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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1957-12-01 · 12 (Diciembre, 1957) · p. Seite 13

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XIX (1957)
Issue
12 (Diciembre, 1957)
Date
1957-12-01
Page
Seite 13 (sequence 13)
Language
German
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Diciembre, 1957 BOLETIN INFORMATIVO 13 y WIE GROSS IST RUSSLANDS VORSPRUNG Unter dem Vorsitz von Senator Lyndon Johnson hat ein Ausschuss des amerikanischen Senats vor einigen Tagen die Aufgabe in Angriff genommen, den russischen Vorsprung auf dem Gebiet ider Fernraketen und Astronautik zu untersuchen, sowie auch die geeigneten Massnahmen vorzuchlagen, denselben so rasch wie moeglich aufzuholen. Den Erklaerungen nach zu urteilen, die von den hervorragendsten Experten der U. S. A„ deren Zeugnis das Komitee zweifellos einholen wird, bereits der Presse gegenueber abgegeben worden sind, wird sich dieses mit den widerspruchvollsten Unterlagen zurechtfinden muessen. Denn waehrend einerseits die Stimmen nicht fehlen, die gute Gruende fuer die Ansicht Vorbringen, dass das (Potential der U. S. A. bezw. der freien Welt das russische binnen kuerzester Frist wieder erreichen koenne, neigt andererseits kein Geringerer als Dr. Wernher von Braun dazu, fuer dieses wahrlich dringende Unternehmen die keineswegs knappe Zeitspanne von fuenf Jahren zu veranschlagen. Niemand kann wissen, wer dabei der Wahrheit naeher kommt, zumal jeder Ansicht naturgemaess ein gewissen Mass Optimismus bezw. Pessimismus, UnterschaetzUng bezw. Ueberschaetzung mancher noch ungeloester Probleme zugrunde liegen muss, die nicht immer auf dem Spezialgebiet des jeweiligen Experten liegen. Einiges laesst sich jedoch bereits heute beurteilen: So hat es den Anschein, dass die amerikanische Wissenschaft die physikalischen, mathematischen, elektronischen und metallurgischen Probleme eines Satelliten geloest hat, nicht aber gewisse ingenieurtechnische, wie die rechtzeitige Abloesung der verschiedenen “Etappen” waehrend des Flugs, oder wie vor allem das chemische eines geeigneten Brennstoffs grosser Potenz zur Erreichung der erforderlichen Anfangsgeschwindigkeit. Sodann muss man sich die Frage vorlegen, welche neuen Fortschritte die Russen in dem hypothetischen Zeitraum von heute bis in fuenf Jahren, den die U. S. A. brauchen werden, um so weit zu kommen, wie jene heute schon sind, nun ihrerseits machen werden. Schliesslich hat der gigantische Wettlauf in den Raum mit der Entsendung von Satelliten ja erst begonnen und seine naechsten Etappen sind die Bemannung derselben, die Konstruktion von Raumstationen, die Reise zum Mond und zu den “erdnahen” Planeten. Zu diesem Thema hat die Zeitschrift “Newsweek” einige Unterlagen veroeffentlicht, die nur zu groesster Besorgnis Anlass geben koennen. So -berichtet sie u. a., dass im Jahre 1950 in U. S. A. 78 Tausend Wissenschaftler und Ingenieure ihre Titel erhielten, d. h. doppelt so viel wie in Russland. 1957 wird U. S. A. einen Rueckgang auf 70 Tausend zu verzeichnen haben, waehrend die Sowjet-Union mit 150 Tausend neu Graduierten rechnen kann. Wenn man nun zu dieser einfach katastrophalen Umkehrung der Proportion noch hinzurechnet, welch grosse Kotingente von Studenten im letzten oder gar im vorletzten Semester bereits von einer privaten Konsumgueter - Industrie hinwegengagiert werden, die in Russland uaberhaupt nicht existiert, dann muss man die Frage nach dem Vorsprung neu formulieren. Sie lautet dann nicht mehr: “wie gross ist er?”, sondern: “um wievel wird er groesser?” PRAESIDENT EISENHOWERS KRANKHEIT Die Sympathie, die jeder anstaendig empfindende Mensch dem Manne entgegenbringen muss, der seine Gesundheit immer wieder in kritischen Momenten aufs Schwerste unterminiert sieht, darf nicht dennoch um Vieles mehr dramatischen Hintergrund seines Leidens verschleiern. Denn dieser Mann ist der Praesident der maechtigsten Nation der freien Welt. Die gleichen Aerzte, die bereits seine zwei frueheren Attakken bagatellisierten und die sich nach der schweren Operation des Vorjahres zu der Behauptung verstiegen, es ginge ihm besser denn je, sprechen auch diesmal wieder von einer voruebergehenden Stoerung, die mit einer Reduzierung der ohnedies bereits aeusserst reduzierten Arbeitszeit des Praesidenten zu beheben sei. Der gleiche Kluengel, der ihn mit einer Leichtfertigkeit ohnegleichen dazu bestimmte, sich zur Wiederwahl fuer ein Amt zu stellen, dem er physisch nicht mehr gewachsen war, versucht eine grosse Nation und die halbe Welt mit der Tatsache zu beruhigen, dass der Praesident an Wildwest-Romanen Freude findet und sich selbst rasiert. Es kann daher nicht mehr Wunder nehmen, dass selbst Kreise, die dem Vize-Praesidenten Nixon mit der groessten Reservegegenueberstehen, in der Abdankung Eisenhowers zu seinen Gunsten den einzig gangbaren Weg sehen. Besser eine konsequent schlechte Fuehrung als gar keine! DIE ZWICKMUEHLE Selten ist eine verfahrene Situation mit einem solch grellen Schlaglicht aufgedeckt worden, wie die nordafrikanische mit den angloamerikanischen Waffenlieferungen nach Tunis. Seit der Bereinigung der Situation in Tunis und Marokko durch das Kabinett Mendes-France lieferten die Franzosen in bescheidenem Umfang Waffen an die beiden, nun unabhaengigen, Staaten. Im (Moment als es klar wurde, dass die gleincen Waffen in die dass die gleichen Waffen in die Algier gelangten, stellte Paris diese Lieferungen naturgemaess ein. Prompt sprangen die U. S. A., sekundiert von England, in die Bresche, indem sie (bei Nacht und Nebel und ungeachtet der Proteste des Quai Dorsay, einem entsprechenden Gesuch des tunesischen Praesidenten Habib Bourtgiiba stattgaben und anscheinend recht erhebliche Men gen von Waffen in der jungen Republik ausschifften. Dass dabei ganz banale Gruende geschaeftlicher Konkurrenz eine Rolle splielten, steht wohl ausser Frage. Als sicher kann auch gelten, dass grosse amerikanische Firmen damit rechnen, mit solchen Lieferungen fuer spaeter einen Weg zu den von Frankreich erschlossenen Erdoellaegern fh der Sahara zu bahnen. Aber zweifellos ist der tatsaechliche Hauptgrund diesmal, was bei politischen Ereignissen sehr selten der Fall ist, mit dem offiziell angegebenen identisch: Der Westen hat Angst, die Waffen nicht zu liefern, da sie sonst die Rüssen liefern koennten. An dieser Gefahr gemessen, erscheint idie gering, dass die CBluete der franzoesischen Jugend in Algier von den Kanonen seiner “Allierten” dahingerafft wird! Das ist eine der vollkommenen Zwickmuehlen, in die der unermuedliche Foster Dulles die westliche Allianz hineinmannoevriert hat. In normalen Zeiten gehoert es zu den kleinen Freuden eines Journalisten, der Staatsmaennem, die es ja doch nicht lesen, a posteriori vorzurechnen, wie sie es besser haetten machen koennen. Es ist Foster Dulles gelungen, die Situation so zu verfahren, dass er einer solchen Kritik entzogen bleibt. Haette man keine Waffen nach Tunis schicken sollen? Falsch! Sie also doch schicken? Falsch! Nichts tun? Falsch! Etwas tun? Noch falscher, am falschsten! In einer solchen Krise kann ein derart formatloser Politiker bereits tun, was es will, er wird immer den Gegner beguenstigen, zumal wenn dieser unbeirrbares Zielbewusstsein mit Schhlauheit, Fanatismus mit Skrupellosigkeit und Frechheit mit Geschick so meisterhaft verbindet, wie dies bei den Machthabern des Kreml der Fall ist. Um sie zu bezwingen, ist ein Staatsmann vonnoeten, der Gesinnung und Vision, Realismus und Phantasie besitzt, der nicht erst morgen auf die heutige Provokation des Gegners reagiert, sondern der selbst heute schon weiss, was uebermorgen wichtig sein wird. Der etwas von Churchill hat. Oder selbst von Roosevelt, mit all seinen Irrtuemern, von Masaryk, von Adenauer, von Ben Gurion. Macmillan zumindest schien sich etwas zu schaemen und flog nach Paris, um die anglo-franzoesische Allianz wiederherzustellen. Vieles geht in die Brueche. Natürlich laesst sich auf solch einem kaum eingestandenen Shamgefu'ehl nicht viel bauen. Aber Foster Dulles scheint sich noch nicht einmal zu schaemen. DIE BEZIEHUNGEN DEUTSCHLAND¬ ISRAEL Vor den Wahlen in der Deutschen Bundes-Republik galt es als Tatsache, dass die kommende Regierung in Bonn die Initiative zur Aufnahme voller diplomatischer (Beziehungen mit Israel ergreifen werde. Eine gewisse Zeit der neuen Amtsperiolde ist 'bereits vergangen, ohne dass fuehlbare Anzeichen fuer ein solches Ereignis zu' verspueren waeren; im Gegenteil, es scheint eher etwas stiller darum geworden zu sein. Bekanntlich hat die zunehmende Reserve der Adenauer-Reigierung keine innenpolitischen Gruende. Die CDU verfuegt heute ueber eine absolute Mehrheit und der greise Kanzler ueber einen souveraenen Einfluss in seiner Partei; die immer noch bedeutende SPD-Opposition ist betont Israelfreundlich und gerade die "ehemaligen” Nazis, die Querulanten und Unverbesserlichen, die “IHeimatvertriabenen” die Kommunisten sind zu absoluter parlamentarischer Ohnmacht verurteilt. Dagegen haben es die arabischen “Lobbyisten” verstanden, mit der Androhung einer Anerkennung des Regimes von Pankow einen Druck auf Bonn auszuueben, wie er noch vor weni gen Jahren —als unsere eigene Rechtsopposition noch gegen Wiedergutmachungs - Abkommen und diplomatische Beziehungen laermend zu Feld zog garnicht denkbar war. Wenn heute Laender wie Aegypten und Syrien, die absolut unter russischem Einfluss stehen, noch ¡Beziehungen mit Bonn statt mit Pankow aufrecht erhalten, so ausschliesslich, um den entsprechenden Wechsel, erst als Antwort auf die Annaeherung Bonn - Jerusalem vorzunehmen. Mit dem ihm eigenen Eifer ist natürlich auch das State - Department in Bonn vorstellig geworden und hat auf die Staerkung hingewiesen, die eine Anerkennung des ostdeutschen Regimen durch seine arabischen Verbuendeten fuer die kommunistischen Maechte bedeuten wuerde. Das Beispiel Jugoslawien, das ganz ohne Provokation Beziehungen mit dem Regime Ulbricht - Grotewohl aufgenommen hat, mag Adenauer wohl gezeigt haben, das ueber Kurz oder Lang die roten Hauptstaedte — und dazu gehoeren auch Kairo und Damaskus — ihr Verhaeltnis mit Pankow vor dem diplomatischen Standesamt eintragen werden. Die Vorsichtigen seiner Ratgeber jedoch und dazu scheint auch Aussenminister von Brentano zu gehoeren, neigen aber zu der Ansicht, diese Entwicklung keines falls durch eine “ueberstuerzte” Anknuepfung von Beziehungen mit Israel zu provozieren. Wie dem auch sei, es ist Adenauers Problem, diese Faktoren in ihrer politischen Tragweite abzuwaegen. Was aber gesagt werden muss, ist, dass darueber hinaus eine grosse moralische Verantwortung auf dem Kanzler lastet. Die Normalisierung der Beziehungen mit Israel ist ein unumgaenglicher Schritt auf dem Wege der Wiedergutmachung! Alles, was an materiellen Leistungen unter diesem Namen entrichtet wird, ist kaum Rueckerstattung und ganz gewiss jeder moralischen Bedeutung bar, wenn die DBR vor dem Bekenntnis, das von ihr gefordert und das sie bereits versprochen hat, zurueckschrecken sollte. Bereits zwei Mal, einmal den Arabern und einmal U. S. A. gegenueber, hat Adenauer Druck von aussen getrotzt und den Emst zur Wiedergutmachung, die er als einen Teil seiner Sendung empfindet, unter Beweis gestellt. Es ist eine seiner geschichtlichen Aufgaben, ihn heute zu erhaerten. ATSCHEKA ANZEIGENSCHLUSS am 4. JANUAR

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