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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1949-11-01 · 11 (Noviembre, 1949) · p. Seite 10

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XI (1949)
Issue
11 (Noviembre, 1949)
Date
1949-11-01
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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10 BOLETIN INFORMATIVO NIEMALS VERGESSEN! , VK wlt W*- Deutscher Humor, 1938 ZWEIFACHE JUDENSCHICKSALE VERBRANNTE BUECHER - ERMORDETE AUTOREN Ich befinde mich zur Zeit auf einer Reise durch Deutschland und habe es als meine Pflicht angesehen, nicht nur die generellen Klagen der Juden in Deutschland zur Kenntnis zu nehmen, sondern durch Faelle, die nachgeprueft worden sind, durch unwiderlegbare Fakten zu beweisen, wie viel Unrecht noch heute, vier Jahre nach dem Ende der Hitler- Diktatur, den Juden angetan wird. Da ist der Fall eines Frankfurter Juden, der im Jahre 1933 nach Holland emigrierte. Er hat Frau und Kinder in den Todeslagern des dritten Reiches verloren, sein Besitztum in Frankfurt ist beschlagnahmt worden. Natuerlich hat ihm _die Hitler- Regierung keinen Pfennig Entschaedigung dafuer bezahlt. Als dieses Opfer einer grausamen Diktatur im Jahre 1946 nach Deutschland zurueckkehrte, fand es seine Wohnung von dem Dienst irgend einer Mission besetzt, deren wirkliche Aktivitaet schwer zu entziffern war. Er beantragte, ihm seine Wohnung freizugeben und erwartete als naiver Optimist eine umgehende positive Regelung. Er erhielt einen abschlaegigen Bescheid. Inzwischen ist die Mission aufgeloest worden. Seine Wohnung ist leer und verfaellt, aber sie bleibt beschlagnahmt. Irgend ein buerokratischer Wahnsinn verhindert die logische Abwicklung dieser Affaere. Der vertriebene Jude lebte in einem Notquartier, in seiner einstigen behaglichen Wohnung, ueber der C * 1 Siegel der Beschlagnahme prunkt, hausen die Ratten. Ein sogenannter Halbjude (Mischling) hatte sich die ganze Zeit in Hamburg unter verschiedenen Tarnungen halten koennen. Er besass eine Fabrik, sie war beschlagnahmt v/orden. Als er nach Beendigung des Krieges seinen berechtigten Anspruch geltend machte, fand man die zustaendigen Akten nicht mehr; sie waren einem Bomben- Angriff zum Opfer gefallen. Der augenblickliche Besitzer der Fabrik behauptet, sie rechtsgueltig erworben zu haben. Der beraubte Halbjude wird abgewiesen, weil der Krieg die Beweise seines Anspruches vernichtet hat. Gesetz muss Gesetz bleiben, aber hier wird das Gesetz zur offenbaren Provokation des gesunden Menschenverstandes. Ein Berliner Jude, der im Ostsektor wohnte, emigrierte 1934 nach Belgien, wurde 1942 von der Gestapo verhaftet und nach Dachau deriortiert. Er besass im Ostsektor in Berlin-Lichtenberg eine gutgehende OPFER IN DEUTSCHLAND on KURT KAISERBLUETH (Paris) Konservenfabrik, die ihm seinerzeit nach den Raffgesetzen des Dritten Reiches gestohlen wurde. Als er nach dem Kriege befreit wurde und nach Berlin zurueckkam, war seine Fabrik Eigentum der russischen Militaerbehoerde geworden. Als er seinen Anspruch geltend machte, wurde er zurueckgewiesen. Die Fabrik wurde ihm zum zweiten Male geraubt. Dieses Mal, nicht weil er Jude, sondern weil er Kapitalist war. Was aber dieser Geschichte die sarkastische Note gibt, ist die Tatsache, dass die Russen einen deutschen Zwangsverwalter in der Fabrik eingesetzt hatten, der als ihr Vertrauensmann fungierte. Dieser Vertrauensmann der Bolschewistischen Behoerden war nachweisbar ein ehemaliger SA-Mann, der sehr aktiv an Juden-Verfolgungen beteiligt war und sich spaeter auf unergründlichen Wegen als professioneller Spitzel in den Dienst der einrueckenden Russen stellen konnte. Sein schlechtes Gewissen verpflichtete ihn, als Denunziant seiner ehemaligen SA-Kameraden den Russen wertvollste Angeber-Dienste zu leisten. Die Schandtat findet ihren gerechten Lohn. Der Mann marschiert wie vorher mit ruhig festem Schritt durch die Raeume der dem Juden gestohlenen Fabrik, wobei er nur, gleichsam aus Farbenblindheit oder aus Versehen, die Farbe seines Hemdes gewechselt hat. Ein Fall aus Chemnitz ist noch haarstraeubender. Ein Jude wird im Jahre 1936 von einem aktiven Nazi aus seiner Wohnung herausgedraengt und emigriert kurz darnach ins Ausland. Als er im Jahre 1947 zurueckkehrt, um in seine Wohnung einzuziehen, erhaelt er seine Wohnung zwar nicht, aber er wird von einem Gerichtsvollzieher belaestigt, der von ihm verlangt, die rueckstaendigen Mieten seit 1937 zu bezahlen. Der aktive Nazi war seelenruhig in der Wohnung geblieben und hatte nur — aus Zerstreutheit, vergessen, die Miete zu bezahlen. Der Jude will den Raeuber aus seiner Wohnung werfen, aber das gelingt ihm keineswegs, der wendige “alte Kaempfer” praesen. tiert eine Mitgliedskarte des “Verbandes der Opfer des Faschismus’’, die er sich, der Himmel weiss wie, erschwindelt hat. Ein Gerichtsbeschluss gibt dem Nazi, der sein eigenes Opfer sein will, recht; der Jude muss weiter in einer duerftigen Notbehausung sein Leben fristen. In Baden-Baden lebt Herr Dr. C., ebenfalls ein Mischling, der sich waehrend des Krieges unter den Ein Bericht ueber das Schicksal einiger Der Berliner Dichter Georg Herrmann, der Verfasser des Romans “Jettchen Gebert”, hat zunaechst in Holland Unterkunft gefunden, wo er von Freunden von der Gestapo verborgen gehalten wurde. Doch schliesslich teilte er das Schicksal vieler anderer Juden, die Zuflucht in Holland gefunden hatten. Eine Zeitlang wurde er im Transitlager von Westerbroek . gefangen gehalten. Hollaendische Wissenschaftler u. Schriftsteller setzten sich fuer seine Freilassung ein. Der Erfolg dieses Gesuchs war, dass Georg Herrmann sofort nach dem Osten deportiert wurde, wo er den Tod in einem der Verniehtungslaeger fand. Kurz vor seiner Verhaftung gelang es ihm, seinen letzten Roman “Die etruskische Vase” zu vollenden. In diesem Buch schreibt er die Biographie seiner Bruders, Heinrich Borchardt, eines Berliner Architekten, dem es gelang, nach Rom auszuwandern, wo er enttaeuscht und vereinsamt gestorben ist. Auch Georg Herrmanns aelterer Bruder, der Be. .ruehmte Aegyptologe Prof. Ludwig schwierigsten Umstaenden durchschlug und fast sein gesamtes mobiles Vermoegen eingebuesst hat. Er konnte sich nur durch ein Wunder vor dem Zugriff der Gestapo retten. Es ist durchaus normal, dass seine Villa nach Kriegsende requiriert wurde, da C. von Baden-Baden, abwesend war. Als C. den Oberbuergermeister von Baden-Baden Dr. Schlat>er, um Intervention bat, sagte dieser Mann, der offenbar eine seltsame Auffassung von Hitlers KZ-Opfern hat: “Ich bin ja kein Unmensch und ich will versuchen, Ihnen zu helfen. Aber sagen Sie um Himmelswillen Niemandem, dass Sie ein “Opfer des Faschismus” sind. Dann ist alles verloren. Denn in dieser Organisation gib es doch nur Strolche, Diebe und Banditen”. In Leipzig ist ein frueherer hoeherer Offizier der Hitler-Armee von den Russen in einer Villa installiert worden, die einem 1933 vertriebenen Juden gehoert hat. Dieser Offizier war frueher einer der eifrigsten Nazis und hat sich nach Kriegsende in Blitzkursen zum linientreuen Stalinisten umschulen lassen. Er ist heute Vertrauensmann der russischen Besatzungsbehoerden und liiert mit allen Kommandostellen. Der Jude war im Jahre 1945 zu. rueckgekommen, um von seiner Wohnung Besitz zu nehmen. Er intervenierte bei allen Behoerdep, er belagerte die russischen Kommandosteli len. Alles ohne Erfolg. Er insistierte. Man bedeutete ihm, dass er nicht weiter laestig fallen sollte. Der mit Recht Empoerte liess sich nicht abschrecken und insistierte" weiter. Bis man ihn schliesslich in Haft nahm und in ein Konzentrationslager steckte. Weil die Tatsache, dass er einen unrechtsmaessig in seine Wohnung eingedrungenen Nazioffizier wieder heraussetzen wollte, die Sicherheit der sowjetrussischen Bezatzungsbehoerden gefaehrdete”. Es ist wirkungsvoller, diese Dinge nicht zu kommentieren, und es bedarf des genialen Griffels eines gerissenen Satyrikers, um diese Fakten, die Menschenschicksale bedeuten, in das rechte Licht zu ruecken. Die zweifachen Opfer der letzten 17 Jahre, die Opfer Hitlers und die Opfer der Befreier der Welt vom Hitlerismus brauchen nicht pathetisch anzuklagen. Sie lassen die Tatsachen sprechen. (“Jedioth Chadaschoth”) juedlscher Dichter und Schriftsteller Von KARL ESCHER Borchardt ist nicht mehr am Leben. Sein grosses Werk: “Die Ausgrabung von Tell’amarna” machte seinen Namen unsterblich. Das schoenste Stueck der ausgegrabenen Schaetze ist der jetzt weltberuehmteKoepf der Koenigin Nofretete. Der juedische Dichter Alfred Mom. bert, der in Heidelberg lebte, hatte ein etwas milderes Schicksal. Er wurde in ein Lager in Suedfrankreich geschickt, wo es ihm gelang, sein monumentales Epos “Sfaira der Alte” zu vollenden. Schweizer Freunden gelang es, durch Stellung einer Kaution von 300,000 Mark, die Befreiung des Dichters zu erreichen. Alfred Mombert erholte sich an der Riviera und ging dann zu seinen Freunden in die Schweiz. Doch sein geschwaechter Koerper konnte die Folgen der ausgestandenen Leiden nicht ueberwinden. Er starb in Winterthur. Richard Beer.Hofmann, der vollendete Meister des Verses, der Schoepfer der biblischen Dramen “Jakobs Traum” und “Der junge David”, starb in Amerika. Er war von Wien nach den Vereinigten Staaten geflohen. Der Dichter Alfred Wolfenstein, Herausgeber des Jahrbuchs “Die Erhebung”, ging in Paris “Untergrund”. Nach der Befreiung Frankreichs erlag sein durch die staendige Spannung erschoepfter Koerper einer tueckischen Krankheit. Durch sein Buch “Juedisches Wesen und deutsches Wesen” ist er uns Juden teuer geworden. Arno Nadéis Leben wurde in einem polnischen Vernichtungslager zu einem vorzeitigen Ende gebracht. Er war Dichter, Musiker und Maler. Seine Malereien sind wahrscheinlich verloren, dagegen sind einige musikalische Manuskripte erhalten geblieben. Der Dichter Ernst Weiss nahm sich das Lebens, als seine Verfolger in Paris einzogen, wo er Zuflucht gesucht hatte. Egon Friedeil, der brillante Wiener Essayist und Kritiker, warf sich aus dem Fenster des Gefaengnisses, in dem er schmachtete. Joseph Roth starb in einem der Schreckenslaeger. Seine beiden Romane “Hiob” und “Radetzkymarsch” werden fortleben. Theodor Wolff, viele Jahre lang der Chefredakteur des “Berliner Tageblatt”, starb in Sachsenhausen. Die Welt hoerte seine Worte und respektierte seine Meinung, aber sie folgte nicht seinen weisen Prophezeiungen. Er war nach Paris geflohen, wo er vor seinem Ende zwei wichtige Buecher schrieb. Sie behandeln die deutsche Politik und ihre Abirrungen. Es gelang ihm nicht, vor seinen Verfolgern rechtzeitig zu fliehen, und er wurde nach Deutschland zurueck gebracht. Georg Bernard der andere prominente deutsche Journalist, hatte mehr Glueck. Es gelang ihm zur rechten Zeit von Frankreich nach den Vereinigten Staaten zu entkommen. Er starb in Amerika nach kurzer Krankheit. Ein anderer Berliner Journalist, an dem erinnert werden musst, ist Monty Jacobs, der ausgezeichnete dramatische Kritiker der “Vossischen Zeitung”, der in London starb. Carl Einstein, der Berliner Kunsthistoriker starb in Suedfrankreich durch Selbstmord. Gegangen sind so viele andere, deren Ende wir nicht kennen. AJR, Information (London)

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