Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XII (1950)
- Issue
- 3 (Marzo, 1950)
- Date
- 1950-03-01
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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BOLETIN INFORMATIVO 3 VORSCHRIFTEN FUER PESSACH 1. ) Bedikass chomez (chomez einsammeln) ist Donnerstag abend. 2. ) Das Lernen fuer die Erstgeborenen ist Freitag nach dem Morgen-Gottesdienst. 3. ) Die Zutaten fuer den Sedertisch muessen am Freitag vor Schabbos eingeholt und vorbereitet werden. 4. ) Der Sedertisch selbst darf erst nach Schabbos-Ausgang gedeckt werden.' 5. ) Die Challoh muessen Donnerstag gebacken werden. Wer fertige Challo benuetzt, muss Freitag vormittag Challo nehmen und das Stueck wegschaffen. Auch die Challo von Matzot muss Freitag abgenommen und weggeschafit werden. Das Essen fuer Freitag mittag, Freitag abend und Schabbos frueh wird in Jomtofgeschirr gekocht und vorsichtig bei Gebrauch ausserhalb der Kueche in das extra fuer diese Mahlzeiten zurueckgehaltene Chomezgieschirr umgegossen; man nehme nur soviel Essen als man fuer die jeweilige Mahlzeit braucht; das Pessachgeschirr muss sofort in die Kueche zurueck und darf nicht den Tisch beruehren, wo das Chomezgeschirr steht. Nur auf diesem Chomeztisch darf Kiddusch gemacht werden und die Barches mit dem Chomezessen gegessen werden mit nur Chomezgeschirr. Das Chomezgeschirr muss nach jeder Mahlzeit abgespuelt und weggelegt werden. 'MM *3^ Mí» ¿ «. .! Jemenitische Juden beim Vorbe- Und am Seder-Tisch, zum ersten reiten des Seder-Abends und Backen Male in der Freiheit, der Matzoth. UNSERE Waltet in solcher Geschichtsbetrachtung ein maechtiger religionspaedagogischer Einfluss, so ist die Bedeutung des “Lernens” innerhalb der Hagadah kaum minder hoch anzuschlagen: Hat sie doch einen Hauch des talmudischen Wissens, seiner Methoden und Inhalte noch bis an des ungelehrtesten Juden Pessach-Tisch herangetragen. Mannigfach waren die Klammern, die verhindern wollten, dass sich eine Schicht der Gelehrten vom einfachen Volk trenne: die staerkste und wirkungsmaechtigste von ihnen war und ist die Hagadah. Wer sie noch versteht und seinen Kindern und Gaesten noch erklaeren kann, der ist noch nicht voellig aus jener Welt ausgeschieden, der sie in ihren aeltesten Schichten entstammt: aus der Welt des halachischen Midrasch (jener freien Bibelerklaerungen mit wesentlich religioes-gesetzlicher Absicht aus den frueh-christlichen Jahrhunderten), der Mischnah und des Talmuds. Ja, es scheint beinahe, als habe eine paedagogische Hand mit weiser Bewusstheit verschiedene Typen jenes Lernens mit mindestens je einem Beispiele in dem Buechlein heimisch gemacht. So hoeren wir z. B. die folgenden Ueberlegungen. “Jachol” (man koennte meinen) merosch chodesch (dass man des Auszugs aus Aegypten vom ersten Tage des Pessachmonats Nissan an in besonderer Form zu gedenken habe), talmud lomar (die Thora lehrt uns deshalb), bajom hahu (“an HAGADAH Von Seite 1 jenem Tage”, d. h., wie spaeter er. klaert wird, am Abend des Tages, wo Mazzah und Bitterkraut vor uns liegen). Wer den hier angedeuteten Absatz genau liest und zu erfassen sucht, haelt ein methodisch wichtiges Stueck rabbinischer Bibelexegese in Haenden. Man erkennt zunaechst die prinzipielle Voraussetzung (in dieser ausschliesslichen Schaerfe Eigentum des in der Hagadah erwaehnten Rabbi Akiba), dass jedes einzelne Wort in der Thora seine ganz besondere Bedeutung habe und also deutungsbeduerftig sei. Nichts ist “gleichsam wie in der Sprache der Menschenkinder gesprochen”, wie Rabbi Jischmael, Akibas grosser Gegner, fuer bestimmte Faelle annahm. Man wird dann aber weiter feststellen, dass der Schriftbeweis nicht logisch bis zu Ende gefuehrt wird, sondern bei der Tatsache halt macht, dass Mazzah und Bitterkraut eben am Abend des 14. Nissan vor uns liegen. Wer dagegen einwendet, dies gerade sei VERTEILUNG VON MAZZOTH Die Gemeinde wird auch in diesem Jahr wieder Mazzoth an Beduerftige zur Verteilung bringen. Entsprechende Wuen. sche bitten wir im Gemeindesekretariat, Portugal 810, bis zum 23. Maerz anzumelden. DURCH DIE JAHRTAUSENDE... -rr --- - KR sss-ssr p —•t: ~r- •t:, •«Wiss»: ÄH# Eine alte Pessach-Hagadah und andere Ritualobjekte, die sich im JtSezalel-Museum befinden. ja zu beweisen, uebersieht eben, dass hier, wie so oft (wenigstens nach des Maimonides Ansicht), Brauch und Gesetz nicht aus dem Thorawort abgeleitet, sondern nachtraeglich daruf gestuetzt werden. In aehnlicher Weise bietet jedes der Lernstuecke reichlichen Anlass zu Fragenstellung, Diskussion und weiterfuehrender Vertiefung. Wie grossartig ist z. B. die Charakteristik das jugendlichen und offenbar nicht sehr gelehrten Rabbi Elieser Ben Asarja, der nur “wie ein 70 jaehriger ist”, weil er, statt des gewaltigen und strengen Raban Gamaliel als Lueckenbuesser zum Vorsitzenden des Gerichtshofes beruefen, die aeusseren Zeichen der Alters, das weisse Haar, im Schlafe geschenkt erhaelt: ohne sie haette er im Volke der Altersehrung sein hohes Amt nicht ueben koennen. Aber er muss gestehen dass ihm eine wichtige Ableitung aus der Bibel unzugaenglich blieb, bis sie ein Groesserer, Rabbi Tarphon, fand. All das was wir geschichtlich von Rabbi Elieser Ben Asarja wissen naemlich, dass er bald den Vorsitz nicht mehr allein verwalten konnte, sondern mit dem zurueckgerufenen Raban Gamaliel teilen musste, schimmert durch die Unselbstaendigkeit dieser seiner einzi. gen Aeusserung in unserer Hagadah. Die Beweisfuehrung selbst, die Rabbi Tarphon bringt, stellt auch diesen Lehrer wiederum in die intensive Deutungstechnik der Schule Rabbi Akibas hinein — geht doch alles um den Sinn des Woertchens “kol” —, zeigt aber zugleich in dem Widerspruch, den seine Auffassung dieses Wortes bei den Weisen findet, einen weiteren Charakterzug solchen Lernens: den Charakter der Diskussion. Diese wenigen Andeutungen moegen eine ungefaehre Vorstellung von dem Beziehungsreichtum der Hagadah geben. “MB.” Uralte Sehnsucht... Von Seite 1 jetzt unbehindert und ohne “aeus. sere Knechtschaft”, fuer ihr Volk sprechen und sein Schicksal gestal. ten koennen, eine umso groessere Verantwortung auf Und zwar gerade Verantwortung fuer die Treue zu dem Ideal, fuer das sie gekaempft und das sie im Munde gefuehrt haben: das Ideal der Freiheit. So ist es mit uns Juden, und mit dem Pessachfest. Niemand, kein Volk, hat in so intensiver Weise und unter so phantastisch unwahr, scheinlichen aeusseren Bedingungen von der Freiheit getraeumt wie wir. Niemand hat etwas aehnliches, was unserem Pessachfest vergleichbar waere — wo de:; Anfang des Jahres, das Kommen des Fruehlings, die Auferstehung der Natur, zusammen, faellt mit dem Anfang der nationalen Geschichte, der ersten Erringung der Freiheit und mit der Auferstehung der nach Freiheit lechzenden Menschenseele. Und nun mit einem Male ist eine grosse aeussere und innere Wandlung vor sich gegangen. Wir stehen an einem neuen Anfang. Wir haben uns zu fragen, was bedeutet Freiheit fuer uns, und wozu verpflichtet sie uns? Warum ist unterschieden dieser Pessach von allen anderen Pessachim, die vorher waren? Wohin geht unser Weg? Wohin? Wir waeren nicht die echten Erben derer, die aus Aegypten gezogen und durch das Rote Meer geschritten sind, wenn diese Frage uns nicht mit Bangigkeit erfuellte, und wenn wir nicht' ausschauten nach der Feuersaeule, die uns fuehrt. “Mitteilungsblatt” des Irgun Olej Merkas Europa, Tel Aviv. HELFT DEN GEKEINDEBAÜ VOLLENDEN!