Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XIX (1957)
- Issue
- 4 (Abril, 1957)
- Date
- 1957-04-01
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Abril, 1957 BOLETIN INFORMATIVO 7 EIN GROSSER MUSIKER UND EIN GROSSER MENSCH ZUM TODE DES MAESTRO ARTURO TOSCANINI Der grosse italienische Dirigent Arturo Toscanini weilt nicht mehr unter den Lebenden. Vor wenigen Wochen nahm der greise Musiker Abschied von dieser Welt, deren grauen Alltag er durch seine Klaenge zu verschoenern wusste. Es ist sicher, dass er allen, die seine Kunst liebten und bewunderten, fehlen, und dass sein Genius noch fuer lange Zeit der Musikwelt in Erinnerung bleiben wird. Hier aber sei auch von dem anderen Toscanini gesprochen: Dem Menschen! Der grosse Musiker war — man kann das ohne jede Einschraenkung sagen—auch ein grosser Mensch, dessen beispielhafte Haltung oftmals ein leuchtendes Symbol war, inmitten einer vor den Maechtigen dienernden Umgebung. Die freiheitsliebende Welt wird es Arturo Toscanini nicht vergessen, dass er, aus freien Stuecken und unter Opferung grosser persoenlicher Vorteile, sich kompromisslos und mutig gegen den sein Vaterland Italien unter jochenden Tyrannen Mussolini wandte- und dies zu einer Zeit, als maechtige, sogenannte demokratische Laender und Interessen "rupnen um die Gunst des groessenwahnsinnigen Diktators buhlten, der seine italienische Heimat schliesslich in so viel Leid und Unglueck stuerzen sollte. Toscaninis mutiger Kampf gegen den Faschismus brachte ihm zunaechst Aechtungin seiner Heimat und spaeter in allen anderen Laendern, die dem Nazismus anheim fielen. Besonders aber wir Juden werden weder den Menschen noch den Musiker Arturo Toscanm; IL MAESTRO Ein grosser Künstler und ein grosser Mensch vergessen koennen, denn er "ehoerte nicht nur zu den ehrlichsten nichtjuedischen Freunden unseres Volkes ünd seiner politischen Renaissance, sondern er trug auch, durch sein Wirken in Tel-Aviv als erster Dirigent am Palaestina-Orchester viel zum Prestige des Musiklebens im juedischen Lande bei. So schliessen auch wir uns -’er grossen Schar der Trauernden um den Maestro Toscanini an, die ihn, als Menschen und als Kuenstler, nie vergessen "erden. DIE KUNSTGEWERBLICHE ARBEIT nimmt in Israel immer mehr an Bedeutung zu (Foto: Keren Hajessod-Kalender) GOETHE UEBER JUDEN UND JUDENTUM (ZUM 125. TODESTAGE GOETHES AM 22. MAERZ) Als am 28. August 1949 die gesamte Kulturwelt den 200. Geburtstag Goethe’s feierte, wurden vereinzelte juedische Stimmen laut, die Goethe als “guten Deutschen und deshalb auch guten Antisemiten” bezeichn eten, den wir Juden nicht zu beachten haetten. Eine solche Haltung ist in ihrer Armseligkeit zu bedauern, weil sie ein voellig falsches Bild des “Weltweisen von Weimar” gibt, den z.B. der Staat Israel damals vor acht Jahren durch eine Reihe von Goethe-Ausstellungen und Vortraege ehrte. Wie stehen wir Juden in Wirklichkeit zu dem einmaligen . Universalgenie Goethe’s? Goethe war ein Kind seiner Zeit, wenn er auch geistig weit ueber sie hinauswuchs. Nur unter diesem Aspekt koennen und duerfen wir seine kritischen Aeusserungen hinsichtlich des damaligen Judentums, wie es uns z.B. in der Be- | Schreibung der Frankfurter Judengasse entgegentritt, werten. Unnatuerlich waere es, wenn Goethe anders empfunden haette in einer Welt, von der die Juden, um 1760, durch Ghetti abgeschlossen waren. Jene Bemerkungen sind eben aus der noch fast mittelalterlichen Kon-! vention seiner Jugend gutglaeubig uebernommen worden. Doch bleiben sie immer frei vom beissenden Spott des Antisemitismus, den er als Dogma absolut verwarf. Seine menschliche Unvoreingenommenheit zeigte sich Früh in tätiger Hilfe beim Frankfurter Ghettobrand und spaeter im Umgang mit Juden wie Marianne von Eybenberg, Félix Mendelssohn, dem nachmaligen beruehmten Komponisten, Michael Beer, Moritz Oppenheim u.a. Darueber hinaus war Goethes Verehrung fuer den Phie———————— KOSMETISCHE 1 PROBLEME koennen alle geloest werden durch individuelle Behandlung. Beraten Sie sich mit Lilly Diplomiert in Wien. 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Dass er ein Gegnei der Judenemanzipation war, laesst keineswegs auf eine antisemitische Einstellung schliessen; im Gegenteil: Goethe hatte die Fruchtlosigkeit dieser Bemühungen erkannt, die nicht mit der Entwicklung der damaligen Menschen parallel liefen. Von dem Menschen Goethe gibt sein Ausspruch Zeugnis, dass man den Reformationstag kuenftighin durch den “Tag von Leipzig” ersetzen moege, an dem alle Religionen teilgenommen haetten. Seine Stellung zum juedischen Volke wird vielleicht am besten durch die bekannten Worte dar gestellt: “Vor dem Richterstuhle des Gottes der Voelker wird nicht gefragt werden, ob die Juden die beste, die vortrefflichste Nation seien, sondern nur, ob sie daure, ob sie sich erhalten habe. Das Israelitische Volk besitzt die meisten Fehler anderer Voelker; aber an Selbstaendigkeit, Festigkeit, Tapferkeit, und, wenn alles nicht mehr gilt, an Zaehigkeit sucht es seinesgleichen. Es ist das beharrlichste Volk der Erde; es Ist, es war, es wird sein, um den Namen Jehova durch alle Zeiten zu verherrlichen”. Goethes Bibelkenntnisse waren bedeutend und dehnten sich auch auf das nachbiblische Schrifttum (Apokryphen; Makkabaeerbuecher, Tobias, Judith, Sprueche Sirach, u.s. w.) aus. Er stand jeder Bibelkritik ablehnend gegenueber und aeusserte: “ich halte die Bibel lieb und we,rt, denn fast ihr allein war ich meine sittliche Bildung schuldig. Begebenheiten, Lehren und Gleichnisse, alles ist auf die eine oder andere Weise bei mir wirksam geworden. Dieses Werk verdient, als allgemeine Bibliothek der Voelker zu gelten, und gewiss, je hoeher die Jahrhunderte an Bildungsteigen, immer mehr, zum Teil als Fundament, zum Teil als Werkzeug der Bildung, von wahrhaft weisen Menschen ge. nuetzt zu werden”. In dem bekannten Worte Goethe’s an Riemer, dass die Deutschen ebenso wenig zugrunde gehen wuerden wie die Juden, weil sie Individualisten seien, liegt ein Lob fuer die Juden, da der Dichter die Menge verachtete und die Einzelpersoenlichkeit hochstellte. Ihm gelten sie als Individuen, weil sie sieh aus dem Gewoehnlichen herausheben und sich, bezw, ihrer Weltanschauung, Geltung verschaffen wollen. Gross ist die Zahl der Juden, die sich an der Goetheforschung beteiligt haben; zu nennen sind vor allem Albert Bielschowsky, der Verfasser einer volkstuemlichen Goethe-Biographie-und Prof. Ludwig Geiger. Auch in unserer Epoche gibt es erfreulicherweise juedische Menschen, die sich Goethes Leben und Schaffen nicht wegzudenken vermoegen aus der allgemeinen Menschheitskultur. Sie werden, in der Welt und mit der Welt, vom festen iuedischen Standort aus das Werk Goethes betrachten und m sich aufzunehmen bemuehen. CURT WILK. OC U tOUCNlVIDAO GOTTESDIENST: Jeden Freitag Abend um 19 Uhr. Jeden Schabbos Morgen um 9. Uhr. Ausserdem an Jahrzeiten. Diese Daten muessen jedoch rechtzeitig an die Casilla 984. oder bei Herrn Ricardo Wolf, Telefon 6240 gemeldet werden. Verkuendigung des Neumondes Ijar am Schabbos den 27/4. Rosch Chodesch: Erster T°s 1 /R "-"eiter Tag 2/5. P E S S A C H Pessach Abend am Montag uen 15. April, Gottesdienst um 19. Uhr. J Tag Pessach am 16. April Morgens Gottesdienst um 9. Uhr Abends 19. Uhr. II. Tag Pessach am 17. April Morgens Gottesdienst um 9. Uhr. Pessach am Sonntag den 21. April Abends 19. Uhr Gottesdienst . 7. Tag Pessach am Montag den 22. April Gottesdienst Morgens 9. Uhr. 7. Tag Pessach am Montag den 22. April Gottesdienst Abends 19. Uhr (Seelenfeier). 8. Tag Pessach am Dienstag 23. April Gottesdienst Morgens 9. Uhr. Ein Gemeinde Sederabend findet in der Residencial Duering Paseo Gervasoni 492, unter Leitung von Herrn José Tichauer Statt. GEBURTEN: Am 7/3 Marlen Ruth Cohen. Tochter von Hadasah Krisjanpoller de Cohen y Jacobo Cohen.