Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XIX (1957)
- Issue
- 1 (Enero, 1957)
- Date
- 1957-01-01
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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6 BOLETIN INFORMATIVO Enero 1957 fi DIE ARMEE DER GESPENSTER Unter den vielen Faktoren, die bei der Entwicklung der Situation im Nahen Osten eine Rolle spielen, gibt es einen, der besonders schwer einzuschaetzen ist: die sogenannte Heeres—oder Polizeimacht der Vereinten Nationen. Welche Bewandtnis hat es mit ihr? Welche Funktionen wird sie erfuellen? Wie lange wird sie bleiben? Diese und viele andere Fragen draengen sich taeglich auf, wenn man die meist unklaren und noch oefter widerspruchsvollen Erklaerungen der verantwortlichen Staatsmaenner in der Presse liest. Sicher, es liegt auf der Hand, dass ein Jeder am liebsten den Karren in seinen eigenen Stall ziehen wuerde aber: wer zieht ihn wirklich? und, wer haelt die Zuegel? Es hat wenig Sinn, Prophezeiungen darueber anstellen zu wollen, was aus diesem Heer werden wird. Schliesslich gibt es keinen richtigen Praezedenzfall in der Geschichte. Handelt es sich doch um eine Streitmacht, die erst dann intervenieren konnte, als alle Beteiligten einwilligten, sie gewaehren zu lassen; mit einem Befehlshaber, der keinen definierten Marschplan hat; einer bunt zusammengewuerfelten Truppe, die Befehlen bestenfalls nach erfolgter Simultan- Uebersetzung Folge leisten kann; kurz und gut, eine Armee, die nicht etwa, wie dies Armeen bisher zu tun pflegten, ihrem Auftraggeber Autoritaet verleiht, sondern sie im Gegenteil von diesem entlehnt. Man muesste also damit anfangen, darueber nachzudenken, warum und wie diese Soldaten, die nicht schiessen, in diesefri gespenstischen Heer organisiert worden sind. DER UNERMUEDL1CHE HERR HAMMARSKJOLD Ehre, wem Ehre gebuehrt! Dag Hammarskjold, Generalsekretaer der V. N. war der Geburtshelfer, dem es gelang, die Zangengeburt dieses Monstre— Babys zweifelhafter Vaterschaft in der ersten November—Haelfte des vergangenen Jahres zu vollziehen. Wie erinnerlich, tat der Eifer, den er dafuer aufwandte, denbritischfranzoesischen Interessen einerseits und den israelischen andererseits nicht geringen Abbruch und trug gewaltig dazu bei, den Kopf des aegyptischen Diktators auf seinem vorlaeufigen Platz ueber den Schultern zu bewahren. Die in solchen Dingen gewiss sehr zartfuehlende Zeitschrift “Time” konnte selbst nicht umhin, die beiden genannten Herren als “gute Freunde” zu bezeichnen. Andererseits fuehlte sich so manch zaghaftes Element aus unseren eigenen Reihen veranlasst, mit Resignation darauf hinzuweisen, wie schwer doch unser Stand sei, wenn schon ein solch gewiss “neutraler” Staatsmann wie der Generalsekretaer der V. N. offen oder indirekt unser Gegner sei. Gewiss, die Zaghaften hatten vergessen, dass dieser selbe “neutrale” Staatsmann von seinen beiden “Friedensmissionen” aus Nahost nach New York zurueckgekehrt war und der Welt seine Ueberzeugung mitgeteilt hatte, dass sowohl die arabischen Staaten wie Israel gleich friedensliebend seien- Von den zur gleichen Stunde jedoch, in der Nassers Aussenminister ihm die friedlichen Absichten seines Fuehrers beteuerte, von dessen Kriegsminister ausgestossenen Drohungen gegen Israel nahm er aber — ganz neutralerweise— niemals Kenntnis. Doch mag dies nur symptomatischen Charakter haben. Dem Kern der Sache kommt wohl folgende Ueberlegung naeher: DAG HAMMARSKJOLD Er jongliert auf dem Drahtseil (Foto: The Jewish Chronicle) Stellen wir uns einmal eine Firma vor, z.B. einen Zirkus, deren zwei Sozien in staendigem Streit liegen. Ihr bemitleidenswerter Buero- - Angestellter wird natuerlich hin— und hergerissen; wenn er ein Romanheld ist, von denen in seiner Seele sich befehdenden Loyalitaeten zu den beiden gleich geliebten Chefs und, wenn er nur ein gewoehnlicher Sterblicher ist— Luxemburger, Spanier oder sagen wir, Schwede— von dem verstaendlichen Wunsch, es Beiden irgendwie recht zu machen und so den gut bezahlten Posten zu bewahren. So geht es dem armen Hammarskjold. Seine beiden Unternehmer, die U. S. A. und die U.d.S.S.R. jagen mit Peitschen und Pistolen quer durch die Arena und er jongliert muehselig auf dem Drahtseil ihrer gespannten.Beziehungen. Doch siehe da, ein Wunder geschah: fuer einen Moment lang wurden sich die Prinzipalen einig und erteilen ihrem Livrierten gemeinsam einen Auftrag. Zum ersten Mal, seit er in der Firma ist! Und da soll der Mensch sich nicht foermlich hineinkri ieen?! Der Auftrag war leider u. a. gegen Israel gerichtet. Aber kein Zirkusbesucher duerfte Herrn Hammarskjold des Antisemitismus bezichtigen. MOMENT DER VERWIRRUNG Ein weiteres Moment der Verwirrung in diesem Moment der Verwirrung stiften die grossen internationalen Presse- Agenturen. Was Associated Press, United Press und Reuter sich in den letzten Wochen geleistet haben an Verzerrung der wirklichen Perspektiven, kann nur noch von ihrem russischen Kollegen Tass uebertroffen werden (dies allerdings auch gruendlich). Man braucht gar nicht weiter zu gehen, als eine solch einwandfreie, serioese und international anerkannte Zeitung wie “El Mercurio” aufzuschlagen, dem natuerlich nichts anderes uebrig bleibt, als die Kabel zu drucken die ihm seine Agenturen auf den Tisch bringen. Nun gut, kann man sich ueberhaupt eine perversere Faelschung ausdenken, als das ohne jeglichen Kommentar gebrachte Interview der A. P. mit Nasser, bei der ihm eine Tribuene geschaffen werden sollte, den Sinai-Feldzug in der Version seiner von Goebbels eingearbeiteten Propagandisten zu beschreiben? Oder die breit aufgemachte Erklaerung jenes arabischen Delegierten in den V. N., der Zahal bezichtigte, auf Sinai die “hitlerische Politik der verwuesteten Erde” anzuwenden? Oder die allen Ernstes wiedergegebene Rede des Premiers von Irak, Nuri Al Said, Liebling der westlichen Hauptstaedte, in der er behaupj tete, Russland habe Israel mit : Waffen unterstuetzt (!) und von Shepilov, Malenkov und ihren “zionistischen Gefolgsleuten” sprach? Wer hat dagegen mehr als drei Worte aus den sachlichen, ruhigen und staatsmaennischen Erklaerungen erfahren koennen, die Ben Gurion vor der Knesset oder Golda Meir in der V.N. abgaben? Aus der jahrelang gegen uns gerichteten Konspiration des Schweigens ist eine offene Konspiration der Luege, Irrefuehrung und Faelschung geworden, die ihren Einfluss auf die Weltmeinung nicht verfehlen kann. Er mag nicht lange anhaltend sein, da bekanntlich L u e g e n kurze Beine haben; aber in bestimmten Momenten kann er entscheidend sein. DIE GEBURT DER GESPENSTER - ARMEE Ein solcher Augenblick war die erste Novemberwoche, als eine schlecht informierte, verschlafene oder in eigenen Interessen taetige “Weltmeinung” bei der Geburt der Gespensterarmee Pate stand und vor Begeisterung schier ein Glas nach dem andern leerte. Die Ernuechterung kommt natuerlich langsam. Aber inzwischen hat der Pandit Nehru Truppen zur Verfuegung gestellt und wieder einmal gezeigt, dass Indien im Hinblick auf seine Unfaehigkeit, mit seiner eigenen Misere fertig zu werden, gerne die Probleme der Andern loest und Kolumbiens Diktator Rojas Pinilla hat wieder einen herrlichen Vorwand gefunden, Truppen zu mobilisieren und sein bedauernswertes Land weiter in dem Kriegszustand zu halten, der ihm die Fortsetzung seiner blutigen Usurpation ermoeglicht. Die wirkliche Rolle der “Weltmeinung” und der “ueberwaeltigenden Mehrheit der Mit gliedstaaten der V.N.” war jedoch die des betrogenen Ehemanns. Der wirkliche Vater hat, wie Janus im Kriegstempel des alten Rom, zwei Gesichter . Das eine ist das Gesicht der U.S.A. Warum haben die Nordamerikaner dieses Heer sui generis auf die Beine gestellt? Foster Duller sagt, um den Frieden im Vorderen Orient wiederherzustelien und Fuer die Russen sind die Dividenden der Standard Oil eine - relativ harmlose Angelegenheit und so gingen sie diese momentane Allianz ein. Fuer die Amerikaner ist die russi-! sehe Gefahr im Vorderen. : Orient eine ebensolch unver- | staendliche Legende wie Euro- I pas Abhaengigkeit vom Suez- 1 Kanal. Und so gingen auch sie dies Buendnis ein. Die Weltmeinung aber glaubte naiverweise, die Mehrheit der “kleinen” Staaten habe mit der Aufstellung einer internationalen “Polizei” dem Frieden einen Dienst erwiesen. DIE BETROFFENEN Wie sieht die Kehrseite der I Medaille aus? Was erwarten Aegypter, Englaender und i Franzosen von dieser Armee, | die bis heute selbst noch nicht | genau weiss, was sie ist, was! sie will und was sie soll? “Wie sich Amerikas Isolationisten die Welt vorstellen...” sssägi: ^äSlS kAiasív HÜ +s <?■ ’~'G>rSV.- .9 999-999 kAufoÄN.e- VvCiTeifr (iMMm , Oll NA,) AS«*" )amc |?<uA i , «A »*•! Unter dieser Ueberschrift entnahm der “Aufbau” vor einiger Zeit dem “Democratic Digest” die oben wiedergegebene Landkarte. Sie scheint heute aktuell, allerdings mit dem Titel: “Wie sich das State Department die Welt vorstellt. zu erhalten. Und obwohl von “wieder”-herstellen nicht die Rede sein kann, man hoere und staune: es stimmt! Natuerlich ist damit kein Friede gemeint, bei dem nun unbedingt keine Siedler, Omnibusfahrer oder Archaeologen in Israel ermordet werden. Mit solchen Bagatellen gibt sich Mr. Dulles : nicht ab und Eisenhower ist | seine Zeit zu schade dazu! (selbst die zum Golfspielen aufgewandte). Mit Friede im Vorderen Orient meinen sie eine Situation, in der die amerikanischen Erdoelgesellschaften ihr schwarzes Gold foerdern, befoerdern, verschiffen und verkaufen ’ koennen und kraeftig Dividenden abwerfen. Alles andere ist in ihren Augen Humbug. Die andere Fratze des V. N.- Janus ist die der U. d. S. S. R. .Welches Interesse hatte sie im Auge, als sie auf die Organisierung des internationalen Heeres draengten? Auch das liegt auf der Hand: Sie wollten erstens ihren Vasallen Nasser retten und zweitens die Rueckkehr des anglo-franzoesischen “Kolonialismus” nach Suez und Nahost unmoeglich machen. Im Endergebnis, ihrem eigenen Kolonialismus weiter den Weg ebnen, der mit den roten Waffenlieferungen nach Aegypten aufgebrochen worden ist. Fuer Nasser war die Sache klar. So bitter fuer ihn als rabiaten Nationalisten die Pille der fremdsprachigen Truppen in seinem Lande-war, er musste sie schlucken, um die unmittelbar bevorstehende Niederlage abzuwenden und die anglo-franzoesische und israelische Besatzung los zu werden. Ausserdem kalkulierte er nicht falsch, nach Abzug der “Invasoren” mit russischer Hilfe auf einen ebenso baldigen Abzug der internationalen Lebensretter draengen zu koennen. Die Englaender versuchten noch bis zum letzten Moment, der V. N.-Armee einzureden, sie komme im Grunde genommen mit den gleichen Absichten, die sie selbst im Schilde fuehrten, naemlich, eine internationale Kontrolle ueber den Kanal auszuueben. Es gelang Mr. Dulles unschwer, ihnen klar zu machen, dass sie sich darin in falschen Hoffnungen wiegten. Den Amerikanern lag nichts an internationaler Kontrolle des Kanals nach Nassers Nationalisierungs-Coup und es. liegt ihnen nach Edens misslungenem Gewaltstreich genau so wenig daran. Was sie interessiert, ist, die versenkten Schiffe aus dem Wege zu raeumen, die Pipelines repariert zu se-