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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1970-01-01 · 1 (Enero, 1970) · p. Seite 9

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XXXII (1970)
Issue
1 (Enero, 1970)
Date
1970-01-01
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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ENERO 1970 BOLETIN INFORMATIVO 17 Deutschsprachiger Teil des Trauerrede, gehalten vom Vicepraesidenten der A.T.I. Herrn Manfred Klein, anlaesslich der Beisetzung des Herrn Marlin Michel am 10.12.1969 auf dem Friedhof in Conchali. INFORMATIVO DAS EINSTEIN - HAUS IN ULM von Kurl. R. Grossmann Bis vor kurzem war die Hauptsehenswuerdigkeit der Stadt Ulm a.d. Donau mit ihren 100.000 Einwohnern das Muenster mit dem hoechsten Kirchturm der Welt (161 m). Heute kann die Stadt aber eine zweite, nicht minder bemerkenswerte “Sehenswuerdigkeit” aufweisen: das Einstein-Haus am Kornplatz. In Deutschland gibt es etwa tausend Volkshochschulen, die im Deutschen Volkshochschulverband zusammengeschlossen sind. Aber soweit ich feststellen konnte, hat keine eine derartige Lern—, Lehr— und Begegnungsstaette geschaffen wie die in Ulm. Nach dem Willen des Kuratoriums der Volkshochschule traegt sie den Namen Albert Einstein, der am 14. Maerz 1879 in Ulm in der Bahnhofstrasse 20 geboren wurde. Als ich 1959 das erste Mal nach Ulm kam und im historischen Schwoerhaus einen Vortrag hielt, machte ich die Bemerkung, dass Ulm deswegen reich sei, weil in seinen Mauern Inge Aicher- Scholl, eine der ueberlebenden Schwestern der 1943 hingerichteten Sophie und Hans Scholl wirke, aber arm sei, weil es fuer seinen groessten Sohn, Albert Einstein, kein sichtbares Denkmal gesetzt habe. Sein Geburtshaus hatte ich vergeblich gesucht und nur eine Schuttstaette gefunden. Als ich am 21. Oktober vorigen Jahres zum dritten Mal Ulm besuchte und das erste Mal im Einstein-Haus sprach, erzaehlte mir Inge Aicher- Scholl die Geschichte des Hauses. Sie hatte es sich in den Kopf gesetzt, “ein eigenes Haus der Volkshochschule, das nach dem Willen ihres Kuratoriums von allem Anfang an den Namen des grossen, in Ulm geborenen Wissenschaftlers und Menschen Albert Einstein tragen soll”, zu schaffen. Es war eine mehr als zehn Jahre sich hinziehende Anstrengung, “ein Schwimmen gegen den Strom”, und Ueberwindung zahlloser Schwierigkeiten. Das Resultat aber war ueberraschend. Es bewies vieles: 1. was der motorische Wille eines Menschen fertigbekommen kann; 2. dass die Ulmer in Baden Württemberg keineswegs dem Projekt feindlich gegenueberstanden, und 3. dass angesichts soviel demokratischen Willens die Buerokratie ihre Waffen strecken musste. Was von keiner Hoererschaft einer anderen Volkshochschule im Bundesgebiet bekannt geworden ist, ereignete sich: in Ulm wurden 370.000 DM als Bausteine fuer das Projekt gesammelt. Dann kamen die Zuschuesse: das Land Baden / Wuerttemberg gab 800.000 DM, davon 200.000 DM fuer die Buecherei, 640.000 DM stellte die Stadt Ulm und 150.000 DM der Landkreis Ulm zur Verfuegung. Die fehlenden 400.000 DM lieh die Sparkasse in Ulm. Inge Aicher-Scholl sagt, dass ein entscheidender Kristallisationspunkt von grossem Gewicht die Erinnerung an Albert Einstein gewesen sei, “dessen menschliche und ethische Kraft seiner wissenschaftlichen Bedeutung nicht nachsteht”. Das Einstein-Archiv ist im Entstehen begriffen, aber bedarf der Unterstuetzung aller — und Inge Aicher-Scholl sagte mir: “Wir sind mit Photokopien zufrieden, denn wir verstehen vollauf, dass sich die Besitzer von Einstein-Dokumenten nicht von den Originalen trennen wollen”. AUTHENTISCHE GESCHICHTE Die Grundsteinlegung des Hauses fand am 27. Januar 1967 statt, und damals pries man bereits die unermuedliche Inge Aicher-Scholl als die treibende Kraft, den Motor des Unternehmens. Volkshochschulen dienen der Erwachsenenbildung. Sie sind das wichtigste Mittel, fremde Sprachen, fremde Laender den Hoerern naeherzubri n g e n; aber die unabhaengige Inge Aicher-Scholl als Direktorin hat eine Reihe von Vortraegen unter dem Titel “Authentische Geschichte” eingefuehrt, in deren Rahmen ich z.B. vor etwa achtzig jungen Menschen und 20 aelteren ueber die Geschichte der Hitler- Fluechtlinge sprach. Sie hat aus dem tragischen, aber heldenhaften Schicksal ihrer Geschwister gelernt, wenn notwendig Nein zu sagen, wo alle anderen Ja sagen, und bringt den Mut zum Ja auf, wenn es ihrer eigenen Ueberzeugung und Erkenntnis entspricht, wo alle Welt ein Nein erwartet. In diesem Sinne ist Inge Aicher-Scholl eine verantwortungsvolle Nichtkonformistin. Der Gegenpol zu diesem ihrem Charakterzug ist jedoch ihre vollkommene Hingabebereitschaft fuer die Sache, fuer die Menschheit und den Willen, Mitverantwortung zu uebernehmen. Wer auch nur einen Tag mit Inge Aicher-Scholl verbracht hat, kann nur gestaerkt in dem Glauben an das Gute im Menschen seinen Weg zum naechsten Reiseziel antreten. Das Einstein-Haus wurde am 16. Oktober 1968 eroeffnet und Professor Walter Jens hielt die Festrede. Nicht als Kunstwerk erscheint ihm Einsteins Leben, “sondern als Beispiel fuer eine Zeit, in der selbst die Guete ein Janus- Gesicht traegt und die Weisheit voll Blut ist... Kein Kunstwerk, sondern Stachel und Provokation - Mahnung, Verhaeltnisse zu schaffen, die menschlicher, demokratischer und sozialistischer sein werden, als sie es im Augenblick sind... Verhaeltnisse, die den Wissenschaftlern die Angst vor dem Missbrauch ihrer Forschung nehmen und den Blick zum Sternenhimmel ueber mir wieder so freundlich wie zu Zeiten Kants und Newtons sein lassen”. Es war eine erhebende Feier, von der die Weltpresse haette Notiz nehmen sollen, da die grossen deutschen Wissenscha f 11 e r versammelt waren, um Einstein zu ehren und sich zu ihm in Deutschland zu bekennen. ORGAN FUER WISSEN UND BEGEGNUNG Seit 1966 wurde das Haus am Kornplatz gebaut und Inge Aicher-Scholl fuehrte mich durch ihr Reich, das ein Sprachorgan fuer das Gewissen der Menschheit sein soll. In Untergeschoss befindet sich die wachsende Biblothek, dazu Seminarraeume, Bueros, Anmeldung und Diskothek. Im ersten Obergeschoss ist der als “Aufenthaltsraum” gekennzeich n e t e Mehrzweckraum, der den Hoeren als Foyer oder Klubraum, als Raum fuer Fest- und Feier-- stunden, gelegentlich auch fuer Sonderausstellungen dient. Um ihn herum sind drei Bueros der Verwaltung, das eine Inge Aicher-Scholl gehoerig, ein Leseraum, ein Uebernachtungsraum, ein Restaurant und der Orangesaal, der mit seinen Tischen 100 Hoerern Raum gibt, aber ohne diese bequem 200 beherbergt. Im zweiten Obergeschoss befinden sich 7 Seminarraeume, eine Diskothek und eine Halle. Der dreigeschossige Dachbau wurde im Rasterverfahren konzipiert, in Stahlbeton aufgefuehrt und mit vorgehaengten, weiss durchfaerbten und hinterluefteten Eternitplatten verkleidet. Der Bau “ist durch und durch Baukoerper, dessen gestalterische Vorzuege in der Abstufung von flaechigen und kubischen, offenen und geschlossenen Formen zu suchen sind”. Das Treppenhaus ist weit und bequem und das ganze Haus lichtdurchtraenkt. Am Eingang entstand eine von sechs Betonstuetzen getragene offene Vorhalle. Was bietet die Volkshochschule im Einstein-Haus? Erweiterung beruflicher Kenntnisse in den Berufskursen; gruendliche Kenntnisse in den zentralen Wissens- und Bildungsgebieten; Informat i o n ueber aktuelle Fragen der Gegenwart; Podiumdiskussionen im kritischen Kolleg, in MARTIN MICHEL BEGRUENDER UND EHRENPRAESIDENT DER ASOCIACION ISRAELITA DE TECNICOS E INDUSTRIALES DE CHILE Martín Michel In uns, die Martin Michel das letzte Geleit zur ewigen Ruhe geben, erwacht die Erinnerung an jahrzehntelang waehrendes gemei n s a m e s Schaffen und Wirken. Es war in den ersten Jahren der Emigration, als noch jeder von uns einen kollegialen Rat gebrauchen konnte; es war noch zu der Zeit, als man uns Juden nachsagen wollte, dass wir keine'produktive Arbeit leisten; es war noch in den Jahren, wo wir uns zusammenschlies s e n mussten, um den Lebenskampf als Juden besser bestehen zu koennen. Damals war Martin Michel einer der wenigen, die gerade dem Handwerker und Kleinindustriellen einen reicheren Lebensinhalt geben wollte und so gewann er in unermuedlicher Arbeit viele Freunde, mit denen er sich fuer dieses Ideal einsetzen konnte. Seine fortschrittlichen und evolutionaeren Anschauungen, seine bewusste juedische Einstellung, seine verstaendnisvolle Stellungnahme zu unseren Problemen und seine Anteilnahme an den persoenlichen Dingen eines jeden Einzelnen, stellte ihn stets an die Spitze unserer Vereinigung. Meine liebe Familie Michel und Wittenberg, die A.T.I. weiss, wen Sie und wir alle verloren haben, doch das Wirken Martin Michels kann nicht mit dem heutigen Tage ausgeloescht werden. Gerade heute, am Chanukka-Tage, gedenken wir eines erbauenden Kapitels unserer Geschichte, welches uns zeigt, wie sich ein Funke zu einer hell leuchtenden Flamme entfalten kann und dass wir die Taten unserer Vaeter nicht vergessen. Martin Michel. Sein Herz, das staendig bei uns war, hoerte auf zu schlagen; seine Stimme verstummte, die uns stets den rechten Weg wies; doch sein Geist und seine Kraft, mit der er uns beseelte, raeumten der A.T.I. einen ehrenwerten Platz ein, den wir innerhalb unserer Gemeinschaft belegen duerfen. Wollen wir in seinem Sinne weiter arbeiten und stets seiner gedenken. Moege uns sein Wirken und Schaffen als Vorbild dienen und uns die Kraft geben, sein Werk fortzusetzen. AUS DER OESTERREICHISCHEN SOZIALVERSICHERUNG Der Council of Jews from Austria hat sich seit langer Zeit bemueht, eine Novellierung des Allgemeinen Sozialversicherungsgesetzes (AVSG) in folgender Hinsicht zu erreichen: Den Beziehern von Pensionen wurde ein Betrag fuer Krankenversicherung in Abzug gebracht, obwohl die im Ausland wohnenden Rentner keinen Anspruch auf Leistungen aus der oesterreichischen Krankenversicherung hatten. Nunmehr hat der Oesterreichische Nationalrat eine Novelle beschlossen, nach welcher, ab Oktober 1968, dieser Abzug von den im Ausland wohnenden Pensionsberechtigten nicht mehr vorzunehmen ist. denen “die heissen Eisen des oeffentlichen Lebens von Experten behandelt werden”; authentische Geschichte; Haus der Begegnung mit Vortraegen der religioesen Bildungsarbeit und anderes. Als ich mit Inge Aicher- Scholl in das Einstein-Haus ging, fragte ich: “Wo steht die Einsteinbueste?” Sie laechelte. “Warten Sie, bis wir ins erste Obergeschoss kommen”. Statt einer Bueste hat man in der grossen Halle des Obergeschosses eine elektrisch beleuchtete Photomontage ueber Einstein, sein Geburtshaus, die Bilder seiner Eltern. Einstein a'ls junger Gelehrter, Einstein mit Weizmann und viele andere aufmontiert, die ein gutes Bild ueber das erregende Leben dieses grossen Mannes geben. Unter den Bildern entdeckte ich eines aus dem Jahre 1931: Einstein bei einer Protestkundgebung gegen den Terror in den Hochschulen. Es war eine Versammlung der Deutschen Liga fuer Menschenrechte im Langenbeck-Virchow Haus, in welcher insbesondere der Fall von Professor Gumbel diskutiert wurde. Da sah man Professor Einstein, Martin Hobohm, Gumbel und andere Professoren, . die gekommen waren, ihre warnende Stimme zu erheben. Damals hielt Einstein als vorletzter Redner, muede geworden, die kuerzeste der Ansprachen, weil ihm die Geduld ausgegangen war. Po hatte mich im Einstein-Haus in Ulm, das die praechtige Inee Aicher-Scholl mit all ihren Ulmer Freunden, nicht zu vergessen Oberbuergermeister Pfizer, geschaffen hat, die Geschichte eingeholt.

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