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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1957-07-01 · 7 (Julio, 1957) · p. Seite 5

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XIX (1957)
Issue
7 (Julio, 1957)
Date
1957-07-01
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Julio, 1957, BOLETIN INFORMATIVO 5 HERZL UND DIE ROTHSCHILDS VON JOSEF FRAENKEL (Uebersetzt aus dem "Jewish Cronicle", London) Dieser Artikel, der die Beziehungen zwischen Herzl und Lord Rothschild behandelt, ist heute, wenige Wochen nach dem Tode des Barons James de Rothschild, von besonderem Interesse . (Die Red.) 1891 wollte Herzl eine Noi öffentlichung seines Flugblatvelle schreiben “Samuel Kohn”, | tes bemühte sich Herzl, die THEODOR HERZL ALS STUDENT iteijf': «18 ¿ïÿj'y.' mm i.- aber statt dessen schrieb er, durch die neuen antisemitischen Erfahrungen beeinflusst, ein Schauspiel “Das neue Ghetto”, in welchem der Hauptdarsteller Dr. Jakob Samuel mit den Worten “raus aus dem Ghetto” starb. Natürlich wollte Herzl seine Leute raus aus dem Ghetto nehmen, aber wo sollten sie hingehn? Als er die Antwort gefunden hatte, bereitete er seine Rede an die Rothschilds vor. Sie sollten seine Entscheidung über das jüdische Problem billigen und ihm helfen, einen jüdischen Staat zu gründen. Die Rothschilds jedoch weigerten sich, ihn zu sehen. Des. halb entschloss er sich, seine Ansprache als politische Flugblätter zu veröffentlichen, genannt “Der jüdische Staat” (Februar 1896), obwohl gewisse Seiten im Originaltext an die Familie Rothschild gerichtet waren. Im Januar 1896, Wochen bevor sein berühmtes Flugblatt in deutsch erschien, war Herzl die Gelegenheit gegeben, seine Ansichten über politischen Zionismus im “Jewish Chronicle” zu veröffentlichen. Der damalige Herausgeber stimmte nicht mit Herzl überein. Er veröffentlichte seinen Aufsatz als eine besondere Beilage unter dem Titel: “Eine Lösung der jüedischen Frage”. DER JÜDISCHE STAAT Hätten die Rothschilds eingewilligt, seine Ansprache zu hören, würde Herzl niemals den “Jüdischen Staat” veröffentlicht haben. Nach der Ver- Rothschilds zu sprechen und für sein Projekt zu gewinnen. Das Haus Rothschild hatte durch drei Türen Eintritt; Wien, Paris und London; letztere war der Haupteingang. Nach verschiedenen Abweisungen konzentrierte Herzl seine Aufme rksamkeit auf New Court. Er fühlte, dass nur das Bibel liebende England fähig war, seine Ideen zu verstehn. Es war in England, wo er seine erste zionistische Versammlung hielt, und seinen ersten zionistischen Artikel veröffentlichte. Dort beabsichtigte er auch, sein Hauptquartier zu errichten. Wann immer Herzl nach London kam, beabsichtigte er Lord Rothschild um ein Interview zu bitten. Aber Lord Rothschild (Nathan Mayer 1840-1915) wollte Herzl nicht ehen, obwohl Anstrengungen gemacht wurden durch Joseph Cowen, Jacob de Haas, L. J. Greenberg, Sir Francis Montefiore, Israel Zangwill, Lady Battersea, Isaac Seligman und andere. Aber Herzl gab den Kampf nicht auf. Jeder Zionisten Kongress brachte Herzl grössere Sorgen- Die Zeit war wertvoll! Er hatte ein krankes Herz und wusste, dass seine Jahre gezählt waren. Er setzte Maschinen in Bewegung, sein Ziel zu Lebzeiten zu erreichen, aber ein Flügel versagte: die Mithilfe Rothschilds. Herzl berief den 4. Zionisten-Kongres nach London ein (August 1900). Er gewann die britische Presse und Oeffentlichkeit für sich, und viele britische Politiker zeigten grosses Interesse fuer den Zionismus. Aber Lord Rothschild blieb unbeweglich! Auf den Vorschlag Israel Zangwills wurde Lady Battersea, eine Cousine Lord Rothschilds, gebeten zu intervenieren. Herzl erklärte ihr seine Ideen und sie selbst bekannte sich zum Zionismus. Durch sie sympatisierte auch Lady Rothschild mit der neuen Bewegung, aber Lord Rothschilds Umschwung zu sichern, blieb erfolglos. Am 9. April 1902 schrieb Herzl an Rothschild: “Es würde von grosser Wichtigkeit sein, dass wir zusammen kämen, und ich würde mich freuen Gelegenheit zu haben Sie in London zu treffen. Ich gebe zu dass es nicht leicht für mich ist diese Bitte zu stellen”. Aber wieder kam keine Antwort. Sieben Jahre sind vergangen seit Herzls erstem Versuch Lord Rothschild zu treffen. Es war die Stärke der zionistischen Organisation und die sympathische Haltung der Oeffentlichkeit in England welche endlich zu einem Treffen zwischen Herzl und Rothschild führten, etwas Unerwartetes! AUSLAENDER KOMMISSIONEN Am 21. Marz 1902 berief die Regierung eine königliche Comission für Ausländer-Einwanderung, zusammengesetzt aus 7 Mitgliedern, Lord Rothschild eingeschlossen. Man hörte hauptsächlich von jüdischer Einwanderung nach England, von 175 Leuten. Der 2. Zeuge Arnold White riet der Comission Herzl einzuladen; er sagte: “Herzl erfreut sich im internationalen Judentum der gleichen Stellung, welche von Baron Bleichröder bezüglich der deutschen Juden eingenommen wird, durch den verst. Baron Gunzburg bezüglich der russischen Juden, durch Rabbi Zaddok Kahn der französischen Juden und durch Lord Rothschild bezüglich der jüdischen Gemeinschaft in England”. Die Mitglieder der Comission nahmen den Vorschlag an, obwohl Lord Rothschild nicht begeistert war. Als Herzl am 9. Juni in London ankam, schrieb er in sein Tagebuch: “Er (Rothschild) tobt gegen mich!- Das ist vielleicht der psychologische Moment für einen Friedensvertrag”. Als er von der Comis- ■ sion gefragt wurde: “warum er dagegen Einwendungen mache, dass ich eingeladen wurde” sagte er, “ich bin ein Aufwiegler und Schwätzer”. Am gleichen Tag erhielt Herzl die Nachricht vom Tode seines Vaters und musste gleich nach Wien zurück fahren. Am 4. Juli 1902 kam er nach London zurück und einige Stunden nach seiner Ankunft erschien er vor der Commission. Der Kampf der jüdischen Frage fing jetzt an zwischen Theodor Herzl dem Zionistenführer und Lord Rothschild dem Führer des englischen Judentums. Sie debattierten, sie schrieen, sie verglichen, —und endlich im Verlauf ihrer Auseinandersetzungen fanden sie eine gemeinsame Sprache, da sie beide an England glaubten. ZIONISMUS UND ENGLAND Herzl war immer gewillt und besorgt seinen Zionismus mit England zu verbinden. Als er seine Pläne Lord Rothschild erklärte und sagte; “ich möchte eine jüdische Colonie innerhalb des britischen Königreiches” antwortete Rothschild “nehmen Sie Uganda”. Herzl verweigerte, er wollte nicht Uganda sondern ein Land in (Fortsetzung Seite 5) CHAIM NACHMAN BIALIK ZWEI PROPHETEN: DER POLITIKER UND DER DICHTER Am 20. Tammus begehen wir einen neuen Jahrestag des Todes zweier unserer groessten jüedischen Zeitgenossen, die zu Lebzeiten danach strebten das zu verwirklichen, was waehrend zweitausend Jahren ein verlorener Traum mystischer Gebete unserer Vorfahren war — die Schaffung des jüedischen Staates: Herzl und Bialik. Beide waren Propheten; einer ein politischer Baumeister und der zweite ein Dichter — Architekt. Das von Herzl vor wenig mehr als einem halben Jahrhundert dargelegte Problem, jene utopische Vision ist heute eine Wirklichkeit. Medinat Israel besteht und ist auf festen und soliden Feilern gebaut. Und Bialiks Schrei nach Rebellion gegen das Abschlachten Unschuldiger, gegen das sich Ergeben ohne Verteidigung, gegen das zu Tode gehen ohne Stolz, ist heute ein Bestandteil eines jeden jüedischen Herzens geworden. Mit diesem Schrei verteidigten die Partisanen in den Ghettos die Ehre des jüedischen Volkes und mit ihm kaempften die Chaluzim im Unabhaengigkeitskrieg und bis heute, wenn sie die Grenzen Israels beschuetzen, zugleich mit dem Lied an die Arbeit, die Unabhaengigkeit und Selbststaendigkeit unserer Nation. Darum gedenken Juden in der ganzen Welt dieses Jahrestages, der der Erinnerung an zwei Grosse unserer Wiedergeburt als Volk gewidmet ist. Ihre Namen sind fuer ewig eingraviert in den unsterblichen Marmor der Generationen: Herzl und Bialik. Ein Mann der Aktion, der auch ein Dichter war, und ein Dichter, der niemals aufhoerte ein Mann der Tat zu sein. Zwei wunderbare Vorgaenger des Neu-Aufbaus unserer Medinat. Viele von Herzls Zeitgenossen sahen in seiner Vision des Judenstaates die Fantasie eines Dichters, aber in Bialik bewunderten alle seine unermuedliche Arbeit, um den wahren juedischen Geist wiederzuentdecken und seine Literatur zu erneuern, die in der langen Nacht unserer Geschichte langsam verloren gegangen war. Und in beiden existierte auser dem Ideal der jüedischen Wiedergeburt, der staendige Traum der menschlichen Brüderlichkeit und des Friedens unter allen Voelkern der Erde. Das juedische Volk kann stolz darauf sein, dass diese Vorkaempfer seiner Renaissanz als Nation und als Kultur keinem falschen und leeren Nationalismus nachgingen, sondern •— wie unsere grossen Propheten aus den Zeiten der Bibel — die Mission Israels verstanden, und mit ihrem Schaffen auch der ganzen Menschheit dienen wollten. A-B-O.

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