Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XIX (1957)
- Issue
- 3 (Marzo, 1957)
- Date
- 1957-03-01
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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6 BOLETIN INFORMATIVO Marzo 1957 í r NU-POLITIK AUF IRRWEGEN “GEWOEHNLICH GLAUBT DER MENSCH, WENN ER NUR WORTE HOERT, ES MUESSE SICH DABEI DOCH AUCH WAS DENKEN LASSEN" — (GOETHE: FAUST) Wenn der alte Stalin einmal fuer ein paar Tage auf diese Erde zurueckkommen koennte, haette er an zwei Dingen seine helle Freude: einmal an der schrittweisen Rehabilitierung, die ihm die neo-stalinistische Leitung des russischen Imperiums, nach dem Scheitern ihrer Liberalisierungspolitik, angedeihen laesst. Ad zwei: die Erfuellung einer in Vergessenheit geratenen Prophezeiung. Er hatte dieselbe im Jahre 1952 formuliert, anlaessiich des letzten Parteitages, dem er noch beiwohnte und darin zum Ausdruck gebracht, dass, die Gegensaetze zwischen den verschiedenen kapitalistischen Staaten rascher zu einem Krieg unter denselben fuehren wuerden als der kapitalistisch-kommunistische Konflikt zu einem Krieg zwischen den Westmaechten und Russland. Die Waffenstillstandsverhandlungen in Korea waren damals noch erfolglos; der Vertrag der Europaeischen Verteidigungs-Gemeinschaft (erst zwei Jahre spaeter im franzoesischen Parlament blockiert) war unterzeichnet worden; die beiden amerikanischen Prasidentschafts-Kandidaten hatten die Einigkeit des Westens auf ihr Panier geschrieben: kurzum, es schien keine Veranlassung vorzuliegen, eine solch absurde These ernst zu nehmen. FREIE SCHIFFAHRT FUER ISRAEL Kadetten der Marine-Schule von Haifa bei der Ausbildung £ lfm*** Htm Nun besteht gewiss auch heute keine tatsaechliche Kriegsgefahr zwischen 'den Westmaechten und dies nicht nur, weil es im Grunde genommen, nur noch eine “Westmacht” gibt, sondern auch im Hinblick auf die heute wie vor fuenf Jahren akute russische Gefahr, die Stalin natuerlich zu bagatellisieren versuchte. Dass aber der Westen dieser gegenueber keine geschlossene Front aufzuweisen hat, dass die internen Gegensaetze, eine gemeinsame Politik so gut wie unmoeglich machen, wird eigentlich von niemandem bestritten. Keine Verlautbarung betreffs des bevorstehenden Staatsbesuchs von Mollet auf Bermudas oder Mac Millan in Washington und der Anstrengungen, den bei der Suez-Aktion entstandenen Riss zu kitten, kann darueber hinwegtaeuschen. DIE EISENHOWER-DOKTRIN Auch der Versuch, die “neue” amerikanische Vorderost-Politik so hinzustellen, als habe Washington sich jetzt endlich dazu bereit gefunden, in die anglo-franzoesische Kerbe einer anti-russischen Politik zu hauen, hat wenig Abnehmer gefunden. Es liegt zu klar auf der Hand, dass die Eisenhower - Doktrin erst in ihrer zweiten Etappe gegen Russland gerichtet ist. In ihrer ersten, gestrigen und heutigen, richtete sie sich vor allem gegen England. Wenn Eisenhower sich vom Kongress Vollmachten erteilen laesst, das “Vakuum” des Mittleren Ostens mit Dollars und Waffen vollzustopfen, so ist dies die folgerichtige Konsequenz einer Politik, die dieses Vakuum auf Kosten seiner “Alliierten” erst geschaffen hat. Es waere naiv zu glauben, dass der Praesident der Vereinigten Staaten und sein unuebertrefflicher Staatsekretaer, von den Folgen des anglofranzoesischen Fiaskos in Aegypten ueberrascht und bestuerzt, nun ploetzlich beschlossen haetten, dem russischen Einbruch selbst Halt zu gebieten. Nein: sie haben vielmehr dieses Fiasko kaltbluetig provoziert, England und Frankreich foermlich hineingetrieben, den russischen Profit in diesem schmutzigen Geschaeft als “calculated risk” eingerechnet und werden sich nunmehr damit befassen, letzteren soweit wie moeglich zu schmaelern. Im Grunde genommen ist diese amerikanische Mittelost- Politik nur eine erschreckende Neuauflage der tragisch falschen englischen Politik, und, oh Ironie der Geschichte, vor allem der Politik des Mannes —Anthony Eden—, der diesem Kulissenwechsel zum Opferfiel. So wie England ein kuenst- 1 i c h e s Jordanland auf Kosten des Palaestina - Mandats hervorzauberte, den Syrern bei der Befreiung von Vichy auf Kosten Frankreichs eine vorzeitige Souveraenitaet verlieh, so unterstuetzt heute U.S.A. den aegyptischen Diktator aus Gruenden politischer und kommerzieller Konkurrenz bei der Drosselung der freien Schiffahrt, die fuer England— und was England selbst immer wieder vergass, auch fuer Andere— vital ist, so pumpt es Waffen und Geld nach Saudi- Arabien, so kauft es den Regenten von Irak, d.h., den letzten mit England verbuendeten arabischen Potentaten. Wer daher glaubt, bei der Formulierung der “Eisenhower-Doktrin” seien so wesent- 'iche Probleme wie Garantien fuer die freie Schiffahrt durch -Jen Suez-Kanal und den Golf von Akaba, wie die Schlichtung des israelisch-arabischen Konflikts “vergessen” worden, verkennt deren Charakter. Was man heute, mit absoluter Respektlosigkeit vor den Begrif-!en, “Doktrin” nennt, heisst '->hne solche Umschweife: Dollar- Investitionen in grossem Masstab und deren Verteidigung— wenn noetig— durch Waffengewalt. DER “STAATSBESUCH” Wem wurde das nicht bei dem widerlichen Theater klar, das die “doktrinaere” Fuehrung in Washington anlaessiich des Besuches von “Koenig” Saud inszenierte? Der Praesident persoenlich empfing ihn auf dem Flugplatz, eine Ehre die noch nicht einmal Churchill zuteil geworden ist. “Welches Theater”, schrieb Kurt Tucholsky anno 1931, “wenn einer den andern besucht! Darunter liegen dann Streichholz —und Petroleum — geschaefte... Grosse Oper spielen die Staaten, mit Helden, denen die Strumpfbaender rutschen. Leider eine Oper mit tragischem Ausgang”. Zu welchen Vokabeln haette der grosse Spoetter gegriffen, wenn er in der Rolle des Helden mit dem rutschenden Strumpfband an Stelle eines Briand, eines Mac Donald, eines Bruening, die doch immerhin Menschen waren, den Sklavenhaendler von Rijadh gesehen haette. Koenig ueber einen “Staat” ohne Schulen und ohne Krankenhaeuser, mit Foltern und Peitschenstrafen, ohne Recht und Gesetz, ohne Trost und ohne Hoffnung!? Es ist wahr, dass im Laufe der Unterredungen, die in Wa- NICHT OHNE SICHERHEITEN! f TEIAVIV, ISRAEL Auf der Karte ist die strategische Bedeutung der Salomon- Bucht (Sharam el Sheik) fuer die Einfahrt nach Elath klar ersichtlich. An der noerdlichen Grenze der Halbinsel Sinai, der Gaza-Streifen. (Karte: “Ercilla”). shington auf erlauchtem Niveau gefuehrt wurden, der Praesident dem Koenig beilaeufig erklaerte,- dass Israel “existiert” oder “existieren wird”. Was ihn zu solch einem romantischen und grosszuegigen Statement veranlasste, ist nicht ganz klar, wohl aber, dass die in der Praxis erzielten Abmachungen die Tragweite dieser Erklaerung etwas beeintraechtigen. Und dies besonders, wenn man in Betracht zieht, dass man in Israel, vielleicht unbescheidenerweise, den Wunsch hegt, nicht nur zu “existieren”, sondern auch zu leben. Diese praktischen Abmachungen beziehen sich natuerlich in erster Linie auf Waffenlieferungen in der phantastischen Hoehe von 50 Millionen Dollar. Sehen wir einmal davon ab, dass Saudi-Arabien, das Land mit dem niedrigsten sozialen, sanitaeren und kulturellen Niveau der Welt, alles andere als Waffen braucht. Vielleicht erwartet man in Washington, dass der Herr Koenig sich eines Tages entschliessen wird, nicht die ganzen 100 Millionen Dollars, die er jahraus jahrein bei “Aramco” mitverdient, in Harem und Garage zu investieren. Schliesslich ist er ja souveraen und braucht sich keine Vorschriften machen zu lassen... Worueber man sich aber ja ’twas gedacht haben muss, ist die eventuelle Verwendung dieser Waffen und diesen Ge- ’ankengang kann man schliesslich nur der “Doktrin” entnehmen: gegen Russland. “Aber fragt mich nur nicht, wie?” steht irgendwo bei Heine. Ein Vorbehalt, der auch hier volle Anwendung findet. Denn es ist wohl kaum anzunehmen, dass irgend jemand— Foster Dulles eingeschlossen— glaubt, (Foto: Keren Hajessod). Saudi-Arabien haette im Ernstfall die Kapazitaet oder auch nur den Willen, die Russen fuenf Minuten lang aufzuhalten. Direkt betroffen von dieser Transaktion ist also wieder einmal nur Israel, fuer dessen Zerstoerung Saud guten Muts sichbereit erklaert hat, ein “paar Millionen Araber” zu opfern. Nicht, dass wir seine Bravaden mehr zu fuerchten haetten als die seiner aegyptischen oder sonstigen Spiessgesellen; solange wir mit dieser phantastischen A u f r u estung und staendigen Modernisierung aller Waffengattungen weiter irgendwie Schritt halten koennen. Und da liegt der Hase im Pfeffer: die mass— und sinnlose Aufruestung der arabischen Staaten, in der Amerika und Russland konkurrieren, wirken sich in erster Linie als gefaehrlichste Front im Wirtschaftskrieg gegen Israel aus. Denn die Araber erhalten diese Waffen zum Teil geschenkt, zum Teil auf Kredit und zum Teil gegen Zahlung aus einem Bruchteil ihrer monumentalen Oelprofite. Israel dagegen kann praktisch nur in Frankreich kaufen— wahrscheinlich aufgrund des Fehlens jeder Konkurrenzofferte zu teuren Preisen— und muss seine ohnehin durch Boykott, Blockade und Sanktionen belastete Wirtschaft, die gewisse oeffentliche Bauten und soziale, kulturelle oder sanitaere Leistungen vollbringt, zu denen die Araber sich nicht bemuessigt fuehlen, aufs Aeusserste belasten. DER KAMPF IN DER NU Zu diesem militaerischen und wirtschaftlichen Druck kommt nun noch der politischdiplomatische hinzu, der von Seiten der beiden Grossmaechte direkt, und indirekt —durch die Kanaele der NU—, auf Is-