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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1949-11-01 · 11 (Noviembre, 1949) · p. Seite 9

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XI (1949)
Issue
11 (Noviembre, 1949)
Date
1949-11-01
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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BOLETIN INFORMATIVO 9 JAFFA BEI NACHT Das Schwimmen in Tel Aviv ist wirklich kein “reines” Vergnuegen mehr —die kurzen Kanalrohre und Jetzt noch diese angebliche Nilstroemung (den Aegyptern waere es glatt zuzutrauen)...— Wir waren besonders interessiert, als uns ein Ortskundiger vom wunderbaren Strand Jaffas erzaehlte. Ich war nicht in Jaffa gewesen, seit mir ein unfreundlicher Moshel Ha Zwai einen Erholungsaufenthalt im dortigen Gefaengnis verweigert hatte, der mir nach der Belagerung Jerusalems wirklich zu goennen gewesen waere. Auf den ersten Blick wirkt Jaffa vollkommen normalisiert. Aber die runde Kalligraphie des Arabischen ist ueberall den eckigen Formen hebraeischer Lettern gewichen. Wenn man die Boustrosstrasse hinunterbummelt, scheint es fast unglaublich, dass all diese Laeden, in deren Tueren behaebige Kaufleute stehen, all diese Wohnungen, ueber deren offene Galerien die Kinder, tollen, im Lauf eines Jahres die Besitzer gewechselt haben. Jaffa war immer sehr verschieden von Tel Aviv und hat auch als juedische Stadt seine Eigenart gewahrt. Es ist typisch fuer jene Eigenwirtschaft des lebenskraeftigen Teiles der Neueinwanderung, von der letzthin so oft die Rede war. Das kuehle schattige Gruen eines Eisgartens verlockt uns, die “Badereise” zu unterbrechen. Wir staerken uns unter der gruenen Seidenkuppel eines riesigen Fallschirmes, den die Inhaber irgendwo und irgendwie erbeutet haben, und schauen in einen verwilderten Garten hinaus, aus dem sich, wunderliches Gegenstueek, die anpmtige Doppelkuppel eines' arabischen Heiligengrabes auf roemischen Marmorsaeulen erhebt. Seit die iünglaender “Avenuen” durch das Hafenviertel Jaffas gesprengt haben, ist von der Stadt Richard Loewenherz und Napoleons nicht viel uebrig geblieben. Aber man kann noch immer Fragmente von Kreuzfahrerbauten entdecken, deren Hundszahnboegen auf den typischen Ellenbogen-Konsolen ruhen. Aus dem Gewirr verfallener Kuppeln und ruinenhafter Terrassen heben sich noch immer die Minarets mit jenem Air windschiefer Eleganz, das den alten Tuerken so teuer war. Aus den “Slums” schaufeln eifrige Haende den Mist der Jahrhunderte. Vor winzigen Fenstern trocknet bluetenweisse Waesche. Die niedrigen Tueren gewaehren Einblick in phantastisch gewoelbte Kammern, die frisch getuencht und sorglich aufgeraeumt sind. Am Hafen von Jaffa wohnen sehr arme Leute, aber der kuenftige Tourist duerfte hier die anruechige Romantik des “Hafenviertels” vergeblich suchen. Dann stehen wir auf einer Terrasse ueber dem Meer. Die Wellen brechen sich zu unseren Fuessen an den Klippen der Andromeda, die heute ebenso wenig gesprengt sind wie einst, da sie Koenig Salomo beim Import seiner Zedern behinderten. Weit draussen liegen Schiffe auf der Reede, am Suedeude einer weiten Bucht, deren noerdliches Kap wieder die Dampfer auf der Reede Tel Avivs betonen. Dazwischen erstreckt sich, meilenweit und in weissen Kuben gestuft, das junge Tel Aviv — und ist ueberraschend gut anzuschauen, wie Neapel etwa, dessen Schoenheit man auch erst aus der Ferne erfasst. Auf sandverwehten Stufen steigt man zu einem breiten seidigen Sandstrand hinab, ueber dem die Brandung in weiten, weisserekroenten Wogen verstroemt. Der Klippenbogen schirmt die tueckische Suedstroemung ab. Man darf sich, sorglos und ohne von Lebensrettern zurueckgepfiffen zu werden, im tiefen Blau erfreuen. Es ist viel schoener als am Strand von Tel Aviv, wenn man das Fehlen mondainer Strandkostueme nicht in Betracht zieht. Was hier am Strand getragen wird, darf upbekuemmert nass werden. Endlich sitzen wir auf der Terrasse des Kaffeehauses und warten darauf, die Sonne mit dem so oft dementierten “Gruenen Strahl” (den es wirklich gibt) im Meer versinken zu sehen. Inzwischen winken wir ermutigend den vollbesetzten Autobussen zu, die hoch mit Gepaeck belaßen, in regelmaessiger Folge den Hafen verlassen. An allen Fenstern draengen sich die verschuechterten Gesichter neuer Einwanderer, denen es gewiss eine Beruhigung bedeutet, dass auch hier, in diesem ganz fremden Land, die Leute gemuetlich vor den Kaffeehaeusern sitzen. In ebenso regelmaessigen Abstaenden oeffnet sich das schwere Eisentor in der gelben Mauer des ehrwuerdigen “Kalabosh” (des Stadtgefaengnisses) um einen kleinen Mann mit Schubkarren zu entlassen, eskortiert von einem Polizisten mit Stengun und einem zweiten Unbewaffneten, (der offenbar das ganze dirigiert). Die kleine Prozession marschiert langsam ueber den Platz zum Abhang, wo der kleine Mann den keineswegs vollbeladenen Schubkarren bedaechtig ins Meer entleert. Dann macht man kehrt und zieht ins Gefaengnis zurueck, dessen Tor klirrend geschlossen wird, um sich, ein paar Minuten spaeter, einer neuen Schubkarrenabordnung zu oeffnen. Der Schubkarrenfuehrer wechselt jedesmal, die Polizisten nicht Nachdem ein paar ziemlich dunkle Gesellen ihr Schuttdeputat abtransoortiert hatten, eskortierten die Polizisten ein froehliches, braunsehoepfiges Buerschlein. Auf der Rueckreise stoppte es ploetzlich und zwinkerte grinsend zur Terrasse. Da durfte es den Schubkarren stehen lassen und mit den guten Polizisten auf einen Arrak ins Kaffeehaus gehen ... Im Rahmen der alten Mauern und des Meeres gewinnen solch einfache Vorgaenge so theatralische Qualitaet, dass wir des “Gruenen Strahles” vergessen, den Augenblick gruendlich * Israels Konstituante ist das erste demokratisch gewaehlte juedische Parlament, im vollen Sinne des Wortes. In seinem Namen (Knesseth) in seiner Mitgliederzahl (120) und der Wahl seines ersten Sitzungsortes (Jerusalem) schwingen Reminisccnzen an das erste juedische Parlament mit, das ueberhaupt existierte. Es handelt sich um die Knesseth Hagedolah, die 444 vor der gewoehnlichen Zeitrechnung unter der Leitung und auf Geheiss von Nehemia zusammentrat, um dem nach Erez Israel zurueckgekehrten “Rest” des Volkes eine Verfassung zu geben. Diese Versammlung war natuerlich kein ge. waehltes Parlament, sondern, der damaligen Zeit entsprechend, zusammengesetzt aus ernannten Vertretern der herrschenden Schichten: der Priesterschaft, des Adels, der Gelehrten — alles wohl aeltere Maenner, wie dies auch der griechische Name Gerusia (Aeltestenrat) besagt. Ueber die Geschaeftsfuehrung sind wir kaum unterrichtet. Es ist nur bekannt, dass an der Spitze dieses Parlaments der Nassi (Hohepriester, in der Hasmonaerzeit zugleich der Fuerst), sowie ein geschaeftsfuehren. der Vorsitzender, der Av beth Din' stand. Die Zahl der Mitglieder, die bei der Gruendungsversammlung nach einer Version 120 betrug, war 71. Fuer die .Gueltigkeit von Beschluessen genuegte aber bereits eine Anwesenheit von 23 Mitglieder^, das sogenannte kleine Synhedrion. Die Kompetenz des Synhedrions, das in einem Nebenraum des Temverpassten, als die Sonne im wunderbar klaren Meereshorizont versank; uns dieses Versaeumnisses erst klar'wurden, als hinter uns in gruenem Neonlicht der Name des Cafes auf flammte: ARIANA. Es war nicht besonders klar, welchen Bezug auf Jaffa dieser poetische Beiname der jungfraeulichen Koenigin Elisabeth von England habe. Wir wandten uns wissbegierig an den Wirt. Mit ueberlegenem Laecheln ward uns der Bescheid, dass “Ariana” doch jene klassische Dame gewesen sei, die ein gewisser Perseus im grauen Altertum von jenen Klippen gerettet hatte, die vor uns, schwarz gegen die Brandung, aus weinfarbener See drohten. Es war zu schoen, um antike Nomenklatur zu korrigieren. Ueberlegt man recht: “Ariana” klingt eigentlich viel besser als “Andromaeda”. Es hat so einen netten Unterton nach Bohême und Literatur... Das Cafe “Ariana” (ueber dessen richtige Benennung wir denn also einig sind, wie Thomas Mann sagen wuerde) fuelite sich rasch mit dem sinkenden Abend. Eine Kapelle erschien u. begann zu musizieren: ohne alle synkopistischen Ambitionen, mit der froehlichen Unbefangenheit italienischer “Serenata” — Musikanten. Weit draussen spiegelten sich die Goldlichter der Schiffe auf beiden Reeden unter den silbernen Sternen. Um die Bucht erwachte die bunte Neonpracht Tel-Avivs. Die kleine Tanzflaeche, unseres Cafes blieb gefuellt, was immer die Musikanten anstimmten, vom Walzer und alpenlaendischen Laendler bis zur Rumba und der Horra Israels, deren Rundtanz den ganzer. Platz am Meer in seinen Bann schlug. Es gibt keine WTeise. die nicht irgend ein Gast des “Ariana” in der alten Heimat getanzt hatte, oder ein Paar unter den Leuten, die draussen zuhoeren, weil es nich; mehr auf einen Arrack reicht. Jaffa ist sehr arm. Der Prozentsatz .der Neueinwanderer, die keine Arbeit haben, oder nur ein, zwei Tage jeder Woche beschaeftigt sind, ist erschreckend hoch. Aber die Naechpelgebaeudes in Jerusalem tagte, erstreckte sich auf die Gesetzgebung und das Gerichtswesen. Nach talmudischen Quellen hatte es auch ueber Krieg und Frieden zu entscheiden. Die Zusammensetzung des Synhedrions aenderte sich im Laufe der Zeit. Unter den roemischen Landpflesrern ueberwog der pharisaeische Einfluss. Nach dem Ende des selbstaendigen Staates herrschte das Gelehrtenelement. In Palaestina bestand das Synhedrion, das sich durch Kooptierung ergaenzte, bis zu seiner Aufloesung, die nach dem Tode des Patriarchen R. Gamliel des Letzten im Jahre 425 nach der gewoehnlichen Zeitrechnung erfolgte. Es verging mehr als ein Jahrtausend, bis wieder ein umfassendes parlamentarisches Organ in einem quasi-staatlichen Rahmen in der Galuth, und zwar auf dem Boden des polnischen Staates, gegruendet wurde. Von 1581 bis 1764 existierte der Judenreichstag der Vierlaender Polens (Waad arba arazoth), den bereits ein zeitgenoessischer Memoirenschreiber, Nathan Neta Hannover (gest. 1683), mit dem Synhedrion verglich. Ueber die Verfassung dieses “Neuzeitlichen” Parlaments sind wir besser unterrichtet. Der Judenreichstag wurde von den Vertretern der 4 polnischen Laender (Grosspolen, Kleinpolen, Rotrussland und Wolhynien), so wie der groesseren Gemeinden Polens beschickt. Die Abgeordnetenzahl steht nicht fest, belief sich aber seit dem Jahre 1753 Von J. MELZER “Die Stunde ist gekommen zur Verwirklichung des grossen historischen Zieles des KKL — die Massen unseres Volkes im Boden der Heimat zu verwurzeln. Das juedische Volk muss dem Fond die finanziellen Mittel zur Verfuegung stellen fuer dieses Werk des Schaffens und Aufbaus!”. (DAVID BEN GURION) te Jaffas sind froehlieh. Hier arm zu sein, ist nicht so trostlos wie drueben in Tel-Aviv — Musik und bunte Lichteiin all den Cafes und kleinen Bars. Kein Kellner fragt, ob man ein zweites Glas Bier will. (Die Maedchen wissen, dass sie fuer sich selber zahlen muessen). Und, wenn es gar nicht langt, kann man draussen, auf dem Asphalt, eben so gut mittanzen... Jaffa hat bei Nacht all den Zauber der Stadt am Mittelmeer, den man drueben im amerikanisierten Tel-Aviv vergeblich sucht; den Zauber von Marseille, von Tanger oder Beirut. Nur der Reiz latenter Gefahr fehlt: Die Oberwelt Jaffas ist zu arm, um eine Unterwelt zu erhalten. Man kann unbesorgt durch tiefdunkle Gassen schlendern, zum Boulevard, wo im strahlenden Cafe ueber dem Kino ein weiblicher Bass mit ungeheuerer Stimmgewalt orientalische Liebesweisen von sich gibt; durch die “Zone des Schweigens", die gesprengten Grenzviertel, nach Tel-Aviv hinueber. In kaum einem Jahr wird all dieser Schutt verschwunden sein, werden die Quadrate sauberer Arbeiterviertel den Uebergang vom jungen Tel-Aviv zum alten Jaffa bilden. Tel-Aviv, das einst als kleine Villenvorstadt Jaffas gegruendet wurde, wird sich dann Jaffa einverleiben. Die juengste Stadt der Welt wird dann jene Altstadt erwerben, deren Fehlen denEuropaeer immer wieder ueberrascht. Als Stadt wird Tel-Aviv c^amit organischer, logischer geworden sein.(“Jedtoth Chadaschoth”) auf 25. An der Spitze des Judenreichstags stand der Judenmarschall, der die hoechste Wuerde innerhalb des polnischen Judentums innehatte und ein Laie war. Daneben gab es ein Judentribunal in Lublin, das ausschliesslich mit juristischen Fragen beschaeftigt war und an dessen Spitze ein Rabbiner, der Tribunalsmarschall, stand. Der Judenreichstag trat anfangs einmal, spaeter zweimal jaehrlich zusammen. Im 17. Jahrhundert fanden die Tagungen in Jaroslau und Lublin, spaeter auch in anderen Stäedten statt. Die Aufgaben dieses Waad arba arazoth war die Regelung der Steuerzahlungen, sowie religioeser und kultureller Angelegenheiten. Nach der Aufloesung dieses Judenparlaments im Jahre 1764 versuchte Napoleon die Gruendung einer allweltlichen Repraesentanz des Judentums, um sich die Sympathie der Juden zu erwerben. Seine Schoepfung, le Grand Senhedrin, erfuellte nicht seine Erwartungen, da sich an ihm nur Juden aus Frankreich, Italien und Deutschland beteiligten. Das Synhedrion tagte im ganzen einen Monat in Paris im Jahre 1807, ohne gewichtige Spuren in der juedischen Geschichte zu hinterlassen. Unser Parlament, die Knesseth, wird in neuer Form und mit modernen Methoden die Tradition jenes Synhedrions fortsetzen, das einst Leben und Recht des juedischen Volkes in seinem Staate bestimmte. (“Mitteilungs-Blatt” des “Irgun Olej Merkas Europa”, Tel Aviv) Vom Synhedrion zur Knesseth Von Rabb. B. DRILLING

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