Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XIX (1957)
- Issue
- 9 (Septiembre, 1957)
- Date
- 1957-09-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/8553624-8554444-9194308--2082-8554571- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Septiembre 1957 BOLETIN INFORMATIVO 5 BOTSCHAFTER TZUR GIBT INDISKRETE ANTWORTEN Von HANS KAUFMANN “Darf ich Sie mit dem Redakteur unseres Gemeindeblatts bekannt machen, oder erinnern Sie sich noch. ..?”, fragte Herr Dr. Landau freundlicherweise und ebnete mir so den Weg zu Dr. Jacob Tzur. “Gewiss erinnere ich mich”, erwiderte dieser laechelnd. Also-stimmt es wirklich, dass Diplomaten nie “nein” sagen, dachte ich, waehrend er mir mit einem ermunternden “Schalom” die Hand drueckte. Denn schliesslich sind es jetzt schon mehr als sieben Jahre her (“B. I.” vom Juni 1950), dass ich Gelegenheit hatte, ihn zum ersten Mal im Namen des “Boletin Informativo” auszufragen. “Gestatten Sie, Herr Botschafter, dass ich Ihnen einige indiskrete Fragen stelle? Wir Journalisten haben doch ein solches Privileg”. “Indiskrete Fragen gibt es nicht. Es gibt nur indiskrete Antworten”, antwortete er lachend und fuegte ermunternd hinzu: “Also, schiessen Sie los”. Beim Niederschreiben dieser Zeilen muss ich der Vorsehung noch Abbitte leisten, dass ich in diesem Moment nur dachte: “Die Sache faengt gut an”. Zwar kommt die Euphorie, die sich meiner mit einer Geschwindigkeit bemaechtigte die sich nur mit der bei der Eroberung der Halbinsel Sinai vergleichen laesst, treffsicher zum Ausdruck. Die unglaubliche Tatsache aber, dass es einer doch immerhin recht bescheidenen Monatsschrift in der Gestalt eines noch bescheideneren Amateur - Journalisten gelingen sollte, Israels Botschafter in Frankreich exklusiv zu interviewen, den wichtigsten Mann auf dem entscheidendsten Posten im israelischen Aussendienst!... ja, fuer diese Tatsache den gebuehrenden Dank abzustatten, wird wohl erst nach vorheriger Ruecksprache mit dem Rabbinat der Gemeinde moeglich sein. " “Begannen die franzoesischen Waffenlieferungen an Israel bereits unter der Regierung Laniei oder erst mit Guy Mollet?” “Was finden Sie an dieser Frage indiskret?”, erwiderte er herausfordernd. “Zumindest ihren Zusammenhang mit einer gewissen Kontroverse”, sagte ich zoegernd, unter Anspielung auf die Debatte zwischen dem ehemaligen Premier Scharett und dem jetzigen, Ben Gurion. “Die Kontroverse existiert nicht mehr. Wir erhielten Waffen bereits von der Regierung Edgar Faure, ja selbst schon von Mendes-France. Die Lieferungen im grossen Masstab begannen jedoch unter Guy Mollet”. “Und Bourges-Maunoury?... Er unterbrach die Frage, indem er aus der Besorgnis in Stimme und Blick auf deren Richtung schloss: “Bourges- Maunoury war und ist einer der grossen Architekten der franzoes - israelischen Freundschaft. Er ist ein wunderbarer Freund Israels”. “Ist es wahr, dass Bemuehungen Im Gange sind, eine formelle franzoesisch - israelische Allianz zu unterzeichnen?” “Wir glauben in erster Linie an die franzoesisch-'israelische Freundschaft. Dieselbe existiert, ist erprobt und festigt sich von Tag zu Tag. Ob daraus eine formelle Allianz wird? Vielleicht. Es ist nicht das Entscheidende. Auf alle faelle muesste die Initiative von der franzoesischen Regierung ausgehen”. “Welche Position wird die Delegation Israels in der bevorstehenden Vollversammlung der N. U. in der Debatte ueber Algier einnehmen?" Israel hat Verstaendnis fuer die Haltung Frankreichs in Algier und wird dies zum Ausdruck bringen”. Die Praezisxon seiner Antworten, die er uebrigens in einem nicht nur absolut korrekten, sondern eleganten Spanisch formuliert, ermoeglicht es, in den wenigen zur Verlegung stehenden Minuten fast alle Themen anzuschneiden, die mein pochendes Reporter- Herz bewegen. Glauben Sie, Herr Botschafter, dass der tunesische Praesident Habib Bourgiba eine positive Rolle in einer israelischarabischen Annaeherung spielen kann? Ist er gut zu den Juden?”. “Ja er ist gut zu den Juden. Er hat sogar hochgestellte juedische Mitarbeiter. Aber das ist eine Sache. Eine andere ist es, wie er sich auf internationaler Ebene zu Israel verhalten wird. Um dies beurteilen zu koennen, muessen wir wohl erst einmal abwarten, dass sich sein Regime konsolidiert. Er hat noch mit Problemen zu kaempfen, die allen jungen Laendern —mit Ausnahme Is raels— eigen sind: Unsicherheit, Mangel an Organisation” “Glauben Sie, dass die zu nehmende Spaltung der arabi sehen Welt in einen pro-west liehen und einen pro-sowjeti sehen Sektor fuer Israel guenstig ist?”. Ich kann mir nur schwer denken, dass er meine Frage fuer eine polemische Behauptung gehalten hat, aber jedenfalls brauste er direkt auf: “Nein kategorisch nein. Fuer uns bedeutet das, vom Kalten Krieg heimgesucht zu werden. Die Verschaerfung dieses Gegensatzes bringt nur mit sich, dass die Grossmaechte in immer groesseren Waffenlieferungen an ihre jeweiligen arabischen Freunde konkurrieren”. Nun ist dies bekanntlich die Meinung unserer gesamten verantwortlichen Fuehrung, angefangen mit Ben Gurion, und ich hatte weder eine andere Antwort erwartet noch reizte sie mich zu ungebuehrlichem Widerspruch. Da es aber sowohl fuer den Chronisten wie fuer den Leser immer dann am interessantesten zu werden pflegt, wenn der Autor —in diesem Falle Dr. Tzur— anfaengt, vehement zu werden, bohrte ich noch etwas weiter. “Dieser Bruch im arabischen Lager bedeutet aber ein Ende der Bandung - Politik”, fuegte ich also provozierenderweise hinzu. “Eine Bandung - Politik hat ohnehin nie existiert. Bandung war immer ein Mythos. Sie sehen das schon daran, dass nie eine zweite Konferenz der Bandung-Maechte zustande gekommen ist und auch nicht zustande kommen wird. Diese Staaten haben es noch nie fertig gebracht, gemeinsam fuer etwas einzutreten. Immer nur gegen etwas. Zum Beispiel, mit gewissen ruehmlichen Ausnahmen, gegen Israel. Das werden sie voraussichtlich noch einige Zeit lang auch weiter tun, auch jetzt, wo es klar ist, dass es keinen Block und keine Poliik von Bandung mehr gibt. Wenn die Entwicklung die afroasiatischen Staaten zu der Reife und zu der Einsicht bringen wird, gemeinsam am Fortschritt zu arbeiten, dann werden sie auch' in Israel einen wertvollen Partner erkennen. Wir haben da unsere ersten positiven Erfahrungen bereits gemacht, eingangs mit Burma und neuerdings mit Ghana, beides Staaten, mit denen Israel positive, freundschaftliche und fruchtbringende Beziehungen unterhaelt”. “Der Suez-Kanal?i” “Ich habe keine Neuigkeiten. Schiffe nach Israel koennen durchfahren, soweit es keine israelischen Schiffe sind. Ausserdem haben wir den Golf von Akaba. Der ist frei und bleibt frei”. Einer der Kiebitze, die sich nach und nach zu uns gesellt haben, wirft die Frage ein: “Wird die israelische Regierung ein Schiff nach Suez schikken?” Vielleicht ist Dr. Tzur der Meinung, dass nur die Presse ein Recht auf indiskrete Antworten hat oder aber geht ihm diese Frage wirklich zu weit; jedenfalls antwortet er laechelnd: “Es gibt Ereignisse, ueber die man besser vorher nicht spricht”. Unsere Zeit ist leider allzu schnell abgelaufen. Programm und Gaeste des Cocktails, den der Gemeindevorstand z u Ehren des Botschafters organisiert hat, muessen zu ihrem Recht kommen. Also noch eine letzte Frage: “Beziehungen zur D.B.R.” “Die vollen diplomatischen Beziehungen zwischen Israel und der Deutschen Bundesrepublik werden sicher nach den in dieser letzteren im September stattfindenden Wahlen aufgenommen werden. Adenauer hat sich sehr gut zu Israel verhalten. Sie wissen, dass die U.S.A. waehrend der Sinai- Aktion einen ungeheuren Druck auf Bonn ausuebten und die Unterbindung der Wiedergutmachungsleistungen erzwingen wollten. Adenauer erklaerte, dass es sich fuer Deutschland um keine politische oder wirtschaftliche Frage handle, sondern um eine moralische und blieb fest. Das war sehr entscheidend”. Einer der Herren Rabbiner tut mir den Gefallen, das Interview noch um eine zusätzliche Frage zu verlaengern: “Wenn aber die Opposition gewinnt?” “Auch dann duerften wohl die Beziehungen aufgenommen werde n”, meint Dr. Tzur. “Schliesslich sind die Oppositionellen doch Sozialisten!” Irgendwie scheinen alle Umstehenden erleichtert zu sein. Das Interview war harmonisch verlaufen. Wie koennte dem auch anders sein, wenn zum Abschluss das Rabbinat mit einem Hinweis auf Sozialisten beruhigt wird?! , Am Sonntag, den 1. September vormittags, wurde der Botschafter Israels in Frankreich, Dr. Jacob Tzur und der Praesident des Keren IHajessod, Israel Ritov, von Vorstand und Repraesentanz der Gemeinde im Rahmen eines Cocktails feierlich empfangen. Dr. Siegfried Landau begruesste die Gaeste in seiner Eigenschaft als Praesident der EMPFANG IN DER “S.C.I.” juedische Staat einem Diplomaten uebergeben kann, fuer einige Zeit verlassen zu haben, um die Juden Chiles aufzusuchen und versicherte ihm, dass die “B‘ne Jisroel” in dieser Stunde wie immer dem Rufe der Magbith Folge leisten wuerde. Anknuepfend an die Warnung “si vis pacem, para bellum” erinnerte Dr. Landau daran, dass unsere Mitglieder im vergangenen Jahre anlaesslich der Sinai-Aktion ihre Pflicht erfuellten. “Wir werden es erst recht tun”, stellte er abschliessend fest, “wenn unser Beitrag, wie wir dies hoffen, in immer steigendem Masse friedlichen Zwecken zugefuehrt werden kann”. Obwohl Chile geographisch die fernste Gemeinde der Weltjudenheit darstelle, so fuehrte Botschafter Tzur in seiner Antwort aus, so sei sie doch in Verbundenheit mit Israel eine der naechsten. Ihm genuege es vollauf zu wissen, dass die Juden Chiles zur Magbith dieses Jahres den Beitrag leisten, den ein Jeder vor seinem Gewissen verantworten koenne. Von allen in den letzten Jahren entstandenen Staaten, so fuehrte er aus, sei Israel der einzig konsolidierte und organisierte, und dessen politisches Regime ebenso stabil wie demokratisch. Und. dies, obwohl es, im Gegensatz zu anderen jungen Staaten, vor zwei gewaltigen Aufgaben stand: einer staendigen Aggression zu trotzen und eine Einwanderung aufzünehmen, die heute, neun Jahre nach der Staatsgruendung, zwei Drittel der juedischen Bevoelkerung ausmacht. Wie schwer diese beiden Aufgaben zu finanzieren sind, habe er in Paris —eine Anspielung auf die franzoesischen Waffenlieferungen— beobachtet. Sodann analysierte er die Bedeutung der Sinai-AJktion und stellte fest, dass vor noch einem Jahr weite Kreise die Drohung arabischer Politiker, Israel innerhalb von 14 Tagen zu vernichten, ernst nahmen, waehrend heute solche Behauptungen entweder nicht mehr aufgestellt oder nicht mehr ernst (Fortsetzung Seite 25). EIN HISTORISCHES FOTO Botschafter Dr. Jacob Tzur besucht im Jahre 1950 den Senats— Praesidenten don Arturo Alessandri (Q.E.P.D.) in Begleitung des Geschaeftstraeger von Israel, Sr. Samuel Goren. “B‘ne Jisroel”. Er verglich die Gemuetsbewegung, die alle jene erfasst hatte, die vor nun mehr als 7 Jahren Dr. Tzur als ersten Botschafter des Staates Israel in Chile empfingen, mit den Gefuehlen, die seine Wiederkehr in seiner Eigenschaft als Botschafter in Frankreich ausloesen. Sodann dankte er ihm dafuer, die Botschaft in Paris, die wichtigste und verantwortlichste, die der