehrer, denen ich allen herzlichst danke, dann wirklich einmal den Erfolg hat, den sie verdient. MODERNE GOTTESDIENSTE Als einen besonderen Erfolg fuer unsere Arbeit fuer die juengere Generation sehen wir die bisher einmal im Monat veranstalteten modernen Gottesdienste in spanischer Sprache an, die von dem Seminaristen Marcelo Rittner abgehalten wurden. Diese Gottesdienste waren staendig gut besucht und das Direktorium hat daher beschlossen, dass von diesem Monat an, abgesehen von den monatlichen Besuchen des Semniaristen, jede Woche die Gottesdienste am Freitag Abend in der modernen Form von unseren Herren Rabbinern abgehalten werden. Dass ein Beduerfnis hierfuer besteht, zeigt z.B. die Besucherzahl des letzten von Marcelo Rittner abgehaltenen modernen Gottesdienstes. Es waren 84 Personen, Erwachsene und Kinder ,trotz fehlender Propaganda anwesend, waehrend sonst am Freitag Abend kaum ein Minjan zusammenkommt. Ich gebe zu, dass manchen unserer aelteren Freunde es schwer faellt, sich einen Gottesdienst vorzustellen, der hauptsaechlich in der Landessprache abgehalten wird. Aber denken Sie bitte daran, dass wir nicht fuer unsere Generation arbeiten, sondern fuer den Fortbestand der Gemeinde, die bestehen muss, so lange Juden in Chile leben und als Juden leben (Fortsetzung Seite 28)