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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1951-01-01 · 1 (Enero, 1951) · p. Seite 7

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XIII (1951)
Issue
1 (Enero, 1951)
Date
1951-01-01
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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w I STEILUNGNAHMEN IN DER DEPUTIERTEN-KAMMER Im Laufe des letzten Monats ergriffen im chilenischen Un. terhaus zwei Deputierte zu Themen das Wort, die uns nahe angehen. Der erste war der Abgeordnete Juan Antonio Coloma, welcher zu dem Problem der Internationalisierung Jerusalems Stellung nahm. Herr Colonia ist eines der einflussreichsten Mitglieder der Leitung des “Partido Conservador Tradicionalista”, d. h. jenes Fluegels der alten konservativen Partei, der sich gegen die “christlich-soziale” Leitung des heutigen Aussenministers Horacio Walker und des Senators Cruz-Coke auflehnte und schliesslich die obengenannte neue Partei gruendete. Auch diese Fraktion ist militant katholisch und so war aus diesem Grunde die Stellungnahme des Herrn Deputierten der erneuten Kampagne des Vatikan angepasst. Seine Auszehrungen wurden in uns unfreundlich gesinnten Kreisen als eine Antwort auf die des Kammer-Praesidenten Astolfo Tapia angesehen, der das Problem der israelischen Hauptstadt mit dem Verstaendnis eines Mannes behandelt hatte, der es aus eigener Ansicht kennen lernen durfte. Am 21. Dezember nahm der Abgeordnete der Liberalen Partei fuer Chiloé, don Raúl Aldunate Phillips, zu dem Problem der Immigration nach Chile Stellung. Herr Aldunate, der vor kurzem von einer Europa-Reise zurueckgekehrt ist und dort mit den wichtigsten Botschaftern und Beamten der Chilenischen Republik Gelegenheit hatte, zu sprechen, ist zu interessanten Schlussfolgerungen gelangt, die sich wie folgt zusammen fassen lassen: Chile sollte italienische, deutsche und baskische Einwanderung bevorzugen, da diese sich rassisch und religioes von der einheimischen Bevoelkerung nicht unterscheiden. Um die Einwande . rung aus Deutschland zu foerdem, waere die Entsendung eines Sonderbevollmaechtigten hohen Ranges nach Bonn anzuraten. Wenn man auch zugeben muss, dass die Rede des ehrenwerten Abgeordneten sich durch Gemessenheit auszeichnete, keinerlei abfaellige Bemerkungen ueber andersrassische oder andersreligioese Einwanderungsgruppen e n thielt und von einer prinzipiellen, d.h. besser gesagt theoretischen, Ablehnung rassischer Prinzipien begleitet war, wenn er auch zur Empfehlung der katholischen Einwanderung baskischer Fluechtlinge die Meinung des Herrn Enrique Bernstein zitierte, der wohl schwerlich als Kronzeuge fuer religioese oder rassische Privilegien dienen duerfte, so muss doch folgendes gesagt werden: Eine nach Gesichtspunkten der Rasse oder Religion orientierte Politik ist Faschismus oder sie fuehrt zum Faschismus. Eine solche Politik ist von der N.U. in denkwuerdigen Abkommen proskribiert worden und Chile ist als Signatarstaat an diese Abkommen gebunden. Und schliesslich und endlich ist es kein Zufall, dass eine solche rassisch-religioese Theorie zu der praktischen Schlussfolgerung gelangt, engere Beziehungen zu Deutschland zu j empfehlen und Einwanderung ■ aus diesem Lande, sowie aus¡ Italien, aufs Waermste zu i BOLETIN INFORMATIVO 'iû ffîfa teten, /tstete, f KRITIK EINER KRITIK Diese Zeilen werden geschrieben, da auf dem Kopfe dieser Zeitung steht: “Mitteilungsblatt der Sociedad Cultural”. Im Namen der Kultur soll hier zu einer Sache Stellung genommen werden. In der Dezembernummer laufenden Jahres befindet sich unter dem Titel “Das Lamm des Armen” ein von ARO Unterzeichneter Bericht ueber eine Auffuehrung der Theatergruppe Heatid, in dem einige Dinge stehen, die mit Fug und Recht in keinem Blatte abgedruckt werden duerfen, das sich Mitteilungsblatt einer Kulturorganisation nennt. Es soll eingangs ausdrücklich betont werden, dass sich dieser Brief in keiner, wie immer gearteten Form auf die Darstellung oder die Leistungen der sympathischen Heatid-Gruppe, bezieht. Im Gegenteil, jeder an kulturellen Dingen interessierte Mensch wird alle Versuche im Sinne eines geistigen Aufbaus in unserer Gemeinschaft auf das herzlichste begruessen. Nein, diese Worte richten sich nicht gegen die an dieser Auffuehrung in irgendeiner Form beteiligten Personen, sondern gegen einen unentschuldbaren, von jeder Sachkenntnis ungetruebten An. grif auf einen unserer Grosssten, den verewigten Dichter Stefan Zweig. Es ist mir unerklaerlich aus welchen Quellen und ge. stuetzt auf welche Erfahrungen der Schreiber des Artikels, Herr ARO, dieses negative Urteil —gleichsam aus dem Handgelenk schuet t e 1 n d— nimmt. Er sagt: “Das Stueck hat grosse Schwaechen und weder die Handlung noch der Dialog weisen besondere Hoe. hepunkte auf”. Man kann nur annehmen, dass der Verfasser dieses Ausspruchs das Stueck nicht kennt und sich nur nach der ehrlich bemuehten, aber natuerlich unzureichenden Auffuehrung gerichtet hat. Sache eines Theaterkritikers ist es aber, die Dinge, ueber die er schreibt und oeffentlich urteilt, zu kennen und empfehlen. Denn wo auch immer in dieser erregten Nachkriegs— oder Vorkriegszeit Einwanderer aus den Heimatlaendern des Nazismus und Faschismus hingelangt sind —Argentinien und Kanada dienen als Beispiel—, da haben sie auch den Keim des Rassenhasses, des religioesen Fanatismus und der Intoleranz hingetragen. D i e Ausfuehrungen, d e s Herrn Coloma zur Intemationalisierung Jerusalems sind zumindest aus der Einstellung seiner Partei und des Vatikan hergeleitet. Bei denen des Herrn Phillips bleibt jedoch die bedauerliche Tatsache bestehen, dass er der Vertreter einer Partei ist, die vor vielen vielen Jahren als Protest gegen religioese Intoleranz geboren wurde und die Trennung von Kirche und Staat auf ihre Fahne geschrieben hatte. H. K. ihre Quellen und Details zu beherrschen. Der Kritiker ist wie ein Arzt! Jeder ueber die Gesundheit eines anderen sprechende Laie, hat das Recht Ratschlaege zu geben und Meinungen zu aeussern. Ein Rezept schreiben und eine bindende Diagnose stellen, darf nur der Arzt, weil er den Krankheitsprozess mit all seinen Details kennt! Eine Meinung zu haben ist Recht und wuenschenswerte I Pflicht eines jeden Theaterbesuchers. Ein “endgueltiges” und ofizielles Urteil darueber schreiben, darf nur der Fachmann der fuer und wider kennt und gegeneinander abzuwaegen im Stande ist. Dies muss bei Herrn ARO auf das entschiedenste ber zweifelt werden, wenn er schreibt, dass das Stueck “Das Lamm des Armen” weder in der Handlung noch in Dialog besondere Hoehepunkte aufweist. Wenn in dem Bild in dem Fourés als Kourier weggeschickt wird, sich sein Schicksal fuer seine Umgebung und fuer die Zuschauer foermlich greifbar zusammenballt — wenn er wiederkommt und von einem ad hoc zusammengestellten Kriegsgericht von seiner Frau getrennt wird — wenn er, der Einzelne, den Kampf gegen Napoleon unternimmt —wenn er in der Strassenszene eine Revolte hervorruft— wenn er in dem leider gestrichen gewesenen Bild, einem Rechtsanwalt gegenuebersteht, der vor dem Namen Napoleon kraftlos zurueckweicht — und endlich wenn Fouché ihn mit einer Handbewegung “erledigt”, so sind das nicht Hoehepunkte einer Handlung, sondern eine ganze Kette von Hoehepunkten! Und wie die Stellen von dem Gleichnis aus der Bibel ueber das Lamm des Armen, die Szene in der Bellilotte ihrem Mann die uebermenschliche Wirkung Napoleons ins Gesicht schreit, oder der Ausbruch Fouré’s vor dem Diktatorbilde genannt werden sollen, wenn nicht Gipfelpunkte dramatischen Buehnendialoges; ist unerforsch. lich. Weiter heisst es: “Fourés erweckt mehr Mitleid als Verehrung”. Ja was soll denn dieser Satz?! Ihn niederschreiben heisst das gesamte Lebenswerk Stefan Zweigs verkennen und ahnungslos verkleinern. So gut wie-alle Figuren Zweigs sind sogenannte “tragische Helden”. Gescheiterte, die an ihrem Charakter oder am Schicksal zerbrechen, i Es-ist immer das Unerloeste der Frakassierten, das Stefan Zweig angezogen hat, jenes Tragische des Zerbrochenwer. dens, aus dem der Verfasser der “Welt von gestern” in seiner Machtlosigkeit gegen die Welt von heute, auch die letzte Konsequenz gezogen hat. Dass seine Zentralfiguren “Mitleid” erwecken, ist das was er will, wenn er, der Historiker, sich zum Verfechter der Getretenen aufschwingt, anstatt bloss zum blechernen Heldenpathos der “Verehrten”. Weiter: “Man merkte das auch an der Reaktion des Publikums, das stellenweise lachte, wo es nicht haetbe lachen sollen. Das,ist... sozusagen ein Geburtsfehler des Stueckes”. Nein Herr ARO—, nein und tausendmal nein! Da wo das Publikum lachte, war es wo die ehrlich bemuehte Absicht der Heatid-Gruppe, logischerweise nicht an das gesteckte Ziel heran kam, weil es zu hoch ist. Wie zum Beispiel in jener erregenden Strassenszene, in der Fourés vor dem Hause seiner Frau steht. Das, was dem Publikum komisch vorkam, war die naive Loesung und irrige Darstel. lung dieser Szene. Zweig hat hier einen hoechst aufwuehlenden Moment geschrieben, wenn er zeigt, wie Fourés gegen steinerne und koerperliche Waende anrennt und wenn er es geschehen laesst, dass das Bild mit einer kleinen Strassenvolkserhebung endet. Es sollen naemlich an die hundert Menschen, die einzeln vorbeikommen, stehen bleiben, Zusehen, sich an die vergangenen Tage der Bastillenstuerme erinnern und eine fruchtlose Revolte beginnen, indem sie unter den Klaengen der Marseillaise durch die Stadt ziehen. So ist die Szene gedacht und nicht die hier gebotene. Dies scheint Herrn ARO unbekannt zu sein. Darum unterfaengt er sich, die Sache so darzustellen, dass das Publikum nicht die Darstellung unzureichend fand —(wie sollte dies bei dem Fehlen aller Voraussetzungen anders ein!)—- sondern Stefan Zweig der Ausgelachte war! Nein, Herr ARO! Nein, verehrtes Boletín Informativo! Das geht zu weit! Als Stefan Zweig dieses sein, damals neuestes Werk auf einer Zusammenkunft des Pen- Clubs vorlas, fand es niemand komisch und als es dann in jener wundervollen Auffuehrung des Wiener Burgtheaters herauskam, riss diese Szene und das ganze Werk das Publikum hin. So war eS dort und so blieb es in allen Theatern die das Stueck je gespielt haben. Selbst in seiner spanischen Form behielt es die gleiche Wirksamkeit. Es ist daher nicht angaengig, dass man sich hier in diesem fernsten Winkel Südamerikas zum Literaturpapst aufschwingt und negative Ur. teile ueber ein anerkanntes Werk Stefan Zweigs faellt, wo man nur dankbarst geniessen sollte was uns dieser —es soll nochmals gesagt werden— einer unserer Groessten hinterlassen hat. Nicht gering. schaetzend schreiben ueber ein Werk, an dem auch andere, Berufenere nichts auszu. setzen hatten! Letzhin glaube ich auch nicht, dass dies die Aufgabe eines Boletín Informativo ist. Es waere wuenscheswert, wenn die Theaterkritik ebenso materienkundig und fachmaennisch waere, wie es ja schliesslich auch jedes andere “Sachverstaendige n u r t e i 1” sein muss. Das gesprochene Wort verfliegt mitunter sehr rasch, denn es ist vergaenglich. Das gedruckte Wort hingegen bleibt, denn es ist bestaendig. U m wievieles sorgfaeltiger muss es daher ueberlegt werden, bevor es geschrieben wird?! Deswegen aber keine Fehde Herr ARO. Es spricht aus mir nur ein Anhaenger des Dichters und ein ehrlicher Bewunderer guter Buehnenwerke. Juan Spagatner. N. DER RED.—Unser Inte-j resse an Mitarbeit und am) EIN HOERSPIEL Am Sonnabend,-den 16. Dezember fuehrten Forum Habone und Gordonia-Hamakabi Hazair Manfred Kleins Spiel “Ein Leben fuer Israel” auf, das Lisa Scott-Schwarz als Hoerspiel bearbeitete. Der Autor versucht, das Leben Chaim Weizmanns zu skizzieren und fuehrt zu diesem Zweck in 17 Bildern die entscheidenden und charakteristischen Momente im Wirken des juedischen Fuehrers vor. In 17-maligen Aufblenden wird Chaim Weizmann als Mensch, Wissenschaftler, Politiker und als der von seiner Idee besessene Zionist gezeigt —eine Bilderfolge (oder besser Hoerfolge), die in ihrer guten Auswahl eine relativ komplette Uebersicht des Strebens, der Enttaeuschungen und der Erfüllungen im Leben des ersten Praesidenten Israels bietet. Das Hoerspiel —in gluecklicher Erkenntnis der künstlerischen Grenzziehungen als Kollektivarbeit gebrach t— wird geschickt durch den Kommentar des Sprechers zusammengefasst. Der voellige Verzicht auf das Buehnenbildnerische laesst das Publikum sich ganz auf das gesprochene 'Wort konzentrieren, das in einigen Szenen Ausdruck und Kraft genug hat, den Hoerer miterleben zu lassen, ja mitzureissen. Der absichtliche Mangel an Pathos faellt angenehm auf und gibt dem ganzen Spiel einen sympathischen Anstrich von Klarheit, aufrechter Gradlinigkeit und mimischer Bescheidung. Bei einer Kollektiv-Leistung sollten einzelne Spieler eigentlich nicht hervorgehoben werden, doch seien die Darsteller der Titelrolle und des Spre. chers fuer ihre gute Artikulie. rung erwaehnt. Zwei unmotivierte Pausen zerrissen unnoetigerweise das Hoerspiel, das man gerne in einer zweiten Auffuehrung vor Jugendlichen wiederholt sehen mo echte. W. R. Recht der freien Meinungsaeusserung hat uns dazu bewegt, die obenstehenden Ausfuehrungen ungekuerzt wiederzugeben. Um die Leser vor einem Irrtum des Autors zu bewahren, der unsere Gemeinde betrifft, machen wir darauf aufmerksam, dass “Sociedad Cultural” von “Culto”, d. h. Kultus, also “Kultusgemeinschaft”, hergeleitet ist und nicht von “Cultura”, bezw. Kultur und Kulturgemeinschaft. Trotzdem erlauben wir uns zu unterstreichen, dass wir unsere Arbeit nach bestem Wissen und Gewissen auch im Dienste der Kultur leisten und wir sind der festen Ueberzeugung, dass auch der besprochene Beitrag unseres Mitarbeiters ARO diesem Sinne voll und ganz entspricht. Aus diesem Grunde muessen wir ihn —und uns— gegen die eingangs formulierten Betrachtungen auf das Entschiedenste verwahren. Einer sachlichen Stellungnahme enthalten wir uns aus begreiflichen Gruenden und weil das “B.I.” zu solchen Fragen und in Gegenwart eines von seinem Autor gezeichneten Artikels ■—im Gegensatz zu der irrigen Meinung des Herrn Spagatner— keine “endgueltigen und offiziellen Urteile” kennt.

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