Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XIX (1957)
- Issue
- 2 (Febrero, 1957)
- Date
- 1957-02-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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iebrero, 1957 BOLETIN INFORMATIVO 5 GESANDTER SAMUEL TOLKOWSKY: OER STAAT ISRAEL UND DIE DIASPORA Was bedeutet die Tatsache •der Existenz des Staates Israel -für die Juden der Diaspora? Was bedeutet die jüdische Diaspora für die Existenz des ►Staates Israel? Für den gläubigen Juden ist das, was im Heiligen Lande seit der Errichtung der Medinat Israel geschieht, der Anfang der Verwirklichung jener Verheissungen'von Kibbuz Ga- -lujoth und Schiwat-Zion, die ■dem jüdischen Volke durch -den Mund seiner Propheten -kundgetan worden sind; für ■die Verfolgten und Unter- -drückten ist der Judenstaat ■eine Zufluchtstätte, eine “Ir Miklat”, wie es in der Bibel •äieisst. Es ist ein Land der -Freiheit und Gleichheit, ein Land des Aufatmens und Aufrechtgehens für diejenigen die sozialen und wirtschaftlichen Diskriminierungen entgehen wollen. Es ist bestimmt,’ ein Zentrum und Kristallisationspunkt für die Erhaltung und Weiterentwicklung jüdischen Geistes und jüdischer Kultur zu werden. Schon heute geniessen die Forschungstind Lehrinstitute Israels, seine Wissenschaftler und Techniker hohes Ansehen im Ausland . Die Medinat Israel hat schon •dazu beigetragen, und wird es weiterhin in erhöhtem Masse tun, das Ansehen der Juden in 'den Augen der Umwelt zu heben. Trotz Emanzipation, gesetzlicher Gleichberechtigung, ►•erhöhter religioeser Toleranz Ist die Zahl derjenigen Nichtjuden gross, bei denen die alten Vorurteile immer noch vorhanden sind, auch wenn sie sich nicht gerade in Form eines virulenten Antisemitismus kundgeben: Nathan der Weise ist weit davon entfernt, Shylock aus der Vorstellung verdrängt zu haben, welche die Umwelt sich noch oft vom Juden macht. Weshalb das so ist? Teilweise liegt es an der Art der Geschichtsschreibung und "folglich der Schulbücher, teilweise an dem Umstand, dass, wenn ein Jude sich auf irgendeinem Gebiet besonders ausgezeichnet hat, das Land, dessen Staatsangehöriger er ist, den durch den Juden geernteten Ruhm als denjenigen eines seiner eigenen Söhne in Anspruch nimmt, wohingegen, wenn sich ein jüdischer Mitbürger einer Verfehlung schuldig gemacht hat, gewisse Zeitungen und sogar gewisse Regierungen sich beeilen, seine Religionszugehörigkeit mehr oder weniger delikat, aber stets sorgfältigst zu unterstreich e n. Menschen beurteilen Menschen und ein Volk das andere, im Lichte einer Art Bilanz, die die einen aus den als vorhanden angenommenen guten und bösen Eigenschaften der anderen ziehen. Als Folge dieser Erscheinung zeigt das Konto “Jude”, so wie die Umwelt es sieht, nur wenige 'Gutschriften, ■ dafür aber eine um so grössere Summe von Belastungen. Wir Zionisten haben seit jeher behauptet, dass, wenn es •«inen jüdischen Staat gäbe, einen Staat, in welchemalle ^Funktionen von Juden erfüllt und alle Arbeiten von Juden ausgeführt würden, wo Juden Staatspräsident, Regierungschef, Oberster Richter, Höchst-! kommandierender der Streit- | kräfte, Fabrikdirektoren, Banki direkteren, Direktoren von Versicherungs-, Schiffahrts- und Luftfahrtgesellschaften sein würden, aber auch Bauern, Soldaten, Matrosen, Fischer, Flieger, Handwerker, Bergleute, Polizisten, Strassenkchrer und Schuhputzer, dass, wenn es einen solchen Staat gäbe, die Umwelt gezwungenerweise den Juden so sehen würde wie er ist, als einen Menschen wie - alle Menschen, mit den gleichen Fehlern, aber auch mit den gleichen Tugenden wie die anderen, als einen Menschen, dem man deswegen vielleicht nicht mehr Liebe entgegenbringen, ihn aber jedenfalls mehr zu achten lernen würde, und dass dies langsam aber sicher zu einer neuen Einstellung der Nichtjuden zu den Juden führen müsse. Die Wirklichkeit hat den Zionisten schon in weitgehendem Masse rechtgegeben. Schon der Verlauf des uns aufgezwungenen Krieges mit den Arabern vor und nach der Staatsgründung und seitdem das Verhalten des Jischuw angesichts des andauernden Guerillakrieges seitens der feindlichen Nachbarn sowie die Wucht und Treffsicherheit unserer gelegentlichen Abwehrmassnahmen haben die Umwelt durch die wahrhafte Tüchtigkeit des israelischen Soldaten sowie durch das militärische Können der Kriegsleifung aufs höchste überrascht und beeindruckt. Die Führung der auswärtigen Angelegenheiten des jungen Staates hat der Welt den Beweis der politischen Rechtschaffenheit und der diplomatischen Begabung jener erbracht, die seine Geschicke leiten. Die im Aufbau des Landes bisher erreichten Resultate sowie die Art der Handhabung der durch die Masseneinwanderung aufgeworfenen Probleme haben uns die Achtung anderer Nationen eingetragen. Diese Achtung, welche die Völker dem Staate Israel und seinen Bürgern bezeugen, können sie auf die Dauer dem Juden als solchem nicht vorenthalten; in dem Masse, in dem die Achtung steigt, werden die ererbten Vor urteile einem objektiveren Urteil und einer gerechteren Haltung den Juden gegenüber, ob in Israel oder in der Diaspora ■"/eichen. . Auch in uns Juden selbst vollzieht sich seit der. Gründung der Medinat Israel eine tiefgehende Wandlung. Der Zweifel an der Möglichkeit, den Antisemitismus aus der Welt zu schaffen, hatte bei vielen von uns eine unbestimmte, doch stets vorhandene Beunruhigung in bezug auf die Zukunft Verursacht, ein Gefühl des Unbehagens, seelische Hemmungen verschiedenster Art, die die Beziehungen des Juden zur nicht jüdischen Welt schwer belastete. Die Zionisten hatten vorausgesagt, dass in dem Masse wie die Umwelt sich ihrer Vorurteile uns Juden gegenüber entledigen würde, auch die Fesseln dieser unserer seelischen Hemmungen von uns fallen würden. Auch hierin haben die Zionisten recht behalten.! Ich glaube, dass es vor allem; das instinktive Wissen um diej sen zweifachen Wandel ist,! dem Wandel in der Einstellung | des Nichtjuden zu uns und i dem Wandel in uns selbst, welches diese Neuerscheinung im Leben der Juden gezeitigt hat, '*as Gefühl einer engen Schicksalsverbundenheit der Diaspora mit der Medinat Israel. | Neunzehn Jahrhunderte lang; hat die Diaspora ohne einen! jüdischen Staat sich behaupten | können. Heute ist sie sich des- | sen bewusst, dass ein etwaiger j Zusammenbruch des Juden- I Staates früher oder später auch! den geistigen und physischen | Untergang der Diaspora durch endgültige Assimilation an die j Umwelt nach sich ziehen wür-; de. Daher das aus dem Selbst-! erhaltungstrieb geborene Bedürfnis seitens der Diaspora, den Aufbau und die Sicherheit des Judenstaates nach Kräften zu fördern. Die Diaspora ihrerseits ist aber doch der Nährboden, aus dem der Judenstaat seine Kräfte zieht. Ohne Alijah aus der Diaspora, ohne materielle Hilfe aus der Diaspora, wenigstens so lange, bis die arabische Welt sich mit der Tatsache der Existenz des Judenstaates abgefunden hat, in - Form von Magbioth, aber späterhin in Form von Staatsanleihen, Kapitalinvestitionen, Spenden für den Jüdischen Nationalfonds “Keren Kajemeth Lejisrael”, ohne diese Formen der Mitarbeit und Zusammenarbeit kann est für dön Judenstaat nicht' die sichere Zukunft geben, die wir erhoffen und die unser Volk benötigt. Ohne Judenstaat keine jüdische Diaspora, ohne Diaspora kein Judenstaat, das ist die unentrinnbare Schicksalsverbundenheit zwi sehen uns in Israel und Euch in der Diaspora. i Mögen wir beiderseits immer dieser Wahrheit eingedenk sein! (“Das Neue Israel”, Zuerich). Rabb. Dr. SAMSON WEISSE (Zur hunderfstu Wiederkehr seines Geburtstages) von CURT WILK. (Buenos Aires). Am 20. Januar jaehrte sich zum 100. Male der Tag, da Rabb. Weisse das Licht der Welt erblickte. Es war in Ungarn, und eine ungarische Je- Schiwah vermittelte dem jungen Menschen die ersten gruendlicheren Kenntnisse juedischer Wissenschaften. Dann folgten die Budapester und die Berliner Rabbinerhochschule. Dessau (Anhalt) wurde Weisses erster Rabbinatssitz. von wo ihn die- Juedische Gemeinde zu Berlin im Jahre 1893 zu ihrem Gemeinderabbiner berief. Etwa vierzig Jahre lang ist Dr. Samson Weisse in der damaligen deutschen Hauptstadt taetig gewesen. Olser sein Amt antrat, zu Anfang der Neunziger Jahre, hatten die deutschen Juden einen hervorragenden Anteil an dem Aufschwung der deutschen Wirtschaft. Es war eine Zeit, da das Buergertum wenig Sorgen hatte, und ein gewaltiger Lebensrhythmus auch immer mehr juedische Menschen beherrschte. Damit ging aber vielfach eine Verflachung und Veraeusserlichung des Lebens Hand in Hand, und die Zahl der Taufen und Mischehen nahm zu. Nun war da ein juengerer Rabbiner nach Berlin berufen worden, ein glaenzender Kanzelredner, der die Einfachheit des Ausdruckes liebte, und der Tausende von Synagogenbesuchern in seinen Bann zog. Weisse hat juedische Menschen religioes und ethisch tief beeindruckt und ist mutig fuer seine juedische Ueberzeugung eingetreten, die im wesentlichen auf der These “Deutschtum Judentum” basierte. Aber Samson Weisse war ein Gegner der radikalen religioesen Forderungen, und, obwohl im Grunde ein “liberaler Rabbiner”, kennzeichnete ihn ein starker Hang zum Konsei'vatismus. So trennte er sich mehr von diesem Kreise, wurde ein Mitbegruender der “Religioesen Mittelpartei” und ging sogar so weit, im Jahre 1926 als Vertreter dieser ausgleichenden Richtung in die Berliner Gemeinderepraesentanz zu gehen, was ihm auf religioes-Iiberaler Seite stark veruebelt worden ist. Aber Weisse pflegte konsequent seinen Weg zu gehen. Bis in die hoeheren Lebensjahre hinein ist Dr. Weisse einer der aktivsten Berater juedischer Familien gewesen, “Seelsorger” im besten Sinne, und die Zahl der von ihm vollzogenen Trauungen und Beerdigungen duerfte in die Tausende gehen. Doch die Kanzel blieb sein eigentliches Arbeitsfeld. Er predigte Treue zum Judentum und Wissen um dessen Groesse. Dem Antisemitismus trat er leidenschaftlich und dabei immer sachlich entgegen. Erst zu Anfang des Jahres 1939 siedelte er nach England ueber, wo er 1946 im hohen Alter von 89 Jahren starb. Die ueberzeitliche Bedeutung von Dr. Samson Weisse liegt darin, dass er in Zeiten der Gleichgueltigkeit die juedisöhe Gedankenwelt schlicht und ueberzeugend darzustellen wusste, dass er zu beweisen imstande war, wie juedisches Leben seinen Platz haben koenne und muesse innerhalb der allgemeinen Weltkultur, die in jenen zwei Jahrzehnten vor 1914 so sehr gepriesen worden war und fuer die viele Juden ihr Judentum aufzugeben bereit waren. Weisse hat gewarnt und das Erbe der Vergangenheit treu gehuetet. Eine Geschichte des deutschen Judentums der Vor— Hitler— Epoche kann an der Figur von Rabb. Dr. Samson Weisse nicht voruebergehen, der kein “Grosser” gewesen, aber ein rechtschaffener, ein von heiligem juedischen Eifer durchdrungener Lehrer des Judentums, der Rabbiner der Berliner Gemeinde innerhalb dieser kurz skiz zierten Epoche. JAPANER NACH ISRAEL Die Bewegung des Professors Katojo Ein ungewöhnliches Gesuch liegt seit einiger Zeit im Aussenministerium des Staates Israel: der Einwanderungs-Antrag von zum Judentum übergetretenen Japanern. Die Geschichte jenes italienischen Dorfes, das vor einiger Zeit nach Israel übersiedelte und dort ein vorbildliches jüdisches Leben führt, ist bekannt. Auch von anderen Nationen sind Angehörige aus religioesem Idealismus oder aus Begeisterung für Israel dort eingewandert. Aber aus Japan war bisher niemand gekom- Die japanische Bewegung “Zurück zum Judentum” geht -von dem japanischen Philosophie-Professor Abraham Katojo aus der während des zweiten Weltkrieges in Shanghai zum Judentum übertrat und dafür bis zum Ende des Krieges ins Gefängnis geworfen wurde. Nach einem Bericht der “National Jewish Post” hat Katojo kürzlich einen Brief an die zuständige Stelle in Israel geschrieben, in dem es heisst: “Ich liebe den jüdischen Staat Israel und begehre nach ihm mit meiner ganzen Seele... Wir tun hier alles, um der israelischen Sache zu helfen. .. Wir sind Juden geworden und verlangen unser Recht nach dem Gesetz des Rechtes zur Rückkehr...” v Katajo hat kürzlich eine japanische Uebersetzung der hebräischen Bibel fertiggestellt, die mit einer Einleitung des israelischen Gesandten in Tokio, Dr. Joseph Lanton, dort erschienen ist. Katojo vertritt übrigens die Doktrin, dass die moderne japanische Nation direkt von dem Stamme Dan, einem der zehn verlorenen jüdischen Stämme, abstammt. Er hat also, wenn auch regional etwas weit entfernt, einen ähnlichen Standpunkt wie die Abessinier, die sich bekanntlich ebenfalls für Nachkommen eines der verlorenen Stämme halten, und zwar des Stammes Juda. Deswegen führt der abessinische Kaiser auch den Titel “Löwe von Juda”.— Nach Katojos. Meinung ist dieser verlorene Stamm vor 2000 Jahren nach den japanischen Inseln gekommen; Funde einer alten Synagoge und anderer steinerner Zeugen in der Yamata-Provinz werden von ihm als Beweis dafür angeführt. Angeblich sollen bereits Gesuche von 7.000 zum Judentum bekehrten Japanern in Israel vorliegen. Das Aussenministerium hatte sich mit dem Ministerium für religiöse Angelegenheiten und dem' Rabbinat in Verbindung gesetzt. Letzteres hat das Urteil gefällt, dass keine Einwendung gegen die bekehrten Japaner als “bo. na fide Juden” bestände und dass sie das Recht hätten, unter dem “Heimkehr - Gesetz” nach Israel zu kommen. Die Einwanderung der Japaner würde infolge ihrer handwerklichen Geschicklichkeit und landwirtschaftlichen Erfahrungen einen sehr positiven Zuwachs bedeuten.