Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXXII (1970)
- Issue
- 3 (Marzo, 1970)
- Date
- 1970-03-01
- Page
- Seite 22 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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22 BOLETIN INFORMATIVO MARZO 1970 BEWEGTER MEINUNGSAUSTAUSCH Ta&un& des Jüdischen Weltkongresses in Jerusalem Die Exekutive des Jüdischen Weltkongresses, dem zahlreiche jüdische Gemeinden und Organisationen aus allen Teilen der Welt als Mitglieder .angehören, hatte in diesem Jahr Jerusalem zum Konferenzort gewählt, wo vom 7. bis 16. Januar eine intessante Tagung stattfand. Delegationen kamen aus Argentinien, Australien, Oesterreich, Belgien, Bolivien, Brasilien, Kanada, Costa Rica, El Salvador, Guatemala, Honduras, Nicaragua, Panama, Chile, Columbien, Frankreich, Bundesrepublik Deutschland, Grossbritannien, Griechenland, Indien, Iran, Israel, Italien, Kenia, Mexiko, Niederlande, Peru, Rhodesien, Rumänien, Schweden, Schweiz. Praesident der Tagung war wie seit Jahren Dr. Nahum Goldmann, assistiert von einem grossen Stabe, an dessen Spitze der Generahekretaer des Kongresses Dr. Gerhart Riegner (Genf) stand. Israel war durch zahlreiche Parlamentsabgeordnete vertreten. Das Interesse, das Israel der Konferenz entgegenbrachte, zeigte sich neben der Berichterstattung in der israelischen Presse vor allen Dingen auch darin, dass der israelische Ministerpräsident, Frau Golda Meir, Aussenminister Abba Eban, Verteidigungsminister Moshe Dayan und der stellvertretende Ministerpräsident Yigal Allon sich den Delegationen mit ausführlichen Begründungen der Regierungspolitik zur Diskussion stellten. In zahlreichen Referaten von Delegierten, die mindestens eine grosse Sektion der internationalen jüdischen öffentlichen Meinung repraesentierten, kam die Feststellung zum Ausdruck, dass heute das Image Israel mit dem Image der jüdischen Gemeinden so eng verbunden ist, dass bereits aus diesem Grunde ein vitales Interesse an der israelischen Politik vorhanden ist. Die Fragen, die international von jüdischer und nicht-jüdischer Seite aufgeworfen werden, wurden in den Vordergrund gerückt. Der israelische Standpunkt wurde eindrucksvoll vom Generaldirektor des Büros des Premierministers Dr. Yacov Herzog verdeutlicht. Ebenso wie die Existenz des Staates von Bedeutung für die jüdischen Gemeinden der Welt ist, so hat der Staat Israel angesichts einer sehr gespaltenen internationalen öffentlichen Meinung und der heftigen Kritik, der er ausgesetzt ist. starkes Interesse daran, mindestens die internationale jüdische öffentliche Meinung zu überzeugen und die volle Unterstützung aller jüdischen Gemeinden der Welt zu gewinnen. Die israelischen Politiker wiederholten immer wieder ihren Wunsch nach Frieden und Zusammenarbeit mit den Arabern, ihr Verlangen nach direkten Verhandlungen, ihre Bereitschaft zu Kompromisslösungen unter der unabdingbaren Voraussetzung der Herstellung eines Friedenszustandes. Ministerpräsident Frau Golda Meir wandte sich leidenschaftlich gegen die Behauptungen eines führenden französischen Politikers, dass sie den Krieg wolle, und betonte ihre pazifistische Einstellung. Sie habe ihren Kindern sogar verboten, mit Kinderpistolen zu spielen. Unter den israelischen Politikern mögen manche Meinungsverschiedenheiten sein, aber es kann kein Zweifel daran bestehen, dass ihr Nahziel ebenso wie ihr Fernziel der Frieden ist, den Israel dringen benötigt, darüber hinaus eine progressive Entwicklung aller Völker, die im Nahen Osten wohnen und dort ein Lebensrecht haben. Dieses Lebensrecht nimmt allerdings Israel auch für sich in Anspruch und weigert sich so lange, Positionen aufzugeben, bis ihm das Recht zum Dasein von der arabischen Welt zugestanden wird. Eine grosse Sorge bildet für Israel die Aufrüstung feindlicher arabischer Staaten mit modernen Offensivwaffen, während Staaten wie Frankreich Israel durch ein Embargo von der Lieferung bereits bezahlter V e r t' e i d' i gungsmittel ausschliesst. Der Weltkongress stellte sich in einer Resolution hinter Israels Verlangen nach Frieden und Sicherheit und betonte die Schicksalsverbundenheit Israels mit den Juden der Welt. Die allgemeine Verurteilung des Waffenembargos gegen Israel kam auch in einer besonderen Resolution über Frankreich zum Ausdruck. In dieser Verlautbarung betonte der Krongress das Gefühl der Freundschaft zwischen den Völkern Frankreichs und Israels und bedauerte gleichzeitig die Diskriminierung, die in der Embargo-Politik der französischen Regierung liegt, die durch Waffenlieferungen an arabische Staaten besonders akzentuiert wird. Der Weltkongress hofft, dass die traditionelle Freundschaft zwischen den Regierungen Israels und Frankreichs bald wiederhergestellt wird. Sehr grosse Sorge bereitet auch die Lage der Juden in der Sowjetunion, denen zwar nicht die menschliche Existenz, aber ihre Existenz als Juden erschwert oder unmöglich gemacht wird. Eine besondere Rolle spielt hierbei die Verweigerung des Rechts auf Auswanderung nach Israel. Bei diesem Komplex entstanden heftige Diskussionen, wobei sich die Kritik mangels sowjetischer Kontrahenten gegen Dr. Nahum Goldmann richtete, dem man ungenügende Aktivität in diesen Fragen vorwarf. Auch hier wurde wiederum eine Resolution gefasst. Mit Schärfe protestierte der Kongress gegen die Diskrimi nierung und Diffamierung der Juden in Polen, wo die antijüdischen Aktionen einen ausgesprochen rassistischen Charakter angenommen haben. Aus den Ausführungen vieler Delegierter wurde deutlich, dass die sogenannte antizionistische und antiisralische Propaganda immer mehr antisemitische Züge annimmt und nicht nur gegen den Staat Israel, sondern gegen die jüdischen Gemeinden und ihre Mitglieder mittelbar und unmittelbar gerichtet ist. Die Antisemiten aller Schattie rungen treffen sich hier. Neonazismus und antisemitischer Faschismus treten in der Maske neuer und scheinbar progressiver Losungen auf, verfolgen aber nur das alte Ziel, jüdische Menschen zu diskreditieren, zu diskriminieren und schliesslich zu verdrängen. Eine geschlossene Abwehrfront gegenüber dieser finsteren Reaktion, die im modernen Kleide auftritt, erschien unbedingt erforderlich. Die Probleme der Jugend und das Unverständnis der Generationen füreinan der spielten bei den Verhandlungen, insbesondere bei den einschlägigen Kommissionen, eine bedeutende Rolle. Der Kongress beschloss, dass Vertreter der organisierten Jugend bei allen Organen des J ü d i s c hen Weltkongresses mitwirken sollen. Bei der nächsten Vollversammlung soll die Jugend angemessen vertreten sein. Bei den Diskussionen ist eine grosse Anzahl jugendlicher Redner aufgetreten. Die Konferenz befasste sich ferner mit der Luftpiraterie, die zu einer internationalen Gefahr geworden ist. Hierbei wurde nicht nur die entsprechende, durch die Konvention von Tokio vorgesehene intertionale Gesetzgebung verlangt, Sonden die Konferenz wandte sich auch unmittelbar an den Internationalen Piloten verband, da nicht nur das Leben und die Gesundheit der Passagiere, sondern auch der Besatzungen ernsten Gefahren ausgesetzt wird. Der Kongress, der länger als eine Woche dauerte, war zweifellos für die gegenseitige Information sehr nützlich. Viele Meinungen stimmten überein, andererseits gab es auch Kontroversen. Das galt nicht zuletzt für die Beurteilung der Situation in den Vereinigten Staaten. Widersprüchliche Meinungen wurden insbesondere von Rabbiner Dr. Prinz und von Dr. Torczyner geaeussert. Das FarbigenprobLem in »Amerika ist nicht ohne Einfluss auf die jüdische Situation. Der Präsident des Kongresses, Dr. Nahum Goldman, zeigte sich trotz aller Kritik, die er während des vergangenen Jahres, vor allem durch die israelische Presse erfahren hat, unerschütterlich. Der Kongress bewies auch, dass sich mehr als in früherer Zeit jüngere, und zwar sehr junge Menschen an dieser Arbeit interessiert zeigen. (Juedischer Presse - Diensl) Die Verbrecher Abgleiten der Politik ins Verbrechen zu einem sehr boesen Ende fuehren kann. Dass bei den 47 Todesopfern der Swissair 13 Menschen als Ziel gemeint waren und die 34 änderen nur so nebenbei ermordet wurden, mag als Illustration dafuer dienen. Worin sie sich allerdings nicht wiederholen wird, ist in dem Umstand, dass Juden wehrlose Opfer sind. Das war einmal. Im Gegenteil: wenn noch jemand glaubte, dass Israel ein Land ist, in dem das Leben gefaehrlich sei, so wird er jetzt belehrt, dass Juden dort sicherer leben als anderswo. Die Angriffe auf den Friedhof von Santiago, das Altersheim von Muenchen, die Synagoge von Hartford und sonstige militaerische Ziele in Reich- Jerusalem ist weder Nanterre noch Berkeley, und die Studentenrevolte, die den Hohen Senat der Hebraeischen Universitaet beunruhigte, begann im Gegensatz zu anderen Revolutionen mit einer Entschuldigung: “Wegen der Sicherheitslage des Staates Israel sieht die Studentenunion vorlaeufig Von Streiks und aehnlichen Massnahmen ab”, hies es in einer Mitteilung an die Presse. “Wir appellieren an die Oeffentlichkeit, nicht zu vergessen, dass die Studentenschaft sich aus Buergern Israels zusammensetzt und wir sind sicher, dass die Oeffentlichkeit uns unterstuetzen wird”. Den Anlass gab ein Ultimatum in der Studenten-Zeitschrift “Das Eselmaul”, in dem Rektor, Professor Katz, aufgefordert wurde, den Senat zusammenzurufen, um ueber eine Mitbestimmung der Studenten in akademischen Fragen zu beraten. Die Studenten glauben naemlich, dass unter den juengeren Professoren viele ihrer Sache verstaendnisvoller gegenu eber stehen als der Rektor. Professor Katz lehnte jedoch ab und der Senat trat nicht zusammen. Wie ueber all in der Welt, so geht auch auf der Jerusalemer Univesitaet die Unruhe von Studenten der Sozialwissensehaften aus, die darueber klagen, dass nicht genuegender Kontakt zwischen ihnen und der Dozentenschaft besteht; dass das Pruefungssystem veraltet ist; und das sie ein zu geringes Mitspracherecht in Dingen der Verwaltung haben. Es gab bereits einige gemeinsame Ausschuesse von Lehrenden und Lernenden, aber die entscheidenden Fragen blieben nach wie vor dem Senat und den Fakultaeten ileberlassen. Der Rektor, der sich dagegen wehrt, “die Universitaet zu einer Kampfstaette der Revolution zu machen”, behauptet, dass in verschiedenen Pruefungen neuerdings Reformen eingefuehrt wurden. Er sei beunruhigt durch die “wilden Geruechte”, die auf dem Campus zirkulieren und durch die “tendenzioese Berichterstattung” im Studentenblatt, das den Eindruck verbreite, an der Universitaet “herrsche eine Atmosphaere der Gaerung”. “Die Idee der Revolte ist eine Psychose der Administration”, sagte Arnos Aharoni, (Schluss von Seile 21) weite der heldenhaften arabischen Krieger deuten auf eine Entwicklung, in derem Zug es innerhalb Israels vergleichsweise immer sicherer werden wird als ausserhalb. Es ist aber nicht nur die Geschichte von vor dreissig Jahren, die sich in manchen Zuegen wiederholt, sondern auch die von vor drei Jahren. Damals bedrohte Nasser, mit militaerischen und politischen Massnahmen durch die Blokkade von Eilat, den Verbindungsweg zur See nach Israel. Heute bedroht er, mit kriminellen Massnahmen, die Ver bindung zur Luft. Damals nahm die freie Welt ihre Chance, dem Friedensbruch ein Ende zu setzen, nicht wahr. Wird sie es heute tun? ATSCHEKA der Vorsitzende der Studentenvertretung. “Wir kaempfen weder gegen das Establishment noch gegen eine Ideologie. Wir haben ueberhaupt keine Ideologie. Wir machen die Mode der Studenten in den anderen Laendern nicht mit, wir sind aelter und erfahrener als sie und haben schon drei Jahre Kriegsdienst hinter uns. Alles, was wir wollen, sind Aenderungen im Erziehungsbetrieb”. Der Beschwerden sind so viele, dass sie eine ganze Broschuere fuellen, die bereits im Druck ist. Bis jetzt hat der Campus der Hebraeischen Universitaet mit einer “Kampfstaette der Revolution” allerdings wenig gemein. Die jungen Menschen, die wir trafen, sassen in Buecher versunken auf dem Rasen in der Wintersonne, hatten zwar etwas von einem Konflikt gehoert, wuss ten aber nicht genau, worum es geht. Von den 15.000 Studenten gehoeren nicht mehr als 100 zu den “Aktivisten”; Die Mehrzahlt ist so mit ihrem Studium beschaeftigt, dass sich selbst an den Wahlen fuer ihre eigene Vertretung, der Studentenunion, nicht mehr als ein Drittel beteilig te. Das einzige Kompromiss, zu dem der Rektor bisher bereit war, war ein Apell an die Fakultaeten, enger und persoenlicher mit den Studenten zu kooperieren. Es ist nicht anzunehmen, dass sich die Union damit zufriedengeben wird. In einem weiteren offenen Brief im “Eselmaul” verlangt Amos Aharoni volles Mitbestimmungsrecht der Studenten in allen akademischen Fragen, um die “gestoerten Beziehungen zwischen Dozenten und Studenten wiederherzustellen”. Als die Administration nach Amos suchte, um ein Gespraech einzuleiten, war er nicht aufzufinden. Fuer die naechsten vier Wochen duerfte er abwesend sein — wie jeder Jugendliche in Israel einmal im Jahr ist er zum Reservedienst eingezogen worden. 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