Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XI (1949)
- Issue
- 11 (Noviembre, 1949)
- Date
- 1949-11-01
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 77% known words query
- IRI
…/8553624-8553773-9191125--0273-8553924- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
BOLETIN INFORMATIVO 11 “WIEDERGUTMACHUNG” IN DEUTSCHLAND Von Dr. ERICH LION Wir beginnen in dieser, dem Ende des Judentums in Deutschland gewidmeten Nummer, mit der Veroeffentlichung des nachfolgenden Artikels, um den wir angesichts der grossen Bedeutung dieses Problems Herrn Dr. Erich Lion gebeten haben. DIE PRESSE-KOMMISSTON Durch lueckenhafte und unpraezise Veroeffentlichungen auf dem Gebiet des Themas sind so viel Irrtuemer unter den Betroffenen erzeugt worden, dass eine gewisse Klaerung im Kreise der Leser des “Boletin” versucht werden soll, um noch mehr Verluste durch Unkenntnis und Gleichgueltigkeit zu vermeiden. Der Bericht erhebt nicht den Anspruch darauf, absolut vollstaendig zu sein. Dazu reicht der Raum nicht aus. Er behandelt die wichtigsten Fragen, wie sie fuer Emigranten von Interesse sein muessen. Natuerlich kann nicht jeder Leser gerade seinen speziellen Fall behandelt finden. Der Begriff “Wiedergutmachung” ist im Laufe der Jahre vieldeutig geworden. Er ist jetzt der “allgemeine” Begriff, waehrend “Rueckerstattung” und “Entschaedigung” Unterbegriffe geworden sind. Der erstere Unterbegriff bezieht sich auf die Rueckgabe sog. identifizierbarer Gegenstaende, wie Grundstuecke, Geschaefte, Wertpapiere, Kostbarkeiten, Moebel, etc. Auf diese Materie erstreckte sich bis vor kurzem allein die Gesetzgebung. Erst ganz neuerlich ist das weit groessere Gebiet der “Entschaedigung” durch das neue Gesetz fuer die Amerikanische westdeutsche Besatzungszone hinzugetreten (Leben, Koerperschaeden, Vermoegensschaeden, z.B. Ersatz fuer unberechtigte Abgaben- und Steuererhebung, Verlust der Beamtenqualitaet, der Freien Berufsausuebung, Pensionen, etc.). A. RUECKERSTATTÜNG IDENTIFIZIERBARER GEGENSTAENDE I. Amerikanische Besatzungszone Westdeutschlands 1.) Rueckerstattungspflicht Das Militaergesetz N.o 59 formulierte als erstes das Recht der Rückerstattung der feststellbaren Gegenstaende, die in der Zeit vom 30.1.33 bis 8.5.45 aus Gruenden der Rasse, Religion, Nationalitaet, Weltanschauung oder politischen Gegnerschaft gegen den Nationalsozialismus “entzogen” worden sind, d. h. entweder durch Staatsakt oder Massnahmen der Nationalsozialistischen Organe oder infolge eines gegen die guten Sitten verstossenden Rechtsgeschaeftes oder einer Drohung oder einer widerrechtlichen Wegnahme oder einer sonstigen unerlaubten Handlung. Der weitaus groesste Teil, der uns Emigranten interessiert, betrifft die Verkaeufe von Grundstuecken und Geschaeften und dergl., die aeusserlich in die Formen eines gueltigen Vertrages gekleidet waren. Um diese Faelle zu erfassen, bestimmt das Gesetz, dass Gegenstaende, die Angehoerigen der oben erwaehnten Gruppen (d.h. vorwiegend Juden) “entzogen” worden sind, zurueckzuerstatten sind, und es wird die gesetzliche Vermutung aufgestellt (d.h. Geschaedigte der braucht dies nicht zu beweisen), dass eine unzulaessige, also zur Rückerstattung verpfl i c h t e n d e Handlung immer dann vorliege, wenn in der oben erwaehnten Frist von einer Person, die einer der erwaehnten Gruppep angehoert, abgeschlossen oder eine Massnahme einer Behoerde oder Organisation gegen sie vorgenommen worden ist. Der andere Teil kann die Vermutung nur dadurch widerlegen, dass er beweist, dass er einen angemes* senen Kaufpreis gezahlt hat und (kumulativ) der Veraeusserer die freie Verfuegung ueber den Kaufpreis erlangt hat. Fuer Geschaeftsverkaeufe gilt noch die Bestimmung, dass der Kaufpreis dann nicht angemessen war, wenn nicht der Firmenwert (good will) mit beruecksichtigt worden ist. Wird schon in der Mehrzahl der Faelle die Angemessenheit des Kaufpreises nicht vorhanden gewesen sein, so ist es erst recht nicht die freie Verfuegung des juedischen Veraeusserers. Ganz regelmaessig wurde der Kaufpreis auf das gesperrte Konto eingezahlt, von dem dann die unzu laessigen Abgaben, Steuern etc. entnommen wurden. Aber selbst fuer die (seltenen) Faelle, in denen so wohl ein angemessener Kaufpreis gezahlt worden, als auch dieser zur freien Verfuegung des Veraeusserers gelangt ist —man denke an Zahlung im devisenfreien Ausland—, gibt das Gesetz noch die Moeglich. keit einer “Anfechtung”, wenn das Rechtsgeschaeft in der Zeit vom 15.9.35. (Nuernberger Parteitag) bis zum 8.5.45 abgeschlossen ist. Der Gegner kann in diesem Falle die Anfechtung nur damit bekaempfen, dass er beweist, dass das Rechtsgeschaeft auch ohne die Herrschaft des Nationalsozialismus abgeschlossen worden waere oder der Erwerber die Interessen des anderen Teils in “besonderer Weise und mit wesentlichem Erfolge, insbesondere durch Mitwirkung bei der Vermoegensuebertragung ins Ausland oder durch aehnliche Massnahmen wahrgenommen hat”. Neben dem Gegenstand sind auch die vom frueheren Erwerber gezogenen Nutzungen herauszugeben, wobei das Gesetz ebenso wie im Falle der Unmoeglichkeit der Herausgabe einen komplizierten Unterschied zwischen “schwerer” und “einfacher” Entziehung macht, der sich praktisch jedoch generell nicht sehr auswirken wird. 2.) Wahlrecht auf Nachzahlung Der Berechtigte hat das Recht, anstatt der Rueckgewaehr des Gegenstandes und der Nutzungen den Unterschied zwischen dem erlangten Entgelt und dem “angemessenen” Preis nachzuverlangen, ferner Zinsen. Dieses Wahlrecht erlischt, wenn dem Berechtigten der Gegenstand rechtskraeftig zuerkannt ist, PtM 30 Pfau## ÜJatSftnbiätt jum Stampfe um bie. -t&afjrffeit * HtBAUSOEBEB l 3UUUS STREICHER RauuMT 1 ,5*4»! tlarnbirg, im QUi 1934 li. Ja»* 1934 jjMififctt *3Her6plqn otorn die aicfrfiädtfdpt äßtafdbfieit anfgedeeff PC tai 9MtdtmU t»» (Jubtn At|)tP (n ter (ternam tttll tn (tum N<&* tuo PrtbaAi iPtr itu mAi Imiu. ter toral b* Ju» brnfiaft nldu. V« t » rtuten na. «n|UH W« ©rtnrtA $d*i <(balte Pfltfttmnp t* tetAwAt-. .,31« 8slt. bal IdMoi Uiuititii «i(l »a» *lwn fcol.n Ualfaiai »U l.n,,« ‘’nfc,1 tet I* au( Hn »tet ®*l<4 tt* migtt*utTl'4* tih«»* tV« |p| Butemitn jw.b bl* ijubt" Prtjobm rtetb. um n« Itum blrifl Coli tn cintm anteitu Cufitl. *i tn ibnrn iikti nui n« « jtnjitiort. Itlrfun (iraiwttnbcl «ait. n |i<bt tn iUcn ti<ibt*4«( snb IRJtbtt trab Ttnltl tn Wtnlftjf »jtaoll llnb «4 flter- Iroibii ijn jtytn btllfl }‘o(l r<n VUign 8crm uni coitn «‘ttbaibt n em te* Juten fhten, 'B ter tel Tlmfdltnmotb*» ¿1» rotrN» tetUbugl. tOiiidj. (Hnb.t snD nlduiilbKA* 9r»«4i!m« as (14 $n letf.n (I. pi IdUaAUA uni lin.a lal IHal oitainfltn- Cu atretn irpAitgi ttrlti tMgt li et*!9ayn fuit* 9*<4utttrl tticti u en(o4tn ani cuA i»"Wff* ftbrt* gUubUdf* 3oui<r.I Bamtl *o irdb.n iit afrb.n te- JlAiiM tbt* Crftr b*fun£ni b'* (Mnin, ftohd firAlar is Birrtrrn uni;ii feli.rti Uni «dimb teri»! Ralirtri Ttobnnjm 0144« nb (IrrvOntAunirn jf|ni ter fUA'|uD*n suljutta^rn tuln planmifetj tefnttenc I5.nld]inmo(b bal «m* tejmtetr CijTvt)"“"#- « te‘bt - vusalvwri * tii -liSiliin eom lublitJxn iHttualmati tB |4o" tsu rnte 0(1 a» (9 Is OU 0P-« te* ^ubm Iflbl» IW6," babm «I ecn i/tntrohon ju Qkndot.sn ilbrrrraam 9* 10 uni iuiA &Ac(tni ilterlirlnt 3l iB »tei ni n brr bidtm I<oli*ms|lt »orbonten 3" ttn »aBafhfint (lifci man sui Wdti Otli<» tte« IptnA Don ibm ju (rintm (Inltl Uni bidn metet trug .« n*ut! au| irvnWr uni ftintelfintet. ternb« H |id) tn* juffi bnilljrn Isp Q* ili Avtb in te» «ntetrti Pilf«» terte”te» IP* itrgfiioo m brt ®r|( tinr IVvtf grfunten sub tet bk anjniim tel llhruafiruite» tldgt. rrtei* IW) |o)®rt taut mb proli bt* UnOagt?tt nifprt ftA Qtemll aut J*nt n bi* 'Cv"brtW unb abftlnintettt 8« 'bilrni, Sldmmra unb Otallni bancbnto ten OrbhaU. Tt-rmanb tentt baran. |« tel p(ou]BA6t0tn AinitTtnsttal teldjulbigm uni ||* st* nirbcresltpi bcg(v]pTfs. rn fiutm ftllnn rmtb bitit tnflogt aul tCtai Cifftm rtugegrngrlAltubczl. Unb terit grefer IBinn« boteu rlsifccnepicc I fa(4) 41* Bobrtauftnite engen 1ad, gtOtemro Rt»» folgtod, RUnfAisilsi t>« BAI une b*utc aed) im Hoiftn, r* (legt aa <ua» Ale 9«of»le»rot jo pecfta Die Jaden sind unser Unglück! Streichers Hetzblatt oder wenn eine Sachentscheidung der Wiedergutmachungsbehoerde ergangen oder wenn eine anderweitige Einigung stattgefunden hat. 3.) Pflichten des Zurueckerwerbenden Im Prinzip hat er den vom Zurueckgebenden gezahlten Kaufpreis zurueckzuzahlen und die Betraege zu vergueten, die der Kaeufer in der Zwischenzeit zur Beseitigung von Lasten, insbesondere Hypotheken eines Gruendstuecks, aufgewendet hat. Dieses Prinzip wird jedoch in der grossen Mehrzahl der Faelle ins Gegenteil verkehrt durch die weite, re Bestimmung, dass insoweit eine Rueckverguetung nicht zu erfolgen braucht, als der fruehere Verkaeufer den Kaufpreis nicht zur freien Verfuegung erlangt habe. Was “freie Verfuegung” bedeutet, sein an folgendem Beispiel erlaeutert: A hat ein Grundstueck im Werte von RM 150.000.— fuer 100.000.— im Jahre 1938 verkauft. Der Kaeufer B hat den Betrag auf das Sperrkonto des A eingezahlt. Davon mussten gezahlt werden: RM 60.000.— fuer I Reichsfluchtsteuer. RM 20.000 —! fuer die Judenvermoegensabgabe I und RM 10.000.— an die Golddis. 1 kontbank gegen die Erlaubnis, die j Wohnungseinrichtung etc. mitneh- (Fortsetzung auf Seite 13) 9. November 1938: Auf dem Wege ins K.Z,