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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1957-08-01 · 8 (Agosto, 1957) · p. Seite 8

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8 BOLETIN INFORMATIVO Agosto 1957 SCHALOM ASCH BETRACHTUNGEN ZUM MONAT AV VON ADOLF SEIDEMANN Am 10. Juli starb in London, wo er zu einem kurzen Besuch weilte, Schalom Asch, der beruehmte jiddische Schriftsteller, dessen Werke in viele Sprachen uebersetzt sind und dessen Persoenlichkeit in juedischen Kreisen oft zur Diskussion stand. Zu Kutno in Polen im Jahre 1880 geboren, ging sein Geburtstag durch einen unglücklichen Zufall verloren. Sein Vater Moische Asch vergass im Gegensatz zu seiner sonstigen Gewohnheit bei der jeweiligen Geburt seiner zehn Söhne und fünf Töchter den Eintrag auf dem Deckel des Psalmenexemplars. Erst nach zweiundzwanzig Jahren verlieh ihm seine Frau, Mathilde Spira, eine Lehrerin, einen Geburtstag: Sie wählte den 1. November. Nicht die seelische Welt der Sephardim, die einst in Spanien und mediterranen Ländern lebten und deren mittelalterlich-ritterliche Geisteshaltung zahlreichen Dichtern Anlass zu stolzen Hymnen boten, und nicht die in Mystik verwobene Dämmerschau der chassidischen Juden füllten Schalom Aschs Elternhaus. Sein Vater war das Abbild jenes aschkenasischen Juden, der all seine Hoffnung auf Gott setzt, den Rücken vor Gott beugt und mit der Bibel und ihrem Raschi-Kommentar, mit Psalm und Midrasch lebt. Ausser dem dreitägigen Besuch einer privaten Provinzschule eines deutschen Pastors und dem der traditionellen Talmudschule, dem Cheder, drückte er keine Schulbank. Als Autodidakt lernte er durch die heimliche Lektüre “aufgeklärter”, “treifener” Bücher in deutscher Sprache mit hebräischen Schriftzeichen deutsche Klassiker im Original kennen. Heines Liebesschmerz und Ironie liessen ihn kalt. Der Erste Teil des “Faust”, Schiller mit den “Räubern” und der “Jungfrau von Orleans”, “Kleist’s und Hebbels realistische Dramen i beeindruckten ihn so sehr, dass . er seine ersten knabenhaften, dramatischen Versuche deutsch schrieb und sich hierbei des hebräischen Alphabetes bediente. Nach den naechsten mühsamen schriftstellerischen Arbeiten in hebräischer Sprache wagte er, durch J. L. Perez ermuntert, erste Erzählungen auf Jiddisch, die im Krakauer “Jid”, dem einzigen Wochenblatt in jiddischer Volkssprache, erschienen, aber neben den Novellen und Gedichten grosser Autoren, wie Mendele Mocher Sforim, Scholem Alejchem, Perez oder Morris Rosenfeld nur spärlich Platz fanden. Hungerjahre in Warschau überwarfen Schalom Asch mit bitterer Not und drängten ihm Motive zu “Mottke der Dieb”, “Gott der Rache”, zu “Warschau” und “Die Muttter” auf. Nach der Aufführung des ersten ins Polnische übertragenen Bühnenstückes am Polnischen Nationaltheater in Krakau gelang ihm auch der epische Wurf “Das Städtchen”, das ihm in der jiddischen Literatur einen starken Namen machte. Auch auf der russischen Bühne, später auch auf der jiddisch - amerikanischen und polnischen, hatte sein Dreiakter: “Messias Zeiten”, schönen Erfolg. “Der Gott der Rache”, von Max Reinhardt 1907 herausgebracht und von dem grossen Kritiker Alfred Kerr eklatant missgedeutet, führte Asch in Deutschland ein und beschied ihm den bisher schlagendsten, allerdings auch verhängnisvollen Jugenderfolg. Denn klang aus “Gott der Rache” der Ruf gegen den bösen Ungeist der Rache und unversöhnlichen Vergeltung heraus, so fanden weder “Der Bund der Schwachen”, ebenfalls bei Max Reinhardt, noch “Familie Grossglück oder die Hir¬ PAPST PIUS XII UNTERSTUETZT DEN KAMPF FUER MENSCHEN - RECHTE ln einer Botschaft an eine Delegation des “American Jewish Committee” drueckt der Papst sein Bedauern ueber Rassen-Diskrimination und die Verfolgung von Juden in verschiedenen Teilen der Welt, aus. Es ist dies das erste Mal in seiner 18— jaehrigen pontifikalischen Taetigkeit, dass Pius XII sich in einer ofiziellen Botschaft an eine juedische Organisation wandte. Hohe kirchliche Wueraentraeger des Vatikans vertreten die Ansicht, dass diese Erklaerung von grosser Bedeutung sei und ein neues Kapitel in der Haltung des Vatikans gegenueber I juedischen Problemen eroeffne. Das “American Jewish Committee” bezeichnet sich selbst als eine “nicht-zionistische” Organisation, deren Hauptaufgabe in der Verteidigung der buergerlichen Rechte der Juden in den Vereinigten Staaten und in der ganzen Welt liegt. Irving M. Engel, ein New Yorker Rechtsanwalt und Praesident des “American Jewish Committee’s”, leitete die 10-koepfige Delegation, die vom Papst in seiner privaten Bibliothek im Vatikan zu einer 15 minutigen Audienz empfangen wurde. Die Besucher ueberreichten dem Papst eine Begruessungs —Botschaft des Ober— Rabbiners von Israel, Isaac H. Herzog, den sie bei ihrer vorangegangenen Israel-Reise aufgesucht hatten. In seiner Botschaft begruesst der Papst das “American Jewish Committee” zu seinem 50 jaehrigen Bestehen und drueckt seine Unterstuetzung fuer die von ihm vertre_ tenen Ziele aus. Ebenfalls befuerwortet er den Kampf gegen die Kraefte, die auch heute noch den Hass gegen rassische Minderheiten verbreiten. Nach Abschluss der Audienz erklaerten die Mitglieder der Delegation, dass sie in dem Papst Pius XII “einen grossen Freund” gefunden haben. tenlegende “Joseph” die verdiente Beachtung, obwohl sich vornehmlich im “Bund der Schwachen” jene seelische Grundhaltung herausschälte: Die Liebe zum Nächsten, zum Bruder, und der Bund aller mit Not und Mühsal Beladenen, die ihr Herz dem Mitbruder voll hilfreicher Wärme auftun. In diesem Lichte muss auch seine verdienstvolle Arbeit während des ersten Weltkrieges gewürdigt werden: Zweimal durchreiste er den amerikanischen Kontinent und weckte das Mitgefühl der amerikanischen Juden. Als Mitglied des “American Joint Distribution Committee” kehrte er mit wehem Herzen nach Berlin zurück. Im Dienste den Hass zu heilen, wusste er sich mit Stefan Zweig, Leonhard Frank, Fritz von Unruh und dem Oesterreicher Alfred H. Fried, dem Schildträger Berta von Suttners, und Anregers des Völkerbundes, einig. Er fühlte sich jener Gruppe junger Künstler, Freunde Romain Rollands, wie Henry Barbusse, dem Autor von “Le Feu” und Georges Duhamel, dem Dichter von “Vie des Martyres”, brüderlich verbunden, die in ihren Westschweizer Blättern gegen jeden Chauvinismus Front machten. Seine herzliche Hilfsbereitschaft für alle Bedrängten veranlasste ihn gar, unter Lebensgefahr Unterstützungsgelder von Kowno nach Wilna durch die polnisch-litauische Front zu schaffen. Stets arbeitete Asch im juedischen Leben. Er war aktiv unter den polnischen Juden und vertrat dort die Jewish Agency. Während des Krieges arbeitete er für alle Hilfsorganisationen. Als im Jahre 1942 Hitler siegte, sprach Asch von den Leiden der Juden in den Konzentrationslagern. Er erzählte den Christen, wie Christen die Juden abschlachteten. Im Laufe der 57 Jahre seiner literarischen Taetigkeit hat er grosse Beiträge für die jüdische Literatur geleistet. Gibt es irgend einen Schriftsteller, der so viele Jahre literarischen Schaffens hinter sich hat und über so viel verschiedene Gegenstände schrieb? Er beschrieb das traditionelle juedische Leben im Osten, juedisches Leben in den USA in “Onkel Moses” und “Eastriver” und Israel im “Gesang vom Tal”. Er widmete viele Romane historischen Gegenständen, den moralischen Problemen unserer Zeit und er schrieb schliesslich seine umstrittene Trilogie “Der Nazarener”, “Der Apostel” und “Maria”. Kein anderer jüdischer Schriftsteller war so vielseitig oder hat versucht, so viele Teile des jüdischen Lebens mit dem universellen zu kombinieren. Keiner der Schriftsteller jüdischer Literatur, ist in der nicht jüdischen Welt so bekannt wie Asch. Schalom Asch, der seit 1920 nordamerikanischer Staatsbuerger war, liess sich vor einem Jahr endgueltig in Israel nieder, nachdem er vorher das Land schon neun Mal besucht hatte. Nach seinen Ausführungen, fand er dort das seelische Gleichgewicht, das er in seinem Leben und Werk erstrebt hat. “Israel als freier juedischer Staat, — so sagte der Dichter — wenn es auch klein Der gegenwaertige Monat Av ist ein Trauermonat. In den ersten “Neun Tagen”, an denen vor circa 2000 Jahren die Belagerung von Jerusalem auf ihrem Hoehepunkte und besonders drueckend war, haben wir uns jeder Lustbarkeit, sowie des Fleisch— und Weingenusses zu enthalten. Der 9. Av ist ein Trauertag erster Ordnung. Er zeichnet sich durch viele Ungluecksiaelle aus, die unsere Nation an diesem Tage betroffen haben, die im Talmud Rausch Haschonoh und Taanis aufgefuehrt werden. Die uns am meisten interessierenden sind die Zerstoerung des ersten Tempels durch Nebukadnezar 586 vor unserer Zeitrechnung, die Abfuehrung in die babylonische Gefangenschaft, die Eroberung Jerusalems, die Zerstoerung des zweiten Tempels, die Aufloesung des juedischen Staates im Jahre 70 unserer Zeit, die Austreibung der Juden aus Spanien im Jahre 1492, und der Ausbruch des Weltkrieges 1914, der den Weg geebnet hat bis zu Hitler. Der 9. Av wird durch Trauergottesdienste, Rezitierung der Klagelieder des Propheten Jeremias und durch Fasten begangen. Aber in den Monat Av faellt auch ein Freudentag. Es ist eine Vorschrift der Torah, dass das Feuer unter dem Opferaltar Tag und Nacht unterhalten werden musste. Das dazu noetige Brennholz wurde gespendet und der 15. Av war der Stichtag, von dem an keine Spenden mehr angenommen wurden. Jeder beeilte sich, mit seiner Opfergabe vorher anzukommen, und jeder freute sich, nicht zu spaet gekommen zu sein, and der Tag wurde froehlich mit Gesang und Tanz begangen. Ein solcher Freudentag waere am 15. Av auch unserem “Cisroco” zu wuenschen, wenn der Schatzmeister imstande w a e r e, den andraengenden Spendern so wie Moses, und spaeter die Hohen Priester zu sagen, “Es ist genug”. “Wir brauchen Eure Opfergaben nicht mehr”. Leider aber ist das Gegenteil der Fall. Es handelt sich um den Erweiterungsbau des Altersheims, der vor zwei Jahren begonnen wurde. Mit Recht glaubte der Vorstand damals, mit den zur Verfuegung gestellten und mit Sicherheit zu erwartenden Geldern den Bau finanzieren zu koennen. Aber mit der gegenwaertigen Inflation in diesem gewaltigen Ausmasse konnte kein Mensch rechnen. Allerdings, der Bau steht. Aber die Wechsel laufen. Und da Wechsel die unangenehme Eigenschaft haben, sich nie zu verlaufen, sondern sich am Faelligkeitstage immer puenktlich einzustellen, besteht fuer den Vorstand die schwere Sorge, wie er die sehr grossen finanziellen Schwierigkeiten meistern soll. Aber sie muessen gemeistert werden! Denn die Vergroesserung des Altersheims Konnte nicht hinausgeschoben werden. Die unzulaengliche Unterbringung Einzelner, das Wohnen von mehreren bis zu 4 Personen in einem Zimmer und die vielen dringenden Gesuche um Aufnahme von Alten und Kranken aus Stadt und Provinz machten den Erweiterungsbau zu einer unaufschiebbaren Notwendigkeit. Nun ist der regulaere Etat durch die bedeutenden Ausgaben ungeheuer belastet, wenn nicht gar in Frage gestellt. Deshalb hat Jeder nach bestem Koennen die Pflicht, dazu beizutragen, dass dieser unertraegliche Zustand beseitigt wird. Viele Mitglieder unserer Colectividad haben ihr in Europa zurueckgelassenes Vermoegen wenigstens zu einem Teil wiedererwerben koennen, und das Deficit von einigen Millionen kann bei gutem Willen im Hand" umdrehen gedeckt werden. Vermoegen schuetzt nicht vor Hilflosigkeit! Wer kann denn heute wissen ,ob er das Altersheim nach einer Reihe von Jahren nicht wird fuer sich selbst oder mindestens fuer nahe Angehoerige in Anspruch nehmen muessen? Es ist deshalb nicht nur eines jeden Pflicht, sondern es liegt im eigenen Interesse Aller, dazu beizutragen, dass das Altersheim existenz— und leistungsfaehig erhalten wird. Doppelt gibt, wer bald gibt! Handle jeder nach diesem Sprichwort, alsdann koennte auch der diesjaehrige 15. Av fuer uns ein Freudentag sein, wie er es im alten Israel war. ZUM 9. AV Ja, troesten werde ich Euch und in Jerusalem werdet Ihr Trost finden. (Isaias 66,13) » JÏ i ÄSK® (Fortsetzung Seite 15)

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