Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XIII (1951)
- Issue
- 1 (Enero, 1951)
- Date
- 1951-01-01
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 87% known words query
- IRI
…/8553624-8554211-9192714--0582-8554219- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Safed 1× ep/1046078
OCR text
8 BOLETIN INFORMATIVO Der Boden ruft! - KLEIN IST DAS LAND — UND GROSS Das Auto gleitet die schmale Fahrstrasse entlang, die in den hohen Hang eingehauen ist, gleitet hinab und steigt wieder an. Die felsige Bergwand, mit Eichgestruepp und Johannisbrotbaeumen besta n d e n, faellt tief ab zum schmalen Talgrund. Gegenueber, jenseits des Abgrundes, erhebt sich ein zweiter ragender Berg, der die Ferne dem Blick versperrt. Weiter und weiter schmiegt sich die Strasse dem Hang an, folgt seinen Wendungen, seinen Einschnitten und Ausbuchtungen. Noch eine Kurve — und die Spitze gegenueber tritt in den Hintergrund. Es ist ploetzlich, als befinde man sich auf einem Balkon, frei aufgehaengt am Himmelszelt — das ganze Land liegt ausgebreitet da. Zahllose Gebirgs-und Huegelketten. und einer ganzen Skala von feinsten und zartesten Farbabstufungen und Nuancen, angefangen vom starken Rotbraun der naechsten Hoehen ue. ber tiefbrennendes Dunkelblau bis zum silbrigen Lichtblau und zum Weiss und Lichtglanz der Horizonte. Nein, es ist keine Redensart: Es ist das ganze Land, das hier vor dir liegt. Staunend sinnt man: Wie klein ist es doch, dieses Land, wenn man es mit einem einzigen Blick erfassen kann, von der Sebulonkueste mit ihren goldglaenzenden Duenen bis zum purpurblauen Kinnerethsee; das beherrschende Rad des Taborberges, das laechelnde Tal von Jesrael und die erhabene Karmelkette; von Sueden her, aus dem Herzen Samariens, ragen der Ebal und Gerisim auf, und im Norden beschatten die Bergruekken von Naftali das1 Hulehbeeken; und auch damit nicht genug: hinter der Kinnereth- und Jordansenke steigt die hohe Tafel von Gaulanitis und Gilead an und breitet sich bis zum fernen Drusenberg nach Osten... So klein ist also unser Land, dass es sich unter deinen Augen in ein einziges Bild zusammendraengen kann und ueberdies noch weite Flaechen des Mittelmeeres und grosse Landstrecken der Nachbarlaender in das Blickfeld ruecken. Am fast senkrechten Hang kruemmt und schlaengelt sich jetzt die Fahrtspur, schnell gleitet der Wagen zu Tale. Das graufarbige arabische Dorf, das oben noch zu deinen Fussen lag, fliegt dir entgegen, und schon erscheint es auf ragender Hoehe ueber dir. Jetzt wechseln Anstieg und Abfahrt miteinander, kahle Felswaende mit Baum¬ und strauchbedeckten Hoehenzungen; schmale Senken mit weiten Taelern; Felder auf denen frisches Gruen nach den ersten Regen a-uf. spriesst, mit Hainen von weltkroni. gen Oliven, deren silbriges Laub im Winde raschelt; breite, schwerknochige Bergschultern mit Bergterrassen laengs den Bachlaeufen, die teils schon rieselnde Waesser fuehren, teils noch trocken liegen. Und wieder staunt man: Dieses Land Galilaea, das vor einer Stunde noch so klein und so engumgrenzt in seiner Flaeche schien, dehnt sich ploetzlich zu ueberraschend weiten Ausmassen! Und all dieses weite und vielfältige Land, mit Tau und Regen und schwerem Boden ueberreich gesegnet — ist leer. Nicht leer deswegen, weil seine Einwohner vor den Kriegsereignissen flohen und ihre Wohnstaetten verliessen — auch aus dem Galil gab es Fluechtlinge, aber deren Zahl ist geringfuegig, gegenueber all denen, die ihr Vertrauen GEN CHANITA in die Herrschaft Israels setzen, sich ihr willig einfuegen und sie den arabischen Abenteurern und Potentaten, die sich an fremde Grossmaechte verkauften, bei weitem vorziehen. Der Grund ist ein anderer: Die Besiedlung Galilaeas ist seit vielen Geschlechtern eine aeusserst spaerliche, und der natuerliche Reichtum dieses Landes ist zu gross, als dass eine so duerftige und zurueckgebliebene Bevoelkerung aus ihm Nutzen ziehen koennte. So rufen all diese Haenge und Taeler und Flaechen und Bergketten nach Siedlungen, nach Bauern und Pflanzern, Erntern und Schnittern, nach denen, die dem Boden das Seinige geben und seine Fruechte geniessen. Und auch eine andere'Erwaegung, die sich aus geschichtlich-politischer Logik ergibt, fuehrt zum gleichen Schluss:'Dieses fruchtbare und menschenleere Galilaea ist ein Vakuum — und jedes Vakuum muss schliesslich als Säugpumpe auf seine Umgebung wirken und sich anzufuellen suchen. Was wird daher das Schicksal Galilaeas sein, wenn nicht wir es sind, die es bevoelkern, und dies baldigst, in der allernaechsten Zeit? ERLOESENDE KRAFT DER TRADITION Der Glanz der juedischen Vorzeit liegt ueber dem Galil. In jedem Winkel trifft man auf Spuren der Vergangenheit, hier deutlich zutage tretend und das Auge fesselnd, dort mehr verwischt, mehr in Erinnerungen und Sagen erhalten als in sinnfaelligen Zeichen. Angesichts all dieser Landschaften erstehen die Hofwirtschaften und Staedte der jiiedischen Staemme zu neuem Leben, die Doerfer der Acker, und Weinbauern, die zum Freiheitskampf der Makkabaeer auszogen, die Johann von Gischala, dem galilaeischen Simeon und schliesslich dem Bar-Kochba folgten... Da erstehen die Lehrhae user der Tannaiten und Amo. raeer, da nehmen die Sagen der Kabbalisten und Schoepfer des “Sohar” Sinn und Gestalt an. Pekiin. Ein wunderliches Wespennest, an die Steilseite eines ragenden Berges geklebt, von Feigengaerten, Olivenpflanzungen, Johannisbrothainen umgeben. Dieses Dorf ist zu keiner Zeit ganz leer von juedischen Einwohnern geworden, die mit Stolz betonen, dass ihre Familien niemals in der Galuth waren. . Und selbst wenn es darueber Meinungsverschiedenheiten unter den Wissenschaftern gibt und manche diese Theorie Fahrt durch Galilea i zu widerlegen suchen — die Tradi- | tion allein und die Tatsache ihrer; I Entstehung haben etwas Grossartil 1' ges an sich. Und wer das umsorgte 1 und saeuberlich geweisste kleine Bethaus betritt und den in die Wand eingelassenen uralten Quaderstein mit seinen herausgemeisselten Abbildungen der Menorah und des Ethrog entdeckt, den erfasst ein eigentuemlicher Schauer, und er denkt in seinem Herzen: Möegen wir uns dieser Gabe, dieser Erhaltung juedischer Tradition in Galilaea wuerdig erweisen, und moegen wir die Kraft haben, dieses Land jetzt zu neuem Leben zu erwecken! Wer das zentrale Galilaea noch vor einiger Zeit durchzog, dem nagten Schmerz und Zweifel am Herzen: Warum nur sind wir davor zurueck. geschreckt, als Siedler in das bergige Herz dieses Landes einzudringen? Ist es nicht zu spaet; haben wir nicht mit unserm Zaudern, mit unseren Versaeumnissen, dieses Land fuer immer verloren?... Und nun, nachdem uns das grosse Glueck zuteil wurde und Mittelgalilaea uns mit einem einzigen Schwertstreich zufiel, werden wir nun auch die zweite Pruefung bestehen, die Pruefung seiner Besiedlung und Entwicklung? Schon gibt es ermutigende Anzeichen. Das kleine, tapfere Jechiam, dieser von Westen her gegen den zentralen Galil vorgeschobene Posten, hat einen Bruder bekommen: Die braungelben Blockhuetten von “Gaton” zwinkern freundschaftlich hinueber zu der riesigm Kreuzfahrerfestung, in deren Halle die Leute von Jechiam das Holzhaeuschen mit ihrem Essraum errichtet habend Die Erbauer beider Siedlungenarbeiten gemeinsam an der Entfelsung und Entsteinung der Felder, am Ziehen der Steinmauern um jeden vorbereiteten Acker. Schon werden, wenige Monate nach dem Aufhoeren der Kaempfe, die Anzeichen der Pionier.; arbeit ueberall sichtbar. Von der an- | deren, oestlichen Seite her verdich- I tet sich die Siedlungskette, die Safed s ' « DAS LABENDE WASSER von Norden schuetzt; zwischen Birijah und Ejn Sejtim hat sich ein dritter Punkt, von religioesen Pionieren eingefuegt, und in den allerletzten Tagen sind bereits die ersten Gruppen im Hetzen Obergalilaeas .zur Ansiedlung gegangen, und weitere werden folgen. So faehrt man an eiper wichtigen Strassenkreuzung.zu Fuessen des-Azmon, vorbei. Noch hat alles den Anblick von gestern und vorgestern, noch hat sich keine Kleinig- VON E. ORNI keit veraendert; wir jedoch wissen genau, dass in ein, zwei Tagen die Kolonne der Siedler hier ankommen wird, Jungen aus Suedafrika werden es sein; ihre Huetten werden sie auf diesem Huegel errichten, und dort wird sich der Zaun ihres Lagers entlangziehen. — Schon, durchzittert die Veraenderung, die hier vor sich gehen wird, gleichsam die Atmosphaere des Ortes, schon sieht man die Gegend mit anderen Augen an. Auch noerdlich von hier sind bereits zwei Punkte fuer neue Siedlung bestimmt worden; schon ist das Datum fuer die Besetzung des Bodens festgelegt. .. So verfluechtigt sich die letzte Spur eines Gefuehls der Fremdheit, die man von frueheren Besuchen her dieser erhabenen Landschaft gegenueber hegte, als man wusste, dass man ausser der einzigen in Pekiin verbliebenen Familie weit und breit keinen Juden antreffen werde. ALTES VERBINDET SICH MIT NEUEM Ein kleines Land, eng an Grenzen — und so weite Oeden in sich bergend, die nach der erloesenden Hand das Arbeiters rufen. Ein leeres Land, das beginnt, sich mit juedischer Siedlung zu fuellen. Dort, auf der Hoehe, als wir ueber Land und Meer hinblickten, zweifelten wir noch, ob dieser Winkel der Erde wirklich Millionen von Rueckfcehrern aus der Golah aufnehmen koenne, und jetzt wieder, beim Durchstreifen der unbesetzten Huegel und Taeler, fuerchten wir, dass wir mit diesen Weiten nicht fertig werden koennen. Aber nun, nachdem wir die ersten Keime der neuen Punkte zwischen diesen uralten galilaeischen Bergen gesehen haben, nun wissen wir es, klar und unumstoesslich: Wir werden die Weite ueberwinden und sie mit Leben erfuellen, und das Land wird Massen unserer Brueder aufnehmen. Allerdings haben wir einen kuehnen Sprung in unseren Vorstellungen zu tun: Der Keren Kajemeth, der in den siebenundvierzig Jahren seines Bestehens im ganzen eine Million Dunam Boden ausloesen konnte, hofft, die zweite Million im Laufe dieses einen Jahres hinzuzufuegen. Zehn, zwanzig, allerhoechstens dreissig Siedlungen haben wir in den besten Aufbaujahren errichtet — und dieses Jahr haben wir vor, hundert bis hundertfuenfzig Punkte im Lande aufzubauen! Unsere Jungen, die jetzt kommen, um sich in der Bergwelt Galilaeas niederzulassen, fuehlen nicht die geringste Fremdheit dieser Landschaft gegenueber. Hier begegnet ihnen ein altes Gebaeude aus der Zeit der Mischnah oder des Talmud, als sage es: Kommt nur, ihr und ich, wir gehoeren zueinander! Und dort erzaehlt eine Ruine von der Pracht der Vergangenheit. Die, die ihr Lager zwischen jenen Maulbeerbaeumen errichten, wissen, dass das alte Kabartha an dieser Stelle stand, und weiterhin lägen Beth Haemek und Kfar Jassif. Und in anderen Ecken des Galil sind es Sufsafah und Kfar Chasanjah und Ammukah und Kedesch. Die Jungen sind nicht allein in Galilaea: die enge Verbindung zur Vorzeit unseres Volkes in diesen Gegenden spornt sie in ihrem Schaffen fuer die Zukunft an. Ueberzeugend toent der Gesang aus ihrem Munde: Unser ist der Galil, unser... (“Das Neue Israel", Zuerlch)