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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1950-08-01 · 8 (Agosto, 1950) · p. Seite 8

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XII (1950)
Issue
8 (Agosto, 1950)
Date
1950-08-01
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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8 BOLETIN INFORMATIVO Charakterwandel n Von MEIER FAERBER, Tel-Aviv Wohl in keinem Lande hat sieh der Charakter des Cafehauses binnen zweier Jahrzehnte in solchem Masse gewandelt, wie im jetzigen Israel. Vergangen sind die Zeiten, da man unter Cafehaus in Palaestina einen mehr oder .minder grossen Raum verstand, in dem eine von Schmutz starrende Familie herrschte, an der Ausgabe-Bar der Vater stand und seine Kinder fast den ganzen Tag an den kleinen Tischchen Kaffee servierten, Kaffee und nur Kaffee in allen seinen arabischen Sorten. Da gab es kleine Taesschen aus Porzellan, in denm viele Abarten “tuerkischen” Kaffees gereicht wurden: “Helwe” war ein Kaffee, aber auch Torten und anderes suesses Gebaeck werden reichlich begehrt. Dazu kommt in den Morgenstunden das “komplette Fruehstueck” und allerlei Speisen in den Mittags- und Abendstunden. Da ein drueckender Mangel an Wohnraum besteht, wohnen viele Junggesellen zu zweit und zu dritt in einem Zimmer; nicht nur Ehepaare sondern auch Familien haben oft nur ein Zimmer, so dass das Cafehauses zum Treffpunkt fuer private Zusammenkuenfte wurde- Wen man sich mit einem befreundeten Ehepaar treffen und zwanglos unterhalten will, ohne das Kind oder die Kinder im Schlafe zu stoeren. pSvf', “Arabisches Café”, Oelgemaelde von Okshi monatelang an der Front im Negev oder in Galilaea auch auf bescheidene Genuesse verzichten mussten. Die besondere Eleganz der Weltstadt aber kommt in den Cafehaeusern am Strande zusammen, der das typische Bild einer Mittelmeerpro- | menade bietet. Hier sitzt man auf j hohen Terrassen oder in grossen, gut eingerichteten Salons vormittags, 1 nachmittags und abends zusammen, 1 Kann elegante Kleider und promi- | nente G a e s t e sehen und gej niesst dabei die angenehme Seeluft, j die besonders in den heissen Som- 1 milien. und auch die Einwohner von Hadar Hakarmel und von der “unteren Stadt” kommen abends gerne in die weitlaeufigen Garten-Cafes, die oben am Berge einen praechtigen Ausblick ueber die Stadt, die Haifa-Akkoer Bucht und das ruhige Meer bieten. Auch in Jerusalem existieren grosse Garten-Cafes ausser den staedtischen Cafehaeusern, die in den Vormittagsstunden wie in Tel-Aviv zu geschaeftllchen Zwecken herhalten muessen. In Tiberias, der weltberuehmten Kurstadt, die wegen inrer Blick in ein Cafehaus in Tel-Aviv Rauchen der Nargila”, starker, suesser Kaffee mit einem 2 cm. tiefen Satz, “Sada” ein ungezuckerter, durch allerlei Gewuerze geschaerfter “Schwarzer”, der stark war wie ein Schnaps, “Turkije” oder “Stambulije” war etwa das, was man in Europa als tuerkischen Kaffee bezeichnete, und ausserdem gab es einen “franzoesischen” Kaffee, einen leichten Schwarzen, wie man ihn in Europa allgemein kannte. Kaum Jemals fiel es einem Gast ein, “Schaj” zu verlangen, was unserem Tee entsprochen haette. Nach einer solchen Bestellung sass der Gast bei seiner “Nargile”, der Wasserpfeife, die ebenfalls vom Cafetier bereitgestellt wurde, oder bei einem langweiligen Brettspiel viele Stunden lang in beschaulicher Ruhe, in langsam plaetschernder Unterhaltung mit seinen Freunden im Cafehaus herum. Nichts draengte ihn zur Eile. Alle schienen hier nach Klabunds Grundsatz zu leben: “Weise, wer das Leben weit versaeumt”. Die neue Einwanderung das fuer den Orient ungewohnte Tempo des Aufbaus, das die juedischen Einwanderer ins Land brachten, aenderte den Charakter des Cafehauses von Grund auf. Heute bestehen in allen Staedten Israels fuer europaeische Begriffe ungewoehnlich viele moderne Cafehauser. In der BerufsgewerKscnait organisierte, gut entloehnte Kellner bedienen das Publikum, und durchschnittlich wechseln auf jedem Stuhle die Gaeste zehnmal waehrend des Tages und des Abends. Die Spesen des Caf6hauses sind nicht nur wegen der hohen Loehne des Servier- und Kuchenpersonals ungewoehnlich hoch, sondern auch wegen der hohen Miete der grossen, neugebauten Lokale und wegen der hohen Preise moderner. eleganter Einrichtung. Der Hauptumsatz sind Tee und Oelgemaelde von Lubin verabredet man sich ins Caféhaus. Da hat man gleichzeitig Gelegenheit, seine neuen Kleider zu zeigen, was ja bekanntlich fuer die Frauen ein nicht zu unterschaetzender Grund ist, ins Caféhaus zu gehen. Aehnlich liegt der Fall im Geschaeftsleben: Bueromiete ist teuer, viele kleinere Kaufleute teilen ihr Buero mit andern Firmen, und wenn sie sich mit einem Geschaeftsfreund ruhig aussprechen wollen, verlassen sie ihren Buerotisch und laden den Gast ins naechste Caféhaus ein. So haben sich Spezial-Caféhaeuser entwickelt, in denen man wie in einem Boersencafé die Kaufleute eines be stimmten Geschaeftszweiges zu bestimmten Tagesstunden treffen kann. Dieser Brauch erleichtert das Geschaeft wesentlich. Sie sparen Zeit und Muehe, wenn Sie Textilhaendler sind und wissen, dass Sie zwischen 11 vormittags und 1 Uhr in einem bestimmten Caféhaus in der Tel-Aviver Herzlstrasse Ihre Geschaeftsfreunde antreffen koennen. In einem Eckcafé in der Allenbystrasse finden Sie die Gold- und Juwelenhaendler, in einem andern Café in der Nachlath-Benjamin-Strasse die Grundstueck-' und Bodenhaendler «sw. In diesen Lokalen herrscht in den Geschaeftsstunden ein reges Kommen und Gehen, kein Plaetzchen ist frei, und der Umsatz genuegt binnen wenigen Stunden zur Deckung der ganzen Tagesregie. In einigen grossen, eleganten Car fehaeusern spielen gute Kapellen leichte Musikstuecke. Da herrscht vormittags das weibliche Element: Frauen, die ihren Kuechenpflichten genuegt haben, kommen gerne auf ein Plaud°rstuendchen hierher. Aber auch Soldaten, die ihren kurzen Urlaub geniessen, wollen ein wenig das Bild des staedtlschen Luxus auf sich einwirken lassen, nachdem sie.sich mertagen Tausende Gaeste heranlockt. In Haifa ist es nicht der Strand, wo die vornehmen Cafehaeuser sich konzentrieren. Die Naehe des Hafens hat dazu gefuehrt, dass das Strandgebiet zum Geschaeftsviertel wurde und am Hadar Hakarmel, auf halbem Wege auf den Karmel hinauf, ist das moderne Wohnviertel entstanden und gutbuergerliehe Cafehaeuser sind hier zu Dutzenden in wenigen Strassen zu finden. Der Luxus von Haifa aber ist auf den Karmel hinauf uebersiedelt. Da stehen viele Villen wohlhabender Faj warmen Mineralquellen im Winter von vielen Kranken aufgesucht wird, gibt es zwei Bezirke moderner Cafehaeuser: einen unten am Gestade des wunderschoenen Kinnereth-Sees und einen oben auf dem Berge, wo sich eine neue, mit aller Bequemlichkeit ausgestattete Siedlung von Hotels und Pensionen entwickelt hat. Auch im Wandel des Charakters seiner Cafehaeuser repraesentiert sich der Wandel des Charakters der ganzen palaestinensischen Bevoelkerung. (“Das Neue Israel”, Zuerich)

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