Mannheim
Compact Memory

Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1951-09-01 · 9 (Septiembre, 1951) · p. Seite 9

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)

OCR text

12 entity mentions

Septiembre, 1951 BOLETIN INFORMATIVO 9 DAS ALTE SAFED SCHABBATH-BROTE Von SIEGFRIED GUGGENHEIM Israel hat vier heilige Staedte: Jerusalem, Hebron, Tiberias und Safed. Jede dieser Staetten ist in unsere Geschichte eingegangen, aber nach Jerusalem ist wohl Safed die bedeutungsvollste. Sie ' , V wurde in den Jahrhunderten nach der Zerstoerung des Zweiten Tempels gegruendet, aber ihre historische Bedeutung geht erst auf den Anfang des sechzehnten Jahrhunderts zurueck, als die Bevoelkerung neuen Zustrom von den frommen Juden der Diaspora empfing. Unter den Neuankoemmlingen nahmen die Kabbalisten einen hervorragenden Rang ein. Nicht weit von Safed liegt Meron, wo sich das Grab von Rabbi Shim’on Bar Yochai befindet, der von den Kabbalisten als der Verfasser des mystischen Lehrbuches Zohar verehrt wird. Unter die grossen Mystiker, deren Einfluss in Safed noch lange nach ihrem Tod spuerbar war, zaehlte auch der beruehmte Rabbi Isaac Luria, der sein Leben in Askese und mystischer Versenkung verbrachte, um die Ankunft des Messias zu beschleunigen. Im achtzehnten Jahrhun. dert flutete eine Emigrationswelle russischer Chassidim nach Safed. Ihr Streben und ihre Lebensformen waren selbstverstaendlich ganz verschieden von den Einwanderern der vorgegangenen zwei Generationen. Sie machten keinen Versuch, das Land zu vereinheitlichen oder ein Wirtschaftssystem zu schaffen, mit dessen Hilfe sich die Gemeinschaft aus eigenen Mitteln erhalten konnte. Sie lebten von der “Chalukka”, den Spenden, die in der ganzen Judenheit im Namen des Rabbi Meir Ba’al Haness gesammelt wurden. Obwohl den westlichen Zionisten die Lebensanschauung dieser Sekte sehr fremd war, erfuellte diese doch eine Funktion, die in der Geschichte der juedischen Verbundenheit zum Lande Israel nicht bedeutungslos war. Sie erhielt die messianische Idee lebendig, deren heutiger Ausdruck Zion ist, und sie bewahrte den Zusammenhang der juedischen Seele mit Palaestina, ohne die unsere moderne Bewegung der Wiederbelebung schwerlich entstanden waere. Ueber Jahrhunderte hinweg hat Safed mit seinen wunderlichen alten Haeusern, seinen scharfen Winterwinden und seiner sanften Sommerbrise die Atmosphaere be_ wehrt, die von Kabbalisten und Chassidim geschaffen wurde. HÜB ¿Ma* ÄS® X¿*ÍÉ Von einem modernen Flugzeug aus: "Auf viele Jahrtausende blickt man herab”. Wie wir erfahren Im Alter von 64 Jahren starb in New York der ehemalige Berliner Verleger Erich Reiss. * In vielen juedischen Zeitungen der Welt wurde des vor 70 Jahren geborenen jue. disch-deutschen Dichters Arthur Silbergleit gedacht. Silbergleit ist in Auschwitz umgekommen. * Hermann Kesten’s Nachkriegsroman “Die fremden Goetter” soll in Amerika und Deutschland zu gleicher Zeit verfilmt werden. Dr. Kurt R. Grossmann (New York), der fruehere Ge_ neralsekretaer der deutschen “Liga fuer Menschenrechte”, hat mit Hilfe des “Institute of Jewish Affairs” eine Studie ueber das juedische DP-Problem veroeffentlicht. Das Vor. wort stammt aus der Feder von Major Abraham S. Hyman, dem letzten juedischen Berater beim amerikanischen Hochkommissariat in Deutschland. * Die 4 ln Japan bestehenden Gemeinden in Tokio, Yokohama, Kobe und Osaka haben sich zu einem Gemeindeverband vereinigt und dem Juedischen Weltkongress angeschlossen. Die Zahl der Juden in Japan ist in der letzten eZit durch eine Anzahl von Fluechtlingen aus Nord- China und Shanghai erheblich gestiegen. HERRAEISCH DIE LEBENDE SPRACHE ISRAELS Von S. HALKIN Der Wiederaufbau Israels waere undenkbar ohne die Inspiration, die vom Wiedererwachen der hebraeischen Sprache ausging, und die hebraeische Literatur war eine der grossen Kraftquellen bei der Wiedergeburt des juedischen Staates. Es gibt viele Leute, die glauben, die hebraeische Sprache sei 2.000 Jahre hindurch eine tote Sprache gewesen. Aber in Wirklichkeit war Hebraeisch niemals wirklich “tot”, auch wenn es 1.700 Jahre hindurch von den Massen nicht gesprochen wurde. Sie war aber immer die Gebetssprache, die Schulsprache, und sie gab dem juedischen Leben stets eine gewisse Farbe. Der Einfluss der biblischen Sprache beschraenkte sich durchaus nicht auf das Sakrale oder das Geistige im Leben des Volkes. Es gibt eine Unmenge von Dokumenten, die hinreichend beweisen, dass im Verlauf der ganzen Zeit das Hebraeische auch zur Abfassung kommerzieller, gemeindlicher und anderer Schriftstuecke benutzt wurde. Ausserdem wurde Hebraeisch immer gut genug verstanden, dass es juedischen Reisenden zuweilen in fremder Umgebung ihre einzige MoegUchkeit der Verstaeudigung war, wofuer es ebenfalls viele Beweise gibt. Es gab in der juedischen Zeit keine Enoche. in der das hebraeische Studium und die hebraeische Literatur vernachlaessigt worden waeren. Noch lange nach dem Jahre 500 unserer Zeitrechnung und die folgenden tausend Jahre hat das Hebraeische ebenso wie in den modernen Zeiten seine schoepferische Kraft erwiesen. Es brachte eine umfangreiche Literatur hervor, nicht nur im Orient, sondern auch in verschiedenen eurooaeischen Laendem, und diese Literatur hatte ebenso rabbinische und theologische Themen wie Philosophie, Philologie, Poesie, Geographie, Geschichte, Medizin, Mathematik und Astronomie zum Gegenstand. Ibn Gabirol, Ibn Esra und Maimonides, Juden des spanischen Mittelalters, schrieben ebenfalls hebraeisch.Mai. monides ist nicht nur Autor beruehmter Werke in arabischer Sprache, seine in Hebraeisch geschriebenen Buecher sind nicht nur wegen ihres juristischen und philosophischen Inhalts, sondern auch wegen ihres formvollendeten hebraeischen Stils beruehmt geworden. Ibn Gabirol und Ibn Esra zaehlen mit Jehuda Halevy zu den bedeutendsten hebraeischen Dichtern aller Zeiten. Abraham Ibn Esra war ueberdies Autor vieler hebraeischer Buecher ueber Astronomie, Astrologie und Mathematik. Der Platz, den er in der Geschichte der mathematischen Wissenschaften einnimmt, wird allgemein anerkannt, aber er war nur einer der vielen Maenner, die zu seiner Zelt; Fuer die beim Sabbathbeginn auf dem Tisch des Hauses liegenden Sabbathbrote sind mancherlei Bezeichnungen im Gebrauch: Challah (plur. Challoth), Berches, B a r c h e s, Tatscher (Datscher). Challah (hebr.) —Hebe, ist die Teigabgabe, die der Haus, frau als besondere Pflicht obliegt— sie ist ein Opfer dergestalt, dass die Hausfrau ein kleines Stueck von dem Teig ins Feuer wirft und dazu einen Segensspruch spricht. Nach der Hebe nennt man auch das ganze Sabbathbrot Challah. Berches, Barches wird das Sabbathbrot mancherorts genannt nach dem juedischen Wort: “BIRCHAS ADONOJ TAASCHIR”. “Der Segen Gottes macht reich”. Dieser Spruch stand oft auf den Deckchen, mit denen das Sabbathbrot beim Kiddusch Tugedeckt wird. Danach wurden die unter der Decke liegenden Brote Berches (von “Birchas”, “Segen”) oder Barches genannt. In manchen Gegenden verballhornte man das hebr. Wort TAASCHIR (siehe oben) in taascher “Tatscher”, sueddeutsch auch “Datscher”. Zu der Fest-Heiligung des Sabbaths (Kiddusch) werden ueblicherweise zwei Brote genommen, die zugedeckt werden. Man kann auch zur Er. fuellung dieser Pflicht ein Brot nehmen, das mit zwei Teigzoeofen versehen ist. die dann zwei Brote symbolisieren sollen. Die Zweizahl soll daran erinnern, dass waehr. end der Wuestenwandenmg jeweils am Freitag doppeltes Manna (lechem mischneh) eingesammelt wurde, einmal fuer den Freitag und das zweite Mal fuer den Sabhath, an dem ja kein Manna fiel. Das Zudecken der Sabbath. brote hat man als eine Erinnerung daran erklaert,. dass das Manna mit einer Schicht Tau jeweils bedeckt war. Besser gefacht mir die folgende Betrachtung von Dr. Max Dienemann: Eigentlich muesste der Festtagssegen ueber das Brot gesprochen werden. Das Brot ist das Heilig, ste und Beste, was auf Erden den Menschen geschenkt ist, es ist die Grundlage und Voraussetzung alles persoenlichen Lebens, seine Sicherung ist die Grundlage der Moeglichkeit einer Festfreude, ist die Grundlage eines harmonischen Gesellschaftsleben, der sozialen Gemeinschaft. Ihm gebuehrt die erste Ehre. Aber nun nimmt sich der Mensch heraus, den Segen ueber das Geschenk zu sprechen, das eigentlich das Ue. berfluessige darstellt; de r Wein verschoent unser Leben, macht es angenehmer und heiterer, leichter und beschwingter, aber er ist doch eben das Ueberfluessige, das nicht absolut Notwendige. An sich ist es ganz richtig, dass der Segen ueber das Ueberfluessige gesprochen wird, es kommt darin eben zum Ausdruck, dass auch das Ueberfluessige wichtig ist, dass man nur mit der blanken Notdurft das Leben nicht ertragen koennte und man soll sich in diesem Gedanken bestaerken, damit man sich in seinem sozialen Wirßen — in der Wohltaetigkeit, in der Bemessung des Lohnanspruchsnicht bloss davon leiten lasse, das Notwendige getan zu ha. ben, sondern auch Freude bereite, aber es ist doch sozusagen eine Schande fuer das Brot, dass man ihm etwas vorziehe. Um das symbolisch zum Ausdruck zu bringen, bedeckt man es, solange der Segensspruch ueber den Wein gesprochen wird. Sowie es of. fen und frei daliegt, ist es der Herr und beansprucht den Vorrang”. Es mag noch angefuegt werden, dass das gewoehnllcH nach dem Evangelium Matthaeus zitierte Wort “der Mensch lebt nicht vom Brot aPein” woertlich im Alten Testament steht: 5. B. Mos. Caro. 8. V. 3: “um dich zu leh. ren. das nicht durch das Brot allein der Mensch lebt, sondern durch alles, was aus dem Mund des Ewigen geht, lebt der Mensch”. (Congregation “Habonim”. New York). ihre Werke in hebraeischer Sprache verfassten. Werke, die unleugbar Einfluss auf die euroroaeische Zivilisation bekommen haben. Am Ende des Mittelalters war Hebraeisch das Bindeg’ied zwischen Orient und Okzident. In dieser Sprache lernte der Westen die grossen Werke der judeo-islamischen Bluetezeit kennen. Der interessierte Leser wird in Moritz Steinschneiders “Die hebraeischen Uebersetzungen d°s Mittelalters’* reichlich Stoff zu diesem Thema finden, das fuer den Laien auch von C°- cil Rot.h in seinen Buechem in allffemeioverstaendlicher Form behandelt wurde. Die Schmiegsamkeit der hebraeischen Sprache hat ganz zweifellos lene Kontinuitaet ermoegücht.die durch die Jahrhunderte zum Wunder unserer Zeit eefuehrt hat: die Umwandlung der hebraelschen Sprache in eine lebende Sprache mit, allen AusdnT<'k=*uoo«rlichlroiten d e s monwhUchen Denkens und Pu°hlens. Die Qualitaet der hebraelschen Ueberstetzungen, die heute erscheinen, beweist dies vollauf. Homer, Shakespeare und Cervantes, Dante. Goethe, Tolstoi. Dostojewski, Stendhal. Flaubert. Strindberg. Ibsen. Dickens, Galsworthy. Whitman sind nur einige Namen jener Schrift steiler und Dichter, derer. werke in der hebraeischen Uebersetzung ihre Eigenart bewahrten. Neben diesen Uebersetzungen haben die hebraeischen Autoren unserer Zeit b“wiesen, dass d’e Sprache picht? von ihrer Kraft eineebuesst bat. Man denke pur an Bia, lik und Chemiehowsky in der TWsfa. an Achad Haam, Klat.zkin. Aennn und viele andere in der Prosa. Heute lebt die hebraeische Sprache in allen Teilen des Landes Israel und auf aiion Tebensce. Weteu. im 'Tacaslehap. Hilf dem Land, auf dam SnTdeeht. fold in dar s^hnio npd in der TTpivorsitaol-.. Tsraal hat, in ealpom Helmaflapd seine spraahe zu neuem Leben erweckt. (“D. N. I.", Znerlch)

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.