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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1951-01-01 · 1 (Enero, 1951) · p. Seite 9

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XIII (1951)
Issue
1 (Enero, 1951)
Date
1951-01-01
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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BOLETIN INFORMATIVO 9 Als Israeli in Oesterreich ANKUNFT ■' ¿ruf; Schon im Expresszug Genua-Wien gewinnen wir den ersten Eindruck von der Kompliziertheit des Verwaltungs- Apparates im heutigen Oesterreich. Am Semmering beginnt der russische Sektor. Es .war spät abends, als die rus- ’ sischen Soldaten, nach langem Warten des Zuges das Abteil betraten. Zwei australische Damen, zwei Jerusalemer Bürger, die oesterreiehische Pässe hatten, und ein Amerikaner mussten trotz empörten Protesten bei strömendem Regen mit 32 Gepäckstücken heraus. Die “British Common, wealther”, weil sie keinen Zonenpass hatten, die Oesterreicher aus Jerusalem, da ihnen österreichische Identitätskarten fehlten, und der Amerikaner, weil er auf dieser Strecke üeberhaupt nicht herein durf.te. Dann kamen wir.sechs Jisraelis zur Kontrolle. Die Russen besahen sich unsere blauen Büchlein erst von links nach rechts, dann von rechts nach links, sagten “spassibo” —sie sprechen inmer und zu jedem prinzipiell nur russisch—und wir passierten anstandslos. So sieht man keine amerikanischen, englischen oder “westlichen” Kurgäste hier. Erstere haben Salzburg zu ihrer Domäne gemacht, letztere die Kaernner Seen und Steiermark. Da “Dollargäste” fehlen, sind die Hotelpreise dementsprechend billiger. So wird dieser Kurort von all den Jisraelis, die ihre eingefrorenen Sperrguthaben verzehren, sehr bevorzugt. Als wir vor dem berühmten Südbahnhotel ankamen, bot die Aussichtsterrasse das gewohnte Bild des Gafe Noga am Mograbi, und wir wurden mit Fragen “Ma chadasch be Tel-' Aviv” bestürmt. In Wien selbst merkt man die Zonen-Abgrenzungen weniger (die innere Stadt ist international). Keinesfalls wird die Zonenabgrenzung s o streng gehandhabt wie in Berlin. Und Wien ist wohl d-sr einzige Punkt in der Welt, wo man die berühmten 4-Mann- Jeeps der M. P. durch die Stadt rasen sieht. Anscheinend in vollkommener Harmonie sitzen “Ivan” und “Ami” am Steuer, und der Franzose und Engländer dahinter. Im Stadtbild selbst sieht man kaum russische Soldaten mit österreichischen Zivil Lsten zusammen, hier herrscht strengste “Nonfratemisation”. Umgekehrt gibt es häufig amerikanische G I’s mit dem weiblichen wienerischen Anhang, Arm in Arm, und die Zahl der echten Wiener amerikanischen Negerbabies soll enorm gestiegen sein. Dies, und der allerorts sichtbare und offenkundige Segen der MqrshallhPffi. die unaufhörlich in das Land gepumpt wird, machen die “Amis” zum beliebtesten Element der Besatzungsmächte. DER WIEDERAUFBAU Die Zerstörungen durch Bomben. Brände und Kampfhandlungen sind stellenweise sehr gross. Der einst berünmte Donaukanalquai ist ein eln- Von R. R. Winter. , ziger Trümmerhaufen; sämtliche Bahnhöfe, die Staatst h e a t e r und die Fabrikbezirke sind stark beschädigt. Vieles davon hat die abziehende Nazimiliz auf ihrem Gewissen. Andererseits gibt es Wohnviertel und Vororte, wo kaum Spuren von Kampfhandlungen zurückgeblieben sind. Es wird viel und rasch wiederaufgebaut, zu gleichen Teilen von den Gemeinden und der Bundesregierung. Die berühmten Strandbäder an der Donau, der Stefansdom, die Oper, das Burgtheater. Kinder-und Altersheime und zahlreiche neue Wohnviertel sind wieder aufgerichtet resp. neu erbaut worden. Die Bundesregierung arbeitet fieberhaft am Ausbau des Elektri-' fizierungnetzes. Die meisten Eisenbahnzüge verkehren mit elektrischen Lokomotiven. Insbesondere die riesige Talsperre in Kaprun, in den Salzburger Hochalpen, die seit Jahren im Bau ist. soll das ganze Land mit Kraftstrom versorgen, und eine betraechtliche Menge an Strom exportieren. Von besonderer Bedeutung sind auch die grossen Eisen-und Stahlwerke in Linz und die Schwerindustrie der Alpinen Montan.Ge. sellschaft in Eisenerz, die bedeutend ausgebaut wurden. Unter den Industriebetrieben nehmen die USIA-Fabriken eine besondere Stellung ein. Dies sind die ehemaligen reichs. deutschen Konzern - Unternehmungen, die von den Russen übernommen wurden. So gehören auch die strategisch wichtigen Zistersdorfer Oelouellen und die Donau. Dampfschiffahrtsgesellschaft zum russischen Machtbereich. Der eiserne Vorhang schliesst dicht an der eineinhalb Stunden von Wien entfernten tschechischen und ungarischen Grenze. Es gibt fast keinen Reiseverkehr dorthin. Ein Verfall charakterisiert die Dichte dieser Grenzen ganz besonders. In den ersten Aue-usttaven brannte eine Oelouelle im slovaklschen Maiackv. knapp hinter der österreichischen Grenze. Drei Tarne» und drei Nächte waren die 200 Meter hohen Stichflammen von Wien aus zu sehen. Sämtliche Feuerwehren Wiens und der an der Grenze gelogenen Städte eilten .herh°i um an den Löscharheiten mit zuhelfen. Pie mussten unverrichteter Dinge zurneek, die Grenze blieb hermetisch verschlossen. - K - DER FREMDENVERKEHR Zu einem der wichtigsten devisenbringenden Faktoren des Landes ist der Fremdenverkehr geworden. Die natürliche Schönheit, d»r a.ininen T.andsehaft, und die Möod'cbk°it, bllHtr'°r T.aKonaVian-imrr haben zehnte nw>n de Touri, sten ins Len d gebracht. Doch Jst rJaa HauntverrM en at auf das Kon+o der vorzüglich geleiteten Fremdenverkehrsnro- PRganda zu buchen, welche selten des Bundes und der einzelnen Länder in der ganzen Welt, durchgeführt, wird. Uierzu gehören vor allem die Veranstaltung der verschiedenen Festnioio. ,c;nort,Wettbewerbe und Messen, z. B. die Theaterfestsniele in Bregenz, wo auf einer auf dem See Fast Jeder von uns kennt, auch wenn er es nie gesehen, dieses Land besser als das meiste, was ausserhalb der Heimat und des Vaterlandes liegt. Seit frueher Jugend 6ind uns die Geschichten des Alten Testaments vertraut. Wir haben gehoert, wie die Kinder Israels in Aegypten fronen mussten und wie sie auszogen durch das Bote Meer, durch die Wueste, ueber den Jordan, in das Land, “‘wo Milch und Honig fllesst”. Wir kennen die Geschichten von Koenig Saul, Koenig David und Koenig Salomo. Wir kennen den Kampf der Propheten um die Anerkennung des einen Gottes. Wir kennen die Truebsale, die das juedische Volk in Kriegen, in Gefangenschaft und durch immer neue Eroberungen seitens maechtiger Nachbarn zu erdulden hatte. Und wir kennen die Geschichten des Neuen Testaments, die Wege Jesu, die mit den Namen Bethlehem und Nazareth verknuepft sind, mit dem See Genezareth und den Bergen von Ga- Ulaea, mit Jerusalem, mit dem Oelberg, mit dem Garten Gethsemane und Golgatha. Wir kennen auch die Geschichte der Kreuzzuege, die das “Heilige Land” den “Unglaeubigen” entrelssen und unter christliche Kontrolle bringen sollten. Wir wissen, dass spaeter die Mamelukken und die Tuerken gekommen sind. Wir wissen, dass Napoleon im Lande war und dass abermals, wie zu Zeiten der Gottfried von Bouillon und Richard Loewenherz, um Akkon gekaempft wurde. Ein wenig wissen wir auch von der juedischen Kolonisation der Neuzeit, die schon um 1870 herum eingesetzt hat, iim nach dem ersten Weltkrieg sich in staendig steigendem Umfang zu entwickeln — bis zur Ausrufung des Staates Israel am 14. Mai 1948. Aus den paar hundert Juden, die vor Jahrzehnten einen neuen Anfang gewagt haben, sind inzwischen ueber eine Million geworden. Wie sie leben, wie sie ihr Land und ihren Staat einrichten, wie sie mit den vielseitigen Problemen fertig werden die die Ungunst der oertliohen Bedingungen, der klimatischen, der wirtschaftlichen, der .politischen Bedingungen Jeden Tag von neuem vor sie hinstellt — davon wissen wir in Deutschland fast nichts. Bis etwa 1930 waren es ausserhalb des Judentums in der ganzen Welt nur wenige, die sich ernsthaft füer das Experiment Palaestina interessierten. Als die Erfolge der Kolonisation groesser und eindrucksvoller wurden, nahm das Interesse zu, besonders in England und Amerika; Deutschland dagegen isolierte sich. Es begann die unselige Zeit, in der niemand in Deutschland wissen durfte, wie grosser und positiver Als Deutscher nach brnt 1 Von RUDOLF KUSTERMEIER Der in Westdeutschland erscheinenden “Welt” entnehmen wir den folgenden Auszug aus dem Reisebericht eines Deutschen in Israel: schwimmenden Bühne gespielt wurde, die Wörthersee. I Sportwoche mit den toteres-1 santen internationalen Ten-' nis-und Tanzmeisterschaften und als erster und wichtigster Faktor die Salzburger Festspiele. Mehr als 60.000 Fremde waren allein in Salzburg als Gäste; ein Erfolg, der alle Rekordziffern schlug. Wenn man auf der Terrasse des berühmten Cafe “Tomasselli” gegenüber dem Domnlatz sass, konnte man das Sprachengewirr aller euronäischen und amerikanischen Länder hören und Autos mit Nummemtafeln aus zwei Dutzend Staaten parkten vor den Fenstern. Es gab ein Wiedersehen mit vielen jüdischen Künstlern, wie Emst Deutsch (als Tod in •"Jedermann”'». Adrienne Gessner. Oscar Karlwels und Hans Jaray, welche aus Amerika gekommen waren. Jehudi Menuhin gah als einziger Solist mehrere Konzerte. Die Eröffnung staatlicher Snielkasinos in Salzburg. Bad Gastein und Velden war ein weiterer Schritt zur Heranziehung von Devisentovrlsten: für die Salzburger selbst lat das Spielen streng verboten. ("M. B”). Leistungen das Juedische Volk faehig ist. Es kam die Zeit, da “im Samen des deutschen Volkes" Millionen von Juden umgebracht wurden und da Deutschland fuer seine Umwelt ein Land der Moerder zu werden begann. Zumindest fuer das juedische Volk wird dieses Bild des deutschen Moerdervolkes bleiben. Neben die alten Geschichten von der Fron in Aegypten, von der babylonischen Gefangenschaft, von den mittelalterlichen Verfolgungen in West— und Mitteleuropa, von den neuzeitlichen Pogromen in Osteuropa ist als weitaus schrecklichste die Geschichte der Hitlerzeit getreten, in der ein kleines wehrloses Volk Blutopfer bringen musste, wie man sie niemals fuer denkbar gehalten haette. ‘ Die Millionen toter Juden, die Millionen Morde, die den deutschen Namen belasten und beflecken, fallen mir auf die Seele, wollen mir den Atem nehmen — desto mehr, je naeher das Land rueokt, in dem die Brueder und Schwestern der Toten leben, ln dem ihre Kinder eine neue Heimat gefunden haben. ■ Manchmal, ist mir, als muesste ich umkehren. Manchmal ist mir, als koennle ich es nicht ertragen, als Deutscher dem Juedischen Volk ln •seinem eigenen Land gegenueberzutreten. Wie kann ich ihm zumuten, mich als Gast zu empfangen? Wer koennte solches Leid vergessen, tun, als waere es nie gewesen? Und nun fragt mich meine Nachbarin: “Sie sind aus Deutschland? Wie koennen Sie nur noch; ln Deutschland leben! Alle Juden! sollten Deutschland verlassen bis zum letzten Greis I" “Ich bin kein Jude”, “so — sind Sie Deutscher? Ein deutscher Journalist? Und unsere Regierung laesst Sie herein?" “Ja”. Kopfschuetteln Schweigen. Spaeter kommen wir uns doch noch naeher. Meine Nachbarin spricht vom KZ. Die Tatsaohe, dass wir Leidensgefaehrten waren, bringt den ersten Kontakt. Die Reserviertheit wandelt sich in Anteilnahme. Gemeinsame Erinnerungen helfen weiter. Der Mensch erkennt den Menschen. Ich bin getroestet, bin sicherer geworden, schaue wieder vorwaerts auf das Ziel und die Aufgabe. Und da, wahrhaftig: Ploetzlich liegt die Kueste Israels vor uns. Die gewohnte Aufforderung, das Rauchen einzustellen und sich fest anzuschnallen, macht deutlich. dass unser' “Fliegender Hollaender” seih zum Landen anschickt. Und nun die erste grosse Ueberraschung dieser Reise. In weiss gebrochenen Linien zeichnet sich die Brandung ab. Dahinter ein schmaler Streifen weissen Sandes. Und dann' kommt gruenes Land! Soweit man sehen kann: Wiesen, Felder. Gaerten. Nur hier und da ein Fleckchen braun oder gelb: vielleicht ein Stoppelfeld, vielleicht ein Stueckchen Brache — aber kaum noch Oedland. Ich habe nicht eben Wusste erwartet. Aber die Jahreszeit ist fortgeschritten. Mehr als drei Monate liegt die Regenzeit schon zurueck, und die kultivierten Teil« des Landes muessten weitgehend vertrocknet sein. Statt dessen soviel Gruen! Eine erste grosse Hochachtung packt mich vor dem, was hier geleistet wurde, Freude darueber, dass es geleistet werden konnte, und Zuversicht fuer das Volk, das hier lebt und arbeitet. Gruen ist die Farbe der Hoffnung. Hier ist sie mehr. Sie ist Beweis und Versprechen. Sie ist Ansporn und Unterpfand. Gruenes Israel! Gruenes Wunder! Wir landen in Lydda (hebraelsoh: Luddl. Me'ne Uhr zeigt sechs. In Lydda ist es schon acht. Mitten durch Palaestina geht der 35. Laengengrad. So hat Israel normalerweise dieselbe Zeit wie Leningrad, Isfa-.bul und Kairo: eine Stunde spaeter als Berlin. Durch die Sommerzeit erhoeht sloh die Zeitdifferenz auf zwei Stunden. Lydda ist einer der modernsten Flughaefen der Welt. Ebenso echoen wie praktisch .-nge’egt, ist er zu einem der wlcht.gsten Verkehrszentren des Vorderen und Mittleren Orients geworden. Lydda wird von zwoelf internationalen Fluggesellschaften.. egelmaessig angeflogen. Der Fahrplan umfasst woedhentlioh mehr als 30 Abfluege .ins Ausland. Einen wachsenden Anteil am internationalen Luftverkehr des Landes sucht sich die staatlich israelische Gesel’schaft ELAL zu ergingen. Die Pass—, Gesundhelts— und Zollformalitaeten sind wie ueber - all. Man ist streng, aber hoefilch. Vor allem Ist man gruendlich. Die Zollbeamten scheinen ihre Pappenheimer zu kennen. Fuer mich genuegt eine Minute. Bei anderen dauert es zehnmal, zwanzigmal so lange. Wo die Zoellner suchen, finden sie. ■ Einer der Re'senden wird ploetzlich von einer Art WalhrhePswnt ueh«'.fallen er deklariert alles mcegliche, was dem Beamten gar nicht aufgefaUen ist. Der ist sichtlich erstaunt, at-eicht aber die nicht geringen Zol»vcbuehren froehlich ein. Ich verabschiede mich von. meiner zuerst so reservierten, dann fast freundschaftlichen Relsegefaehrtln. Ob sie ahnt, wie dankbar ich ihr bin? Ach. wie kompliziert ist doch die Welt, wo sie sich dem Hass und deT Feindschaft hingibt — und wie einfach, wo solilicht das schlechthin Menschliche spricht. Und dann bist du da, alter Freund, der du es dir nicht hast nehmen lassen, mich am Flugplatz abzuholen. Vor 17 Jahren haben wir uns zuletzt gesehen. In Berlin. Du konntest dich retten. Wieviel« konnten es nicht! Noch einmal steht alles vor mir auf, was geschehen ist. Aber dann setzt die Freude des Wiedersehens sich durch. Bald fahren wir gemeinsam hinein in das Land, das sich gern und mit Stolz das “alt-neue” Land nennt. Es ist wahr: aus einem alten Land ist ein neues Land geworden. Ob so auch,aus alten Menschen neue Menschen werden koennen? ANZEIGENPREISE Eine fristlos in Kraft getretene Erhoehung der Papierpreise und die dadurch bedingten neuen Kosten der Drucklegung des “B. I.” zwingt uns zu unserem groessten Bedauern, die Anzeigenpreise entsprechend anzugleichen. Wir sind sicher, wie bei frueheren Gelegenheiten mit dem vollen Verstaendnis der Inserenten rechnen zu koennen, die unsere Bemuehungen um einen preiswerten und erfolgbringenden Anzeigenteil zu schaetzen wissen. Die Administration des “Boletín Informativo”.

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