Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XIX (1957)
- Issue
- 2 (Febrero, 1957)
- Date
- 1957-02-01
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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6 BOLETIN INFORMATIVO Febrero, ISST" NEO-A NT ESIMITIS MUS IN OESTERREICH "Es geht auch ohne Partei und grosses Gerede!” stand in der Mai-Nummer des neonazistischen und antisemitischen Linzer Hetzblattes “Die Plattform”. Diese wirkliche oder fiktive Leserzuschrift gibt ein klares Bild ueber die Stimmung In gewis«en Kreisen der oesterrelchlschen Bevoelkerung, ueber derer Wuensche und Zukunftshoffnungen. Es ist offenbar, dass es In Oesterreich kleine, jedoch gutorganisierte und gutfinanzierte Gruppen gibt, welche die Elitekader der ehemaligeh NSDAP und ihrer militanten Gliederungen darstellen. Von diesen Kreisen wird in sehr geschickter Weise das Gift des Nazismus innerhalb der oesterreichischen Bevoelkerung propagiert und verbreitet. Diese Proaganda faellt auf einen Boden, der noch lange vor der Nazizeit praepariert wurde und sich gerade darum nach der Machruebernahme durch den Nationalsozialismus als so besonders aufnahmefaehig erwies. OESTERREICHISCHE JUDEN SIND KEIN POLITISCHER FAKTOR Die Juden in Österreich sind heute infolge ihrer so geringen Zahl (derzeit etwa 10.000 von einst etwa 200.000) weder ein politischer noch ein wirtschaftlicher oder kultureller Faktor. Die österreichische Innenpolitik ist völlig realistisch, immer schweben ihr die Möglichkeiten, Wähler zu gewinnen, vor; deshalb scheiden die Juden in Oesterreich als politischer Faktor eben aus. Man ist gegenwärtig in Oesterreich dabei, die gesamte “Belastungshypothek” der Besatzungszeit abzubauen. E s liegt eine gewisse Tragödie der Juden darin, dass sie unmittelbar nach der Befreiung, das heisst nach Beendigung des Nazikrieges, vielfach erst über Einfluss der Besatzungsmächte in ihre Rechte wieder eingesetzt wurden, worin der Durchschnittsbürger in Oesterreich eine Privilegierung sah. Dieser Durchschnittsbürger hatte vollkoißmen vergessen, welches Unrecht an den Juden in Oesterreich verübt wöfäSn war, wie sie verfolgt, beraubt und in die Todeslager verschickt wurden. AUFHEBUNG VON NACH KRIEGS-GESETZEN Die Legislative und die Exekutive in Oesterreich scheinen gewillt zu sein, den Wünschen eines bestimmten Teiles der österreichischen Bevölkerung nachzukommen und Gesetze und Verordnungen, die zwischen 1945 und 1955 erlassen worden sind, aufzuheben oder entsprechend abzuändern. Völlig geschichtswidrig werden die-e Bestrebungen dahin kommentiert, dass es um Aufhebung von Gesetzen und Verordnungen geht, die unter dem Druck der Besatzungsmächte entstanden sind. Es wird hierbei geflissentlich vergessen, dass die Erlassung all dieser Gesetze und Verordnungen unter dem noch frischen Eindruck der Greueltaten des Nazismus und der darauf basierenden Rechtsauffassung geschah und dass die wenigsten aller dieser Gesetze und Verordnungen von den Besatzungsmächten inspiriert oder beeinflusst worden sind. Ein nicht unwesentlicher Teil dieser Gesetze und Verordnungen wurde zum Schutze der jungen österreichischen Demokratie, zur Ausmerzung der Wirkungen und Spuren des Nazismus erlassen. Durch verschiedene “Novellierungen” sollen diese Gesetze zum Teil'zur Gänze aufgehoben, zum Teil durch vollkommene innere Aushöhlung jeden praktischen Wert verlieren. Die Rechnung hierfür sollen all die Personen bezahlen, die während des NS- Regimes wegen ihrer Abstammung oder aus politischen und religiösen Gründen verfolgt worden sind. UNBEQUEM Die Juden in Oesterreich sind den politischen Parteien unbequem, da durch ihr blosses Vorhandensein das von allen Parteien angestrebte “gute” Verhältnis zu den ehemaligen oder auch unverbesserlichen Nationalsozialisten gestört wird. Es ist daher eine besondere Tragödie, die gerade anlässlich der letzten Wahlen in den Nationalrat offenbar wurde dass beide österreichische Grossparteien im Rennen um die Nazistimmen sich der gleichen Propagandamittel bedienten. Den ehemaligen Nazis wurden verschiedene Versprechungen gemacht; da sie aus der jüngsten Zeit stammen, sind sie in der Praxis natürlich viel wirksamer, als die den Opfern des nationalsozialistischen und faschistischen Systems vom Jahre 1946 cdei 1947 aus moralischen und ethischen Gründen verheissenen Massnahmen einer echten Wiedergutmachung. DIE “KALTE MAUER” Andererseits besteht i n Oesterreich keine akute antisemitische Gefahr, wie sie schon einige Jahre vor der Machtübernahme des Nationalsozialismus deutlich erkennbar war. Ganz still und stillschweigend werden die Juden in Oesterreich abgelehnt, Übergängen und in eine gesellschaftliche und geistige Isolation gedrängt. Es gibt keinen lauten oder gar rabiaten Antisemitismus, keine Ausschreitungen, aber es gibt die “kalte Mauer”, die kaum zu durchbrechen ist. Diese “kalte Mauer”, gepaart mit dem Widerwillen, die Geschehnisse der Zeit von 1938 bis 1945, in manchen Fällen auch die Zeit von 1933 bis 1938, zu analysieren und hieraus die Lehren zu ziehen, lässt eine moralische Wiedergutmachung den Juden gegenüber unmöglich erscheinen. Man macht sich in Oesterreich heute wahrlich keine Sorgen, wie man ein gutes Verhältnis zu den Juden schaffen, ihnen das Gefühl einer inneren und moralischen Sicherheit im Schosse der österreichischen Demokratie geben soll. Die Gefahr einer geistigen oder faktischen Renazifizierung in Oesterreich wird geflissentlich übersehen und völlig gering geschätzt Man fühlt sich stark genug, den Nazismus ideologisch abzulehnen, man übersieht hierbei aber, dass man den ehemaligen Nationalsozialisten eine Konzession nach der anderen macht und sie hierdurch politisch ermuntert und stärkt. Man übersieht auch, wie sehr es den ehemaligen Nationalsozialisten schon gelungen ist, in der Verwaltung, in der Exekutive und in der Wirtschaft Positionen zu besetzen. ANDERS IN DEUTSCHLAND i Auch in Deutschland haben ’ die Nazis sogar bedeutende ■ Stellungen wieder erlangt und .besetzt, aber von den grossen demokratischen Parteien werden dort starke Dämme gegen alle Formen eines möglichen Nazismus errichtet. Die Neonazis, ob getarnt oder nicht, werden überwacht, entlarvt, immer wieder wird ihnen der Kampf angesagt. Nichts dergleichen sieht man in Oesterreich. In Oesterreich gibt es weder einen Präsidenten des Nationalrates, noch des Bundesrates, der wie der deutsche Bundestagspräsident Gerstenmaier von der Tribüne der Volksvertretung die Nationalsozialisten warnt und ihnen den Kampf 'ansagt. Es gibt in Oesterreich keinen sogenannten “Grünwalder Kreis”, der sich aus Schriftstellern, Journalisten und Gelehrten zusammensetzt und es sich zur Aufgabe gemacht hat, alle Auswüchse und Erscheinungen eines möglichen oder beabsichtigten Nazismus, der sich in Zeitschriften, Druckschriften, Reden und Aeusserungen bemerkbar macht, zu entlarven und zu bekämpfen. Hat man jemals die Stimme des österreichischen Rundfunks vernommen, der sie warnend gegen Neonazismus und Antisemitismus ei hoben hätte, wie dies beispielsweise der bayrische Rundfunk und sein politischer Chefredakteur Walter von Kube getan hat? Der bayrische Rundfunk und Walter von Kube haben den Mut aufgebracht, vor Millionen von Hörern aufzuzeigen und nachzuweisen, in welchen Positionen sich ehemalige Nazis wieder befinden, er hat die Republik und. ihre Demokratie zur Wachsamkeit aufgerufen! Natürlich ist Oesterreich viel kleiner als die Deutsche Bundesrepublik; deshalb ist auch die Zahl seiner Nazis und Antisemiten geringer. Proportionen jedoch, gibt es in Oesterreich zumindest ebensoviele antisemitische und neonazistische Zeitschriften und Wochenblätter wie in Deutschland, die alle der Verherrlichung des Faschismus, Nationalismus und Nationalsozialismus dienen und in jeder erdenklichen Art Hass und Verachtung gegen die Juden säen. NAZIS AUS DEM SUDETENLAND Die einheimischen Nazigruppen in Oesterreich erhielten nach dem Kriege Zuwachs aus den Reihen der Volksdeutschen, vor allem der Sudetendeutschen. Diese Gruppe hat sehr schnell ihre materiellen Sorgen überwunden. Wenn wir eine genaue Analyse der personellen Struktur dieser Gruppe durchführen, kommen wir zu der Feststellung, dass der ■ Grossteil der sudetendeutschen Bauern und Arbeiter über Oesterfeich nach Deutschland; ging, während die sudetendeutsche Intelligenzschicht (wie Beamte, Kaufleute und Industrielle) in Oesterreich ver-- blieb. Das sind Personenkreise, die einst hinter Henlein standen, die Vorkämpfer Hitlers, waren und das Schicksal des; Sudetenlandes geformt, ja bestimmt haben. Was diese Menschen denken, was sie wollen, zeigt ihr Kampfblatt “Die Wegi warte”, die unverblümt ent-. , hüllt, dass die Sudetendeutschen nichts vergessen und nichts dazugelernt haben. Die; sudetendeutsche Jugend hat sich schnell mit Jugendverbänden liiert, die einen nationalistischen Charakter im. gi-ossdeutschen Sinne haben. Eine Jugendgruppe (das “Nai tionale Jugendkorps”), war an- 1 scheinend so sehr faschistisch, dass sie vom Innenministerium aufgelöst wurde. Es darf auch nicht übersehen werden, dass, antisemitische und neonazistische Gruppen in Oesterreich Kontakt zu anderen Gruppen faschistischer Flüchtlinge, wieden ungarischen Nilas-Gruppen, den Hlinka - Gardisten, den Ustaschis, gefunden haben und mit ihnen eng Zusammenarbeiten. (I. P. N.) JUDEN AUF OLYMPISCHEN SPIELEN * (II TEIL) von ENRIQUE GOTTHILF In diesem Bericht kann ich nun noch einige juedische Olympiakaempfer nennen, die an den Olympischen Spielen in Melbourne teilgenommen haben. Im 100 Meter - Freistilschwimmen fuer Damen wurde SHOSHANA RIVNER (Israel) siebente in der Zeit von 1;10 3/10, besser als der chilenische Rekord von RUBY BONDER. In derselben Ausscheidungsserie siegte die Australianerin Treser in 1:02.4 den Weltrekord egalisierend und spaeter hi der Entscheidung auf 1:02 - verbessernd,' was Zeugnis ablegt von der Weltelite, die in Melbourne zusammentraf. Im 20 Km. Gehen belegte HENRI LASKAU vom Makkabi New York den 12. Platz in 1 St. 38 min. 46 Sek. Von juedischen Olympiakaempfern frueherer Olympiaden kann ich noch Dr. PAUL WEINSTEIN erwaehnen, der fuer Deutschland startend 1904 in Athen im Hochsprung dritter Olympiasieger wurde mit 1.72 Meter (Auf der Olympiade in Melbourne sprang der Sieger 2.12 Meter und bei den Frauen 1.76 Meter). Der Bruder von Dr. Paul Weinstein, ALBERT WEINSTEIN wurde auf den Olympischen Spielen 1908 in London sechster im Weitsprung mit fuer die damalige Zeit ganz beachtlichen 6.78 Metern. Der dreifache deutsche Meister im Zehnkampf und spaetere Hockeyspieler KURT WEISS, der Jude ist, nahm 1936 in Berlin an der« Olympischen Spielen in der deutschen Hockeymannschaft teil, was eine ebensolche Entruestung hervorrief, wie ich sie im Falle der Fechterin Helene Meyer in meinem Artikel in der vorigen Nummer schilderte. 1932 in Los Angeles waere als hervorragender juedischer Teilnehmer noch der Tscheche ENGELS zu erwaehnen, der zwar ueber 200 m im Zwischenlauf ausschied, aber vorher Studentenweltmeister ueber 200 m wurde in 21.8, damals Makkabi-Weltrekord. 1948 in London war ueberragender Teilnehmer der nordamerikanische Jude LAMPERT, der sich gut plazierte und spaeter eine zeitlang im Kugelstossen mit etwas ueber 18 Metern den Weltrekord hielt. Lampert siegte auch auf der letzten Makkabiade in Tel Aviv. Im Gegensatz zu vielen Geruechten sind die ehemaligen Weltrekordleute im Zehnkampf und Kugelstossen BOB MA¬ THIAS und JIM FUCHS (beide USA) keine Juden. Beim Erwaehnen der Namen grosser juedischer Sportler ist die Feststellung interessant, dass in der ehemaligen Vereins-Weltrekordstaffel des S. C. Charlottenburg, die am 22.7.1929 in der 4x100 Meter Staffel bei den deutschen Meisterschaften in Breslau 40.8” lief, zwei Juden waren GROSSER und NATHAN. Die Zeit ist heute noch deutscher Rekord fuer Vereinsmannschaften. Zweiter in diesem denkwuerdigen Staffelrennen wurde Eintracht Frankfurt in 40.9 und Dritter Bar Kochba Berlin mit 42.2” einen Makkabi-Weltrekord aufstellend, also 6 Juden in den drei ersten Staffeln. Zum Abschluss nur noch einige Namen juedischer Spitzensportler in Chile, die nicht an Olympiaden teilnahmen, aber durch ihre Leistungen Vorbild wurden. An erster Stelle RUBY BÖNDER, die grossartige Makkabi-Sch wimmerin, die bald 15 chilenische Rekorde besitzt, mehrere zweite Plaetze auf der letzten Makkabiade erzielte und heute als Schwimmerin No. 1 in Chile gilt. Ein sehr guter juedischer Leichtathlet ist HUGO KRAUSS, Chiles Rekordmann ueber 200 Meter mit 21.6 und persoenlichen Bestleistungen ueber 100 m mit 10.7 und 400 m mit 48,2, letztere Zeit besser als der gueltige Makkabi-Weltrekord. Und unsere allbekannte Makkabi-Sportlerin RENA¬ TE FREUND war es, die mit einem Grueppchen von kaum einem Dutzend Makkabisportlern in den Anfangsvierzigerjahren mit ihren Hochsprungleistungen und guten 10Ö m Laeufen Aufsehen erregte und die juedische Leichtathletin in Chile No. 1 war und bis heute geblieben ist. Der bereits in meinem vorigen Artikel erwaehnte VICTOR DANIELS (Dritter im Weitsprung auf den suedamerikanischen Meisterschaften 1935 in Santiago) und' der Boxer MIGUEL ARO- NOWSKI, der in den Enddreissiger Jahren zweiter suedamerikanischer Meister wurde, waren weitere juedische Sportler, die wie Renate Freund dazuzugetragen haben dass einejuedische Sportbewegung in Chile ueberhaupt erst entstehen konnte, ueber deren historische Entwicklung ich in einer der naechsten Ausgaben; des Mitteilungsblattes berichten werde-