Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XIII (1951)
- Issue
- 11 (Noviembre, 1951)
- Date
- 1951-11-01
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Noviembre, 1951 BOLETIN INFORMATIVO DIE DEUTSCHE WEHRMACHT UND DIE KRIEGSVERBRECHEN Nach Beendigung des Welt Krieges 1914-18 wurde von deutscher Seite die sogenannte “Dolchstossiegende” erfunden, um die deutsche Generalitaet und die gesamte deutsehe Wehrmacht von der Schuld des Zusammenbruches freizusprechen. Man erklaerte die Beendigung des Krieges und die deutsche Niederlage mit dem Zusammenbruch der Heimatfront, dem sogenannten “Dolchstoss in den Ruekken der deutschen Wehrmacht”. Selbst gemaesslgte Elemente unterstuetzten diesen Betrüg, da, wie es hiess. es von Wichtigkeit sei, dass eine eventuell wiedererstehende deutsche Wehrmacht frei von jedem Makel dastehe und so der Ruhm der deutschen Waffen der deutschen Jugend ungeschmaelert ueberliefert werde. Der Erfolg dieser Ge. schichtsverfaelschung lless nicht lange auf sich warten. Jetzt nach Beendigung des zweiten Weltkrieges sind wir wieder einmal so weit. Van Anfang an wurde die Teilnahme der deutschen Wehrmacht an den unsaeglichen Greueln des Hitlerregimes negiert und immer wieder darauf hingewiesen, dass alle Ausschreitungen, Massenmorde und Hinrichtungen ausschliesslich Werk der SS und aehnlicher Formationen ge: Jegliche Forderung muss wesen sei. Da das Publikum! jedoch, will sie auf festem nur unzureichend informiert Boden begruendet sein und ist, wird auch das geglaubt, | nicht in der Luft, mit der Sicherlich wird in Manchem j Rolle zu rechnen haben, die die Wehrmacht mit Hitler I Deutschland heute einnimmt NICHT einig gegangen sein; i und noch mehr mit der, die das wissen wir aus vielen Be-1 es hoechstwahrscheinlich einrichten und Dokumenten-; nehmen wird. Seine strategi- Tatsache ist aber, dass diesehe Lage, seine bewunderns. se Meinungsverschiedenheiten werte Industrie, seine Bodenrein militaerischer Art waren, schaetze und seine Militaersowohl was Vorbereitung als j tuechtigkeit haben es in sechs Traeger einer unerbittlichen voelkischen Idee. Deshalb muss der Soldat fuer die Notwendigkeit der harten, aber gerechten Suehne am juedisehen Untermenschentum Verstaendnis haben”. Diese wenigen Beispiele duerften genuegen, aber Sagalowitz fuehrt viele andere an. Wir hingegen wollen uns einmal ueberlegen, was eigentlich aus den “Helden” dieses Schlaechterkrieges geworden ist. Von den 25 Gene. ralfeldmarschaellen, die das deutsche Heer und Luftwaffe insgesamt hatten, leben nur 2 nachweisbar in Freiheit. Einer ist Sperrte, der zweimal freigesprochen ln Bayern privatisiert und der zweite v. Manstein, der, wenn ich nicht irre, ebenfalls frei herumlaeuft. Ritter von Greim veruebte Selbstmord, v. Richthofen starb eines natuerlichen Todes, Milch und Kesselring sitzen, obwohl Kesselring wohl bald wieder frei gesetzt werden duerfte, v. Kluge starb durch Selbstmord nach dem 20. Juli 1944 in Frankreich, Modi erschoss sich im Frueh. jahr 1945, v. Blaskovitz beging Selbstmord im Gefaeng. nis. Zwei Marschaelle kamen im Verlauf der Ereignisse des 20. Juli um und v. Witzleben wurde von Hitlers Leuten aufgehaengt, v. Reichenau starb durch Schlaganfall, Rommel wurde vergiftet. Kein EINZI¬ GER der deutschen Feldmar. schnelle ist vor dem Feinde gefallen. Die Grossadmiraele Doenitz und Raeder sitzen dagegen in Spandau. Admiral v. Friedensburg veruebte Selbst, mord, ebenso Generaladmiral Albrecht. Admiral Schräder erschoss sich, als er in Norwegen festgenommen werden sollte und Canarls wurde aufgehaengt. A. R. PROPHETIE IN ABREISS-KALENDER Gestern und morgen.. Weltmacht Deutschland auch Durchfuehrung des Krieges anbetraf und keinesfalls, Jahren aus dem Abgrund der ' Unconditional surrender” zu hat es sich da um den Ausj der ansehnlichen Position ei trag ideologischer Meinungs-1 ner grossen Macht emporverschiedenheiten oder um klimmen lassen, die bereits Ruecksichten humanitaeren i heute —mit England— Nord- Inhalts gehandelt. Vor uns1 amerikas wichtigster Partner liegt ein interessanter Auf. i in Europa ist und morgen satz eines Dr. Benjamin Sa-1 wohl der wichtigste. So gross galowitz, der der These von, ist das Gewicht, das Westder Schuldlosigkeit der deutj deutschland in der okzidentaschen Wehrmacht an den len Wagschale haben wird, Verbrechen der Nationalsozia-; dass der Kreml bereit waere, listen etwas genauer nachgedie deutsche Einigung, d. h. gangen ist. Es ist nicht moeg- Neutralisierung, mit einem lieh, an dieser Stelle auf diej starken Verzicht auf die weisen Aufsatz naeher emzuge. | tere Bolschewisierung Osthen, aber wir wollen einige deutschlands zu bezahlen. Tatsachen doch hervorheben, i Nur die Gegenforderung der Die Einsatzgruppen der SS Einbeziehung des heute polni- und des SD, die nur wenige j schen Oder- Neisse - Gebiets tausend Mann stark waren, | hat die Rentabilitaet dieses haetten niemals im Befehls- Handels einstweilen in Frage gebiet der Heere und Armeen j gestellt. Millionen Menschen ausrot-1 Die Anerkennung dieser ten koennen, wenn ihnen Tatsache der Wiedererstarnicht die Wehrmacht hilfreikung Deutschlands hat mit che Hand geboten haette. Das keinem pro oder kontra etwas Strafverfahren gegen v. Man-' zu tun. Wir muessen mit ihr stein in Hamburg hat den schluessigen Beweis erbracht, dass die Wehrmacht die Taerechnen, wenn wir uns nicht verrechnen wollen. Was zum Besniel das Probtigkeit der SS-Banden ueber- ]em der Wiederbewaffnung haupt erst ermoeglicht hat.; anbetrifft, das in diesem Zu. Der Chef des OKW Wilhelm, sammenhang eine hervorra. Keitel ordnete in seinem Begende Rolle spielt und parafehl vom 23. Juli 1941 im Auf-: doxerweise von Deutschland trag Hitlers an, “ruecksicht-1 _d. h. vom Besiegten und loses und energisches Durch-, nicht von den Siegern— als gerifen vor allem auch gegen schwerste politische Waffe die Juden, die Haupttraeger! ausgenuetzt wird, so hat des Bolchewismus”. General-1 oberst Kurt-Conrad Arnade feldmarschall Walter von Rei-1 im “Aufbau” in einer glaenchenau erliess am 10. Oktober: zenden Artikel-Serie Fuer und 1941 einen Befehl in dem es I Wider abgewogen. Zugunsten u. a. hiess: “Der Soldat im;der Wiederbewaffnung fuehr. Ostraum ist nicht nur einjte er an: gegenueber 215 rus- Kaempfer, sondern auch der 1 sischen Divisionen, von denen (Von Seite 1) 35-40 in Ostdeutschland stehen, kann man 48 Millionen Westdeutsche als Verteidigungspotential nicht uebersen~-n und brach liegen lassen: man kann Amerikanern (und Franzosen) nicht zumuten, an der Elbe zu kaempfen, waehrend die Deutschen zusehen; die militaerischen Qualitaeten der Deutschen; die strategische Bedeutung Westdeutschlands im europaeischen Verteidigungsdispo. sitiv; die Erfahrungen deutscher Offiziere im Kampf gegen russische Uebermacht und der Einfluss deutscher Truppenkontingente auf die ostdeutsche Bevoelkerung. Die Gegengruende waeren: die Gefahr des Wiederauflebens des deutschen Militarismus; die angedrohte Moeglichkeit einer russischen militaerischen Gegenaktion oder einer spaeteren diplomatischen im Sinn eines neuen Tauroggen, d.h. einer Neuauflage deutsch, russischer Militaerallianz und schliesslich der Argwohn des schwaecheren Frankreich. I “...die Generaele blieben” Der Autor dieser hiermit kurz zusammengefassten Be Pachtungen teilt die Ansicht fuehrender militaerischer und politischer Kreise des Westens, indem er konstatiert dass die genannten These und Antithese sich praktisch aufheben. Die Synthese sieht er in dem Plan Pleven, der Einreihung westdeutscher Bestaende in ein europaeisches Verteidigungsheer, worin er naturgemaess ueberhaupt einen bedeutenden Schritt zur Einheit Europas registriert. Ist die deutsche Braut vorbereitet fuer eine solch idyllische paneuropaeische Hoch, zeitsreise? Alle Anzeichen sprechen dagegen. Ohne auf die allgemeinen staatspolitischen Tendenzen einzugehen, da uns das zu weit fuehren wuerde und um bei der Beweisfuehrung auf dem militaerischen Gebiet zu bleiben —nicht zuletzt, weil Der Berliner Wohltaetigkeitsverein “Jedide Hmim” pflegte an seine Mitglieder und Goenner einen künstlerisch ausgestalteten Wochen. Abreiss-Kalender fuer das juedische Jahr zu versenden, der fuer jeden Tag die allgemeinen und juedischen Daten und auf jeder Seite die Reproduktion des Werkes eines juedischen Kuenstlers sowie ein Zitat aus dem Tenach aufwies. Die Versendung des Kalenders erfolgte regelmaes. sig in der Zeit vor Rosch Haschana, also Anfang September. Auch fuer das verhaengnls. volle Jahr 5693 (1932.33) erhielten zahlreiche deutsche Juden einen solchen Kalender uebersandt. Die fuer die Woche vom 29. Januar bis 4. Februar 1933 bestimmte Seite, die also den 30. Januar, das Datum der Machtuebernahme durch Hitler enthielt, trug folgenden Bibelspruch: “Der Tag des Ewigen Zebaoth wird ergehen ueber alles Hoff. aertige und Eitle, ueber alles, was sich erhebt, auf das es erniedrigt werde. Ich will ihnen Knaben zu Fuersten geben, und Kindische sollen ueber sie herrschen. Es wuetet das Volk gegen sich selbst, einer gegen seinen Naechsten, und es erfrecht sich der Knabe gegen den Greis und der Geringe gegen den Geehrteit^ (Jesaja, II, 12 u. III, 4 u. 5) Die Woche, die dem 21. Maerz, dem “Tag von Potsdam” folgte, an dem Hitler sich vom Reichstag diktatorische ' Vollmachten uebartragen liess, wies folgenden Spruch auf: “Wehe Dir, Zerstoerer! Meinst Du, Du werdest nicht zerstoert werden? Und Du, Raeuber, meinst Du, man werde Dich nicht berauben? Wenn Du zu Ende bist mit dem Zerstoeren, wirst auch Du zerstoert, wenn Du genug geraubt hast, wird man Dich wieder berauben”. (Jesaja XXXHI, 1) Wenn man bedenkt, dass der Inhalt des Kalenders spaetestens im Sommer 1932 fertig gestellt sein musste, so ist man versucht, seinem Autor eine wahrhaft verblueffende Sehergabe zuzuschreiben. Es waere interessant, ihn zu ermitteln. L. Foerder (Jerusalem) (M. B.) man deutsche Geschichte immer am besten aus der militaerischen Pespektive heraus erkennt—, so kann man nur feststellen, dass das Wiederaufleben des deutschen Militarismus im Zeichen des alten reaktionaeren, engstirni. gen und nationalistischen Preussentums steht. Foederative Gedanken? Verteidigung der westlichen Freiheit gegen die totalitaere Unterdruek. kung? Mitverantwortung fuer demokratischen Fortschritt? Zum Lachen, meine Herren! Nicht einmal als Propaganda. Schwindel wird man so etwas verzapfen. Worum es geht, ist um Deutschlands Recht, um die deutsche Soldatenehre, um die Wiederherstellung der deutschen G.eichberechoigung, nein, Machtstellung, um... Ja, um —wir wissen es schon—, um all das, was diese Monokel ohne Kopf dahinter schon immer fuer Deutschlands Giueck hielten und was in Wirklichkeit nur Deutschland, uns und der ganzen Welt zum Unglueck gereichte. Nur ihnen nicht. Sie monokeln munter weiter- Um mit Plivier zu sprechen: “Der Fuehrer ging, die Generaele blieben”. Es ist noch gar nicht abzusehen, wie tragisch und wie bald sich dieser historische Fehler raechen wird, den die westlichen Besatzungsmaechte ab 1945 begingen. Haetten die Alliierten nicht bereits vor sechs Jahren, vor den noch rauchenden Truemmern mit der kommenden deutschen Partnerschaft spekuliert, so haetten sie heute bessere Partner. Denn der Kampf, in dem sie diesen Ver. buendeten einzusetzen gedenken, wird nicht nur auf Schlachtfeldern entschieden werden und nicht nur nach den Spiegelregeln der Mili. taerakademlen. Diese Art der nationalen Kriege gehoeren der Vergangenheit an und selbst der 2. Weltkrieg war es nur noch zum Teil. Das Ringen zwischen Ost und West ist ein Kampf der Lebensformen und die Fronten sind nicht nur an den Grenzen, ebenso wenig wie die Nationalitaet des Einzelnen unbedingt ausschlaggebend sein muss fuer seine Stellungnahme. Die Eroberung des westlichen Menschen, bevor dieser lauwarme Krieg an Temperatur empfindlich zunimmt, sollte fuer die Demokratien eine ebenso dringliche Aufgabe sein wie die strategische Planung. Und bei dieser Aufgabe —wir sagten es schon einmal an anderer Stelle— sind die retrogra. den, faschistischen, oder korrupten Elemente vom Schlage eines Tschiang Kai Schek, eines Syghman Rhee, eines Franco eine unermessliche Be. lastung. Zu ihnen gehoert auch der repraesentative Typus des neuen —oder alten— Deutschland. Das “andere” Deutschland und die Zukunft Der sozialdemokratische Hamburger Buergermeister Max Brauer nahm vor wenigen Tagen zu dem gleichen Problem Stellung und verlangte, eine neue Generalitaet aus dem faehigsten Element der Truppe zu rekrutieren. Zweifellos gibt es auch Deutsche, die so denken. So, wie es einen Lueth und einen Kuestermeier gibt. Sie stellen nur leider immer das “andere” Deutschland dar, die Opposition, den Widerstand, das Exil und wenn schon ein. mal eine Weimarer Morgenroete am Horizont aufgeht, dann schlafen sie grade bis in die braune Daeminerung. Man soll diesem “anderen” Deutschland weder Interesse | noch Sympathie versagen. : Aber solange noch “dies” I Deutschland die Zukunft ent- | scheidet, solange koennen wir! die Vergangenheit nicht ver- I gessen. Denn gross und be- I drueckend zeichnen sich die alten Gefahren ab-