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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1957-06-01 · 6 (Junio, 1957) · p. Seite 7

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XIX (1957)
Issue
6 (Junio, 1957)
Date
1957-06-01
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Junio 1957 BOLETIN INFORMATIVO 7 DER MYSTISCHE WEG IM Von Rabbiner Manfred Lubliner JUDENTUM Neben den offiziellen Schriften des Judentums, die ihren Niederschlag in den Gesetzeswerken und philosophischen Abhandlungen gefunden haben, gab es noch die mystische Literatur. Wenn auch die Bibel bestrebt war, alles Mystische zu unterdruecken, so brach sich der Mystizismus in der Zeit der Zerstoerung des Tempels und des babylonischen Exils Bahn. Der Prophet Jecheskel ist wohl als der Schoepfer dieses neuen Weges zu Gott anzusehen. Im ersten Kapitel seines Werkes schildert er in eingehender Form den “goettlichen Wagen”. Diese Vision, die wir am ersten Tag Schowuot als Haftara lesen, war die Basis des juedischen Mystizismus und wurde direkt von diesem Visionaer bis zu den Rabbinen des Talmuds gefuehrt. In einer zweiten schweren Krise, die das juedische Volk in den Zeiten der Makkabaeer erlebte, entstand das Buch Daniel, das den mystischen Gedanken zu einem System ausbaute. Der Talmud, jenes einzigartige Werk des juedischen Genius, jene Sammlung von Protokollen ueber Gespraeche, die in den Akademien von Babylon und Palaestina durch viele Jahrhunderte gefuehrt wurden, enthaelt sehr wesentliche Mitteilungen ueber Mystizismus. Unter anderem wird in einem der Protokolle mit Ruecksicht auf die Vision Jecheskels gesagt, dass man sie nicht oeffentlieh zur Verlesung bringen solle, dass nur auserwaehlte Lehrer auserwaehlten Schuelern von ihr Mitteilung machen duerfen, denn sie sei eine Geheimlehre und solle sie fuer Wenige bleiben. Daher besteht bis auf den heutigen Tag noch der Brauch, die Kapitel ueber den goettlichen Wagen mit gedaempfter leiser Stimme in der Synagoge zum Vortrag zu bringen, um so das Geheimnisvolle seines Inhalts anzudeuten. Von Babylonien und Palaestina gelangte dann dieser neue Lebensweg im Judentum nach Europa und zunaechst nach Ita lien, denn Spanien, Frankreich und Deutschland. Hier waren es die Kreuzzuege, abermals eine Zeit groesster seelischer Not, die dem Mystizismus neuen Auftrieb gaben und wir wissen von einer Reihe von Mystikern, die in dieser Zeitepoche Deutschlands gelebt haben. Im 13. Jahrhundert erschien die “Bibel des Mystizis mus”, der Sohar zum erster Mal in fester Form, und es bildete sich nunmehr die Geheimnislehre in Spanien heraus. Der moderne juedische Mystizismus hat seine Wurzeln in der Kabala. die besonders in Erez von den aus Spanien und Portugal vertriebenen Juden praktiziert wurde. Als Hauptvertreter dieser Richtung gilt Isaac Lurja. Die letzte grosse Erscheinung der Gottsucher auf dem Wege ueber die Kabala ist der Chasidismus, der im 18. Jahrhundert als eine Bewegung gegen das offizielle, gesetzliche und philosophische Judentum auftritt. Auch er verdankt sein Entstehen den auesseren Notumstaenden. in denen sich die juedischen Massen in Russland und Polen befanden. Die gewaltigen Kosakenaufstaende, in denen Hunderttausende juedischer Menschen einen grausamen Tod fanden und die Desillusion, hervorgerufen durch die falschen Me siasse. wie Sabbatai Zwi und Jacob Frank, haben den Chasidismus auf den Plan gerufen. Zur Zeit der materiellen Krise und der seelischen Verwuestungen und Verzweiflungen ist dieser neue Mystizismus gegen das offizielle gesetzliche und dem Verstand unterworfene Judentum entstanden. Seit dem 6. Jahrhundert vor der Zeitrechnung bestand diese neue religioese Geisteshaltung, die im Judentum stets auf ein Nebengeleis geleitet worden ist. Neben religioeser Schwaermo- , ei, die im mystischen Weg vorhanden ist, hat sich die nuechterne klare und logische Denkungsweise des Judentums auch in den Krisenzeiten ueber alle seelischen Erschuetterun- Waehrend der aufregenden und fuer Theodor Herzl aufreibenden Wochen und Monate, welche der Einberufung des 1. Zionistischen Weltkongresses vorangingen, als sich der Schoepfer der modernen zionistischen Bewegung mit Erklaerungen und Broschueren entstellenden Charakters auseinanderzusetzen hatte, beschloss Herzl —im Mai 1897— die Schaffung eines Wochenblattes, das den Zionismus und die Kongressidee oeffentlich vertreten sollte Wie diese Zeitung zustande kam, zeigt eine Tagebuchnotiz Herzl’s vom 26. Mai: “Ich arbeite bis zur Erschoepfung, bis zum Zusammenbruch an der neuen Zeitung; zwei Abonnenten haben sich gemeldet. Auf viele hundert verteilte Agitationssanzeigen der “Welt” sind ueberhaupt erst drei briefliche Antworten gekommen”. Am 2. Juni jedoch finden wir folgende Eintragung: “Vorgestern und gestern “Die Welt” aufgebaut, es war garnichts da. Heute existiert ein Blatt mit deutlicher Physiognomie. Um sechs Uhr abend lief gestern das erste Exemplar aus der Presse; Das widme ich meinen teuren Eltern”. Und eine weitere Notiz: Wien, 6. Juni nachts: “Die Welt” ist erschienen. Ich bin sehr erschoepft. Diese Pfingstwoche 1897 werde ich mir merken. Zehn Monate spaeter, am 17. April 1898— hatte “Die Welt” in Wien— 28Ö Abonnenten. Der 4. Juni 1897 darf als der Geburtstag des ersten Zentralorgans der im Werden begriffenen zionistischen Bewegung bezeichnet werden. Doch trotz des im Anfänge so geringen Absatzes hatte “Die Welt” fuer Herzl den unabschaetzoaren Wert, dass er nun Woche um Woche zu den ueberall in der Welt verstreut-lebenden Anhaengern des Zionismus sprechen und sie mit dem Gedanken an den Kongress vertraut machen konnte. Und am 10. Juli bereits sah sich der Fuehrer der Bewegung vor die Notwendigkeit gestellt, auf den Blaettern der “Welt” mit seinem beruehmt - gewordenen Artikel “Protestrabbiner” auf jene fuenf fuehrenden Rabbiner zu antworten, die damals die Oeffentlichkeit mit einem Aufruf ueberrascht hatten, in welchem namens der juedischen Religion gegen die zionistische Bewegung protestiert worden war. Aus der “Welt” wurde spaeter die “Juedische Rundschau”, gen hinweg durchgesetzt. Wenn auch wir am 1. Tag Schowuaus dem alten Brauch folgend mit gedaempfter Stimme die Vision Jecheskels lesen, werden wir uns wieder bewusst, dass unsere Thora, am Schowuaus gegeben, sich in das zentrale Organ des Zionismus in Deutschland. Was jenes unter so schweren Kaempfen entstandene Organ den schwachen Kraeften der damaligen nationalen Renaissance bedeutete, ist heute schwer nach- Wagen in Miniaturformat seinen Kibbuz aufgebaut hat, indem sich zwei Kaelbchen unruhig hin und her bewegen. Den Hoehepunkt bietet ein Kibbuz, der seinen neuen ganz modernen Sprengwagen fuer die Getreidefelder zeigt und der lebhaft mit Beifallsklatschen begruesst wird. Zum Abschluss wird ein schoener Tanz vorgefuehrt, der das Werben von Hirten und Bauern um ein Maedchen darstellt. Damit ist das Fest zu Ende und jeder kehrt in seinen Kibbuz zurueck. Wir sind sehr nachdenklich. Uns bewegen schwere Proble me, die wir auch im Gespraech mit Chawerim aufwerfen. Das Hauptproblem unseres jungen Staates ist uns heute bewusst geworden. Es ist auch fuer uns drei grosse Geistesstroeme geteilt hat, die aber doch alle aus der selben Quelle gespeist werden. Wir denken an das Judentum als Gesetz, als Philosophie, und schliesslich auch als Mystik. zuempfinden. Aber “Die Welt” war die erste regelmaessig erscheinende zionistische Wochenschrift in deutscher Sprache, und ihr 60. Geburtstag, am 4. Juni, bedarf der Erwaehnung. nicht neu, aber wir haben es zum ersten Male realistisch miterleben duerfen. Wird es uns gelingen die Bruecke zwischen jenem Minjan, in dem wir Schawuot traditionell feierten und jener Jugend, die so froh und gluecklich ihr chag Habikurim auszugestalten versteht, zu schlagen? Wird es moeglich sein, das historische Judentum mit seinen Asseret Hadibrot — dem Zehnwort — mit der Welt der Renaissance des Naturbewusstseins harmonisch zu vereinen? Wir sehen Ansaetze, die vor allem in den religioesen Kibbuzim zum Ausdruck kommen. Aber unser Ringen geht um die geistige Einheit des juedischen Volkes in Israel und in der Gola. Diesen Weg zu finden, ist unsere gemeinsame geschichtliche Aufgabe. GEDENKFEIER IN BERGEN-BELSEN Jene Verschwoerung des Schweigens, mit der sich noch immer eine ganze Generation in Deutschland hartnaeckig gegen die Konfrontation mit der Vergangenheit der Jahre zwischen 1933 und 1945 wehrt, ist vor wenigen Wochen in Bergen-Belsen von einer ueber tausend Koepfe zaehlenden Schar von Jugendlichen aus Hamburg und anderen norddeutschen Staedten auf eindrueckliche Weise gebrochen worden .Die Hamburger Gesellschaft fuer christllch-juedlsche Zusammenarbeit hatte eine Reihe von Jugendorganisationen gebeten, als Auftakt zu einer “Woche der Bruederlichkeit” eine Delegation zu der grausigen Schaedelstaette des nationalsozialistischen Regimes zu senden, in der dreissigtausend von der ehemaligen Herrenrasse verfolgte juedische Opfer zur Ruhe gebettet sind Der Aufruf zuendete, und statt der Delegation zogen in stroemendem Regen ueber tausend junge Menschen mit Blumenstraeussen in die Lueneburger Heide nach Bergen-Belsen; sie suchten, ohne es unter den anonymen Massengraebern finden,zu koennen, vor allem das Grab der Anne Frank, deren Tagebuch im Original und in dramatisierter Form gegenwaertig in Deutschland eine breite Massenwirkung uebt, wie sie sonst selten erreicht wird. Ein Vaterunser und die juedische Totenklage wurden gesprochen; ein ehemaliger .HJ-Fuehrer trat cU. der, als ihm die Augen aufgegangen waren, einen Akt der persoenlichen Wiedergutmachung dadurch vollzog, dass er zum Judentum uebertrat, nach Israel auswanderte und seither in einem Kibbuz als Winzer arbeitet; der Vorsitzende der christlich-juedischen Gesellschaft in Hamburg rief die Jugend auf, das Werk der Versoehnung in die Hand zu nehmen und jene Tapferkeit im Widerstand gegen die Tyrannie zu zeigen, die ihre Vorgaenger im politischen Leben hatten missen lassen. (“Argus”-Servlce, Zuerlch). SECHZIG JAHRE “DIE WELT (Eine bedeutsame Erinnerung) Extra-Ausgabe. KrMktM |rt«» FnNit Ctnstanlinopel, 17. Mai 1901. boctor Theodor Herzl. Präsiden! des zionistischen Actions-Comites, wurde heute von Sr. Majestät dem Sultan in längerer Audienz empfangen. Sonder Ausgabe der Zeitung “DIE WELT” aus Anlass des Besuches Dr. Herzls beim Sultan. VOR EINEM JAHR (Fortsetzung von Seite 5)

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