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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1950-04-01 · 4 (Abril, 1950) · p. Seite 9

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XII (1950)
Issue
4 (Abril, 1950)
Date
1950-04-01
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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BOLETIN INFORMATIVO 9 DER ERSTE ABEND DER UNABHAENGIGKEIT Von L. AVIGDOR Israels Armee-Hauptquartier oder besser Haganah-Hauptquartier, wie es damals noch hiess, war ebenso still, gespannt und taetig wie an all den anderen Tagen der letzen Monate. Und doch, dies war ein besonderer Tag, etwas lag in der Luft. Es war der letzte Tag des britischen Mandates in Palaestina, und am Nachmittag sollte die Proklamierung der juedischen Unabhaengigkeit erfolgen. Nur wenige von uns wussten, dass dies im staedtischen Museum von Tel-Aviv vor sich gehen wuerde, denn der Ort wurde geheim gehalten, und einer meiner Freunde im Hauptquartier achtete darauf, dass diese Information nicht durchsickerte und dass die eingeladenen Mitglieder des Staatsrates und andere erst im letzten Augenblick benachrichtigt wuerden. Ebenso traf er eine Verabredung mit den Presse-Leuten einige Kilometer weit weg, sorgte jedoch fuer Transportmittel, um sie zur rechten Zeit an den rechten Ort befoerdern zu koennen. EIN TRAUM WARD WIRLICHKEIT 1897 1. Zion. Kongress in Basel. 1902 Gruendung des KKL auf dem 5. Zionisten Kongress. 1905 Beginn der zweiten Aliah. 1908 Gruendung des Palaestinaamts in Jaffa. 1909 Gruendung von Tel Aviv. 1917 Balfourdeklaration. 1919 3. Aliah. 1920 Gruendung des Keren Hayessod. 1922 Schaffung der Jewish Agency. Mandat ueber Palaestina an England. 1925 Grundsteinlegung zur Hebraeischen Universitaet. 1929 Arabische Unruhen. 1937 1. Teilungsplan (Lord Peel). 1939 Weissbuch. 1944 Schaffung der juedischen Brigade. 1946 Besiedlung des Negew. 1947 Beschluss der UNO, den juedischen Staat zu gruenden. Beginn des Krieges in Palaestina. 1948 Proklamierung des juedischen Staates. ISRAEL UND DER ZIONISMUS David Ben-Gurion, der schon eine lange Zeit fuer die Haganah und nationale Verteidigung verantwortlich war, kam an diesem, dem groessten Tag seiner politischen Laufbahn, wie an jedem anderen Tag in sein Buero im ersten Stock. Mit ihm, wie ein Schatten, kam sein Adjutant, mit dem ich mehrere Jahre bei den Pfadfindern war — wie es mir schien, war dies nur wenige Monate her. waehrend der fruehen Morgenstunden wurde eine Generalstabskonferenz abgehalten, dann begaben sich die verantwortlichen Leiter der verschiedenen Dienstabteilungen wieder in ihre Bueros, von denen einige in anderen Gebaeuden gegenueber in der huegeligen Strasse waren, um ihre Arbeit aufzunehmen. Die Nachrichtenabteilung des Generalstabs war an diesem Tag wohl die beschaeftigst-e. Berichte ueber arabische Truppenkonzentratio n e n an der Grenze liefen in zunehmendem Masse ein. Die feindlichen Truppen waren bereits seit einiger Zeit dort gewesen. Doch diesen Morgen begannen sie sich zu entwickeln. Flugzeugaufnahmen zeigten die Konvois, die sich auf die Grenzen Palaestinas zu bewegten. Feindliche Radiostationen entfalteten eine betraechtliche Aktivitaet, In den Hauptstaedten der arabischen Staaten bereiteten die Zeitungen die Bevoelkerung auf einen kurzen, glorreichen und einbringlichen Feldzug vor. Tags zuvor waren Golda Meyerson, jetzt Minister fuer Arbeit und Wiederaufbau, und Esra Dänin, Ratgeber fuer orientalische Laender, von einer gefa ehrlichen Reise nach Transjordanien zurueckgekommen. Sie hatten Koenig Abdullah gesehen und versucht, ihn zu ueberzeugen, dass es besser waere, keinen Krieg zu fuehren. Es war ihnen nicht gelungen. Der alte Koenig wuenschte seinen Triumph. Wir wussten nun, dass Transjordanien marschieren wuerde, aber wir wollten auch wissen, was die anderen arabischen Staaten beabsichtigten, und die Informationen wurden jetzt durchgegeben; sie waren durchaus nicht ermutigend. Die Araber hatten mehrere Divisionen aufgestellt, einige von ihnen gut motorisiert und mit schweren Panzern ausgeruestet. Wir hatten nur vier unvollstaendige und schlecht bewaffnete Brigaden, ohne Panzer, ohne Artillerie und, was das entmutigendste war. keine redenswerte Flugwaffe. Aber wir hatten Plaene, gute Plaene — und wie die kommenden Wochen beweisen sollten, bewaehrten sie sich bemerkenswert — und wir hofften, dass wir den feindlichen Vormarsch an bestimmten Stellen aufhalten koennten, bis wir unsere neu rekrutieren Leute trainieren und bewaffnen wuerden. Am Nachmittag dieses Tages hatte ich einige offizielle Angelegenheiten in einem der Hauptrekrutierungszentren, nicht weit vom Hauptquartier, zu erledigen. Von allen Seiten stroemten Tausende von Maennern herbei. Wir hatten viele Altersgruppen gleichzeitig aufgerufen, insbesondere ehemalige Soldaten und gewesene Armee-Offiziere. Auf dem einen grossen Platz exerzierten Hunderte, auf dem anderen bildeten sich lange Reihen vor verschiedenen Registrierungsstellen. Hier wurden Ausruestungsgegenstaende ausgegeben — alle Arten von Ausruestungen, es gab noch keine Einheitlichkeit — dort wurden Formulare ausgefuellt, Photographien gemacht usfr. In einer grossen Huette wurden ehemalige Offiziere, die den verschiedensten Armeen angehoert hatten, registriert und erhielten auf der Stelle wichtige Aufgaben. Offiziere mit Kampferfahrung wurden sofort an die Front entsandt, andere wurden Verwaltungsposten oder Ausbildungszentren zugeteilt. Das Ganze wickelte sich erstaunlich glatt ab, und doch sah alles nach Stueckwerk aus. Auf einem schmalen Grasstreifen uebete eine Gruppe von peinlich sauber gekleideten, aber laecherlich “neu” aussehenden Militaerpolizisten die kurze Zeremonie ein, die in wenigen Stunden im Museum vor sich gehen sollte. Der Stabsoffizier im Zentralbuero gratulierte sich zu seinem Erfolg: in den letzten vier Stunden hatte er 16 erfahrene Kompagnie-Kommandeure gefunden. Es wusste, dass einige von ihnen sich als nicht geeignet erweisen wurden, und dass ihre eigene Ueberschaetzung und ihr Ueberenthusiasmus sie veranlasst hatten, ihre Qualifikationen zu uebertreiben; aber es war keine Zeit, sie zu pruefen, und keine Zeit, ihre Angaben zu kontrollieren. Auch einige Maschinengewehrschuetzen mit betraechtlichen Erfahrungen hatten sich gemeldet. Sie wurden gleich in ein Ausbildungslager weitergeschickt. Es regnete Probleme und “Funde”. Eine Gruppe von Experten, meistens aus den Palaestina-Regimentern der britischen Armee, hatte genaue Plaene fuer die Einteilung und Weiterleitung all dieser Mannschaften vorbereitet, die jetzt in den verschiedenen Sammelstellen des ganzen Landes registriert wurden. Jeder Mann erhielt einen Posten, und die meisten erhielten den richtigen. Wieder zurueck im Hauptquartier, fuellte das Radio den Raum mit den Klaengen der Nationalhymne “Hatikwah” und den Ansprachen der Minister waehrend der Unabhaengigkeitserklaerung. Im angrenzenden Raum bearbeitete ein Offizier die Befehle fuer die Verteilung von Munition und Vorraeten fuer die Frontlinien. In seinem Zimmer gab es keine Schreibmaschine, und ein Maedchen mus,r|;e alles unter Benutzung von Kohlenpapier mit der Hand durchschreiben. Nachrichtenmelder kamen und gingen, fuhren die Strasse entlang und verschwanden in der Landschaft mit Befehlen an die Offiziere bei den Truppen. Die warme Luft war gesaettigt mit Erwartung. Jetzt, nachdem der Staat proklamiert worden war, jetzt nachdem wir gehoert hatten, dass es keinen Trick, keine Begrenzung, keinen Hinweis auf einen Kompromiss gab, fuehlten wir uns alle ploetzlich viel besser. Die Arbeit erschien einfacher. Wir merkten, dass wir nicht mehr “Untergrund” waren, sondern die Glieder einer regulaeren Armee. Und waehrend wir immer noch an denselben Tischen, in denselben Raeumen sassen, in denselben und einfachen verschiedenen Uniformen, und dass allmaehlich auf diese Weise sich juedisches Leben und Denken auf der ganzen Welt einheitlich gestaltet. Wir brauchen nicht zu fuerchten, dass man uns einer “doppelten Loyalitaet” beschuldigen wird. Es ist an der Zeit dass wir ein Ende machen mit diesem Argument, das zwar noch selten in der Oeffentlichkeit geaeussert worden ist, das aber an allen Ecken und Enden Gegenstand der Fluesterpropaganda ist. Die Idee, dass es nur eine einzige Loyalitaet gibt, ist unsinnig. Es gibt niemand, der nur eine einzige Loyalitaet besitzt. Die Vision einer einzigen Loyalitaet ist ein spezieller, eigenartiger Begriff, der sich in totalitaeren und barbarischen Staaten herausentwickelt hat. Das Reich Hitlers hatte eine solche Idee zur Grundlage. Es liess nur die Staatsloyalitaet zu und duldete keine Loyalitaet gegenueber Familie, der Kirche, der Klasse oder der Rasse. Wird die Welt diese Grundidee des Nazismus sich zu eigen machen? In einer m0M IPi 2S*imíxM mm Kuestenwache begiebt sich in ihre Stellungen ohne Rang- oder Regimentsabzeichen, fuehlten wir alle, dass wir uns auf einen neuen Weg begaben und ein neues Kapitel der juedischen Geschichte begannen, ein Kapitel, in dem wir die Hauptaktoren sein wuerden. In der Entfernung hoerten wir den Schritt von schweren Marschschuhen. Auf der nahen Strasse fuehren die Autobusse und Autos ihre letzte Runde in die Stadt hinein. Ueber dem Meer im Westen ging die Sonne unter. Der erste Abend der Unabhaengigkeit. Israel hatte begonnen zu existieren. (“Das Neue Israel”, Zuerich) (Von Seite 8) freien und demokratischen Welt weiss jeder Mensch dass es mehr als eine Loyalitaet gibt. Ist doch das menschliche Leben in dem Masse reicher und mannigfaltiger, in dem der Einzelne zahlreiche Loyalitaeten besitzt. Die menschlichen Beziehungen, wie sie ihren Ausdruck finden in den Begriffen Nation, Volk, Religion, Klasse, Freundschaft, Eltern und Kinder, verkoerpern diese verschiedene Loyalitaeten. Natuerlich koennen manchmal diese Loyalitaeten miteinander in Konflikt geraten. Wenn die Eltern miteinander streiten, so geraten die Kinder ganz von selbst in einen Loyalitaetskonflikt. Sowohl die Harmonie wie auch die Moeglichkeit des Konflikts sind also schon in dem Loyalitaetsbegriff enthalten. Die Moeglichkeit, dass die verschiedenen Loyalitaetspflichten einander widersprechen koennen, waechst in dem Masse, in dem sich die Zivilisation entwickelt und in dem sich der Kreis der menschlichen Taetigkeit erweitert. Aber jedes Problem oder jeder Konflikt, der aus den verschiedenen Loyalitaeten erwachsen koennte, laesst sich, sobald die eine oder andere Loyalitaet davon Schaden leiden muesste, beseitigen. Es waere sicherlich absurd zu behaupten, dass man eine legitime, also gewissermassen eingeborene Loyalitaet deswegen aufgeben muesse, weil in einem gewissen Moment und unter gewissen Umstaenden sich ein Konflikt mit einer anderen Loyalitaet ergeben koennte. Sind die Millionen Polen, die in den Vereinigten Staaten leben oder die Millionen Italiener, die in Südamerika hausen, deswegen weniger loyale Staatsbuerger ihrer Adoptivlaender, weil sie aufs Tiefste mit ihren Ursprungslaendern verwachsen sind und fuer diese eine grosse und oft sogar fanatische Liebe hegen? Wenn alle diejenigen, die noch andere Loyalitaeten aufzuweisen haben, als schlechte Staatsbuerger anzusehen sind, wer ist dann in den Vereinigten Staaten z.B. ein guter Staatsbuerger? , Es ist klar, dass wir den Mut haben muessen, offen zu erklaeren: unsere Loyalitaet gegen den Staat von Israel ist nicht eine juristische oder politische Loyalitaet. sondern lediglich eine geistige und moralische. Es ist vor allem aber auch notwendig, jedem Juden das Verantwortlichkeitsgefuehl einzuhaemmem, dass er sich mitverantwortlich fuehlt fuer die Zukunft von Israel und jedem Staatsbuerger von Israel das Gefuehl dafuer, dass er auch die Verantwortung traegt fuer die nicht in Israel wohnenden Juden der gesamten Welt. (“Israel jr America Latina”, Uebersetzt von R. W.)

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