Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XIX (1957)
- Issue
- 7 (Julio, 1957)
- Date
- 1957-07-01
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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8 BOLETIN INFORMATIVO Julio, 1957, EIN BRIEF AUS Kibuz Saad, den 21. Mai 57. Sehr geehrter Herr und Frau Dr. Landau: Einer Anregung zufolge gehe ich jetzt an diesen Brief heran, und will versuchen Ihnen etwas ueber die Feierlichkeiten aus Anlass des Pessach - Festes und des Jom Haazmaut zu schildern . ZUM ERSTEN TODESTAG VON WERNI RIRSCRBERG “Diejenigen, die wir lieben, und deren Andenken tief in unsere Herzen eingegraben ist, die sterben fuer uns nie”. Ein Mensch, der in einer Gemeinschaft lebt, an die er glaubt und der er sich mit seinen ganzen Kraeften widmet, verschwindet nicht und wird von ihr nicht vergessen, auch wenn er nicht mehr unter den Lebenden weilt. Viele Faelle gibt es, wo die Groesse eines Menschen erst nach seinem Tode erkannt wird. Aber dies geschah nicht mit Werni. Er wollte nie ein Held sein, suchte nicht den Heldentod und strebte auch nicht nach Groesse. Sein Wille war — im Kreise seiner Familie und seiner Chawerim zu leben. Und als solch ein Mensch, voellig frei von egoistischen Strebungen, wird seine Gestalt nie aus unserer Erinnerung verschwinden. Diese Eigenschaften und moralischen Werte, die in seiner Persoenlichkeit verkoerpert waren, moechten wir bei jedem antreffen, der in unserer Gemeinschaft lebt. Und so steht er vor unseren Augen: Treu der Gemeinschaft, unter Verdraengung seiner persoenlichen Probleme an zweite Stelle; immer das Schoene im Leben suchend; stets seine Pflicht an jedem Ort erfuellend; voll von Liebe und Glauben an den Mitmenschen; immer die Schwaeche des Naechsten verzeihend. Seine starke Verbindung mit der Ihn umgebenden Gemeinschaft sind am besten — in seinem Geist — durch die Worte eines anderen Jugendlichen ausgedrueckt, der ebenfalls in tragischer Weise ums Leben kam: “Mein Name wird bald vergessen werden. Aber meine Gedanken und meine Gefuehle werden fortieben. Ihr werdet durch Euer Leben die mir teuren Werte verwirklichen und werdet sie lieben — und so mich nicht vergessen. Bei Euch und in Eurer Mitte werde ich leben. Mit Euch werde ich wachsen und gross werd'en und Ihr werdet weiter leben und werdet wissen, dass: ich nicht nach Euch, sondern Euch voran schreite”. LOTTE HIRSCHBERG. (Ramot Menasche). Wenige Tage vor Pessach, an denen ja stets Kueche und Chadar Ochel auf’s beste hergerichtet wird, wurde in diesem Jahre Tag und Nacht gearbeitet. Die Waende des Esssaales wurden frisch gestrichen, von einem zeichnerisch begabten Chawer dem Festtage entsprechend bemalt. Da gab es ploetzlich ein Fluestern von Mund zu Mund: Der Staatspraesident Ben Zwi und Gefolge wollen an unserem Seder teilnehmen. Die Freude und Ehre laesst sich in Worten nicht beschreiben. Die schoensten Zimmer des Kibuzes wurden von den Chawerim zur Verfuegung gestellt, die Haeuser rasch noch mit warmen Wasser versehen, Teppiche, Decken und Blumen trugen dazu bei die Raeume zu verschoenern. Unsere Kultur Kommission hatte sich dieses Mal durch besonderes Geschick bei den Vorbereitungen ausgezeichnet. Eref Pessach Punkt 1 Uhr trafen unsere Gaeste ein. Ben Zwi in Begleitung seiner Gattin, deren Schwester und Mann und 10 jaehriger Enkelin. Natuerlich fehlten nicht die persoenlichen Adjudanten, hohe Offiziere und Personal. Inzwischen war der Chadar Ochel festlich geschmueckt worden. In der Mitte stand, etwas erhoeht ,der Tisch des Praesidenten und seiner Familie, auf dem silberne Leuchter und Sederschuessei prankten. Die Chawerim und ihre Familien sassen an ca. 20 langen Tafeln. Das Ganze machte durch seinen Blumenschmuck und Lichterglanz einen imposanten Eindruck. Nach einigen einleitenden Worten des Praesidenten, begann der Direktor Der 20. Juli 1932 wird und soll in der Geschichte der einstigen Judenheit Deutschlands als einer der tragischsten und folgenschwersten Augenblicke fortleben. An jenem Tage hatte der damalige Reichspraesident von Hindenburg unter Verletzung des von ihm geleisteten Eides auf die Weimarer Reichsverfassung vom 11. August 1919 durch den vom Reichskanzler Franz von Papen gefuehrten Gewaltstreich die rechtmaessige preussische Staatsregierung aus dem Amt entfernen lassen. Diese, als deren wichtigste Repraesentanten der Ministerpraesident Braun und der Innenminister Severing anzusehen waren, leistete keinen Widerstand, rief nicht zum Aufstand der arbeitenden Massen auf, wie vielfach erhofft worden war. Gewalt wurde nicht mit Gewalt beantwortet, und so nahmen di% Dinge ihren verhaengnisvollen Lauf: Damit war das letzte entscheidende Hindernis fuer die Machtuebernahme durch die Naziverbrecher beseitigt worden, und in den folgenden 6 Monaten konnte deren “Machtuebernahme” gebuehrend vorbereitet werden. Der Zusammenbruch des demokratischen Preussen, des beunserer Schule mit dem Lesen der Hagadah, und daran beteiligten sich alle Teilnehmer unc’ auch die Schuljugend. Die juengste Kindergruppe fragte gemeinsam das Ma Nischtana zur Freude aller Anwesenden. Nach einer langen Essenspause, die mit Singen und Horra- Tanz von jung und alt ausgefuellt war, wurden die letzten Gesaenge von unserer Schuljugend ausgefuehrt, bis man um 12 Uhr auf’s hoechste befriedigt, auseinander ging. Am naechsten Nachmittag gab es einen Empfang fuer die Kinder, die alle, durch Spielzeug beschenkt, eine schoene Erinnerung an diesen Tag behalten durften. Dann kamen am Abend von unserem Kibuz nach Saad geladen, die Chawerim der umliegenden Kibuzim, teils sogar von unseren Wagen abgeholt. Ihre Choere und der unsrige, die wunderschoenen Taenze sowie ihre Ansprachen wurden sehr applaudiert. Und man hatte den Eindruck, dass sowohl die hohen Gaeste und auch die Jugend von dem Zusammensein angeregt war und recht befriedigt an ihre schwere taegliche Arbeit zurueckkehrte. Und nun will ich in kurzen Zuegen von einer Fahrt nach Tel Aviv sprechen, die mir am Jom Haazmaut zum Erlebnis wurde. Als ich am Abend vor dem Festtag einem Gottesdienste beiwohnte, begegneten wir einem Fackelzug, der den Festtag ankuendigte. Unzaehlige Menschen bereiteten bereits fuer den naechsten Tag ihre Sitzplaetze vor. Alles alte Material wurde herbeigeschafft. Alte Stuehle, Tische, Plaettdeutendsten deutschen Landes, schloss eine laengere Entwicklung ab, die sich in der Richtung zur “autoritaeren Staatsfuehrung” angebahnt hatte. Das Parlament —Reichstag, Landtage— war praktisch immer mehr ausgeschaltet und durch Dekrete, widerrechtliche Inanspruchnahme von “Notverordnungen” ersetzt worden. Im Lager der buergerlichen Linken und der sozialistischen Arbeiterparteien blickte man seit langem mit Schrecken auf die Rueckbildung zum Untertanenverband, und doch begruesste man, mit Ruecksicht auf die Zunahme der gefuerchteten Hitlerbewegung, das neue Praesidialsystem mit heimlicher Genugtuung als “das kleinere Uebel”; wie gefaehrlich diese Haltung sich spaeter auswirken sollte, vermochten im Juli 1932 nur wenige Menschen vorauszuahnen. Die Juden in Deutschland, von denen etwa 60o/„ in Preussen lebten, hatten die neue tragische Situation nicht in vollem Umfange uebersehen koennen, vielleicht, weil sich, reinauesserlich zunaechst nicht sehr viel aenderte. Zwar hatte die Massenarbeitslosigkeit auch die aermeren Schichten der Juden betroffen und eine frueher ISRAEL bretter, Eisschraenke, nichts war schlecht genug, als das es nicht Verwendung finden konnte. Man hielt sogar Nachts Wache, um sich fuer den naechsten Tag seinen Platz zu sichern. Mir hatte man einen Balkonplatz fuer die Parade zugesagt, wovon ich gern Gebrauch machte. Der Weg dorthin — es war jeglicher Fährverkehr gesperrt — war recht muehsam. Aber ich wurde belohnt. Punkt 10 Uhr begann der Aufmarsch. In einiger Entfernung hatte man eine Tribuene erbaut, auf der der Staatspraesident mit Gemahlin, Ben Gurion und Mosche Dajan mit Gattinnen Platz nahmen. Auch waren die Diplomaten und sonstige Vertreter vieler Laender, sowie die an diesem Tage im Lande weilenden Turisten dort versammelt. Zuerst kamen 20 motorisierte Polizeimannschaften, dann wechselten Artillerie, Panzerwaffen, schwere und leichte Tanks, Funkgeraete, Fliegerabwehr - geschuetze, Kriegsbeute aus dem Sinaifeldzug, Marine, Infanterie, Fallschirmspringer und Grenzwacht, letztere besonders bejubelt. Soldatinnen, Militaer, Polizei und Polizistinnen. Alles vom Publikum auf’s hoechste applaudiert. Es war ein erhebender Anblick. Wie man sagt haben 500.000 Menschen der Parade beigewohnt. Die Gleichmaessigkeit in Reih und Glied lassen sich in Worten nicht beschreiben. Die Diplomaten und alle die erschienenen Militaerattaches, haben, wie man sagt, alles mit grossem Interesse verfolgt. Der Hin- und Rueckweg war nicht leicht, aber es war nicht umsonst. Und ich kann nur wuenschen, dass viele von Ihnen die Freude haben moegen, einen solchen Tag in Israel zu verleben. Es grüsst Sie herzlichst Ihre Marie Hirschberg. unbekannte “soziale Frage” innerhalb der Gemeinden geschaffen. Gab es doch seit 1932 juedische Angestellte grosser Konzerne, die ihre Posten verloren hatten und keinen Ersatz finden konnten; es fehlte nicht an juengeren Akademikern, die keine Zukunftsaussichten vor oicn im grossen und ganzen staendische Element konnte sich im grossen und ganzen noch behaupten. Wo es Not gab, halfen die Wohlfahrtsaemter der Gemeinden und Organisationen. Der schwarze 20- Juli 1932 brachte der Gesamt - judenheit kein unmittelbares Unheil, sodass die ideologischen Gegensaetze resp. Kaempfe zwischen Zionisten und ihren Gegnern noch fuer ein weiteres halbes Jahr munter weitergefuehrt wurden. Ja, es gab deutsche Juden, die es nicht als deprimierend empfanden, dass die hoeheren und hohen juedischen Beamten Preussens (u. a. Ministerialdirektor Hermann Badt und Ministerialrat Hans Goslar) sofort bezw. bald mehr oder weniger freiwillig ihre Posten aufgaben, nachdem in Preussen ein “Reichskommissar” die Regierung uebernommen hatte. Ja, viele Juden glaubten damals, bei den konservativ — militaerischen Kraeften um Papen und Schleicher Schutz vor den drohend aufziehenden SA —Horden finden zu koennen. Auch offizielle juedische Gruppen wie der “Reichsbund jued. Frontsoldaten” und der “Verband nationaldeutscher Juden” (Naumann) setzten die Hoffnungen auf eine Verstaendigung noch bis zum April 1933 fort, waehrend die grossen Verbaende, vor allem der “Zentralverein”, sich einer wuerdigen Zurueckhaltung im grossen und ganzen befleissigten. Was zwischen dem 20. Juli 1932 und dem 30. Januar 1933 geschah, ist noch in allgemeiner Erinnerung. Der im Maerz 1932 mit Hilfe der Sozialdemokratie und der gesamten Judenheit wiedergewaehlte Herr von Hindenburg, der noch im August 1932 erklaert hatte, niemals den boehmischen Gefreiten zum Reichskanzler machen zu wollen”, dies als Offizier beschworen hatte, vergass seinen Eid am 30. Januar 1933, und das Unglueck brach ueber das deutsche Volk und in besonderer Weise ueber die Judenheit Deutschlands herein. Ob der 20. Juli 1932 zu einem Tag der Warnung vor dem Kommenden haette werden koennen, ist schwer zu sagen. Dass er entscheidend den Gang der Handlung beeinflusste, steht ausser Frage. Die Zeit scheint gekommen, dieses Kapitel naeher zu untersuchen, nachdem eine gewissen Distanz zu den Ereignissen eingetreten ist. Dies duerfte eine Aufgabe fuer die Geschichtsdarstellung sein, die zu geben das “Leo Baeck Institut” zu Jerusalem uebernommen hat. CURT WILK. iXlcr XJcidiGpväflömt Sehr geehrter Karr Dr.ltaanatelnl Das Relchabund Jüdischer Frontsoldaten spreche Ich für seine Glückwünsche zu seines 85.Geburt*« tage sosls. für die schöne Blumenepends, und des Gedenkbuch seinen herzlichen Dank aus. In ehrfurchtsvoller Erinnerung an dl* such aus Ihran Reihen für das Vaterland gefallenen Kameraden nehme Ich da* Buch entgegen und werde ta peinar KrlegabUcheral elnverlolben. feit'kameradschaftliches GruBI TRAGISCH ENTTAEUSCHTE HOFFNUNGEN Noch 1932 fand Hindenburg warme Worte fuer die juedischen Frontkaempfer nach Ueberreichung eines Gedenkbuches fuer die 12.000 juedischen Gefallenen, um wenige Monate spaeter Adolf Hitler zum Herrsicher ueber Deutschland zu machen. DER ANFANG VOM ENDE (Es geschah vor 25 Jahren...)