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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1951-08-01 · 8 (Agosto, 1951) · p. Seite 8

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XIII (1951)
Issue
8 (Agosto, 1951)
Date
1951-08-01
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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8 BOLETIN INFORMATIVO Agosto, 1951 SIMSON UND D&LILA ffitz tát&e,! KLEINKUNSTABEND DES "CISROCO “Wort und Musik im Wandel der Zeiten” nannte sich ein Kleinkunstabend zu Gunsten des Cisroco, den Lilianette (Lilo Ebstein-Spagatner) und Jacques Arndt sozusagen zweistimmig bestritten. Manch einer, unter ihnen auch der Endunterzeichnete, ist skeptischen Gemuetes ins Marconi gegangen, aber angenehm enttaeuscht herausgekommen. Das Vorgetragene war ge- und Komponisten ihr reiches Koennen bewies und dass ihr Glanzstueok immer noch “Die Unschuld vom Lande” ist. Sie hat gegen frueher an Au3. drucksfaehigkeit noch ge. Wonnen. Ausserdem brachte sie uns gratis eine im Pro. gramm nicht erwaehnte Modenschau. Man scheint aus Europa doch nicht nur Erkaeltungen mitzubringen. Herr Arndt! Lilianettes ab. schmackvoll und geschickt j wechslungsreiche Abendtoidass Lilianette in Chansons i rem atomischen Zeitalter lei. verschiedenster Jahrhunderte | der in Vergessenheit geraten, zusammengestellt und neben ausgesprochenen Publikumslieblingen wie Kaestner, Tucholsky, Polgar und Rattner gab es auch schwerere Kost wie Werfel, Beer-Hofmann, Ginskey und Wildgans. Neben einigem Neuem hoerte man auch Altbekanntes wie. der. lange vermisst und doch frisch und jung geblieben, im Gegensatz zu uns, die Damen selbsverstaendlich ausgenommen. Fuer jeden Geschmack war gesorgt und wenn auch nur einer die in der Pause verlosten 6 Tage Viña gewinnen konnte, so hatten wir Alle drei Stunden abseits des Alltaeglichen als Gewinn zu buchen. Es ist schwer zu sagen, wem der Kuenstler die Palme gebuehrt, der singenden Lilianette oder dem vielseitigen Arndt. Lassen wir der Dame den Vortritt und sagen wir, letten duerften beim weiblichen Teil des Publikums manchen Wunsch geweckt haben, und zu ehelichen Kontroversen gefuehrt ha. ben. Ich persoenlich habe mich fuer das Fraisefarbene entschieden. Es sollte ueberhaupt mehr abendgekleidet werden, so teuer kann das ja schliesslich nicht sein, denn was man unten mehr braucht, spart man schliesslich oben ein. Jacques Arndt hoerte ich zum ersten Male. Seine Art des Vortrages, wie ueber. haupt die Gestaltung des Abends, erinnerte mich an ei. nen bekannten Kuenstler. dessen Namen ich leider vergessen habe und der vor langen Jahren am Westdeutschen Rundfunk wirkte. Vortraege mit Schallplatten umrahmte und ein ganz grosser Kuenstler war. Diese Art besinnlicher Kunst ist in unseverdient aber wieder erneut zu werden und dazu haette Arndt hier Gelegenheit und auch Publikum. Sein Vortrag ist ausgezeichnet, die Gesten sparsam und die heiteren Sachen seine Staerke, wie dei “liebe Augustin”, Heines“ Tee gesellschaft” und die Hunde, geschichte bewiesen. Besonders angenehm fiel das Fehlen jeglichen Pathos und von Uebertreibungen auf, die einem Rezitationsabende immer wieder vergaellt haben. Guido Baldini. ein Munizipalkollege Lilianettes, sang mit angenehmen und besonders in der Hoehenlage voll wirkendem Tenor zwei Arien Puccinis und zwei italienische Volkslieder. Der Name seiner Begleiterin ist mir leider entfallen. Beide konnten sich ueber Mangel an Beifall nicht beklagen. Helli Herzfeld war Lilianette ein perfekter Be. gleiter. Er hat einen so an. genehm weichen Anschlag und begleitet so diskret, dass es eine Freude ist. Schade, dass er einen anderen Beruf hat und mir in Spitzen Konkurrenz macht, anstatt sich dem Klavier zu widmen und den Holzhackern im hiesigen Rundfunk etwas mehr Gefuehl beizubringen. Alles in Allem, ein huebscher Abend. ARO WAS SIE NICHT ZERSTOEREN KONNTEN «ÖS In einem uns kuerzlich vorgefuehrten Israel-Film hat Professor Lachmann von der Hebraeischen Universitaet, Jerusalem anschaulich gezeigt, wie trotz allen Vernichtungswillens undmaterieller Zerstoerung der Geist juedischer Forschung und Wissenschaft stark und lebendig geblieben, juedisches Kulturstreben unbesiegbar ist. Der Herrschaft der feindlichen Gewalten sind unendliche Werte zum Opfer gefallen, aber nicht alle. Und es ist immer erfreulich, die Erhaltung und Rettung juedischen Kulturgutes registrieren zu koennen. In dieser Linie liegt ein Brief des Direktors der Mannheimer Stadtbibliothek (frueher Schlossbibliothek) Dr. Herbert Stubenrauch, der uns von Herrn Donato Delmonte, sefnem Neffen, freundlichSt zur Ver. fuegung gestellt wird. Wir entnehmen i h m folgende Ausführungen. die sich mit der Rettung der juedischen Gemeindebibliothek Mann, heims befassen: “Im Fruehjahr 1940 wandte sich ein Offizier des SD (Sicherheitsdienstes) an mich mit der Frage, ob ich mir nicht einmal beschlagnahmte hebraeische Buecher ansehen wolle, weil vielleicht einiges von Wert fuer die Stadtbibliothek davon waere. Natuerlich stimmte ich zu, und so stieg ich denn eines Tages mit diesem Schergen in einen stockdusteren Keller, wo man frueher eine Zeit lang Juden gefangen? »halten hatte. Im Schein einer Taschenlampe boten sich mir Tausende Baende meist recht alter hebraeischer Drucke (16. bis 18. Jahrhundert) dar, deren betraechtlicher Wert ausser Frage stand. Um diese ganze kostbare Sammlung zu retten, erklaerte ich dem Mann von dem SD, dass ich die Buecher unmoeglich in dem dreckigen Keller durchmustern koenne; sie muessten zu diesem Zweck unbedingt in die Stadtbibliothek ueberfuehrt werden. Sobald ich meine Wahl getroffen haette, koenne ja der Rest verbrannt werden, wie es die Nazis vorhatten. Daraufhin wurden saemtliche Drucke mit einem Moebelwagen in die Magazine der Bibliothek ueberfuehrt und, sicherheitshalber mit dem Eigentumsstempel der Bibliothek versehen, in Kisten verpackt. Dann liess ich sie mit unseren uebrigen wertvollen Bestaenden in einen Schacht des Salzwerks Heibronn verbringen, wo sie den Krieg und die Bombenangriffe ohne Schaeden bestens ueberstanden. Natuerlich draengte der SD staendig auf die Rueckgabe seiner Beute, doch verstand ich es, ihn mit immer neuen Ausfluechten hinzuhalten, und schliesslich liess man mich in Ruhe. Als ich Ende Juli 1945 aus der Gefangenschaft heimkehrte und die Amerikaner im Fruehjahr 1946 endlich soweit gebracht hatte, die Beschlagnahme unserer Bestaende im Schacht des Salzwerks Heilbronn aufzuheben, haendigte ich die betreffenden Kisten an die Mannheimer Juedische Gemeinde aus, die ueber die Heimkehr ihres alten religioesen und kulturellen Schriftgutes natuerlich aufs hoechste erfreut war. Es bleibt nur noch hinzuzufuegen, dass mich das amerikanische Hauptquartier in Heidelberg durch einen Dolmetscher eingehend inter- DER HEJLÜ AUS DEM STAMME DAN (Victor Mature als Simson) Fuer viele Jahre noch wird man unwillkuerlich dieses Bild, mit der Vorstellung des biblischen Helden assoziieren. Ein Bibelfilm aus Hollywood —mit der Betonung auf Hollywood. Schon der Titel lehrt uns, dass es nicht um Simson, den Helden und Gottgeweihten, noch um seinen Kampf mit den Philistern in erster Linie geht, sondern eben gerade um das Liebesspiel des Riesen mit der Philistertochter. Der Film wurde sicherlich gedreht, weil die amerikanische Produktion bei dem chronischen Mangel an brauchbaren Drehbuechern sich immer in der paradoxen Lage befindet: erstklassige Kulissen suchen nach einer passenden Handlung. Wenn bei alledem in “Simson und Dalila” ein eindrucksvolles Werk entstanden ist, so muss man dies der wuchtigen Urerzaehlung der Bibel, dann auch der getreuen Milieuschilderung bei Jabotinsky, die dem Film zu Grunde liegt, sowie schliesslich der wirklich hervorragenden Technik zuschreiben. Wir sind, wenn diese uns noch aus der Kindheit vertraute Sage vor uns abrollt, fast durchweg gepackt und interessiert. Die Volksszenen sind ausgezeichnet, das Spiel meist gut. Simson ist mehr als nur ein semitischer Tarzan (man denke an das Spiel mit dem Laemmchen!), die etwas zu schnippische Dalila allerdings etwas weniger als der Typ orientalischer Sinnlichkeit, den sie verkoerpern soll. Befremdend wirkt aber die staendige Erwaehnung der Daniten, wo es in der biblischen Darstellung durchwegs heisst, dass Simson, vom Stamme Dan, der Retter und Richter Israels gewesen sei. Stark ist der symbolische Schluss: das Zusammentreffen Simsons mit dem Knaben Saul, dem zukuenftigen Koenig. So waren die mitunter unbedachten Heldentaten Simsons nicht ohne Sinn; sie waren der Samen, aus dem das maechtige Koenigreich Juda emporwuchs. BEN viewen liess, um die Angelegenheit durch drei amerikanische Sender zu verbreiten, und dass ich mich auf Grund der Vorgaenge der Gunst des Oberrabbiners der amerikanischen Armee erfreue, der mich schon des oeftern besucht hat.” BLICK AUF DIE KULISSEN Schon eine fluechtige Betrachtung des hiesigen Theaterlebens laesst uns einen ausserordentlichen Aufschwung in diesem Jahr beobachten. Dieser faellt mit dem 10-jaehrigen Jubilaeum des Teatro Experimental de la Universidad de Chile zusammen, welches der eigentliche Wegbereiter und Gruen. der des modernen Theaters in Chile ist. Es brachte Autoren zu Gehoer, die bis jetzt hier noch nicht bekannt waren: Wilder, Priestley, Pirandello. Arthur Miller (La muerte de un vendedor). Es verfuegt ueber erstklassige Kraefte wie Roberto Parada, Domingo Tessier, Pedro Orthous, Agustín Siré und Maria Maluenda. die fast alle eine Ausbildung in Frankreich oder England hinter sich haben. Im Kielwasser des T. Experimental wurde das Teatro de Ensayo de la Universidad Católica gegruendet, welches mit weniger Erfolg das .Theaterleben bereicherte und erst letzlich mit “Juana de Lorena” von Maxwell Anderson einen gros. sen “Schlag” machte. Dann folgte das “L’Atelier”, ein Kammertheater mit nur ca. 100 Sitzplaetzen, welches in knapp einem Jahre sich schon ein festes Publikum erobert hat und mit Erfolg Werke von Sartre, Camus, Noel Coward etc. zur Auffuehrung brachte. Zuletzt brachte es “Candida” von Shaw, alles auf einem beachtlichen, an europaeische Masstaebe heranreichendem kieren, und das will doch was heissen! Ein grosser Zug nach den Tendenzstuecken ist nicht zu verkennen. Der groesste Er. folg des T. Experimental war z.B. eine im vorigen Jahre erfolgte Auff uehrung von “Montserrat” von Emanuel Robles, einem Franzosen, welches in packender Weise das Problem der Geiseln und der unterdrueckten kolonia. len Voelker (in diesem Falle Venezuela unter spanischer Herrschaft) behandelte. Auch Niveau. María Elena Gertner, ¡ rein schauspielerisch war die. Norman Day und andere sind die Hauptfiguren des Ensembles. Zuletzt haben wir das juengstgeborene “Petit Rex” dessen erste Auff uehrung, “La pequeña choza” als zu frivol in letzter Minute vom Besitzer des Theaters untersagt wurde. Eine heftige Diskussion entwickelte sich um diesen Beschluss. Ei. nige brachten als Einwand, dass sogar der Koenig von England dieses Stueck gesehen habe, ohne sieh zu cho. ses Stueck' eine grossartige Leistung und verbreitete den Ruf des T. Experimental bis in weiteste Kreise, auch in solche, die gewohnt, sind, am Sonntag nur ins Kino zu gehen. Eine andere ausserst interessante Auffu e h r u n g war “El águila de dos cabezas” von Cocteau unter der Regie von Etienne Frois. Dieses Theaterstueck behandelt das Problem eines Anarchisten der sich in sein koenig- (Schluss auf Seite 14)

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