Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XII (1950)
- Issue
- 8 (Agosto, 1950)
- Date
- 1950-08-01
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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BOLETIN INFORMATIVO 9 Touristenland Israel Von S. B. LEWERTOFF, Tel Aviv. Schon von jeher hat das Heilige Land viele Tausende von Sehnsuechtigen — Anhaenger der drei monotheistischen Religionen — in besonderem Masse angezogen, Pilger und Reiselustige, die eine oft muehselige Reise nach Palaestina mit besonderer innerer Anteilnahme durchfuehrten. Heute hat das alte Land einen gesteigerten Reiz gefunden. Mit der Entstehung des jungen Staates ist es erneut in den Mittelpunkt des Welt-' Interesses getreten und ein Drang, dieses Land zu sehen, geht wieder durch alle Erdteile. Dass es vor allem die Juden der Welt sind, die ihren neuen Staat und die uralte Heimat ihres Volkes erleben wollen, ist selbstverstaendlich. Und dieser Wunsch findet im neuen Staate, in der Bevoelkerung des Landes ihre besonders geartete Gegenliebe. “Hachnassat Orchim”, die Aufnahme der Gaeste, ist einer der ältesten Leitsaetze juedischer Tradition, ein Gebot von aussergewoehnlicher Bedeutung — und so ist der Tourist, der heute in Israel eintrifft, hier nicht das Objekt einer allgemeinen Fremdenverkehrs-Industrie, sondern der Gast und der Bruder, der ideenmaessig mit Land und Volk bereits verbunden ist. Er kommt nach Israel nicht nur wie ein Reiselustiger oder Erholungssuchender in eins der grossen Touristenlaender, sondern er hat oft fuer sich und seine Kinder schon Plaene fuer eine staendige Verbindung mit dem Lande, er ist — selbst noch Tourist — ein Glied in der Kette der Entwicklung, die zum “Kibbuz Galujoth”, der Sammlung der Zerstreuten, fuehrt. Dennoch ist Israel ein Land, das auch im HinolicK auf die regulaere Touristik ein Maximum an attraktiven Eigenarten und natürlichen Reizen zu nieten hat. Das Klima ist mannigfach, vom bekannten Mittelmeer-oinaraxter wechselt es teils fast zum tropischen, teiis zumnanezu Kontinentalen. Die Ebenen habeit einen milden Winter und die Hoehen zeichnen sich durch einen oft frischen und leicht ertragbaren Sommer aus. Dies gibt dem Lande die Eigenschaft, ein Touristenland fuer tue 12 Monate des Jahres zu sein, das dem Erholungssuchenden durch Luftkurorte, Seebaeder und heisse Quellen die gewuenschte Ferienart bietet. Das Land von nur rund 20.000 qkm. (Holland ist ca. 34.000 qkm. gross) zeigt Hoehenunterschiede von etwa 1.600 m. mit dem Barge Azmon (1-200 m. ü. d. M.) als hoechsten und der Rueste des Toten Meeres (392 m. u. d. M.) als tiefstem Punkt. Berge und Ebenen, Wueste und wieder fruchtbar gewordene Taeler, rivieraaehnliche Mittelmeerkueste und legendenumwobene Binnenseen mit aeltesten und neuesten Staedten ergeben das Aufeinanderprallen des Pittoresk- Historischen und Sachlich-Modernen, der Sonderheiten von Orient und Okzident, von laengst ueberlebt Geglaubtem und geradezu Morgigem. Das “geistige Klima” des Landes, die uralte Kultur und die taeglich spuerbare Entwicklung eines künstlerischen Lebens in Musik, Theater und bildenden Kuensten, der Geist' des Aufbaus, der aus jedem Teil der . taeglichen Manifestation eines geradezu motorisch schaffenden Volkes spricht, sind' Werte, die den Besucher Israels in hohem Masse fesseln. Alte Baudenkmaeler aus den verschiedensten Epochen sind noch heute Zeugen eines wechselnden Schicksals des biblischen Landes, die zusammen mit vielen Ausgrabungen dem Archaeologen und Kunstfreund bedeutsames Material liefern. Und somit wird es eine Sonderaufgabe der den Fremdenverkehr entwickelnden Instanzen sein, die kulturellen Eigenschaften von Land und Volk fuer den Bezirk des Internationalen auszuwerben, Festspiele biblischer Art, Volkstanz- und Musikfeste zu' organisieren, die der seit jeher aus dem Religioesen kommenden Anziehungskraft des Landes eine neue Note hinzugesellen. Auch das Traditionell-Kultische — ob es sich um das Purim-Fest oder die drei Wallfahrtsfeste handelt — soll baldigst in den Plan einer volksnahen Erneuerung einbezogen werden, von der sowohl der Eingesessene wie der Gast geniessen moegen. Der kulturelle Besitz Israels — im weitesten Sinne des Wortes — ist das Kapital, mit dem der junge Staat am erfolgsichersten auf dem Weltmarkt auftreten kann. Auch der Sport steht an Bedeutung fuer die Verbindung der Laender und Voelker untereinander nicht zurueck, und somit ist auch die geplante 3. Miakkabiah, die grosse Sportveranstaltung, an der sich Juden aus vielen Laendern der Welt beteiligen, .und die im Herbst 1950 in Tel-Aviv statbfinden soll, sehr zu begruessen. Aber die staerkste Attraktion ist heute der Staat Israel an sich, der die Juden aller Weltteile und viele Nichtjuden anzieht und der gewiss von Jahr zu Jahr der Touristik Israels mit dem fortschreitenden Ausbau der technischen Einrichtungen fuer einen Fremdenverkehr eine aufsteigende Entwicklung sichern wird. Karavane in der Abendsonne Wenn diese Zeilen in Druck gehen, duerfte die Zahl der Touristen, die den neuen Staat seit seiner Gruendung im Mai 1948 besuchten, 25.000 ueberschritten haben. Waehrend im Januar 1949 noch die Zahl nur etwa 600 betrug, zeigte der Maerz eine ploetzliche Aufwaertsbewegung auf 1750 und April, der Pessach-Monat, braclite einen Rekord von 2.500 Gaesten. Dass die Kurve in stetigem Steigen verlaeuft. beweist die Tatsache, dass selbst die heissesten Monate Juli und August gleichbleibend nicht weit von 2.700 entfernt sind. Das Jahr 1949 konnte daher mit einer Gesamtzahl von 22.000 abschliessen, einer Zahl, die im Verhaeltnis zur Bewohnerzahl des Land°s gerechnet bereits 40 % der Touristen eines traditionellen Reiselandes wie Frankreich ausmacht. Und dies kurz nach einem Kriege, der alle Kraefte des Volkes Süll DIE SYKOMORE Der Stadtrand von Tblv-Aviv ist bis zu den uralten Baeumen im Duenengebiet vorgerueckt (Fotos: Keren Hajessod) in Anspruch nahm, dies im zweiten Jahre des Bestehens des Staates Israel, einer Zeitspanne, die kaum Moegliohkeiten bot,, systematische Vorbereitungen fuer die Entwicklung eines geordneten Fremdenverkehrs zu treffen. Somit ist es auch mehr als verstaendlich, dass der Besucher heute noch nicht durchweg den Komfort vorfinden kann, der fuer den Globetrotter in der Schweiz, in Frankreich, Holland und Skandinavien oder gar erst in Amerika eine Selbstverstaendlichkeit ist, in Laendern, die oft eine .Jahrhunderte alte Fremdenindustrie entwickeln konnten. Um so mehr ist es mit Genugtuung zu erwaehhen, dass eine Enquete unter den ausreisenden Touristen Israels erwies, dass nahezu 90 % der Besucher ihrer vollen Zufriedenheit ueber ihren Aufenthaltim neuen Staate Ausdruck gaben. Die Aufnahmemoeglichkeiten von Gaesten haengt natuerlicherweiss engstens mit dem Vorhandensein genuegender geeigneter Hotels zusammen. Im Augenblick verfuegen die drei grossen Staedte (Tel-Aviv, Jerusalem, Haifa) ueber gute Hotelzimmer mit einer Aufnahmekapazitaet von etwa 2750 Reisenden. Regierung, “Jewish Agency” und Hotelier-Verband machen alle Anstrengungen, um den Bau neuer und grosser Hotels zu foerdern und auf Grund zur Zeit vorliegender Plaene duerfte damit zu rechnen sein, dass im Laufe der naechsten zwei Jahre die Hotelzimmerzahl sich verdoppelt. Hier liegen grosse Moeglichkeiten fuer auslaendische Investieren, fuer Fachleute, die ihre Erfahrungen aus den heutigen Zentren des Fremdenverkehrs mitbringen. Die Israel-Regierung gewaehrt weitgehend Zoll- und Steuererleichterungen, um einen Ausbau dieser fuer Land und Besucher gleich wichtigen Industrie in groesstem Masse zu beschleunigen. Auch die Verkehrstechnik in diesem Lande, dessen Mandatsregierung keine Anstrengungen gemacht hatte. um die oeffentlichen Transportmittel zu entwickeln, steht vor umwaelzenden Neuerungen. Das Landstrassennetz wird .wesentlich erweitert und moderne amerikanische Autobusse werden in Kuerze den in Unruhe- und Kriegszeiten abgenutzten Wagenbestand der Verkehrsgesellschaften verbessern. Die nunmehr juediSche Eisenbahnverwaltung hat mit starkem Elan die Schaffung eines Schnellbahnsystems in die Wege geleitet und verspricht, innerhalb eines Jahres z. B. die Verbindung Tel-Aviv—Haifa (heute im Auto 2 Stunden) mit neuzeitlichen Elektrodieselmaschinen in 55 Minuten durchfuehren zu koennen. Die internationalen Verbindungswege nach Israel, die als Folge des Krieges vor einem Jahre nur notduerftig aufrechterhalten werden konnten, haben inzwischen sowohl durch israelische Schiffs- und Fluglinien wie auch durch die fuehrenden Gesellschaften Amerikas und Europas eine neue und starke Belebung g=funden, so dass die Haefen von Haifa und Tel-Aviv sowie der moderne Lufthafen von Ludd (Lydda) ihren intensiven Verkehr wiedererhalten haben. Vor allem die Flugzeuge der “El-Al” werden jetzt von Woche zu Woche Touristen aus London, Paris, Zuerich und Rom bringen. So duerfte es kaum eine Frage sein, dass der Touristenstrom nach Israel mehr und mehr steigen wird, dass auch Formen eines volkstümlichen verbilligten Fremdenverkehrs gesucht werden muessen, die vielen schoenen Ideen besonderer Art. wie das Feiern der Bar-Mizwah in Israel oder die Hochzeitsreise nach Israel zur Verwirklichung in grossen Rahm°n verhelfen werden. Die Bevoelkerung des neuen Staates ist sich in wachsendem Masse ihrer Bedeutung als Gastgeber bewusst. Die Juden dar Welt und die Reiselustigen der uebrigen Voelker werden mit offenen Herzen in Israel aufgenommen, sie moegen die Zeugen und — wenn sie wollen — die Mitgestalter eines friedi,"hen Aufbaus sein des einzigen ZieKs. das nach 2.000 jaehriger Wanderschaft eines der aeltesten Voelker dieser Erde sich gestellt hat.