Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXXII (1970)
- Issue
- 3 (Marzo, 1970)
- Date
- 1970-03-01
- Page
- Seite 23 (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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Mentioned entities
- Chaim Weizmann 2× ep/1009290
- Agen 1× ep/1043981
- Alfred Klee 1× ep/1023208
- Eugen Landau 1× ep/1034191
- Heinrich Loewe 1× ep/1024049
- Herbert Samuel, 1st Viscount Samuel 1× ep/1004878
- Joseph Trumpeldor 1× ep/1009508
- Montevideo 1× ep/1045213
- Nahum Sokolow 1× ep/1006352
- Otto Warburg (Agrarbotaniker) 1× ep/1760108
- Yitzhak Ben-Zvi 1× ep/1007584
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MARZO 1970 BOLETIN INFORMATIVO 23 DAS EREIGNISREICHE JAHR 192C Die Zionistische Bewe^un^, vor 50 Jahren Niemand, der als junger Mensch die Zeit vor fuenfzig J ahren bewusst miterlebte, wird diese aus seiner juedischen Erinnerung loeschen koennen. Worin zeichnete sich jenes zweite Nachkriegsjahr besonders aus? Die Zionistische Weltorganisation hatte sich in den schreckensreichen Jahren 1914 — 18 stark veraendert und zugleich vergroessert. Den Massen Ost— und Suedeuropas vor allem war sehr eindringlich klargemacht worden, dass ihre Lage die denkbar-unsicherste geworden waere, und dass Jsie von politischen Veraenderungen am schwersten betroffen sein koennten. Andererseits, unter Fuehrung des grossen amerikanischen Judentums, fand der Zionismus kraft seiner politischen Erfolge Sympathisierende, auch viele aufrichtige Freunde, in Kreisen, die sich Erez Israel gegenueber bis dahin gleichgültig verhalten hatten. Die Zahl der organisierten Zionisten, noch 1913 auf etwa 130.000 geschaetzt, ergab sieben Jahre s p a e t e r fast 1.100.000. Doch der innere Zusammenhalt war ein loser; jahrelang hatten weder Kongresse noch Aktionscomitesitzungen stattgefunden. Die auf dem 11. Zionistenkongress von 1913 zu Wien eingesetzte, aus Prof. Otto Warburg (Praesident), Sokolow, Hantke, Jacobsohn und Schmarjahu Levin bestehende Leitung war schon waehrend des Krieges, zwar nicht de jure, aber de facto, durch eine Executive mit Dr. Chaim Weizmann an der Spitze und mit Sitz in London (bis 1918 Berlin) ersetzt worden. Dieser, formell noch Vorsitzender der Zionistischen Landesorganisa t i o n Englands, f u e h r t e, unter - stuetzt von Nahum Sokolow und einigen nach London uebersiedelten AC-Mitgliedern, die Geschaefte bis zur Jahreskonferenz von 1920, welche sich mit einer voellig neuen Situation zu befassen hatte. KEREN HAJESSOD In London, auf der “Jahreskonferenz”, dem Ersatzkongress, musste es zu ernsten innerzionistischen Auseinandersetzungen kommen. Welzmanns grosser Gegenspieler, Oberrichter Brandeis, und dessen amerikanische Freunde vertraten den Standpunkt, dass die Zionistische Organisation nunmehr, nach Erreichung des Zieles, der von Grossbritanien feierlich-zugesagten “Nationalen Heimstaette”, keine politischen Aufgaben mehr haette, sondern nur noch kolonisatorische auf reinwirtschaftlichen Grundlagen basierend. Auch entstand ein schwerer Gegensatz hinsichtlich der Heranziehung prominenter Nichtzionisten zu dem im Juli 1920 geschaffenen Palaestina - Aufbau - Grundfonds, dem Keren Hajessod, was zur Folge hatte, dass sich Brandeis und sein engerer Kreis von der Mitarbeit in der Bewegung zurueckzogen. Doch fand der KH infolge intensiver Bemuehungen Weizmanns und seiner Freunde die Unterstuetzung der Mehrheit der amerikanischen Zionisten. So wurde die Schaffung des Keren Hajessod vor jetzt 50 Jahren das wichtigste Ergebnis jener “Jahreskonferenz” vom Juli 1920. Daneben standen die Begruendung der zionistischen Frauenorganisation WIZO und die Bildung einer neuen Exekutive mit Weizmann und Sokolow an der Spitze, die ein Jahr danach vom Kongress bestaetigt wurde. Der NATIONALRAT Auch fuer Erez Jisrael selbst wurde das Jahr 1920 bedeutungsvoll: Am 2. Juli jenes Jahres wurde die Militaerverwalt u n g abgeschafft, und an ihre Stelle trat eine Ziviladministration mit dem juedisch - britischen Staatsmann Sir Herbert Samuel als “High Comissioner”. Spaeter uebte er dieses Amt im Namen des “Voelkerbundes” aus in Erfuellung des von diesem an Grossbritanien uebertragenen Mandates. Samuel (1870— 1963) entfaltete sofort eine rege Taetigkeit auf allen Gebieten des oeffentlichen Lebens und berief ein beratendes Comité, dem drei palaestinensische Juden angehoerten, unter ihnen der nachmalige Staatspraesident Jizchak Ben Zwi s.A. Ab 1. Oktober 1920 durften wiederum Bodentransaktionen, waehrend des Krieges verboten, vorgenommen werden. Natuerlich wurde von zionistischer Seite aus alles getan, um Bodenspekulationen zu verhindern; fuer groessere Landkaeufe kamen neurscheinnung: Der " r' des Jahres 1970 WALTER BLUHM SINGT begleitet von Herrmann Ludwig am Fluegel: Die beliebtesten Lieder und Arien auf seiner zweiten Schallplatte “ODEON”, die eine Spieldauer von 44 Minuten aufweist. Aus dem Programm: Arien und Lieder der ital. und deutschen Lyrik, (einschliesslich das bekannte “Ein Lied geht um die Welt”, aus dem Joseph Schmidt-Tonfilm), ferner israel. Lieder, und als Abschluss der bekannte Jahreskaddisch von Lewandowski-Bluhm. Diese Schallplatte ist ein wirkliches Kunstereignis und darf in keiner Schallplattensammlung fehlen: Bestellungen werden im Gemeinde- Buero entgegengenommen. fortan nur gemeinnuetzige Gesellschaften in Betracht, zu denen vor allem der Keren Kajemeth Lejisrael zaehlte. Auch die juedische “Nationalversammlung” konnte zu jenem Zeitpunkt wiederum zusammentreten und einen “Nationalrat” (“Waad Leumi”) waehlen, der aus 30 Mitgliedern aller zionistischen Parteien bestand und die Interessen der juedischautonomen Gemeinschaft Erez Jisraels wahzunehmen hatte. DIE ERWEITERTE JEWISH AGENCY In jenem Sommer 1920, nach seiner Rueckkehr aus London, uebernahm der alte ergebene deutsche Zionist der Herzl-Zeit Dr. Arthur Hantke (1874-1954) die Leitung des europaeischen Zentralbueros des Keren Hajessod, das seinen Sitz in Berlin hatte. In den folgenden fuenf Jahren wurden fuenf deutsche Zionisten in die Exekutiven von London und Jerusalem gewaehlt; unter ihnen befanden sich Richard Lichtheim und der heute im Ruhestande lebende ehemalige israelische Justizminister Pichas Rosen (Felix Rosenblueth). Eine Gruppe deutscher Zionisten unter Leitung von Dr. Alfred Klee (1875-1943) schloss sich damals zu der Vereinigung “Binjan Haarez” zusammen. Sie war, gleich Brandeis, der Ansicht, dass die Zeit der ideologischen Auseinandersetzungen vorbei sei, und dass alle Juden, unter Zurueckstellung von sonstigen Meinungsverschiedenheiten, sich jetzt zum friedlichen gemeinsamen Aufbauwerk zusammenfinden koennten. Doch war hierfuer wohl noch nicht der richtige Augenblick gekommen, denn diese Gruppe vermochte sich nicht durchzusetzen. Doch hatte sie sich erfolgreich um die Heranziehung nichtzionistischer juedischer und nichtjuedischer Freunde von Erez Jisrael bemueht, und die Verhandlungen mit Persoenlichkeiten wie Rabb. Dr. Leo Baeck, Oscar Wassermann, Generalkonsul Eugen Landau, Dr. Ludwig Tietz, General Paul von Schoenaich, der bekannte Pazifist, Botschafter a.D. Graf Bernstorff u.a.m. fuehrten zwei Jahre spaeter zur Begruendung eines “Neutralen Keren Hajessod”; dieser Organismus sollte eine wertvolle Vorarbeit leisten fuer die neun Jahre danach (1929) zustandegekommene “Erweiterte Jewish Agency”. Blieben auch noch zunaechst bedeutende Teile der damaligen mitteleuropaeischen Judenheit fern, so war doch der Grundstein fuer spaetere Zusammenarbeit gelegt worden. EROBERUNG DER GEMEINDEN Tiefen Eindruck auf viele Nichtzionisten machte der Beschluss der Entente von San Remo (24. April 1920), durch den die Balfourdeklaration in den Friedensvertrag von Sevres mit der Tuerkei einbezogen wurde. Die damals erfolgte Deklaration stellte eine Bekraeftigung der dem juedischen Volke gemachten Versprechungen dar; doch dieser allgemeinen freundigen Genugtuung war kurz zuvor ein trauriges Ereignis vorangangen: Am 29. Februar 1920 fiel Joseph Trumpeldor bei der Verteidigung von Tel Chaj in Obergalilaea; mit ihm starben drei andere Chaluziro fuer Erez Jisrael. Und in jener gleichen Epoche vollzog sich in Deutschland der erste Schritt auf dem Wege der “Eroberung der Gemeindestuben”. Die “Weimarer Republik” hatte die Durchfuehrung von Gemeindewahlen nach dem allgemeinen, gleichen, geheimen, Proportionalwahlrecht moeglich gemacht, und so konnte erstmalig die bisherige Alleinherrschaft der antizionistisch eingestellten Religioes- Liberalen Partei, die zuweilen die Unterstuetzung orthodoxer Zionsgegner fand, beseitigt werden. Im Juni 1920 brach eines der Bollwerke zusammen, die am laengsten Widerstand geleistet hatten: Die Berliner Zionisten konnten in Vorstand und Repraesentanzder Berliner Juedischen Gemeinde eintreten, und ihre Stimmen konnten seither nicht mehr ueberhoert werden: Dr. Klee, Prof. Heinrich Loewe, Dr. Abraham Loeb, Dr. Aron Sandler und Dr. Max Kollenscher leisteten fortan in jenen Gremien hervorragende nationale und religioes-kulturelle Aufbauarbeit mit dem Ziele der Schaffung der grossen juedischen Volksgemeinde. Hierzu kam das mutige Eintreten von Rabb. Dr. Leo Baeck fuer Erez Jisrael: In einer denkwuerdigen Chanukkapredigt des Jahres 1920 ging der grosse Denker aus einer bis dahin geuebten Zurueckhaltung heraus und verlangte die aktive Beteiligung aller Juden in Deutschland am Palaestina- Aufbau, am “Diesseits-Wunder unserer Tage”, wie er es damals nannte. Gegen die grosse Mehrheit des liberalen Juvon Curt Wilk dentums hielt Baeck an dieser Linie fest, wurde zwei Jahre danach Mitbegruender des “Neutralen Keren Hajessod” und trat 1929 in das Verwaltungscomite der “Erweiterten Jewish Agency” ein. WEIZMANN IN BERLIN In das Ende des Jahres 1920 fiel der erste Nachkriegsbesuch von Prof. Chaim Weizmann in Berlin, wo ihm grosse Ehrungen, auch von Reichs¬ und Staatsbehoerden, zuteil wurden. Insbesondere ehrten ihm damals Reichspraesident Ebert und Reichskanzler Dr. Wirth. Weizmann sprach in einem Massenmeeting der Berliner Philharmonie und nahm an einem fuer ihn vom Vorstand der Juedischer Gemeinde veranstalteten Empfang teil, zu dem der damals rangaelteste Gemeinderabbiner Dr. Samson Weisse hinzugezogen worden war. Doch die liberale Fraktion der Repraesentanz missbilligte diese Ehrung eines der groessten Juden der Zeit, und der verantwortliche Gemeindepraesident Geheimrat Dr. Julius Stern reagierte hierauf mit seinem Ruecktritt. Doch Weizmann wiederholte bis zum Jahre 1932 seine wichtigen Besuche in den groessten deutschen Staedten, und das Zustandekommen der “Jewish Agen cy” im Jahre 1929 ist zum guten Teil auf die haeufigen Berliner Besprechungen Weizmanns mit fuehrenden deutschen Juden seit dem Jahre 1920 zurueckfuehren. Blickt man heute auf diese Zeit zurueck, so wird dem unvoreingenommenen Beobachter die gewaltige Entwicklung innerhalb dieser fuenfzig Jahre klar. Zweifellos bildeten die Ereignisse des Jahres 1920 innerhalb der juedischen Welt eines der interessantesten und folgenreichsten Kapitel in der neueren Geschichte unseres altes Volkes. “Wir werfen die Dinger sowieso gleich weg..-!” Zeichnung: Hicks Hahbung (Die Welt) KABARETTISTISCHE KLEINKUNST “Es war einmal” Erni Sholz (Montevideo) Rezilalionsabend mit Klavierbegleitung im Saal des Goethe Instituts, Esmeralda 650 DONNERSTAG, 16 April 1970, 19,15 Uhr Einschreibungen im Goethe Institut E° 20.—