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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1957-04-01 · 4 (Abril, 1957) · p. Seite 8

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XIX (1957)
Issue
4 (Abril, 1957)
Date
1957-04-01
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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8 Abril, 1957 BOLETIN INFORMATIVO U.S.A. HAT DIE UHR ZURUECKGEDREHT "ES GEHT GEWALT UEBER RECHT" (HABAKUK 1. 3) Im grossen Ganzen waere die Situation im Vorderen Osten nun wieder auf dem Stand von vor dem denkwuerdigen 29. Oktober 1956. Die gewaltige Chance, den russischen Einbruch einzudaemmen, ist vorlaeufig verspielt; verspielt die Moeglichkeit, das panarabische Eitergeschwuer aufzustechen, den Provokationen des aegyptischen Diktators ein Ende zu setzen, sichere Schiffahrt und Oeizufuhr fuer die freie Welt zu gewaehrleisten und verspielt die berechtigte Hoffnung auf einen baldigen und gerechten Frieden fuer Israel. “Im grossen Ganzen”, das heisst natuerlich, dass sich einige — zum Teil nicht unwesentliche — Details trotz allem sehr geändert haben. Und zu letzteren g e h o e r t vor allem folgendes: Vor dem 29. Oktober war es ein wesentliches Moment unserer Situation, dass Israel vor der “zweiten Run de” Keine Angst hatte. Heute gehoert es zu den Fundamenten der Vorder ost — Politik, damit zu rechnen, dass Nasser vor einer eventuellen “dritten Runde” Angst hat. Das gehoert zu den Eroberungen der Sinai — Kampagne, deren Aufgabe weder in Eisenhower noch seine Agenten Hammarskjöld und Bunche erzwingen koennen. Die geplante arabische Aggression gegen Israel ist zerschlagen worden und ein erneuter Versuch kaeme zumindest fuer eine geraume naechste Zeit, einem militaerischen und politischen Selbstmord gleich. Gewiss soll damit nicht gesagt werden, dass Israel nun die “dritte Runde” wuenscht. Im Gegen teil hat Ben Gurion in einem kuerzlichen Interview sehr klar zum Ausdruck gebracht, dass es ihn zutiefst schmerzen wuerde, auch nur einen israelischen — ja, selbst nur einen aegyptischen — Jugendlichen als Opfer der Launen des aegyptischen Diktators zu sehen. Sollten dieselben aber weiterhin die israelische Existenzberechtigung und Sicherheit beeintraechtigen und einen “casus belli” provozieren, so wuerde Israel vor militaerischen Massnahmen nicht zurueckschrecken. Und das dieselben wirksam zu sein pflegen, weiss Nasser. Worin koennte aber ein solcher “casus belli” bestehen? Er ist an zwei oder drei neuralgischen Punkten denkbar: Der erste: Gaza und, im Zusammenhang damit, die Sicherheit der Kolonien im Negew. Der zweite' Akaba und die freie Schiffahrt von und nach Elath. Der eventuelle dritte: Suez. Ob an einem oder mehreren dieser Gefahrenzonen in den naechsten Tagen, Wochen oder Monaten etwas passieren wird, wissen heute wahrscheinlich noch nicht einmal Ben Gurion und Molet, oder Nasser, Eisenhower und Bulganin, viel weniger also ein gewoehnlicher Sterblicher, der als Richtschnur ueber nicht viel mehr yerfuegt als ueber die zweiundeinhalb Jahrtausende alte Weisheit des Propheten Habakuk: “Es geht Gewalt ueber Recht”... Trotzdem kann man versuchen, aufgrund einer Analyse der Ereignisse des letzten Monats zu einem gewissen Ausblick zu gelangen. DIE GRUENDE DES RUECKZUGS Dabei muss man von folgender Frage ausgehen: Wie kam es zu dem fast ueberraschend anmutenden Entschluss Ben Gurions, die letzten israelischen Truppen aus Gaza und der Salomon- Bucht zurueckzuziehen? Wenn auch manches an der Antwort in das Bereich der Hypothese gehoeren wird, solange nicht die Protokolle der geheimen Verhandlungen nach vielen Jahren einmal der Oeffentlichkeit zugaenglich sein werden, kann man doch heute schon mit mehr oder we. niger Bestimmtheit folgendes annehmen: Direkter Druck der U. S. A.: Der entscheidende Faktor in dem heldenhaft— verzweifelten Entschluss von Ben Gurion— es war nicht der erste, den dieser wahrhaft grosse Staatsmann vor seinem Volk und der Geschichte zu verantworten bereit ist — war der ungeheure Druck, den die groesste Demokratie der Welt auf die kleinste ausuebte. Ein Druck, unter dem bereits Monate vorher Staaten wie England und Frankreich buchstaeblich zusammengebrochen wa. ren. Ihn in Einzelheiten zu beschreiben, erscheint muessig. ..Indirekter Druek der U.S.A.: Denselben uebte das Regime Eisenhower - Dulles in zwei Richtungen aus. Einmal durch die N. U., in der Russland samt Satelliten sowie der afro-asiatische Chor nur allzu bereitwillig in die Rock-and-Roll- Melodie aus Washington einstimmten. Auf der anderen Seite wurden Drohungen an die Adresse der wirklch nicht allzu zahlreichen Freunde — vor allem Frankreich und in zweiter Linie Ka. nada— formuliert, in denen sie auf gewisse schmerzliche Konsequenj zen hingewiesen wurden, wenn sie in ihrer Hilfe fuer Israel “zu weit” gehen wuerden. Besonders wirksam waren in dieser Hinsicht wohl die “Argumente”, die Eisenhower Mollet gegenueber gelegentlich ihrer Konferenz in Washington gebrauchte und die letzteren noetigten, Israel auf die Grenzen der franzoesischen Hilfsmoeglichkeiten aufmerksam z u machen. Dass man daraus Mollet, fuer den Anstand und Freundschaft selbst in der Politik wichtige Faktoren sind, keinen Vorwurf machen kann, ist klar. Garantien fuer Israel: Ein grosser Teil der Weltpresse und auch der juedischen Zeitungen interpretierte den Rueckzug von Gaza und Scharm el Scheich als einen Erfolg der Politik Ben Gurions dahingehend, dass Israel die fuer den Abmarsch seiner Truppen geforderten Garantien von den U. S. A. erhalten habe. Gewiss schien diese Analyse sofort allzu wohlwollend bezw. optimistisch, sprach doch Golda Meir in der Vollversammlung von “Annahmen” oder “Unterstellungen” und nicht von “Bedingungen” oder “Garantien”. Die unmittelbar folgenden Ereignisse jedoch und vor allem die Rueckkehr der Aegypter nach Gaza zwingen einfach dazu, sich keine rosigen Illusonen zu machen. Die ganzen Zugestaendnisse, die wir den U. S. A. abringen konnten, sind zwei; der in letzter Minute “contre coeur” geschriebene Brief Eisenhowers an Ben Gurion, worin er seine Hofnung ausspricht, dass Israel diesen Schritt nicht zu bereuen habe. Wieviel diese Hoffnung wert ist, kann man daran ermessen dass Eisenhower zwei fellos auch heute noch der Meinung ist, Israel habe seinen guten Glauben nicht zu bereuen. Das andere Zugestaendnis ist das “Statement”, worin die U. S. A. Regierung ihre Ueberzeugung ausspricht, der Golf von Akaba sei internatonales Gewaesser, frei fuer die Schiffahrt aller Nationen. Wird sie jedoch bereit sein, fuer diese Ueberzeugung einen Finger zu ruehren? Ein Blick auf die Ereignisse im Gaza-Streifen berechtigt zu ernsten Zweifeln daran. GAZA - AKABA - SUEZ Der israelische Rueckzug aus Gaza erfolgte aufgrund der “Unterstellung”, dass der gesamte Streifon von der NUPO besetzt und verwaltet werden wuerde, zumindest, bis Aegypten sich zum Friedensschluss mit Israel bereit findet. Es ist bekannt, dass keine Woche verstrich, bis Hammerskjold, Bunche und Burns beide Funktionen den Aegyptern uebertrugen. Golda Meir flog nach Washington, um die Meinung des State Department zu sondieren und Foster Dulles erklaerte ihr freundschaflichst, die Regierung der Vereinigten Staaten sei nach wie vor —nach wie vor!— der Meinung, die beste Loesung fuer Gaza sei eine vorlaeufige Besetzung durch die NUPO. Was tut sie aber fuer diese ihre Meinung? Nichts, oder weniger als nichts. Denn es ist kaum anzunehmen, dass die Kapitulation des N. U. Sekretaers Bunche vor Nasser ohne vorheriges Wissen, Einverstaendnis oder gar Weisungen aus Washington erfolgt ist. Eine Politik, deren Doppelzüngigkeit den Neid eines Macchiavello nur deswegen nicht erregt haette, weil sie leider nicht klug ist. Wen koennte es also Wunder nehmen, wenn Washington mit Akaba ein aehnliches Spiel treiben wuerde? Was hindert Foster Dulles daran, zu glauben, die Schiffahrt habe frei zu sein, oder zu behaupten, es zu elauben? Ob man in der Praxis etwas dafuer tut. ist doch ein ganz anderes Kapitel. Was kann nicht alles passieren: angefangen von einer Demarche seiner Durchlaucht und Hochkoeniglichen Majestaet, Saud II von Arabien bis zu einem der beruehmten “Mehrheits”— Beschluesse der N. U., wo heute die Zulu—Kaffem mehr Stimmen haben als Holland oder Frankreich oder Italien oder dem freundschaftlichen Rat, den internationalen Gerichtshof von den Haag anzurufen und auf die dort anwesenden Vertreter der russischen oder tschechischen “Justiz” zu vertrauen. Zuguterletzt bleibt noch die Frage offen, ob Schiffe unter israelischer Flagge den Suez-Kanal werden benutzen koennen oder nicht. Bis diese Zeilen gedruckt sein werden, ist vielleicht das erste israelische Schiff bereits durchgefahren oder, was wahrscheinlicher ist, von den Aegyptern auf gehalten worden. Es waere eine undankbare Aufgabe, darueber Prophezeiungen anstellen zu wollen; noch schwerer ist es, vorauszusagen ,ob im letzteren Falle die israelische Reaktion ueber die Etappe der diplomatischen Proteste hinausgehen wird. Es ist ganz im Gegenteil bemerkenswert, wie auffallend reserviert die Regierung von Jerusalem sich in der Suez-Frage verhalten hat, im Gegensatz zu dem Fragenkomplex Gaza und Akaba, dessen Bedeutung sie der Weltmeinung buchstaeblich eingeblaeut hat. KRIEGSZUSTAND UND WAFFENSTILLSTAND Klar ist jedenfalls, dass wir uns auch in dieser Frage nicht auf Nordamerika verlassen koennen — wenn wir nicht verlassen werden wollen. Die Frage der freien Durchfahrt israelischer Schiffe durch den Suez- Kanal ist ein Teil der groesseren Frage, ob es Nasser weiterhin moeglich sein wird, seine Ag g r e s s i o n damit zu rechtfertigen, dass Aegypten sich mit Israel im Kriegszustand befindet, unseren Gegenmassnahmen aber mit Berufung auf den Waffenstillstand von 1948 zu begegnen. Hammarskjöld ist —und man darf nicht muede werden, darauf hinzuweisen, dass er nichts ohne das Einvernehmen von Washington tut— damit beschaeftigt, diese “legale” Fiktion wieder herzustellen. Seine NU¬ PO hat den Gaza-Streifen in der Praxis verlassen, um an der israelisch, aegyptischen Grenze die Uebergriffe “von der einen oder anderen Seite (!) “zu verhindern, auf gut Deutsch, um die israelische Selbstwehr gegen Mordueberfaelle unmoeglich zu machen. Trotz allem besteht guter Grund fuer die Annahme, dass Nasser fuer eine geraume naechste Zeit sehr, sehr vorsichtig operieren wird. Wenn er nur halb so gerissen ist, wie es den Anschein hat, wird er vorerst keine Definition mit Israel provozieren. Es liegt weder in seinem Interesse, durch Fedayeen - Ueber - faelle in grossem Masstab noch durch eine militaerische Auseinandersetzung im Golf von Akaba (auch nicht am oestlichen, saudi-arabischen Ufer) den “casus belli” heraufzubeschwoeren, vor dem Ben Gurion ihn so energisch gewarnt hat. Selbst im Fall Suez, der zuegebenermassen fuer ihn strategisch und politisch guenstiger liegt, darf man zweifeln, ob er zu weit gehen wird. Den beruehmten “gut informierten Kreisen” nach zu urteilen, soll ihm sowohl Moskau wie auch der Botschafter der unheil i g e n Dreieinigkeit New Delhi-Moskau-Kairo, Krischna Menon, zur Maessigung geraten haben. Die Angst vor der “Dritten Runde” ist ein realer Faktor. Er kann heute weder damit rechnen, dass Russland im Ernstfall noch einmal mit dem dritten Weltkrieg bluffen wuerde, noch dass die Regierung der U. S. A. eine Politik auf die Spitze treiben wuerde, die eine bereits beträchtliche Mehrheit in Kongress, Presse und Bevoelkerung als verhaengnisvoll zurueckweist. Im Gegenteil: eine neue Krise koennte unter Umstaenden selbst dem Team Eisenhower-Nixon- Dulles als willkommener Vorwand dienen, einen solch laestigen Gesellen wie Nasser los zu werden und an seine Stelle einen Mann zu setzen, der den Segnungen der Eisenhower - Doktrin mehr Einsicht entgegenbringt. ATSCH EKA.

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