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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1951-11-01 · 11 (Noviembre, 1951) · p. Seite 5

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XIII (1951)
Issue
11 (Noviembre, 1951)
Date
1951-11-01
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Noviembre, 1951 BOLETIN INFORMATIVO 6 WIR SUCHEN FRIEDEN MIT ISRAEL Von ERICH LUETH ‘‘Die Neue Zeitung”, Muenclien, veroeffentlichte am 31. August ds. Js. einen Aufsatz des Direktors der staatlichen Pressestelle Hamburg, Erich Luetli; den wir nachstehend, mit unbedeutenden Kuerzungen, abdrueken. Die Redaktion des Muenchener Blattes betont ln einer Vorbemerkung, dass sie es fuer ihre Pflicht halte, Lueth “in seinem Kampfe, jenem Deutschland Gehoer zu verschaffen, das sich der Achtung der ganzen gesitteten Welt erfreut, zu unterstuetzen”. Die Gesinnung des Autors, der sich im uebrlgen bereits als feuriger Kaempe im Skandal um den Nazi-Regisseur Veit Harlan einen Namen gemacht hatte, bedarf keines Kommentars, da sie aus jeder Zeile seiner Ausfuehrungen spricht. Wohl aber kann man der Moeglichkelt skeptisch gegenueber stehen, dass er lm heutigen Deutschland ein nennenswertes Echo zu erzielen vermag. Nichtsdestotrotz und sei es auch nur mit der Elnscliraenkung, Ihn als eine ruehmliche Ausnahme zu werten, welche die schmachvolle Regel bestaetigt, erachten wir es als eine Pflicht, ihn unseren Lesern vorzu. hellen. (D. RED.) Die Meldung, der Staat Israel habe sich nicht bereit erklaert, dem Beispiel von 46 anderen Staaten, den Kriegszustand mit Deutschland zu beenden, anzuschliessen, hat bei vie'en Deutschen Trauer und Bewegung und wohl auch — Verstaendnis ausge. loest. Alle anstaendigen Deutschen wuenschen den Frieden mit Israel. Wenn es zu unserem schmerzlichen Bedauern bisheP an Stimmen und Sprechern dieses deutschen Friedenswunsches gefehlt hat, so darf uns dieser Mangel nicht daran hindern, selber und immer wieder und immer lau. ter von diesem Wunsch oef. fentlich Zeugnis abzulegen. Man hat es beklagt, dass Bundesregierung, Bundestag, Bundesrat, dass auch die deutschen Universitaeten als die Pflegestäetten des Geistes und des Humanismus nicht ihrerseits vor aller Oeffent. lichkeit des eigenen Volkes und der Welt um diesen Frieden bitten. Wir beklagen es, dass sie weder vor Israel noch vor die Reste der deutschen Judenheit, die der nationalst», zialistischen Ausrottung ent. gangen sind, hintraten, um alle Angehoerlgen des deutschen Volkes zur moralischen und materiellen Wiedergutmachung aufzurufen, und dass sie es unterllessen, sich gleichzeitig a 1 s Sprecher Deutschlands immer wieder von der Schande und den Schandtaten der Ermordung von 6 Millionen europaeischer Juden zu distanzieren. Denn eines darf unter keinen Um. staenden geschehen, was zu geschehen droht: dass die Deutschen, gleichviel, ob aus Scham oder aus Betretenheit, aus Ratlosigkeit oder aus Verzweiflung dem juedischen Problem ausweichen! Auch wenn das juedische Problem infolge der Dezimierung der deutschen Juden, heit kein Problem mehr im Sinne der Tagespolitik ist, so ist dieses Problem leider docn eines der grauenhaftesten Probleme der deutschen Ge. schichte, dem man keines. Wegs dadurch entgehen kann dass man sich blind oder taub oder gefuehllos stellt. Die deutsche Jugend, jedes Kind auf der Schulbank, je. der Student muss wissen, was lm Namen des deutschen Volkes in Auschwitz, Theresienstadt und Warschau gegen die Juden und gegen die guten Kraefte im deutschen Volke geschehen Ist. Wir brauchen in unserer menscn. liehen, politischen und sitt. liehen Beziehung zur Judenhelt voellig Klarheit. Diese Klarheit wird sich niemals ohne schonungslose Offen, heit gegen uns selbst erzielen lassen. Dieser Klarheit muessen alle Lehrer des Volkes, seien es die Lehrer der Elementarschulen, der hoeheren Schulen, der Universitaeten, oder seien es die politisehen Erzieher, die verantwortlichen und gewaehlten Sprecher des deutschen Vol. kes, mit ebenso grosser Ent. schlossenheit wie Hingabe dienen. Der deutsche Bundespraesi. dent, Professor Theodor Heuss, hat ein Wort der Er. klaerung gefunden, als er von der deutschen “Kollektlvscham” der Judenheit gegenueber sprach. Dieses Wort mag zum psychologischen Verstaendnis der deutschen Situation dienen. Es ist aber noch nicht das Wort, das gesprochen werden muss, um der Versoehnung und der notwendigen Wiedergutmachung den Weg zu bereiten. Es ist ganz unverkennbar, dass in deutschen Regierungen, Parlamenten und ande. ren politisch-geistigen Gremien grosse Unsicherheit dar. ueber besteht wie man sich denn ueberhaupt dem juedi. senen Problem gegenueber aeussern soll. Vielleicht ist es tatsaechlich das ueberwaeltlgende Gefuehl der Kollektiv, schäm, durch das den mel. sten von uns die Unbefangen, heit genommen wird, deren es bedarf, um das Einfachste in einfachen Worten und in ebenso einfachen Beschlues, sen und Taten zu tun. Und doch waere es falsch, zu meinen, es gaebe die Deutschen, die fuer eine echte Wiedergutmachung kaempfen, noch nicht oder nicht wieder. Hunderttausende von Sozialisten, Demokraten und Christen sind im Widerstand gegen die Judenverfolgungen in den Konzentrationslaegern Hitlers den gleichen Tod gestorben, den ihre juedischen Brueder erlitten haben. Sie haben die gleichen Misshandlungen und Verfolgungen erlitten wie diese juedischen Mitbuerger. Sie haben die erste Bruecke der Versoehnung zwischen Deutschen und Juden mit ihren eigenen Lei. bern errichtet, eine Bruecke, die aus der Zeit vor 1933 hin. ueber bis in die Gegenwart fuehrt. Neben ihnen gab es Millionen, die vom Abscheu gegen alle Verbrechen ge. schuettelt wurden, die an den Juden im Dritten Reich begangen worden sind. Diese “Widerstrebenden" waren moralisch gewiss nicht alle gleich stark. Und nicht alle unter ihnen waren Kaemp. fer. Aber viele von ihnen beteiligten sich durch eine Kette unscheinbarer doch leuchtend guter Taten der Hilfe an der Rettung der wenigen Juden, die den Massakern entkommen konnte. Wo aber nur ein Gerechter ist, schon dort sollten die Buerger von Sodom und Go. raorrha verschont bleiben. Und es gibt wiederum Mil. lionen anderer, die vom Glan, ze Hitlers geblendet, geirrt haben und bereit sind, die. sen Irrtum anzuerkennen. Sie sollten diesen Irrtum in neu gewonnener Unbefangen, heit und in der Bereitschaft zur Wandlung auch oeffent lieh bekennen. Was wir aber alle tun soll, ten und womit jeder einzel ne von uns einen Anfang ma chen kann, das ist, zu den Juden in Deutschland und in Israel zu sprechen. Nicht Is rael, das so grauenvoll heim, gesucht worden ist, nicht der einzelne Jude, der auf seiner Flucht vor den Folterkellern der Nazis tausend Tode der Furcht erlitten hat, kann das erste Wort sprechen. Wir sind es. die anfangen muessen! Wir muessen sagen: “Wir bit ten Israel um Frieden!” Hier steht also dieses Wort: “Wir bitten Israel um Frie. den!” Und der dieses Wort schrieb, ist nicht allein. Er spricht. es, ' mit Gewissheit, fuer Millionen Deutsche aus. Aber man wird ihm diesen Hinweis auf diese Millionen Deutschen lm Kreise der Er. niedrlgten und - Beleidigten vorerst nicht glauben. Deshalb werden immer neue Stimmen folgen muessen. Und es duerfen keine anonymen Stimmen sein. Es muessen Maenner und Frauen aller Staende und Schichten unserer Bevoelkerung sein. Sie muessen ihr Wort in diesem Falle mit ihrem Namen be. kraeftigen, damit es an Ue. berzeugungskraft gewinnt. Wir muessen ein, Beispiel geben, das gleichzeitig ein Zeichen sein soll, ein Zeichen dafuer, dass wir bereit sind, den Kampf gegen die Reste des Antisemitismus ebenso aufrichtig wie leidenschaftlich zu fuehren wie gegen je. den neuen Antisemitismus. Wir muessen mit innerer Selbstverstä endllchkeit d i e Bitte um Frieden die wir an Israel richten, verknueofen mit der Trauer um 6 Millionen schuldlose Opfer und mit dem Dank fuer das unabsehbar Gute, das die Ju. den im Dienste der Menschheit, auch in Deutschland, geleistet haben. Diesen Dank du-erfen wir nicht versessen, denn auch damit tragen wir eine Schuld ab, die den Toten gegenueber besteht. Wir bitten also um Frieden, nicht nur weil wir den Unfrieden als Qual empfinden Wir bitten um Frieden, weil wir nur unter seiner Hut die Dankbarkeit abzustatten ver. moegen. auf die das juedische Volk mit Recht einen Anspruch erheben kann. ob. gleich kein Jude diese Dankbarkelt, bis heute gefordert hat. Unj so wichtiger ist es, diese Dankbarkeit zu bewei. sen. Um so wichtiger aber ist es auch, jedem Juden, der heute in unserer Mitte lebt, die Ehrfurcht und Liebe zu zeigen, die sich jedem von uns angesichts des alle guten Geister aufwuehlenden Schicksals der Judenheit auf. draengt. Aus solchen Einsichten und Empfindungen heraus richten wir die Bitte an Israel: “Gewaehrt uns Frieden!” Von allen Kanzeln, Kathedern und Regierungsbaenken Deutschlands sollte diese Bitte als Anruf an Israel und an die kleinste und verlorenste juedische Restgemeinde in Deutschland herausgehen, so laut wie ein Schrei! Im Namen der Menschlichkeit, des Rechtes, zu dem wir zurueck. kehren wollen, und im Namen einer gluecklicheren Zukunft. AUSROTTUNG IN OSTEN Herr Boilo Borchheim, Concepción, hat uns dankenswerterweise die Ausgabe vom 20. Juli 1951 des sozialdemokratischen “Neuer Vorwaerts” eingesandt, mit der Empfehlung, einen Aufsatz von Paul Olberg, Stockholm naehzudrucken, ueber ‘‘I)le Tragoedle der Juden lm Sowjet-Reich”. Zwar macht die Ausdehnung dieses Artikels es uns unmoeglich, Ihn wiederzugeben, doch wollen wir uns erlauben, lm Rahmen dieser 9.-10 November-Gedenknummer einige Tatsachen zu zitieren, ln dem ein Memorandum des “Jewlsh Labor Comltte”, der Juedischen Arbeiterorganisation Amerikas einige nazistische Greueltaten lm Lichte der sowjetrussischen passivitaet dokumentiert. _ a) Aus Litauen, Lettland und Estland gab es keine nennenswerte Evakuierung von Juden; b) Ueber zwei Drittel der Juden von Bessarabien und der Bukowina sind von den evakuierenden russischen Verbaenden zurueckgelassen und der sicheren Ausrottung preisgegeben worden; c) 60.000 Juden von Wilna sind von den nazistischen Armeeverbaenden ermordet worden; d) ebensoviele Juden, d. h. 60.000, sind in Riga ermor. dert worden; e) 100.000 Juden sind im Gebiet Minsk, Weissrussland massakriert worden (Nov. 1941); f) 40.000 Juden sind in Zitomir umgebracht worden (Oktober 1941); g) von den 150.000 Juden, die an der Wilna-Mlnsker Eisenbahn Zwangsarbeit ausgefuehrt hatten, sind nur wenige am Leben geblieben. Laut dem kommunistischen Moskauer Blatt “Einigkeit'’ vom 25. November und 2. Dezember 1943 haben Hitlers Armeeverbaende alle Juden ln der Ukraine, die sie nur erfassen konnten, ohne Ausnahme ermordet. Der kommunistische Fuehrer und ukrainische Delegierte auf der Konferenz in San Franzisko, Dimitri Manuilsky, berichtete in einem Interview, das er der “Freiheit1 * * 4 5 6 7* in New York am 14. Mai 1945 gewaehrte, dass die Mehrheit der ukrainischen Juden ermordet worden sei; Manuilsky machte weiter die folgende Mitteilung: 200.000 Juden aus Podolien, die zwecks Evakuierung in Kamenez-Podolsk angesammelt waren, wurden von den nazistischen Armeeverbaenden restlos erschossen. 132.000 Juden wurden in Kiew niederge. schossen; 200.000 Juden wurden in Odessa verbrannt und erschossen. INNER NOCH AUERRACH Neun Monate sind bereits ins Land gegangen, seit der ehemalige Praesident des Bayrischen Landes - Entschaedigungsamts, Philip Auerbach a 1 s Untersuchungshaeftling ins Spital eingeliefert wurde und immer noch ist der Prozess gegen ihn nicht angestrengt worden. Es ist nicht leicht, durch das wirre Gestruepp der widerspruchsvollen Zeitungskommentare hindurch noch das helle Tageslicht zu erblicken: die deutschen Zeitungen sind voll von kleinlichem Gewaesch ueber den Haeftling und sein Privatleben; die israelische Presse rueckt meilenweit von ihm ab, waehrend der “Aufbau” bei aller kritischen Einschaetzung seiner Person viele Angriffe gegen ihn entkraeftet. Person des Dr. Auerbach; schliesslich und endlich sein Vorleben auch nicht interessant und steht es ai nicht in dem ursaechlicl Zusammenhang zu den t gehen, die man ihm vorwi wie dies interessierte Kr< anscheinend wahr haben v len. Dann bleiben folgei Tatsachen bestehen: 1) Eine Untersuchungshaft von 9 Monaten, nach derem Verlauf noch kein Termin anberaumt ist, stellt einen Justizskandal dar. 2) Der Skandal ist umso groesser, wenn man bedenkt, dass der Gegenspieler Auerbachs, der bayrische Justizminister Mueller, eine Meute von Detektiven in die Voruntersuchung gesetzt hat, wie sie zahlreicher nicht zur Verfolgung des Banditen Giulia. no noetig war. 3) Tatsache ist, dass diese ganze gewaltige Voruntersu. chung bis heute keinen der Vorwuerfe ueber Veruntreuung erhaerten konnte, die Mueller gegen Auerbach erhoben hatte. 4) Der ganze Staub um ein erschwindeltes Doktordiplom und andere irgendwelche Delikte haben mit der Leitung des L.E.A. nichts zu tun; schlimmstenfalls kann man von diesem zum Schluss gelangen, dass Auerbach nicht ff-rade den Idealtyo des nreus. sischen Beamten darstellt. 5) Da man nicht annehmen soll, dass der ganze Bundesstaat und besonders Bayern ln dieser verseuchten Nachkriegszeit nur von preussischen Musterbeamten geleitet wird, duerfte es zumindest symptomatisch sein, dass der einzige Monstre.Prozess gegen den einzigen Juden Inszeniert wird, der sich ueberhaupt in der deutschen Verwaltung an leitender Stelle auftreiben liess. 6) Die Geschaedigten sind bei der ganzen Angelegenheit die tausende von Anspruchsberechtigten, die seit Beginn der Untersuchung keinen Pfennig mehr ausgezahlt bekommen und dabei tatsaechlich um wesentlich betraechtlichere Betraege geprellt werden als dies auch nach Aussagen der Anklaeger der Staat Bayern bei den Veruntreuungen wurde, die man mit Recht oder Unrecht, Auerbach in die Schuhe schieben will. 7) Dass mit der ganzen Affaire der Antisemitismus genaehrt wird, versteht sich sozusagen von selbst. Kann in Deutschland ueberhaupt etwas geschehen, was den Antisemitismus nicht

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