Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XIII (1951)
- Issue
- 7 (Julio, 1951)
- Date
- 1951-07-01
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Julio, 1951 BOLETIN INFORMATIVO 9 Der Weise des Amerikanischen Judentums Aus Anlass des 70. Geburtstags von Mordechai M. Kaplan, New York, am 17. April 1951. Von Rabbiner Dr. H. LEMLE Unsere Gemeinschaft hat immer das Glueck gehabt, in den Stunden der groessten Verwirrung ihre Fuehrer zu haben. Einige wenige hervor, ragende Persoenlichkeiten wiesen neue Wege der Orientierung und das Volk folgte ihnen. Dies war besonders dann notwendig, wenn die Ge meinschaft vor einer vollkom. men neuen Situation stand. Dann musste der Mut aufgebracht werden, die neuenAnforderungen mit der Loyali. taet zur Vergangenheit und zur Tradition in Einklang zu bringen. Denken wir zum Bel. spiel an die grossen Men sehen, die im vergangenen Jahrhundert das juedische Volk fuehrten, als es das Ghetto verliess und sich an das Leben der westlichen Welt anzupassen suchte. Von Moses Mendelssohn bis Hermann Cohen, Martin Buber und Franz Rosenzweig, von Abraham Geiger und Samson Raphael Hirsch bis Leo Baeck, reicht diese Linie von Denkern und Rabbinern. In ihren Gehirnen wurde der Kampf zwischen dem Gestern und dem Mor gen ausgetragen und aus dieser Erkenntnis entwickelte sich ein neuer Weg zum Heu te. Von einer nicht weniger ge ringen Bedeutung fuer das Leben von Millionen von Ju den war ihre Wanderung von Europa nach Amerika. Es war dies nicht nur ein einfacher Umzug —sondern eine Eml. gration, eine radikale Umformung der Lebenseinstellung. In den Buechern von Schalom ' Asch— zum Beispiel “Die Mut ter”, “East River”— erhaelt der Zusammenstoss zwischen der alten Welt und der neuen Welt einen etwas romantischen Aspekt. Zwischen diesen beiden Welten lagen nicht, nur Ozeane. Es schien schwer, wenn nicht unmoeglieh, zwischen ihnen einen Ausgleich herzustellen. Wer hatte die notwendige Weisheit, wer ver fuegte in gleicher Weise ueber die tiefe Kenntnis unserer Kultur und der modernen amerikanischen Zivilisation? Mordechai M. Kaplan wagte es, diese grosse Aufgabe in Angriff zu nehmen. Er ist der Erste —soweit wir feststellen koennen— und auch der Einzige, der eine Art Philosophie des amerikanischen Juden, tums formulierte. Er bringt fuer dieses Werk von histori.; scher Bedeutung die notwendigen Voraussetzungen mit, da er die Grundlagen der Kul. turen, die zur Annaeherung, Angleichung und Vereinheitli. chung gebracht werden sollen, in Harmonie in sich vereinigt. Die juedische Form der Existenz in Amerika, zu welcher er als das Resultat seiner Bemuehungen gelangt, ist die einer “religioes juedi. sehen Zivilisation in Amerika". Die Pfeiler, auf denen Ka. plan sein Denken basiert, sind manigfaltig. Es handelt sich im weitesten Sinne des Wortes — um ein vollkommenes System des Denkens, das keinen Aspekt der menschlichen Existenz, der juedischen Existenz unbeachtet laesst. In Dingen der Philosophie und Theologie gehoert Kaplan zur Schule der optimistischen Denker, das heisst, der erhabensten des idealistischen und liberalen Denkens. In dieser Hinsicht geht Kaplan sehr weit. Er hat Vertrauen zum Menschen und seinen Faehig. keiten, das Gute zu verwirklichen. Das wirklich Goettli. che erscheint in der Tatsache, dass die Welt nach der Auf. fassung Kaplans *— in eine glueckliche und vollkommene Welt umgeformt werden kann. Der Mensch naehert sich um. somehr dem Goettlichen, je mehr diese Welt sich in das Malchut Shamayim — das goettliche Koenigreich umge. staltet. Seine Auffassungen ueber das Judentum haben den juedischen, religioesen und kulturellen Nationalismus zur Grundlage. Man kann sa. gen, dass er der konsequenteste Weiterbildner der Ideen Achad Haams ist. Erez Israel ist dasZentrum der religioesen und kulturellen Wiedergeburt und von ihm gehen die Strahlen der Wiederbelebung und Wiederherstellung der Gemeinden in Chutz Laarez aus. Diese Bindung schaedigt in keiner Weise die Existenz der Juden in den Laendern der Welt, da jedes Land seine kul. turelle, soziale Kraft vermehrt und das Beste der verschiede nen Kulturen -und Zivi’.isatio nen in sich vereinigt. Die Ver einheitlichung waere das Zeichen der Diktatur — die Ko. ordination der Verschiedenheiten ist das Zeichen der Demokratie und der Freiheit. Nur unter .diesem Zeichen koennen die Buerger eines je den Landes zu Mitschaffenden am Malchut Shamajim werden. Mordechai Kaplan ist ein traditioneller und freier Denker, national und universal Er ist mutig und aufrichtig. Er laesst sich nur lenken von den Forderungen seines Gewissens und dem, was er ab» die Wahrheit erfasst. Er schreckt nicht davor zurueck, seine philosophisch-theologischen Sehluesse darzulegen, die konservative Theologen in Alarm versetzen, waehrend er in seinem persoenlichen Leben streng konservativ ist So gibt er das traditionelle Konzept des auserwaeblten Volkes auf und war in Jahrzehnten einer der gluehendsten Vertreter der nationalen Idee des Zionismus. Seine Ge. betbuecher wurden oeffentlich durch extrem orthodoxe Rabbiner verbrannt. Aber sein Geist und sein bestimmender Einfluss dringen unaufhalt sam in alle Reihen des ameri. kanischen Judentums ein. Ka. plan weigerte sich, eine vierte “religioes-juedische Benennung” ausser der der Refor mer, konservativen und Or. thodoxen zu gruenden, aber seine Orientierung verwandelt sich in eine sehr bedeutende Kraft fuer weitere Kreise — nicht nur unter Rabbinern und Erziehern — sondern \ auch unter den amerikanisch, i juedischen Massen, die die | Zukunft mit Ernst und Verantwortung betrachten. Die Organisation, durch die sich Mordechai Kaplan ein weites i Netz von Mitarbeitern und ' Schuelem heranzog und wei. I ter heranzieht, ist die “Jewish Reconstructionist F o u n d a. , tion”. Sie vero.effentlicht-' die Bedeutung Gottes in der modernen juedischen Religion”. _ Sie schuf auch in einer Zeitschrift von besonderer Bedeutung “The Reconstructionist” die Moeglichkeit zum Kontakt und Austausch der Ideen unten Tausenden von Menschen in der ganzen Welt. Welches auch das in die. s e r Zeitschrift behandelte Thema sei, immer bemerkt man eine Weise des juedischen Denkens, deren Meister Mordechai M. Kaplan ist. An dem Tage, an dem er 70 Jahre vollendet, ist es unser inniger Wunsch, dass er fuei viele viele Jahre fortfahren moege, einer der grossen Wie dererbauer des Judentums in unserer Generation zu sein. (Uebersetzt aus dem Gemein deblatt der Associacao Religtiosa Israelita en Rio de Janeiro, von E. Ln.) DER MAERTYRER-WALD AUF DEM DODEN DES FREIER VOLKES Nicht leicht Ist es, die ganze Grausamkeit Jener Ereignisse zu erfassen, mit dienen mehr als ein Drittel unseres Volkes lm Zeichen des Hakenkreuzes hingeopiert wurde. Zuerst die Jahrelangen Verfolgungen, durch die arbeitsame Menschen aus Ihrem Beruf, aus allen Verdlenstmoegllchkelten gedraengt wurden; dann öle gewaltsame Fortnahme Ihres Besitzes —und schliesslich Jene Transporte zu den Gaskammern, ln denen man unschuldige menschliche Wesen mitleidslos dem Tode auslieferte. Welch ein reiches Reservoir an juedlscher Kultur, an schaffensfreudiger Jugend ist dem Juedischen Volke ln diesen Jahren verloren gegangen! Das Volk Is¬ und Schwestern erst vor einem Jahrzehnt widerfahren Ist? Die Zahl der “sechs Millionen" -wird dem Gedaechtnls der Juden fuer ewig elngepraegt bleiben. Man sagt ein Mensch lebt so lange, als noch eine Seele auf dem Erdenrund seiner ln Liebe gedenkt. Erst wenn niemand mehr ist, ln dessen Erinnerung ein Mensch lebendig. dann erst sei er wahrhaft tot. Und da nun das Volk Israel als solches, mit allen nationalen Attributen, wieder auf gerichtet worden ist — ein Volk mit eigenem Lande, eigener Regierung, eigener Sprache — so wird aus der neuen Gemeinschaft Israels das Andenken an Jene grausam Kriegsgemordeten niemals schwingrundlegenden Werke Kaplans, wie z.B. “Die Zukunft des amerikanischen Juden”, “Judentum als eine Zivilisation” (auch in span, erschienen unter dem Titel “La civilización de Israel en la vida modern a”, N. d. U.) “Die Drei Jahre kulturelles Leben in Israel Einer noblen Tradition die Treue bewahrend, hat die Kunstzeitschrift “Pro Arte' m ihrer Ausgabe Nr. 133 vom ¿2. Mai ds. Js. mehrere Seiten dem Kulturleben in Israel —anlaesslich des 3. Unaonaengigkeitstagesgewidmet. “Lo oriental en la música palestina”, “Origen sefardita ael cante flamenco de Andalucía”, “Las experiencias de. teatro Habima”, “Sentido heroico en la joven literatura nebrea”, sind die verschiedenen behandelten Themen. Trotzdem beklagt sich die Leitung: “Es tut uns leid, nicht die notwendige Mitarbeit gefunden zu haben, um in diesen Spalten reichhaltigeres Informationsmate, rial ueber die erstaunliche kulturelle Entwicklung zu bringen, die sich in diesen drei Jahren der israelischen Unabhaengigkeit vollzogen hat”. Der Geist, der diese Ver-; oeffentlichung beseelt, ist am besten aus den f olgenden einleitenden Worben zu ersehen, die wir mit Vergnuegen wiedergeben: “Incluimos en este número algunos artículos referentes a la cultura israelí, como homenaje a la joven República de Israel, en su tercer aniversario. Hace dos años, al cumplirse el primer año de vida de la flamante República, dedicamos un número especial en su honor; es decir, fuimos la única publicación chilena no relacionada con el pueblo judío que destacó este acontecimiento. Entonces, como ahora, nos ha guiado un propósito de justicia: honrar a un pueblo que se distinguió siemnre por su espíritu creador en el campo artístico. La fundación de la República, esto es la creación del Estado de Israel en Palestina, debe ser señalado como un hecho cultural de vasto alcance histórico. El esníritu investigador de los judíos, su formidable sentido autocrítico, el rico acervo cultural que ellos sembraron a manos llenas por el mundo, pertenecen a la Humanidad. Hoy es posible, además, reunir en el Inmensa laboratorio que es un pafs nuevo. en una tierra recién nacida a la libertad, toda esa energía secular, para dirigirla v orientarla; para obtener de ella eso oue las viejas naciones occidentales no han podido aun dar a luz: un pue- Han ¡smann fuer tf:|in Buchen. . i-...i Schal" rael lebt —■ es ist nach zwei- I tausend; aehriger Zerstreuung zu I staatlieber Selbstaenriigkeit zu- I rueckgekebrt, es sammelt seine in ■ allen Ecken und Enden der Golab lebenden Staemme wieder im Lande der Vaeter und wird aus ibnen wieder eine Einheit formen, die eine Sprache spricht, nur eine Heimat kennt, als geeinte Nation auf ihrem eigenen Boden lebt. Aber mit unausloeschlicher Trauer wird dieses Volk der inmitten eines sogenannt “zivilisierten” Europa zugrunde gegangenen Maertyrer gedenken — der sechs Millionen, die nach unvorstellbaren Leiden schliesslich hingemordet wurden — weil sie Juden waren. Das juedische Volk ist ein Volk der Tradition. Es bewahrte alte Sitten, die eng mit der Natur Erez Israels verbunden waren, deren Sinn nur noch in der Erinnerung an die alte Heimat, verstaendlich war. Die Juden sprachen Gebetworte, die den Jahreszeiten im Heiligen Lande angepasst waren, aber in einem anderen Klima, in dem sie spaeter lebten, von keiner Bedeutung mehr schienen. Sie bewahrten die Treue nicht allein ihrem Gott, ihrem Land und seiner heiligen Hauptstadt — sie gaben, von einer fremden Welt umgeben, auch ihre Gebraeuche nicht auf. Kann ein Volk, das in zweitausendjaehriger Verbannung so am Althergebrachten hing kann ein solches Volk vergessen, was einem Drittel seiner Brueder blo libre y diferenciado. Israel es ese laboratorio bacía el cual vuelven los ojos, no solamente sus dispersos hijos, sino que todos cuantos abrigan la esperanza de un pedazo de tierra para vivir y morir sin compromisos indignos”. den, auch wenn deren Kinder laengst nicht mehr unter den Lebenden weilen. Die persoenliche Trauer wird mit den Menschen enden, die sich der Toten noch als Personen erinnern — doch Israel als Gesamtheit wird die Tragoedie seiner Maertyrer aus dem 20. Jahrhundert ln seinem Herzen bewahren. Es ist natuerlich, wenn das zu seinem Boden helmgekehrte Volk seinen Hingeopferten ein immerwaehrendes Denkmal setzen will. Heute besteht eine der wichtigen Aufgaben in der Urbarmachung und Besiedlung des Landes, in der Aufforstung kahler Huegel und fuer Nahrungsproduktion ungeeigneter Strecken. Es ist eine Taetigkeit, die in erster Reihe dem Keren Kajemeth zuiaellt; er erwirbt nicht nur den Boden, er saniert ihn auch — und durch Anpflanzen von Baeumen wird nicht nur dler Erdboden gesunden, auch das Antlitz des ganzen Landes wird sich allmaehlich veraendem und verschoenem. Israel will die Pracht seiner alten Waelder wieder erstehen lassen — und einen Teil der neuen Forste, die im Korridor von Jerusalem angelegt werden, will es dem Andenken der Maertyrer der Hakenkreuz-Herrschaft weihen. Am 7. Maerz wurden die ersten Baeume hei K’salon auf den Bergen westlich von Jerusalem, in feierlicher Zeremonie gepflanzt. Ein ausgedehnter Wald wird hier heranwachsen und dem Gedaechtnls kommender freier Juedlscher Geschlechter fuer immer elnpraegen, was eine Juedlsohe Generation ln der Golah einst um Ihres Judeseins willen gelitten hat, wie sic sterben musste, verfolgt und defamiert Ihrer Abstammung wegen. Sie wird aber ewig leben ln der Erinnerung derer, die auf ihrer freien Erde lm Schatten des Maertyrerwaldes Ruhe und Frieden finden.