Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XIX (1957)
- Issue
- 8 (Agosto, 1957)
- Date
- 1957-08-01
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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10 BOLETIN INFORMATIVO Agosto 1957 'íSdN*? je/re*t, /wtett, Iw&e..! KONZERT-FEUILLETON MARCEL MARCEAU Jedes Jahr ist es immer wieder das Gleiche. Und wenn auch ueblicherweise neue Besen immer gut kehren, so sind die Resultate in technischer und klanglicher Hinsicht der Sinfónica um Klassen besser, wenn dazu noch eine so ernst und hart arbeitende, dynamische Dirigentenpersoenlichkeit wie Antal Dorati kommt. In diesem Sinne war seine Taetigkeit im Monat Juni nicht nur fuer das Orchester, sondern genau sotuer das Publikum ein giuecklicher Griff. Seine kompromisslose Probenarbeit, konstantes Fordern korrektester Abstimmung der Instrumente, wobei er sich nicht scheute vor der Probe einfach zu verschwinden und das Orchester fast eine halbe Stunde erst einmal allein abstimmen zu lassen, ist das was die Sinfónica braucht um in ihrer Entwicklung nicht wieder stehen zu bleioen. Er nahm sich sogar selbst noch in den Pausen der Konzerte die Blaeser einzeln zur Abstimmung ihrer Instrumente vor und das Resultat war, wie nicht anders zu erwarten, ein ueberraschendes. Damit sind Tevahs Talent und Koennen nicht im Geringsten gesehmaelert und man sprach in frueheren Zeiten schon ueber seine Verdienste. Aber wo es ihm am Talent wahrlich nicht mangelt, da braucht er neue Anregung und weitere internationale Erfahrung um einen gewissen toten Punkt in hauptsaechlich emotioneller Entwicklung zu ueberwinden, welcher ihm den endlichen Durchbruch zu hoeherer Klasse ermoeglicht. Fuer die Sinfónica waere eine Loesung ein neuer permanenter Dirigent fuer einige Jahre mit solcher paedagogischer Begabung wie Dorati es bewiesen hat. Das gesagte zeigte sich am Besten beim Vergleichen der Brahms - Symphonie des Monats Mai unter Tevah und derjenigen des Monats Juni unter Dorati. Die tiefe, romantische und ausgefeilte Version Doratis wurde so erstklassig vom Orchester sekundiert, dass man bei dieser Leistung sogar die zu ueblichen Ausrutscher der Blechblaeser verzeihen konnte. Dagegen konnte Tevahs Version nicht herankommen. Auch die vorangehende Mozart - Symphonie No. 33 zeigte einen Dirigenten, perfekt und sicher in dem Stil und klanglicher Anlage des Komponisten. Aesthetisch schoen und klar in der Themenfuehrung liess die. se Interpretation seine Probenarbeit, von welcher das Orchester voll profitierte, klar erkennen ■ Die weiteren Konzerte waren durchaus interessant und abwechslungsreich zusammengestellt. Hervorheben jedoch muss ich, das, wenigstens mich, begeisternde Konzert fuer Orchester von Bela Bartok, das nicht nur eine der hervorstechendsten Schoepfungen des zeitgenoessischen, ungarischen Komponisten und Lehrer Doratis ist, sondern auch zugleich eines der grundlegenden Orchesterwerke unserer Epoche. Dorati dominierte nicht nur den komplizierten Orchestermechanismus, sondern schien dieses Werk in seiner Gesamtheit in einer Form mitzuerleben, die sowohl das Orchester wie auch das Publikum zu diesem Miterleben zwangen. Als Resultat erreichte er wiederum technische und klangliche Qualitaet erster Klasse und bewies, was unser Orchester, individuell und kolektiv auch bei derartig schwierigen Werken leisten kann. Dieses Programm wurde komplettiert durch die zum vorangehenden Bartok in schaerfstem Kontrast stehende Symphonie von Antonin Dvorak in einer genau so herrlichen, wie weichen und emotiven Version, wie man sie hier lange Jahre nicht gehoert hat. Unverstaendlich ist es mir warum dann bei der Fuelle der zur Verfuegung stehenden Werke ein ausschliesslich Beethoven gewidmetes Programm eingelegt wurde, dessen Schwaeche auch das Wiedererscheinen des jungen chilenischen Pianisten Mario Miranda nicht beheben konnte. Dazu scheint mir heute keine Notwendigkeit mehr zu bestehen. Mario Miranda kam nach 3-jaehrigem Klavierstudium aus Deutschland zurueck, und wenn auch unbedingt wesentliche Fortschritte in seinem natuerlichen Talent festgestellt werden konnten, scheint er doch noch einen weiten Weg zukuenftiger Entwicklung und Vertiefung vor sich zu haben. Antal Doratis Abschiedskonzert brachte die Erstauffuehrung der 1. Symphonie des Chilenen Gustavo Becerra, die wie nicht anders zu erwarten war, zu den verschiedensten Kommentaren Anlass gab. Becerra ist ein junger Komponist, der sich bisher immer nur der Kammermusik widmete, und dessen 1. Symphonie, 1955 in Wien geschrieben, von den Internationalen Festspielen in Zuerich vor kurzer Zeit ausgewaehlt wurde. Wenn auf der einen Seite aus seinem Werk ein klares Talent fuer Ideenausdruck, Orchestereffekte und deren Orchestrierung zu ersehen ist, fehlt auf der anderen Seite ueberhaupt jeder Styl und irgendwelche Themenfuehrung Jedoch war Dorati, wie er mir persoenlich erklaerte, von dem Talent dieses jungen Musikers voll begeistert und ehrte ihn dadurch, dass er innerhalb 14 Tagen seine Sym. phonie derartig durcharbeitete, um sie auswendig su dirigieren, bei derartigen Werken etwas aussergewoehnliches. Wenn man bedenkt, dass Beethovens 2. Symphonie seinerzeit als zu waghalsig in Paris ausgepfiffen wurde, so bestehen ja fuer diese Art atonale Musik immer noch gewisse groessere Zukunftschancen . Zum Abschluss dieses letz- Neben vielen anderen künstlerischen Ereignissen brachte die Hundert-Jahr-Feier des Santiagoer Teatro Municipal uns auch die Gelegenheit den grossen franzoesischen Mimen Marcel Marceau zu bewundern. Dieser heute erst 34 jaehrige Kuenstler hatte bereits eine lange und sehr erfolgreiche Laufbahn als Schauspieler hinter sich, als er 1947 den Entschluss fasste, sich ausschliesslich der Pflege der Pantomime zu widmen, dieser ganz besonderen Kunst, in welcher Marceau Weltruhm erlangt hat. Die uralte Kunst der Pantomime unternimmt es, eine Handlung ohne Benutzung der Sprache darzustellen. Unvergesslich sind die Schoepfungen des grossen Charlie Chaplin, dem es gelang eine ganze Welt in den Bann seiner Kunst zu zwingen. Bei Marcel Marceau begegnen wir einer Ausdruckskraft, die oft ans magische grenzt. Ohne Sprache, nur mit den allerspaerlichsten Requisiten, laesst er vor uns eine ganze Welt erstehen. Er zeigt uns Gegenstaende, Menschen, Gefuehle, Bewegung; Freude und Trauer, Angst und Zuversicht, Leben und Tod, Vergangenheit und Zukunft. Es gibt nichts, was er nicht darzustellen vermoege, was sich nicht in sofor. tiger Wirkung auf den Zuschauer uebertrage und ihn in seinen Bann risse Und all dieses gelingt Marceau ohne jede aeussere Hilfe, nur dank der unge h e u r e n Ausdruckskraft seines ganzen Koerpers; waehrend er schweigt, sprechen sein Gesicht und seine Bewegun- Vielleicht zum ersten Mal in Chile kann man wirklich gute Kammermusik hören, wenigstens von einer “nationalen” Gruppe: Das Cuarteto Santiago hat seit seiner Gründung im Jahre 1954 solche Fortschritte gemacht, dass es heute wohl unumstritten das beste Chiles ist. Seine Komponenten, Stefan Terz und Ubaldo Crazioli, erste und zweite Geige, Raúl Martínez, Bratsche und Hans Loewe, Cello, sind alle ernste Musiker, die dem verständliten Konzertes, geschickt und publikumssicher ausgewaehlt, brachte er die “Bilder einer Ausstellung” von Moussorgsky in der Orchestrierung von Maurice Ravel. Einem Zigeuner, wie Antal Dorati musste dieses populaere, melodienreiche Werk so liegen, wie kein anderes, und das gewaltige Schlussbild “Vor den Toren von Kiew”, mit vollstem Orchester auf hoechstem Fortissimo setzte einen Glanz und Endpunkt unter die Konzerte des Monats Juni. Helmut Herzfeld H. gen eine unglaublich eindrucksvolle und jedem verstaendliche Sprache. Waehrend er auf der leeren Buehne vor uns steht, sehen wir die Treppe, die er beschwerlich ersteigt, um sie dann leichtfuessig wieder hinunterzueilen, wir spueren das Seil an dem er zieht, wir freuen uns mit ihm ueber die Kinder deren Spiel er uns zeigt und belauschen mit ihm das Gespraech der Alten auf der Bank im Park, umgeben von pulsierendem Leben, Liebespaaren, Schutzleuten, Strassenfegern, Verkaeufern und Hunden. Um aus den vielen grossartigen Darstellungen eine besonders eindrucksvolle hervorzuheben, sei “David und Goliath” erwaehnt. In unverstaendlicher Verwandlungskunst, spielt er, nein, ist er gleichzeitig der Eine und der Andere, mal gross und mal klein, mal schwer und mal leicht, mal dumm und mal klug. Waehrend die vielen kurzen Pantomimen, in welchen ausser Marcel Marceau auch sein Mitarbeiter Gilles Segal grossartiges leistet, wohl den interessantesten Teil des gebotenen Repertoires ausmachen, sind auch die dargestellten Mimodramen erwaehnenswert. Es handelt sich hier um wahre Theaterstuecke, mit Kulissen und Kostuemen. Auch hier zeigte uns Marcel Marceau, diesmal unterstuetzt von seiner ganzen Gruppe, die unvergessliche Beredsamkeit seiner stummen Kunst. chen Wunsch, über die tägliche Routine ihrer Mitwirkung im Symphonieorchester hinauszugelangen, auf diese Weise konkreten Ausdruck verliehen haben. Das Publikum ihrer ersten Konzerte ist ihnen so treu geblieben, und die einstimmig guten Kritiken haben ihren Ruf so begründet, dass der diesjährige Zyklus von Kammerkonzerten (im Instituto Chileno-Alemán de Cultura) zu einem vollen Abonnementserfolg geworden ist. Die Abonnenten wurden auch keineswegs enttäuscht: Sowohl die Auswahl der Programme wie deren Ausführung stehen auf einer hier noch nicht dagewesenen künstlerischen Stufe. Man weiss wirklich nicht, welches der bisher gebotenen Werke man mehr hervorheben soll, ob die Streichquartette des Beethoven-Abends, das herrliche Klarinettenquintett von Mozart mit dem ausgezeichneten Klarinettisten Rodrigo Martínez, oder das Klavierquintett von Brahms unter Mitwirkung von Rudi Lehmann . Selbstverständlich kann man das Cuarteto Santiago nicht KURZE LOKALE NOTIZEN Die Ausstellung des "Monats des juedischen Buches und der juedischen Kultur” aus Anlass des 50 jaehrigen Jubilaeums des juedischen Jischuws in Chile, findet waehrend des Monats August im Círculo Israelita, Serrano 202, statt. Zu diesem festlichen Anlass wird auch das historische Werk des juedisch-argentinischen Schriftstellers, Moisés Senderey ueber die Geschichte des Jischuws in Chile, der Kolektivitaet ueber - geben werden. Personen, in deren Besitz sich Briefe oder andere von Albert Einstein firmierte Dokumente befinden, werden gebeten, sich an das Comité Representativo, Serrano 20, 4. Stock, Telefon 66960, Santiago, zu wenden. Diese Dokumente werden zur Veroeffentlichung des Briefwechsels des grossen juedischen Gelehrten benoetigt, die in den Vereinigten Staaten vorbereitet wird. Alle Gemeindemitglieder werden gebeten, sich an der Aktion zur Hilfe fuer die in den letzten Monaten in Chile eingetroffenen ungarischen Fluechtlinge zu beteiligen, die von dem Damenkommitee der Organisation M. A. Z. E., Merced 24, Telefon 62096, durchgefuehrt wird. Der “Merkas letarbuth Israel”, die neue vom letzten Zionistischen Landeskongress geschaffene zentrale Kulturorganisation, hat bereits seine Taetigkeiten mit grossem Entusiasmus aufgenommen. So funktionieren regelmaessige hebraeische Kurse, u. a. auch spezielle Kurse fuer Jugendliche, die nicht die Schulen des Vaad Hachinuch besuchen; ein Seminar ueber Israel-Kunde; Vortraege ueber Musik etc. Personen, die naehere Einzelheiten ueber die Taetigkeit des “Merkas letarbut Israel” erfahren oder die sich fuer die verschiedenen Kurse einschreiben wollen, koennen sich an die Federación Sionista, Serrano 202, 3. Stock. Telefon 87707 wenden, wo sie auf alle Anfragen Auskunft erhalten. Die Vertreter der B’ne Jisroel in dieser neuen Organisation sind die Herren Dr. Benno Kiwi und Kurt Isaac. mit dem Paganini-Quartett vergleichen, das zu bewundern wir ganz kürzlich Gelegenheit hatten, besonders was technische Vollkommenheit, hundertprozentiges Zusammenspiel und Klangschönheit anbetrifft (die Instrumente des Paganini- Quartetts sind durchwegs echte Stradivari), aber für ein so junges Quartett zeigt es eine erstaunliche Musikalität und Präzision, und vor allem die Begeisterung, die die Seele aller echter Kammermusik ist. Dies trug ihnen auch auf ihrer Bolivien-Tournée Anfang dieses Jahres den uneingeschränkten Beifall der Zuhörer ein. Schliesslich können wir mit Stolz feststellen, dass unsere Glaubensgenossen Stefan Terz und Hans Loewe einen nicht unbeträchtlichen Anteil an der Entwicklung des Quartetts haben, dem auch in Zukunft der verdiente Erfolg nicht ausbleiben wird. K. H. W. G. DAS “CUARTETO SANTIAGO”