Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXXI (1969)
- Issue
- 12 (Diciembre, 1969)
- Date
- 1969-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/8553624-8554659-9195187--5645-8554735- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
20 BOLETIN INFORMATIVO DICIEMBRE 1969 KURT R. GRD5SMANN Nixon und das Amerikanische Dilemma Die Rede des Presidenten Nixon vom 3. November, lange angekuendigt, sorgfaeltig vorbereitet — der Praesident verwarf die meisten Entwuerfe seiner Mitarbeiter und schrieb den Text selbst — war einie historische in jeder Beziehung: Sie erschien den Hoerern wahrhaftig, Sie war hoffnungslos, was das baldige Ende d,es Vietnamkrieges anbelangt, und in gewissem Sinne war es eine Durchhalte-Rede. Aenderte diese Rede die Stimmung des Landes? Wenn man dem Gallup-Meinungs-, forschungsinstitut glauben darf, dann waren 77 v.H. jener Amerikaner, die die Rede gehogrt oder gelesen haben, mit ihr einverstanden, weil sie der Auffassung sind, dass keine andere Alternative moeglich ist, diesen ungluecklichen Krieg zu beenden, als die, den Suedvietnamesen mehr und mehr in die Lage zu setzen, ihren Krieg, ihren Krieg aus eigener Kraft mit amerikanischer logistischer Unterstuetzung allein weiterzufuehren. Diese Alternative haengt jedoch von einer Reihe unbekannter Faktoren ab, die der Praesident aus verstaendlichen militaerischen Gruenden nicht deklarieren konnte, aber die, wie er sich ausdrueckte, vom Gegner bestimmt werden, Sollte naemlich Hanoi den Krieg eskalieren, so wuerde dies ein neues militaerisches Engagement Amerikas bedeuten. Es war eine traurige Rede, eine Bestaetigujig eines der tragischsten Misserfolge amerikanischer Politik in der modernen Zeit, aber der Kernpunkt duerfte wohl dem Presidenten von einem grossen Teil der Amerikaner ab- Wenn man manchmal die Berichte über den Nahen Orient liest, in welchen die Dinge offensichtlich tendenziös und unwahr im Interesse der arabischen Extremisten, d. h. also im Interesse der sowjetischen Expansion dargestellt werden, so fragt man sich erstaunt, ob die antisemitische Gesinnung mancher Pressepiraten so weit geht, dass sie gegen die höheren Interessen der westlichen Welt Propaganda machen. Dass bei dem antiisraelischen Feldzug nicht alles mit rechten Dingen zugeht und nicht alles „demokratischfortschrittliche Ueberzeugung” ist, hat die Welt kürzlich erfahren. Zwei laboristische Abgeordnete, Margaret McKay und Christopher Mayhew, haben in letzter Zeit eine ausserordentlich lebhafte Propaganda gegen den „israelischen Imperialismus” entfaltet und haben auch Vorträge in den USA gehaiten, um den grossen Eindruck zu verwischen, den Golda Meir während ihres Aufenthaltes in diesem Lande gemacht hat. genommen werden, selbst von jenen 60 Prozent, die es heute fuer falsch halten, dass sich die USA ueberhaupt in Suedvietnam engagiert hat, naem. lich eine Niederlage amerikanischer Waffen gegenueber einem militaerisch soviel schwaecheren Gegner. Nixon Will nicht der erste Praesident sein, der fuer ein solches militaerisch - moralisches Debakel verantwortlich ist. ENTTAEUSCHUNG UND OPPOSITION Was aendert die Rede tatsaechlich in den Vereinigten Staaten? Wird die wachsende Opposition gegen den Krieg Schweigen, abwarten oder gar dem Appell des Praesidenten, “ihm zu vertrauen”, folgen? Diese Hoffnung duerfte sich nicht erfuellen, auch wenn Senator John F. Fulbright, Vorsitzender des Auswaertigen Ausschusses des Senats, seine Verhoere erneut vertagt hat. Im Senat haben sich die Fronten kaum veraendert, ja selbst der Fraktionsfuehrer der Republikaner, Senator Scott, hat seine Enttaeuschung ueber die Nixon-Rede nicht unterdrückt. Die demokratische Opposition wird verstaerkt durch eine solche republikanischer Senato r e n, denn wie ehrlich und wahrhaftig auch immer die Rede des Praesidenten war, die politische Perspektive ist hoffnungslos. Einige der Wahlergebnisse vom 4. November bedeuten zweifellos eine Staerkung der Position Nixons, weil er in New Jersey und Virginia, wo in beiden Staaten republikanische Kandidaten fuer . die Gouverneurswahl siegten, Wahl- Aber die beiden ehrenwerten Mitglieder des britischen Parlaments hatten Pech gehabt. Wie die ITA mitteilt, hat jeder der beiden Unterhausmitglieder für seine „grossen Verdienste” um die Sache der arabischen Revanchisten von einem Scheich Abu Djabi-die Petroleum— Scheichs schwimmen bekanntlich in Geld —die ziemlich ansehnliche Summe von 100.000 Pfund Sterling erhalten. Dieser skandalöse Vorgang hat auch im Unterhaus Widerhall gefunden. „Das Unterhaus muss wissen —sagte der ebenfalls laboristische Abgeordnete W. Hamilton — wie es dazu kam, dass beide Abgeordneten von arabischer Seite Geld angenommen haben.” Eine Spezialkommission wird nun diesen beschämenden Vorgang näher untersuchen. Soweit wir wissen, haben die grossen Nachrichtenr dienste über diesen Skandal nichts berichtet. "Semanario Israelita" Buenos Aires. reden gehalten hatte, d.h. sein praesidentielles Prestige war in den Wahlkampf eingestzt worden. Das Ergebnis in New Jersey, wo ein ziemlich unbekannter Republikaner mit 60 Prozent gegen einen alten Politiker wie den frueheren demokratischen Gouverneur Meyner siegte, ist von besonderer Bedeutung. Aber auch der Erfolg in Virginia, bisher eine Hochburg der Demokraten, bedeutet zweifellos eine Staerkung der Position Nixons. DIE WAHLEN IN NEW YORK In beiden Staaten stand Vietnam nicht im Vordergrund der Wahlkampfdebatte. Aber in New York bei den Buergermeisterwahlen hat der schwer umkaempfte John V. Lindsay sich das erste Mal als Unabhaengiger gegen die Parteiapparate durchgesetzt und er hatte die Vietnamfrage in den Vordergrund seiner Kampagne gestellt. Die Wahlen in New York sind nach vielen Richtungen bedeutungsvoll und lehrreich. Lindsay konnte diese Wahl nur gewinnen, weil drei Kandidaten kandidierten, der Republikaner und Konservative Marchi, der Demokrat Procaccino und der unabhaengige liberale Lindsay. Je mehr konservative Stimmen sich auf Marchi vereinigten, der keine Gewinnchance hatte, desto mehr stiegen die Chancen fuer Lindsay. Kein Zweifel, dass seine Aussichten, wiedergewaehlt zu werden, schwierig, ja zeitweise gering waren. Hier spielten die juedischen Stimmen, etwa ein Drittel der Waehler, eine wichtige Rolle. Traditionell waehlen Juden liberal und fortschrittlich, aber der Lehfrerstreik und andere “Fehler” schienen die juedischen Stimmen in das Procaccino- Lager zu bringen. Vor allem machte man Lindsay den Vorwurf, er tue zuviel fuer die Neger, und vergass dabei, dass unter Lindsay die Riesenstadt New York, sicher mit Erschuetterungen, aber im ganzen ohne Feuerbraende, Tote, verwuestete Stadtteile vier der kritischsten Jahre diese Epoche ueberlebt hat. Es gab Analysten, die prophezeiten, dass der juedische Waehler im Wahllokal zu seiner traditionellen Entscheidung, liberal und fortschrittlich zu waehlen, zurueckkehren wuerde. Sie haben recht behalten, und so ist Lindsays Wiederwahl ein persoenlicher Triumph, den er keiner Partei, sondern nur seiner Ueberzeugungskraft und dem gesunden Sinn der New Yorker Waehler zu danken hat. Fuer Nixon ist die New Yorker Buergermeisterwahl kein Trost und kein politisches Plus. DEMORALISIERUNG UND FAHNENFLUCHT In seiner Rede hatte sich Nixon an die Jugend gewandt, die mit ihm und seiner Politik nicht einverstanden ist. Die studentische Jugend ist in ihrer Mehrheit, wie dies die Protestbewegung im Oktober und November bewiesen hat, gegen die Politik Nixons und wird dabei von einem grossen Teil des Lehrkoerpers, von Abgeordneten und Senatoren unterstuetzt. Nixon appellierte an die “stillen Waehler”, die nicht protestieren, aber er Schwieg ueber die erschreckende Tatsache,- ein Zeichen tiefgehender Demoralisierrung, dass die Fahnenflucht von Jahr zu Jahr waechst. Waehrend z.B. im Jahre 1667 - 40,227 Desertionen registriert wurden, im Jahre 1968 - 53,352, so rechnet man fuer das Jahr 1969 mit 73.000 Fahnenfluechtigen. Allein in den ersten neun Monaten 1969 gab es 55.454 Deserteure, davon 43.223 von der Armee, 3.756 von der Flotte, 8.092 von den Marine-Frontsoldaten und 383 von der Luftflotte. Die Gruende fuer dieses Phaenomen sind die steigende Desülusion durch den Vietnamkrieg, die allgemeine anti-autoritaere “Jugendkultur”, die in den jungen Koepfen Fahnenflucht keineswegs als einen “Akt der Schande” betranchJtet. Hinzu kommen die Erleichterungen, nach Kanada zu gehen und die Hilfe, die “Fahnenfluechtige” oder jene, die nicht eingezogen werden wollen, von einer Reihe von Organisationen in Montreal und Toronto (Kanada) erhalten. Wenn man sich in Toronto, wie das eine Anzahl von Berichterstattern getan haben, mit den “Fahnenfluechtigen” unterhaelt und sie nach den Gruenden ihrer Flucht aus der Heimat befragt, dann lautet die Antwort: “Ich will nicht in einem nutzlosen Kriege in Vietnam getoetet werden”. Andere, belesene, rebellieren gegen das “militaerische System” im ganzen und unter den Deserteuren finden wir solche, die aus Vernunftgruenden diesen schicksalhaften Schritt getan haben, aber auch andere, die mehr oder minder aus gefuehlsmaessigen Impul s e n mitgegangen sind. Eine Zeitlang hatte Kanada die “Deserteure” ausschliessen wollen, aber die kanadische oeffentliche Meinung begehrte auf und nun werden sie alle in grossen Zahlen angenommen, erhalten Hilfe, werden oft erkannt an ihrem militaerischen Haarschmitt und Tausende dieser “Deserteure” haben sich bereits in das kanadische Leben integriert. Viele von ihnen erhalten von Hause aus Unterstuetzung, studieren in Kanada oder sind berufstaetig. Sie hoffen Sicherlich, nach den Vereinigten Staaten zurueckkehren zu koennen, aber die Mehrzahl erst dann, wenn dieser unglueckliche Krieg in Vietnam beendet sein wird und eine Amnestie die Wiederversoehnung’ des amerikanischen Volkes bewerkstelligt hat. Sie folgen dem Praesdienten in seinem Appell, mit ihm “fuer den Frieden vereinigt” zu sein, aber diese mehr als 150.009 Fahnenfluechtige haben bereits entschieden, nicht mit Nixon in seinem zweiten Appell “gegen eine Niederlage” vereinigt zu sein. Ist Richard Nixon der Mann, der ueber die notwendige Inspiration und Autoritaet verfuegt, den aufgerissenen Zwiespalt zwischen sich und dem Volke abzutragen? Nur die Zeit wird darauf antworten koennen. ZUFALL ODER ALARMSIGNAL? Die Berliner Zeitung “Die Welt” berichtet, dass die Eltern und Schüler des neuen “Progymnasiums” in Heildelberg den Vorschlag, die Schule nach der verstorbenen deutsch-jüdischen Kemphysikerin Lise Meitner, zu benennen, abgelehnt hätten. Statt dessen sei angeregt worden, den ausser jeder Debatte stehenden, aber gänzlich unbekannten Namen der Malerin und Naturforscherin Sibylla Merian aus dem 17. Jahrhundert für die Benennung zu verwenden. In einer Sitzung des Heidelberger Stadtrates hat die liberale Stadträtin Hannah Walz erklärt, man stosse auf grosse Schwierigkeiten, wann immer für die Benennung einer Schule der Name eines Juden oder Anti-Nazis wie Lise Meitner oder die Schölls in Aussicht genommen werde. In diesem Zusammenhang wird an die lächerlichen Argumente erinnert, die der Rektor Professor Diemer gegen die Benennung der Duesseldorfer Universität nach Heinrich Heine ins Treffen geführt hatte. Sind solche Meldungen reiner Zufall oder müssen sie von der demokratischen Welt als Alarmsignale betrachtet werden? (Association of Jewish Refugees in Great Britan) F. Hellendall Reise- Beratung, Flug, Schiff, Fuehrungen Billigste Kombinationen, Gruppen, Tours, Abzahlungen. 22 Jahre bewaehrt (Frueher Agencla Cosmos) Moneda 973, Ofic. 338 SANTIAGO - Cas. 2982 NORBERTO EBEL KORRUPTE POLITIK