Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XIX (1957)
- Issue
- 7 (Julio, 1957)
- Date
- 1957-07-01
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Julio, 1957, BOLETIN INFORMATIVO 7 DAS DRITTE REICH AUF BUEHNE UND LEINWAND Ufa *eJrest, Aste*, &*** KONZERT-FEUILLETON “Werter Herr Herzfeld: Da ich annehme, dass Sie nach Ihrer Rueckkunft wieder die Zeitungsspalte Konzert- Feuilleton weiterfuehren werden, wird es hoffentlich nicht Ihrer Aufmerksamkeit entgehen, dass das hiesige Kunstleben, Konzerte, Theater und anderes quantitativ & qualitativ einen bis jetzt nicht gehabten Umfang angenommen hat. Da Ihre früheren Kommentare sich immer ausschliesslich auf die Abonnements-Konzerte der Sinfónica bezogen, glaube ich, dass Kommentare ueber alle anderen kuenstlerischen Ereignisse jetzt nicht mehr beiseite gestellt werden duerfen. Da, wie Sie selbst sehen, es auch noch andere Mitarbeiter gibt, die in der Lage sind an dem Ausbau dieser lokalen aktuellen Zeitungsspalten mitzuarbeiten, so sollte, dies ein konstruktiver Vorschlag sein, der von den Lesern das Boletin dankbar begruesst werden wird. IHR ERGEBENER (Unterschrift)” Dies ging mir schon lange im Kopf herum und ich finde es sehr richtig. Am allerwenigsten beabsichtige ich, lieber Briefschreiber, aus dieser monatlichen Zeitungsspalte ein Monopol zu gestalten (Monopole sind auf der ganzen Welt hoechst unpopulaer), aber, wie Sie selbst andeuten, ist es einem einzelnen physisch unmoeglich bei allem dabei sein zu koennen, wenn er daneben noch einen kleinen Nebenberuf hat, welcher fuer die Kosten der gar nicht mehr so billigen Eintrittskarten herhalten muss. Ich hoffe und baue darauf, dass die Pressekommission auch bekahnte Mitarbeiter zum permanenten Ausbau dieser allgemeinen und lokalen Abteilung des Blattes genau so festnageln wird wie mich. Und was waere eigentlich mal mit einer Mitarbeit derjenigen Damen, die selten kulturelle Veranstaltungen auslassen und in den verschiedensten Organisationen mit Vortraegen glaenzen? Meine Objektivitaet hat logischerweise durch einen Aufenthalt in New York, der zum grossen Teil dem Theater und Konzert gewidmet war, etwas gelitten, und besser waere es gewesen, wenn Dr. Tobias Jr. auch noch die letzten zwei Mai- Konzerte der Sinfónica kommentiert haette. Dazu kommt, dass mein erster Eindruck des neuen Konzertsaales im Teatro Astor in Bezug auf Akustik ein deprimierender war. Das warme und angenehme Aeussere dieses Saales kann nie das Fehlen von Glanz ersetzen, der Ton wird sehr verschluckt und in den letzten Reihen soll man ueberhaupt sehr schwer hoeren. Obzwar diese Loesung fuer das Instituto de Extensión Musical einen grossen finanziellen Vorteil bedeutet (500 Abonnements mehr konnten verkauft werden), und obzwar die Theaterinhaber grosszuegigst Unterstuetzung nach allen Seiten gewaehren, da sie ein scheinbares Interesse daran haben, ihren Saal derartigen Veranstaltungen zugaenglich zu machen, kann man als Konzertliebhaber dies nur als eine zwischenzeitliche Notloesung ansehen. Santiago braucht dringend einen nach modernen akustischen Prinzipien gebauten Konzertsaal tuer 2.000 Menschen und mehr. Das 3. Konzert des Monats Mai war eigentlich nur bemerkenswert wegen der 4. Symphonie von Brahms, auf die ich im naechsten Kommentar in Verbindung mit Victor Tevah, Antal Dorati und der Brahms’schen Symphonie des Monats Juni zurueckkommen will. Das letzte Konzert Victor Tevahs vor seiner Abreise nach Montevideo stand vollkommen im Schatten der Mitwirkung des nordamerikanischen Pianisten Abbey Simon. Den ihm vorausgehenden Ruf, dass er zu denjenigen nordamerikanischen Kuenstlern gehoeren wuerde, die nur und ausschliesslich mit vollendeter mechanischer Technik musizieren, fand ich keineswegs bestaetigt. Sein Anschlag war etwas Aussergewoehnliches (auf einem herrlichen scheinbar neuen Steinway- Fluegel, der uns den alten schrecklichen Blechkasten des Municipals seligen Angedenkens vergessen liess). Das Klavierkonzert N9 4 von Beethoven stammt aus seiner tragischsten Zeit, was trotz des natuerlichen, ganz der Interpretation hingegebenen Spiels nicht ganz ausgedrueckt wurde. Besonders jedoch lag ihm das herrliche Klavierkonzert in G-Dur von Maurice Ravel, fuer den Hoerer ein seltener Genuss. Der Karfreitagszauber aus Parsifal von Richard Wagner musste unter den akustischen Fehlern des Konzertsaaies leiden. Man moege mir ein Urteil ueber die Erstauffuehrung des Werkes “Balmaceda” von Acario Cotapos ersparen. Vielen hat dieses moderne Konzertstueck fuer Erzaehler und Orchester ueber die heroische Figur des Presidenten Balmaceda wider adverse Kraefte durchaus gefallen. Mir nun mal leider nicht und... como en gustos no hay nada escrito... wundere ich mich nur, dass ein Victor Tevah es zulaesst, die so wichtige Erzaehlung von einem absolut unmusikalischen und viel zu schwachem Sprecher uebernommen zu sehen. Nun, auf Wunsch einiges ueber Gehoertes und Gesehenes in New York, wobei ich natuerlich infolge raeumlicher Begrenzung dieser anspruchslosen Kommentare jeweüs nur einzelnes herausgreifen kann. In den letzten 3 Jahren habeich kein europaeisches Theater oder Konzert besuchen koennen, sodass mir Vergleiche fehlen, die zu einer noch objektiveren Betrachtung notwendig waeren. Ich kann aber wohl sagen, dass im Laufe der letzten Jahre das Niveau der New Yorker Kulturereignisse auf einer nie gekannten Hoehe angekommen ist. Abgesehen von der Fuelle und Quantitaet, die in Konkurrenz stehen, verhilft dazu nicht zuletzt die Invasion des Broadway von besten englischen Kraeften. Charles Laughton, Sir Ralph Richardson, Cyril Richards, Margaret Leighton, Eric Portman, Rex Harrison, Stanley Holloway, Julie Andrews, dazu die Einheimischen Judith Tuwim (alias Holliday), Rosalind Russell, Paul Douglas, Tom Ewell, Ethel Zimmermann (alias Merman), Walter Slezak, Josef Schildkraut etc. Und das alles spielt sich im Umkreis von einigen Blocks ab nicht groesser als das innerste Zentrum von Santiago, manchmal 2 mal am Tage ausverkauft. Der konkurrenzlose Top-Hit jetzt und wahrscheinlich fuer unabsehbare lange Zeit ist zweifellos “My Fair Lady”. Treueste Anhaenger Bernhard Shaw’s sind sogar begeistert durch die aussergewoehnliche Mischung von Witz, Bewegung, Farben und Geschmack der Adaptation seiner Komoedie “Pygmalion”, die aus dieser Transformation nicht nur unbeschaedigt hervorgeht, (was in Nordamerika schon etwas heissen will), sondern Glanz und aussergewoehnlichen Charme erhalten hat, der selbst Shaw frappiert haette. Buch und Texte (das Produkt 3-jaehriger Arbeit von Allan Lerner) bewegen sich in seiner grossen Linie und herrliche, fliessende Melodien von Frederic Loewe illustrieren brüliant die bekannte Geschichte des Cockney - Blumenmaedchens, welches durch Verbesserung ihrer Sprache zu einer Lady wurde. Die Gesaenge bewahren den romantischen Geist des London von 1912 und haben oft einen koestlichen eigenen Humor. Der von der amerikanischen Kritik gepraegte Ausdruck “glove-fitting” ist wirklich das, was am Besten passt. Was jedoch diese Auffuehrung auf ein selten gehabtes Niveau hebt, sind die 3 Hauptdarsteller: Julie Andrews, Rex Harrison und Stanley Holloway. Rex Harrison, schon lange erste Kraft auf der Buehne bringt der Figur des Professor Higgins nicht nur nonchalante Eleganz, Vitalitaet und sein schoenes, klassisches Englisch dar, sondern debütiert mit vollem Erfolg als neue Begabung fuer die musikalische Komoedie mit bewunderungswürdigem Charme, ohne eine nennenswerte Stimme zu haben. Stanley Holloway, laengst ein Spitzenschauspielerin London, holt aus seiner Rolle als Cockneyvater-Doolittle wesentlich mehr heraus als darin ist. Julie Andrews, erst seit 1954 bekannt, und zwischen diese glaenzenden Schauspieler gestellt triumphiert in ihrer schwierigen Rolle derartig, dass ZUR ERINNERUNG EINER “EHE IM SCHATTEN” Der Frankfurter Stadtrat hat den Berliner Bildhauer Knud Knudsen beauftragt, eine mehr als lebensgrosse Bronzebueste des Schauspielers Joachim Gottschalk herzustellen. Diese Bueste ist fuer das Foyer des Grossen Frankfurter Stadttheaters gedacht. Gottschalk, ein Nichtjude, begang im Jahre 1941 Selbstmord, zusammen mit seinem Kind und seiner juedischen Ehefrau, als diese nach Theresienstadt transportiert werden sollten. Das Argument des deutschen Films “Eheim Schatten” ist auf dieser Tragoedie basiert. Knudsen war ein Freund Gottschalk’s und ist einer der Pioniere von christlich-juedischer Verstaendigung in Westdeutschland. DER FILM “NACHT UND NEBEL” Der franzoesische Film “Nacht und Nebel”, der von den Nazis-Konzentrationslaegern handelt, wurde unter Druck der Bonner Regierung von den Cannes-Filmfestspielen zurückgezogen. Der Film wird nicht in den westdeutschen Kinos gezeigt, wurde aber in Mannheim vor “Jung-Sozialisten” vorgefuehrt und hatte solch einen Erfolg, dass die Vorstellung wiederholt werden musste. Der Film wurde ebenfalls den Offizieren der Bundeswehr vorgefuehrt. Ein Offizier des Bonner — Verteidigungsministeriums erklaerte spaeter: “Ich hoerte einige Offiziere sagen .dass nicht alles so schlecht gewesen seinkoennte. Ich glaudas Publikum mit ihr zusammen aufatmet, wenn sie schliesslich Shaw’s Originalworte: “The rain in Spain stays mainly in the plain”, korrekt aussprechen kann. Musik und Gesang vollkommen verwebt mit der Handlung und immer im richtigen Moment erscheinend, zusammen mit, sogar fuer den verwoehnten Broadway selten schoenen Kostuemen von Cecil Beaton, ergeben einen Erfolg, wie er dort noch nicht dagewesen und voll verdient ist. Eintrittskarten dazu, das ist ein Roman fuer sich, denn man wird wie ein 8. Weltwunder angesehen, wenn man diese zu zivilen Preisen bekommt. Der New Yorker erhaelt Reservierungen nur auf 8-12 Monate im Voraus. Nun zurueck zu Santiago. Es wird den Leser interessieren, dass Reinhold Olszewski von den “Kammerspielen” den Rein ertrag seiner Vorlesungen des “Tagebuches der Anne Frank” unserer Gemeinde zu Gunsten armer Kinder zur Verfuegung gestellt hat. Und warum ist eigentlich nicht ueber das kleine Programm berichtet worden, welches die Wizo zum Jom Hazmauth ihren Freunden geboten hat? Ist denn das Einzigste und Wichtigste der “klingende Ertrag”, der erwaehnt werden soll? Hat nicht jeder, ob viel oder wenig, Zeit und Vorbereitungen geopfert und warum nimmt man ihnen dann auch noch den Spass? Dies aus eigener Erfahrung. HELMUT HERZFELD H. be, dass Menschen, die solch eine Meinung vertreten, nicht tauglich sind, Jugendliche zur Demokratie zu erziehen”. ANNE FRANK - FILM “Das Tagebuch der Anne Frank”, augenblicklich das erfolgreichste Buehnenstueck in Deutschland, wird von der 20th Century-Fox Films in Farben und Cinemascope auf die Leinewand gebracht werden. Arthur Hackett, einer der Autoren des Theaterstuecks, wird auch das Film - Manuskript schreiben. Die Rolle der Anne Frank wird von Susan Strassberg uebernommen werden, die auch diese Rolle bei der Broadwayer Auffuehrung innehatte. “FURCHT UND ELEND DES DRITTEN REICHES” Unter diesem Titel wurde eines der letzten Theaterstuekke Bert Brechts in Ost-Berlin aufgefuehrt. Die Schrecken jener Zeit werden hier ausserst eindrucksvoll geschildert. Besonders erschuetternd ist die Szene, wo Helene Weigel, eine Juedin verkoerpernd, sich von ihrem Gatten und ihrer Heimatstadt Frankfurt verabschieden muss. “SCHULE DER DIKTATOREN” Erich Kaestners bitter-suesse Komoedie “Schule der Diktatoren” mit Trude Hesterberg und Pamela Wedekind, wurde mit grossem Erfolg in Muenchen aufgefuehrt. (AJR-INFORM ATION). DAS TAGEBUCH DER ANNE FRANK Ende Mai veranstalteten die “Kammerspiele” einen Leseabend mit Auszuegen aus dem “TAGEBUCH DER ANNE FRANK”, ein Unterfangen, das bei der gemischten Zuhoererschaft gewagt schien, aber deshalb um so anerkennenswerter ist. Obwohl die all zu knappe Auswahl und besonders die nur kurze Erwaehnung der Helfer aus der Aussenwelt, die in Anne Frank’s Schilderungen in so lebendiger Menschlichkeit vor uns treten, die voellige Abgeschiedenheit dieser 8 Menschen nicht so klar vor Augen fuehrte wie das “Tagebuch”, hinterliess der Abend doch einen starken Eindruck, besonders bei denen, die das Buch noch nicht gelesen hatten; und hoffentlich auch bei denen, die kamen, ohne zu wissen, worum es sich handelte. Die Regie war dem Inhalt angepasst: Einfache und wuerdige Szenerie, klare und ruhige Sprache. Sehr gut gelesen die Rolle der Anne und besonders gelungen die Darstellung ihres Vaters. Alles in Allem ein Erlebnis, eine wuerdige Gedenkstunde der Leiden von 8 Juden, die alle Untergetauchten und Verfolgten jener Jahre so vollkommen personifizieren. Reinhold Olczewsky, der Leiter der “Kammerspiele”, fuegte seinem so schon grossen Verdienst ein weiteres hinzu: Er stellte den Reinertrag des Abends dem juedischen Kinderheim zur Verfuegung.