Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXXI (1969)
- Issue
- 11 (Noviembre, 1969)
- Date
- 1969-11-01
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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18 BOLETIN INFORMATIVO NOVIEMBRE 1969 VON LIBANON, LIBYEN UND SONSTIGEN LIEBLICHEN LEUTEN Ueber einen Regierungswechsel ohne Wahlen —Libyen—, einen Regierungswechsel nach Wahlen —Deutschland — und Wahlen ohne Regierungswechsel —Israel—, wenn auch mit Verspaetung, so doch zu berichten, versprach die Redaktion des “B. I.” vor einem Monat. Ein Versprechen, das eingeloest werden soll, obwohl die Fuelle der sonstigen Ereignisse den dafuer verfuegbaren Platz auf ein nur fuer Telegrammstil geeignetes Minimum reduziert. VAKUUM IM LIBANON Unter diesen sonstigen Ereignissen nimmt der Versuch des libanesischen Heers, die Terroristen Schachmatt zu setzen, den hervorragenden Platz ein. Die Tatsachen sind bekannt: Von allen Nachbarn Israels Ist Libanon der einzige, der einem offenen Konflikt nicht nur immer konsequent ausgewichen ist, weil er sich im Gegensatz zu den anderen keiuen Illusionen ueber die militaerischen Gegeben h e i t e n hingibt, sondern auch, weil er etwas zu verlieren hat. Hort der arabischen Fluchtgelder, und Harem der Touristen, gemessen seine Buerger einen fuer arabische Verhaeltnisse maerchenhaften, fuer internationale akzeptablen Lebensstandard. Hinzu kommt, dass die Haelfte der Bevoelkerung christlich ist und der Heilige Krieg eine fuer sie zu anstrengende Form des Antisemitismus dar stellt. Das prekaere relig i o e s e Gleichgewicht zwischen dieser ap Prozessionen teilnehmenden Million Menschen und der anderen, die zur Wiege und rum Grabe des Propheten pilgert, wird nun schon waehrend des guten Viertel] ahrhunderts Unabhaengigkeit mit einer politischen Waage kontrolliert. Zum Praesidenten der Republik wird stets ein Christ erkoren, wogegen der Platz des Premierministers bezw. des Parlamentspraesidenten von je einem Vertreter der zwei hauptsaechlichen mohammedanischen Sekten eingenommen wird. Diese Sozietaet funktionierte auch dem Vertrag entsprechend und ganz leidlich, bis die syrischen Extremisten, Terroristen, vielleicht auch Kommunisten verschiedener Faerbung das Brennus-Schwert der Gewalt in die mohammedanische Waagschale warfen. Unter dem Vorwand, Handlungsfreiheit gegen Israel zu wuenschen, verstaerkten sie in den vergangenen Monaten ihre Infiltrierung im Sueden des Landes. Da der Premier Raschild Karame, ein quasi-Nasserist, schon vor Monaten zurueckgetreten war und nur mangels eines Nachfolgers die Ge- 6chaefte als Demissio n a e r fuehrte, war das Land praktisch ohne eine richtige Regierung, die sich zu dem Versuch haette aufraffen koennen. seiner Jordanisierung Einhalt zu gebieten. Ob sie dazu willens gewesen waere, haette sie das Land mit voller Autoritaet regiert ist eine obendrein noch offene Frage. Jedenfalls unternahm das, an und fuer sich schwache und kleine Heer, den recht lobenswerten Versuch, die Fattach- Banditen zu entwaffnen. Und obwohl letztere in den bewaffneten Auseinandersetzung erbaermlich sch 1 e c h t abschnitten, gelang es ihren Helfershelfern aller Schattierungen, den Arm des Gesetzes zu laehmen. Es waren dies: © Syrien, das den Terroristen alle nur denkbare Unterstützung angedeihen liess, "inschliesslich militaerischer Natur durch regulaere Einheiten. O Die Sowjet-Union, die Q.S.A. bezichtigte, den Kon flikt im Libanon angestiftet zu haben, um eine amerikanische Intervention zu rechtfertigen, © Der Scheich von Kuweit, fuer den der Zusammenbruch des libanesischen Konkurrenten einen wachsenden Strom von Fluchtgeldern in seine erdoel-goldene Tresors bedeuten wuerde und der, solch edler Ziele eingedenk, selbstlos vermittelte, © Libanesisches Lumpenproletariat, palaestinensische Fluechtlinge, Heilige Krieger und politische Extremisten, die in libanesischen Staedten, vornehmlich jenen mit mohammedanischer Mehrlieit wie Tripoli und Sidon, mit Nachdruck randalierten, © Karame, der als ausübender Demissionaer... demissionierte und damit das Land nicht nur ohne Regierung, sondern praktisch ohne Administration liess, © Und schliesslich Nasser —wie haette er auch fehlen koennen?—, dem es schliesslich gelang, zu “vermitteln”. Mit welchem Resultat? Abgesehen von dem praktischen eines Waffenstillstands wurde keines bekannt gegeben. Das kann zwei Dinge bedeuten. Entweder wird noch weiter verhandelt, um den “Revolutionaeren (Terroristen) Handlungsfreiheit an der israelischen Grenze zu gewaehren, ohne die Integritaet des Libanon zu gefaehrden”, oder aber dieses Verhandlungsziel wurde bereits erreicht, aus sehr verstaendlichen Gruenden der Vorsicht und Selbsterhaltung iedoch geheim gehalten. Sollte letzteres der Fall sein, kann es nicht mehr sehr lange dauern, bis es sich herausstellt, dass die beiden Ziele zwar in einem Satz, aber nicht in ein und derselben Wirklichkeit untergebracht werden koennen. Wer den Terroristen Handlungsfreiheit gewaehrt, gefaehrdet damit automatisch die Integritaet seines Landes, sei es wie im Falle Jordanien, wo sie eine Art Parallelregierung ausueben, sei es durch die Tatsache, dass die Israelis entschlossen sind, ein bewaffnetes Woertchen mitzureden. Des letzteren in Form des Besuchs auf dem Flughafen von Beirut lebhaft eingedenk, hatte Praesident Helou diesen in Moskau, Kairo und anderen Hauptstaedten des Marxismus und Koran so uebel aufgenommenen Versuch unternommen, Ruhe und Ordnung im Lande zu gewaehrleisten. Und wenn er noch, was die als erste angedeutete Moeglichkeit ist, weiter verhandelt, um dies irgendwie zu erreichen, so kann natuerlich der in Kairo Unterzeichnete Waffenstillstand genau so viel wert sein wie irgend ein anderer von den vielen, die Araber in den letzten 20 Jahren unterschrieben haben, d.h. nicht mehr als ein Scheck der Intra-Bank. Das sind die, im Moment noch etwas unklaren, Perspektiven. Fest steht wohl nur MONATSSPIEGEL eins: dem Libanon stehen schwere, unruhige, gefaehrliche Zeiten bevor. Sowohl innen— wie aussenpoli tisch stellt er ein Vakuum dar: ohne Fuehrung, ohne klare Ziele, ohne Entschlossenheit sie zu verteidigen, innerlich zerrissen, eine moegliche Beute skrupelloser Nachbarn oder roter Imperialisten -—oder beider—, und zum Ueberfluss mit zuviel nackten Frauen und zuviel reichen Maennern. AM RANDE NOTIERT Manche Tatsachen, Erklae- ’-ungen und Stellungnahmen mit mehr oder weniger direktem Zusammenhang damit muten fast nur anekdotisch an, als da sind: . © Das State - Department wirft in einer Antwort auf sowjetrussische Beschuldigungen die Fiiage auf, ob die Sowjet-Union auch “tatsaechlich an einer Loesung des israelisch-arabischen Konflikts interessiert sei” oder vielmehr daran, ihn zu schueren und zu verewigen. Wie man sieht, bleibt selbst Mr. Rogers auf die Dauer nichts verborgen. © Der Quai Dorsay stellt fest, Libanon sei das Opfer des ungeloesten israelischarabischen Konflikts, welch letzterer nur durch Wiederaufnahme der Viermaechte- Verhandlungen zu loesen sei. Eine Verurteilung der syrischen Aggression, um die es sich bei dieser Bedrohung der Existenz des Staates Libanon ja in erster Linie handelt, ist in diesem der Weisheit letzter Schluss nicht zu finden, obwohl Paris doch bei der Verurteilung der israelischen Repressalie im Vorjahre, die keineswegs die Zerstoerung des Staates, sondern nur einiger Flugzeuge zum Ziel hatte, die bekanntlich nicht unprovoziert war und die letzten Endes keine Menschenleben gekostet hatte, sich als ganz ausserordentlich redegewandt erwiesen hatte. © Dagegen hat das gleiche Frankreich nunmehr seine Opposition gegen den Anschluss Israels an die Europaeische Wirtschaftsgemeinschaft eingestellt, sodass die diesbezueglichen Verhandlungen wieder in Gang gebracht - werden koennen. © Syrien —es bedarf keiner Adjektive, um dieses Land zu definieren, wenn es auch bei dem Versuch, sie zu gebrauchen, daran mangeln wuerde— hat seinen Platz im “Sicherheitsrat” eing e n o mmen. © Israel hat die Feiern zum 25. Jahrestag des Voelkerbunds boykottiert, auf sonstige Gesten der Verachtung jedoch verzichtet. © Nasser, gesundheitlich wieder wohlauf, hat in einer Rede verkuendet, vor einer Rueckgabe aller besetzten Gebiete sei an ein Abkommen nicht zu denken (dies als Richtlinie fuer die sowjetamerikanischen Besprechungen), und versprochen, alle Probleme in einem “Meer von Blut” (dies als Rauschgift fuer die jubelnden Reichstagsabgeordneten) und vor einem “Horizont voll Feuer” (der Teufel des Weltkriegs an die aussenpoli tische Wand gemalt) zu loesen. Goetterdaemmerung hin, Heiliger Krieg her, verspricht er eine solche “Loesung” nun schein seit zwei Jahrzehnten und die Frage draengt sich auf, wie lange die Parteigenossen, bei aller muselmaennlicher Geduld, noch zu warten bereit sind, zumal er ihnen jetzt, bei der gleichen feierlichen Gelegenheit, eine Rechnung von tausend Millionen Dollar vorgelegt hat. Es koennte ja doch mal jemand auf die Idee kommen, dass eine solch nicht unerhebliche Summe in einem erbaermlich armen, kranken, hungernden, abgerissenen und rueckstaendigen Land besser investiert werden koennte als in dem chimaerischen Versuch, ein Nachbarland zu zerstoeren. REGIERUNGSWECHSEL UND WAHLEN Anderseits kalkuliert er richtig, dass die Sowjet-Union, Vaterland des Sozialismus und Hueterin des Friedens, zweifellos zur Finanzierung von Blutmeeren und Feuerhorizonten liberalere Kredite bereitstellt als zur Sanierung des sozialen und politischen Morasts, in dem die roten Sumpfblueten der zaristisch-bolschewistischen Ausdehnungspolitik so herrlich gedeihen. Hinzu kommen die hundert und soundsoviel Millionen jaehrlich, mit denen Feisal und andere Fortschrittler die aegyptische Pleite und ihr eigenes schlechtes Gewissen, durch den schwunghaften Handel mit dem Westen belastet, zuechtig verschleiern, sowie die Hoffnung, dass der Umsturz in Libyen ihm Kontrolle ueber die gewaltigen Oel- und damit Dollarquellen dieses Nachbarlandes geben wird. Ob letztere Rechnung so glatt auf gehen wird, mag noch dahingestellt bleiben. Gewiss, als am 1. September der senile Idriss von jungen und, wie koennte dem anders sein, “sozialistischen” Offizieren abgesetzt wurde, drehte Libyen mit Kehrtmasch dem “reaktionaeren” arabischen Lager den Ruecken und schwenkte in das blutmeer— und feuerhorizontfortschrittliche ein. Wenn noch irgendjemand an ihrer Legitimation als Sozialisten haette zweifeln sollen, so wurde sein Misstrauen auf der militaerichen “Gipfel” —Konferenz der ersten November—Tage in Kairo zerstreut, wo die Libyer das blutige und feurige Wort fuehrten. So erfreulich das fuer Nassers Propaganda klingen mag, so bedenklich kann es trotzdem im Grunde fuer ihn sein. Denn: heisst das nun, dass die Libyer auch bereit sind, seine Abenteuer bedingungslos zu finanzieren? Droht nicht vielmehr die Gefahr, dass sie, frei von den Komplexen des ancien régime, fuer eine Gewissens-Absolution nichts mehr zahlen wollen? Banditenchef Arafat jedenfalls kam aus Benghazi mit einem sehr mageren US? 250.000 Scheck zurueck und, beim Barte des Propheten, der alte Idriss hatte zwar mit dem Schwerte des Islams nicht mehr fuchteln koennen, er war aber grosszuegiger gewesen. Deutschland, es sei in diesem Zusammenhang genannt, weil auch dort ein Regierungswechsel stattfand, hat in den Wahlen vom 28. September dem Nazismus eine Abfuhr erteilt. Die NPD erhielt nur 4,3% der Stimmen und damit weniger als das Minimum, um in den Bundestag einzuziehen. Diese Tatsache, zusammen mit der Perspektive, dass es jetzt eigentlich endgueltig abwaerts gehen sollte mit dem Spuk der Herren um Thadden, stellt ein sehr wichtiges und erfreuliches Ergebnis dar, wenn auch die mehr als 1,4 Millionen Sitmmen, die in diesen weniger als 5% stecken, Grund zu fortgesetzter Wachsamkeit bieten. Von der neuen Koalition SPD-FDP steht zu hoffen, dass sie die korrekte Israel-Politik ihrer Vorgaenger fortsetzen wird. Gewisse negative Momente, (Fortsetzung Seite 19). | Wir beraten Sie unverbindlich bei der Zusaml[ { menstellung Ihrer Reisen im In- und Ausland, j j i Hotel Reserven-AusSluege-Passagen ]\ i Guenstxge Zahlungsbedingungen | [ SPORTSTOUR || \ Teatinos 304, Tel. 68832-83770-63100 ||