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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1948-06-01 · Edicion Especial (Junio de 1948) · p. Seite 8

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
X (1948)
Issue
Edicion Especial (Junio de 1948)
Date
1948-06-01
Page
Seite 8 (sequence 10)
Language
German
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8 BOLETIN INFORMA T IV 0 Wenn ein Wanderer eine Zeitspanne Weges zurueckgelegt hat, pflegt er fuer gewoehnlich Rueckschau zu halten, um zu sehen, was er hinter sieh gebracht und erreicht hat. Im Leben von Gemeinschaften, die der Mensch fuer verschiedene Formen seines Zusammenlebens geschaffen hat, pflegt es nicht anders zu sein und darin liegt auch der tiefere Grund fuer die Marksteine, die man schlechthin als Jubilaeen zu bezeichnen pflegt. Zehn Jahre juedischen Gemeindeaufbaus sind hinreichend, um Geschehenes und Gewordenes - wenn auch hier nur blitzartig - zu beleuchten. Vom 27. Juni 1938 zum 27. Juni 1948 bedeutet ein Dezennium Werdens und Wachsens der “B’né Jisroel”, das reich an Arbeit, reich an Schwierigkeiten mancherlei Art, aber auch reich an Erfolgen war. Nicht leicht war der Aufstieg, aber er ging steil nach oben. Auf diesem Wege lagen der zahlenmaessige Ausbau und eine wuerdige Ausgestaltung unserer Gottesdienste sowie eine starke Befruchtung unseres gesamten religioesen Lebens durch eine lange Kette wertvoller Kultus - Einrichtungen und Veranstaltungen. An den Hohen Feiertagen regelmaessig Gottesdienste in mehreren Saelen der Stadt, an denen etwa 1800-2000 Personen teilnahmen und die bei tieferem Einblick den grossen Umfang und die Gruendlichkeit der organisatorischen Vorbereitung und Durchfuehrung erkennen liessen, Einrichtung von Zweiggottesdiensten an den Wallfahrtsfesten und Freitagabenden, taegliches Min jan, Gemeinschaftsseder, Unterstuetzung des Kaschruth, Beschaffung von Seforim und anderen Kultusgegenstaenden - alles dies sei aus der Fuelle der Erscheinungen auf diesem neben der Sozialarbeit wichtigsten Grundgebiet jeder juedischen Gemeindearbeit beispielsweise hervorgehoben. Auf diesem Wege lagen aber auch der Ausbau unsrer Religionsschule mit Unterricht in allen einschlaegigen Faechern und in mehreren Bezirken der Stadt, mit Onege Schabbath, Schuelerauffuehrungen und Schulausfluegen, lagen die Foerderung der gesamten Jugendarbeit teils direkt, teils durch Unterstuetzung der in Betracht kommenden Jugendorganisationen, Gruendung und Unterhaltung einer eigenen technischen Abendschule, auf deren Grundpfeilern spaeter die Ort-Schule erstand, monatliche Herausgabe eines Mitteilungsblattes als unentbehrlichen Mittlers zwischen der Gemeinde und unseren Mitgliedern, aber auch zwischen unseren Mitgliedern selbst, weitestgehende Vervollkommnung des Tahara - und Beerdigungswesens, Aufbau einer Gemeindebibliothek und eines Archivs juedischer Zeitungen und Zeitschriften, die segensreiche Taetikgeit unserer Schlichtungs - und Schiedsgerichtsstelle, die staendig gewachsene Betreuung der Provinzgemeinden auf den verschiedensten Gebieten, die Staerkung des freundschaftlichen Verhaeltnisses zu allen anderen Sektoren der juedischen Colectividad durch gegenseitigen engen muendlichen und schriftlichen Verkehr, und nicht zuletzt auch der Interessenschutz unserer Menschen wie z. B. in der Suedvisen-Angelegenheit, in den zahlreichen Faellen von Certifikat - Ausstellungen - wie es so schoen heisst - para los fines que le convengan - durch Ausgabe von Mitglieder - Carnets, im Abwehrkampf gegen den Antisemitismus usw. Schliesslich gab die dauernde enge Fuehlungnahme mit massgebenden Organisationen in London und New York auch die Moeg- Uchkeit zu authentischen generellen und individuellen Informationen ueber Verordnungen und Gesetze auf dem Gebiet der Rueckerstattung und Entschaedigung. Die umfangreiche intensiv betriebene Kulturarbeit der vergangenen Jahre verdient ein paar besondere Worte: Unsere Mitglieder werden sich alle noch der geschmackvoll gehaltenen Kulturprogramme und der sonstigen zahlreichen Ankuendigungen erinnern, die davon beredtes Zeugnis ablegen .Eine grosse Reihe von Einzelvortraegen in deutscher und spanischer Sprache wurde veranstaltet, in denen juedische Lehre und Geschichte, Land und Leute in Palaestina, Vergangenheit und Gegenwart Chiles, allgemeine Kunst und Wissenschaft und Tagesfragen der verschiedensten Art behandelt wurden. Themen aus allen diesen Gebieten wurden eine Zeitlang auch - im Rahmen des S. C. I. - Seminars - in Form von Lehrkursen behandelt. Unterricht ln englischer und spanischer Sorache wurde erteilt. Feiern zum Gedenken an den 9. November 1938 und andere weittragende Ereignisse im Leben des juedischen Volkes sowie an grosse juedische Maenner und Frauen und ihre Werke. Vokal - und Instrumentalkonzerte durch Kuenstler aus unseren Reihen und einheimische Kraefte, Kleinkunstabende, Theaterauffuehrungen (S. C. I. - Buehne), Filmvorfuehrungen und Museumsbesuche gingen in bunter Fuelle daneben einher. Wenn aber die “B’ne Jisroel” auf etwas stolz sein kann, so ist es die gewaltige Sozialarbeit, die umfangreiche Hilfe von Mensch zu Mensch, die sie geleistet hat. Zwei Campañas, die eine zu Gunsten fuer die Victimas de la Guerra, der Opfer der Verfolgung in Europa, Asien und Afrika, die andere ausschliesslich fuer den Keren Hajessod, hat die B’ne Jisroel jaehrlich selbst organisiert und mit eigener Kraft durchgefuehrt. Daneben bestand bereits seit Januar 1941 ein laufendes grosses Sammel—und Hilfswerk, und zwar zunaechst unter dem Namen der “Gurs- Lubiin-Hilfe”, gespeist aus zahlreichen Spendenquellen, darunter den immer mehr in Aufnahme gekommenen Abloesungstelegrammen und zu einem wesentlichen Teil durchgefuehrt in Verbindung mit dem Comité de Socorro para Gurs in Buenos Aires und der Baden-Pfalz-Hilfe in New York. Nach grossen organisatorischen Vorbereitungen fand am Sonntag, den 16. August 1942, die erste von unserer Jugend in allen Stadtbezirken durchgefuehrte Haussammlung statt. Aus der “Gurs-Lublin-Hilfe” war die Colecta “Emergen- Aus der Gemein degeschichta MAX GRUENBAUM cia Judia en el Mundo”, das “Hilfswerk der B’ne Jisroel fuer die Judennot in der Welt” geworden. Teils ueber zentrale juedische Organisationen, wie den United Jewish Appeal, den World Jewish Congress, den Joint in New York, die Children and Youth Alijah in London, teils unmittelbar flössen die gesammelten Betraege in viele Laender der Welt, von Shanghai im Westen bis Palaestina im Osten und von Russland und Schweden im Norden bis Cypern und Mauritius im Sueden. Da bekanntlich Geld fuer eine wirksame Hilfe in Europa geringer im Kurs steht als Hilfe mit Nahrung und Kleidung, hat die “B’ne Jisroel” schon von Mitte des Jahres 1945 ab als erste juedische Organisation Chiles planmaessig Sachwert-Hilfsaktionen grossen Ausmasses ln die Wege geleitet. Ausgehend von dem alten Erfahrungssatz, dass ohne ein stark untermauertes, gut durchorganisiertes buerokratisches System kein bluehendes Leben in einer Gemeinde oder einem sonstigen Verwaltungskoerper denkbar ist, wurden lm Rahmen der finanziellen und raeumiichen Moeglichkeiten in ununterbrochener Kleinarbeit die technischen Unterlagen und Mittel geschaffen, die alle genannten Arbeiten, das ganze Aufbauwerk ermoeglichten, die aber darueber hinaus auch fuer Wirken und Wollen der uns nahestehenden Organisationen manches wertvolle Fundament schufen und zudem noch rein persoenlichen Anspruechen der Gemeindemitglieder in hohem Masse dienlich waren. Die aeusseren Etappen in dem Werden dieses Organismus gehen ueber viele Staetten. Nachdem zuerst das Sitzungszimmer im frueheren Buero des Hicem, Merced 568 und dann ein Zimmer im Hause Catedral 1011 als Betraeume gedient hatten, wurde am 1. Pessachabend (3. April) 1939 ein kleiner Saal im 1. Stock des - inzwischen abgerissenen-Hauses Monjitas 507 als Gotteshaus eingeweiht. |Die Verwaltungsarbeiten vollzogen sich allerdings von Gruendungsbeginn an in der Wohnung des Schriftfuehrers der Gemeinde und vom 1. Juli 1940 an, dem Zeitpunkt, in dem ein Gemeinde-Sekretariat mit einem hauptamtlich taetigen Beamten erstand, in der Wohnung dieses Beamten und erst im November 1940, als Mitgliederzahl und Aufgabenkreis staendig anwuchsen, wurde fuer das Sekretariat im Hause Tarapacä 812 ein kleiner Raum angemietet. Aber noch einmal, naemlich am 1. Juni 1941, musste das Sekretariat umsiedeln und im 4. Stock der Estado 141 einen neuen Raum beziehen, bevor es erst am 1. August des gleichen Jahres im Hause San Diego 216 eine gewisse Dauerbleibe fand. Und in dieses Gebaeude mit einem etwa 400 Personen fassenden Saal und einer hinreichenden Zahl von Nebenraeumen wurde einige Wochen spaeter auch die Synagoge verlegt, - es erstand zum ersten Mal ein wirkliches Gemeindehaus, das am 18. September 1941 in einer wuerdigen Einweihungsfeier seiner neuen Bestimmung uebergeben wurde. In der Nacht vom 26. zum 27. Oktober 1944 wurde der Synagogenraum ein Raub der Flammen; 14 Seforim, die von unseren Mitgliedern, oft unter Lebensgefahr, 6 Jahre zuvor aus den brennenden Synagogen Deutschlands gerettet worden waren, gingen dabei zugrunde. Binnen einer knappen Stunde wurde vernichtet was drei Jahre hindurch mit unendlich viel Liebe und grossen Opfern auf dem Boden Chiles neu aufgebaut worden war. Obwohl die eigentliche Verwaltung ihre Arbeiten noch in der San Diego 216 fortsetzen konnte, hatte doch unser bisheriges Zentrum in diesem Hause sein Rueckgrat verloren. Es fehlte nicht nur ein Saal fuer unsere kulturellen und socialen Veranstaltungen, -"■merar 11 ■ -v.i .. :rs sondern vor allem auch eine geraeumige und wuerdig ausgestaltete Synagoge, unser religioeses Leben, die tragende Kraft jeder wirklichen iueiischen Gemeinde, drohte zum Erliegen zu körn-- men. Und so waren wir gluecklich, Ende Mai 1945 die Raeume in der Monjitas 690, in denen wir uns noch in diesem Augenblick befinden, anmieten und am 29. Juni 1945, verbunden mit einer Feierstunde zu Ehren von Rabbiner Leo Baeck, in erhebender Form einweihen zu koennen. Sie waren allerdings von vcrn eher ein nur als ein Provisorium gedacht. Schon Anfang des Jahres 1945 kam es zum Abschluss von Vertraegen ueber den Erwerb von Grundstuecken in der Portugal 810 - 824, auf denen ein eigenes Gottes - und Gemeindehaus erstehen soll. Am 23. Nissan 5707 (13. April 1947) fand in Anwesenheit einer grossen Zahl von Mitgliedern der B’ne Jisroel, Vertreter zahlreicher juedischer Institutionen und Juden aller Sektoren Chiles die Grundsteinlegung statt und in absehbarer Zeit harrt der Bau, der fuer den Fortbestand unserer Gemeinde und fuer die Erhaltung juedischen Lebens kommender Generationen von entscheidender Bedeutung ist, der Vollendung. t Es ist vielleicht nicht uninteressant, heute auch einmal die rein zahlenmaessige Entwicklung aufzuzeichnen, die unsere Gemeinde waehrend der 10 Jahre ihres Bestehens zur groessten juedischen Organisation Chiles und ueberhaupt einer der groessten ganz Sueiamerikas genommen hat. Am 1. Juli 1940 verzeichnete die laufende Mitgliederliste die No. 395. Schon ln dem auf der Generalversammlung vom 21. April 1941 erstatteten Verwaltungsbericht konnte nach intensiver Werbearbeit die Mitgliedsnummer 667 gemeldet werden. Und dann ging es weiter sprunghaft aufwaerts auf Nr. 1000 am 19. April 1942, Nr. 1286 am 12. April 1943, Nr. 1398 am 9. Januar 1944, Nr. 1539 Ende 1944, Nr. 1620 Ende 1945. Seit dem 1. Januar 1946 bis zum heutigen Tage sind wiederum 206 Mitglieder hinzugekommen, sodass die Mitgliederliste augenblicklich die Nr. 1826 aufweist. Allerdings sind nun im Laufe der Jahre eine ganze Reihe von Ausscheidungen insbesondere durch Tod Zahlungsunwilligkeit, sowie Wegzug in die Provinz und ins Ausland erfolgt, sodass der augenblickliche Efektivbestand nur 1518 Mitgliedei mit einer Kopfzahl von rund 3600 Personen betraegt. Ein Stueck Familiengeschichte verkoerpert das Standesregister der Gemeinde, das sorgsam gefuehrt wurde und spaeter einmal fuer Erteilung von Auskuenften und Ausstellung von Urkunden ueber Familienstandsbewegungen vor grosser Bedeutung sein wird. Verzeichnet wurden im Laufe der Jahre 289 Geburten, 140 Bar mizwoth, 158 Trauungen und 337 Sterbefaelle. Ein Dekret der Chilenischen Regierung vom 1. Juli 1944 verlieh der S. C. I. “B’ne Jisroel' die juristische Persoenlichkeit. Die Gemeindf war damit als abstrakte Person die Traegerir von Rechten und Pflichten geworden. Aber ei lag in dem Dekret mehr als ein rein Rechtliches Es lag darin - und das ist fuer uns das eigentlicl Entscheidende - eine behoerdliche Anerkennuni unseres Tuns und Wollens, unserer religioesen kulturellen und socialen Werke und Ziele, unseres Eigenlebens im Bezirk der rein juedischer Aufgaben. Ein Hoehepunkt war erreicht, dlf Frucht monatelanger tatkraeftiger Bemuehun gen um eine gesicherte Stellung der Gemeindf im oeffentlichen Leben. Wie schon eingangs gesagt, die Wanderschaf der Gemeinde durch die ersten 10 Jahre ihre: Geschichte war nicht frei von Hindernissen. Un so mehr als ein erheblicher Teil der Aufgabe! wie z. B. Werbearbeit, Raumprobleme, Cobranza der Eigenart der Verhaeltnisse entstammte, de nen der Aufbau einer juedischen Gemeinde in Einwanderungsland und in Chile im besondere: unterworfen ist, und dem Aufgabenkreis, wi wir ihn in den Gemeinden unserer Herkunfts laender gekannt haben, mehr oder wenige wesensfremd war. Menschen und Dinge wäre: vielfach Neuland. Fehler waren unvermeidlicl und nicht alle Fruechte reiften. Aber wenn e in Arthur Ruppins Standardwerk “Soziologie de: Juden” heisst, dass “die Gemeinde ueberall i: der Diaspora mehr war als ein freiwilliger Zu sammenschluss, dass sie ein Gebilde war, den nicht nur die Pflege der juedischen Religion sondern auch wichtige wirtschaftliche und po litische Rechte und Pflichten oblagen, dass dl Gemeinde dem Juden sein Vaterland ward um seine Zuflucht inmitten einer anderen Umwelt' so glaube ich doch sagen zu koennen, dass dl “B’ne Jisroel” in Santiago dieses Ziel im Gros sen und Ganzen erreicht, dass sie juedische: Menschen, vertrieben aus den Gemeinden ihre Ahnen, eine neue seelische Heimstaette gegebei dass sie Kraefte zusammengschlossen hat, dl den Fortbestand unserer grossen religioesen un kulturellen Traditionen, Hilfe fuer Bedrueckt und Notleidende in aller Welt und Liebe un Opferbereitschaft fuer Israel, unseren junge Staat, garantieren. m I bi P) ih G w re m n: a: m P¡ b( W u: M u: lo sc A re V( dl ih ti: m Ji W; fr te vc se G m se Ji w te w H m pl gl V n D vc ei L se w U ih d< ri Ji oc ih fr bl di er m ai zu di de le zu eu zr in kc se zi m sp te se sc kc K bi la le jp de ui er ol Sil gi di ni V« sp

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