Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- X (1948)
- Issue
- Edicion Especial (Junio de 1948)
- Date
- 1948-06-01
- Page
- Seite 9 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Als eine kleine Gruppe derer, die noch unter relativ guenstigen Bedingungen ihre alte Heimat in Mitteleuropa verlassen und sich in Chile niederlassen konnten, den Entschluss fassten, an der Staette ihres neuen Wohnsitzes eine Gemeinde zu gruenden, schwebten ihnen 2 Verpflichtungen vor: Zur Wiedergewinnung dessen beizutragen, was dem Judentum an ideellen Werten in Mitteleuropa verloren gegangen ist und weiter verloren gehen wuerde, und den Menschen, die mit ihrer Heimat ihre Gemeinde und das in ihr verankerte juedische'Leben verloren haben, in ihrer neuen Umwelt eine juedische Heimat zu gestalten. Eine verantwortungsvolle und keine kleine Aufgabe! Die wenigen Menschen, die bereit waren, sich dieser Arbeit hinzugeben, hatten kein Vorbild, kein Beispiel, das ihnen richtunggebend dienen konnte, durften aber nicht zoegern, ihrem Instinkt zu folgen, weil beide lebenswichtig waren, wenn nicht das Programm des Nazismus von Erfolg gekroent sein sollte, Juden und Judentum den Todesstoss zu versetzen. Das mitteleuropaelsche Judentum hatte sich waehrend eines Jahrhunderts zu einer geistig fuehrenden Position entwickelt und so bedeutende Leistungen auf wissenschaftlichem Gebiet vollbracht, dass seine Ausschaltung eine unersetzliche Luecke in der Ideellen Struktur des Gesamt Judentums hervor gerufen haette. Darum musste es Aufgabe neuer juedischer Siedlungen sein, die Bindungen wieder herzustellen, die das Judentum fuer seine Erhaltung und seine Entwicklung naturnotwendig brauchte. Die Menschen, die ihre Heimat verlassen mussten, waren gezwungen alles das aufzugeben was ihnen seit Generationen ihre juedische Heimat gewesen ist und in ihren dortigen Gemeinden verkoerpert war. So ergab sich die verantwortungsvolle Verplichtung etwas Neuartiges zu formen, was gleichzeitig dem Judentum und dem juedischen Volk dienen sollte, eine Gemeinde mit alten und neuen Zielen: Die Volks- und Religionsgemeinde. Der am religioesen Leben interessierte Jude ist von Jugend auf in seine Religionsgemeinde hineingewachsen und war mit ihrem religioesen Leben so eng verbunden, dass ihm die Struktur seiner Gemeinde zur Selbstverstaendlichkeit geworden war. Gottesdienst, Beerdigungswesen, Unterricht und Wohlfahrtspflege hatten sich in ihrer Gemeinde, die eine Zwangsgemeinde war, der jeder Jude beitreten und seine Steuern entrichten musste, zu voller Bluete entwickelt. Juedisches Leben ausserhalb ihrer Gemeinde oder des Landesverbandes ihrer Gemeinden blieb ihnen unbekannt, und die Loesung der Judenfrage ausserhalb der Grenzen ihres Vaterlandes blieb ausserhalb ihres Interessengebietes. Erst die Ausrottungspolitik des Nationalsozialismus erweckte sie aus ihrer gefaehrlichen Indifferenz, machte es ihnen aber gleichzeitig unmoeglich, aus ihrer neuen Erkenntnis reale Konsequenzen zu ziehen und mit dem Weltjudentum Verbindungen anzuknuepfen. In der neuen Heimat auf amerikanischem Boden ergab sich daher die Aufgabe, aus den Fehlern der Vergangenheit zu lernen und der neu zu gruendenden Gemeinde eine neues Gepraege eu geben. Das konnte nicht leicht sein, wenn man zu neruecksichtigen hatte, dass diese Gemeinde in Sued-Amerika keine Zwangsgemeinde sein konnte, also kein Steuerrecht besass, andererseits aber gerade in materieller Hinsicht viel zu leisten haben wuerde. Und wie schwierig musste es sein, die Juden deutscher Muttersprache aus den verschiedensten Gegenden Mitteleuropas zu einem einheitlichen Gemeindewesen zusammenzufuehren. Und wie war die physische und seelische Verfassung der neuen Ankoemmlinge, die mehr und mehr Hals ueber Kopf alle Bruecken hinter sich hatten ab-, brechen und mit ihren Familien unter Zuruecklassung vieler seelischer und fast aller materieller Werte sich in der neuen Heimat einrichten mussten. In einem romanischen Land mit fremden Sitten und Gewohnheiten, fremden Klima und fremder Sprache, herausgerissen aus ihrem erlernten Beruf, die erdrueckende Mehrheit ohne Kapital, standen sie vor der Aufgabe, fuer sich und ihre Familien einen neuen Erwerb zu gruenden und nach wenigen Wochen der Hilfe durch internationale juedische Wohlfahrtsorganisationen auf eigenen Fuessen zu stehen. Selbst mit den eingesessenen Juden war die Verbindung anfangs sehr gering, teils durch die sprachlichen Differenzen, teils durch die Ver- Eine Aufgabe, ein Ziel, ©In Weg JOSE HIRSCHBERG schiedenartigkeit der Lebensgewohnheiten. So sollte die Gemeinde ihnen im wahrsten Sinne zur Heimat werden, die ihnen nach dem Existenzkampf des Werktags seelische, kulturelle und gesellschaftliche Erholung und Zufriedenheit geben konnte. Sie sollte ihnen Ersatz sein fuer Haus und Hof, fuer Freunde und Tradition in der alten Heimat. Die Gruender unserer Gemeinschaft mussten sich also dessen bewusst sein, dass diese nur dann eine Existenzberechtigung haben wuerde, wenn sie diesem ganzen Aufgabenkreis gerecht werden wuerde, und dass sie eine ungeheuere Verpflichtung auf sich laden sowohl denen gegenueber, die ihr juedisches Leben in der alten Heimat aufgegeben haben, wie auch gegenueber denen, die sich erst gerade ihres juedischen Schicksals bewusst geworden und den tiefen Drang zur Rueckkehr ins Judentum verspuert haben. So ergab sich von selbst, dass das Arbeitsprogramm der neuen Gemeinde zwar das der Gemeinde in der alten Heimat wiederherstellen, aber weit darueber hinaus gehen musste. Wir standen ja nun nicht mehr auf dem Boden einer durch Generationen erworbenen Tradition, sondern hatten vor uns das weite Feld der Arbeit auf allen Gebieten juedischen Lebens und das beglueckende Gefuehl der Verbindung mit dem juedischen Volk, in dessen lebendigem Organismus wir eine kleine Zelle waren, die sich selbststaendig zu entwickeln und damit zu dessen Erhaltung beizutragen hatte. Wie musste sich also im Einzelnen die Arbeit der neuen Gemeinde gestalten? Auf religioesem Gebiete hatten wir genuegend Erfahrung durch die Vorbilder in der eigenen Vergangenheit, und es bedurfte nur der Anpassung der verschiedenen Gebraeuche, um eine gewisse Einheit auf diesem Gebiete herbeizufuehren. Keinerlei Schwierigkeiten konnte es bei der rituellen Bestattung unserer Verstorbenen geben; denn hierin kannten wir Juden aus Mitteleuropa keinerlei wesentliche Unterschiede, gleichviel ob es sich um konservative oder liberale Gemeinden und konservative oder liberale Familien handelte. Auch bei der Gruendung unserer Religionsschule waren Inhalt und Programm einheitlich da es sich um die fundamentale Bedeutung der Vermittlung juedischen Wissens an die schulpflichtige Jugend handelte. Die Ausgestaltung der Gottesdienste haette schon eher zu Meinungsverschiedenheiten fuehren koennen, wenn nicht von vornherein die starke religioes-liberale Mehrheit auf die religioesen Beduerfnisse der konservativ eingestellten Mitglieder Ruecksicht genommen haette. Darum wurde ein Einheitsgottesdienst eingefuehrt, der jedem Juden die Beteiligung an unserem Gottesdienst ohne jeglichen Gewissenskonflikt moeglich gemacht hat. Und erst nach geraumer Zeit konnten wir damit beginnen, einen Zweiggottesdienst eine liberale Note zu geben, die gewiss der Einstellung vieler Besucher dieses Gottesdienstes mehr entspricht. Wie anders war im Gegensatz zur Formung des religioesen Lebens in unserer Gemeinde die Aufgabe, ihrem Charakter als Volksgemeinde Ausdruck zu geben. Gewiss zieht durch alle unsere Gebete der Schmerz ueber den Verlust Zions und die Sehnsucht nach der Rueckkehr nach Erez Israel, — das Symbol der ewigen Verbundenheit unserer Religion mit unserer Nation und unserem Volke. Und doch hat sich durch 2 Jahrtausende die Hoffnung der religionstreuen Juden auf das Gebet beschraenkt. j Erst der neuzeitliche Zionismus und letzten Endes das juedische Erlebnis unserer Tage hat in unseren Menschen das Beduerfnis nach Beteiligung am juedischen Volksleben und das Verstaendnis fuer die Volksgemeinde erweckt. Bei freimuetiger Beurteilung der Bindung der Juden zu ihrem Judentum kann nicht verkannt werden, dass das Leben unsere Generation und noch mehr unsere Jugend dem religioesen Judentum mehr und mehr entfremdet hat und dass die juedischen Massen zum Judentum zurueckgefuehrt wurden durch die instinktiv empfundene Zugehoerigkeit zu unserem Volke. Diese Erkenntnis zu foerdern und zu verbreiten und damit unseren Menschen einen befriedigenden Lebensinhalt zu geben, ist Aufgabe einer Gemeinde. Erkenntnisse aber sind wertlos, wenn sie nicht zu konsequenter Aktivitaet fuehren, der Aktivitaet. die sich daher auch unsere Gemeinde zu eigen gemacht hat. So war zunaechst der Anschluss an die Zentralinstanzen der hiesigen Gemeinschaft sowie der Kontakt mit der Jewish Agency und amerikanischen internationalen Organisationen der Weg zur Einordnung in das Leben unseres Volkes und das Zeichen unserer Bereitschaft, unseren Platz im Weltjudentum einzunehmen.. Die Gemeinde wurde so fuer ihre Mitglieder und ihre Familien das Zentrum juedischen Lebens ueberhaupt und hatte die Genugtuung, durch steten Zuwachs in der Richtung, in der sie gefuehrt wurde, bestaerkt zu werden. Die Anerkennung der Gemeindearbeit durch ihre Mitglieder kann aber nur bedeuten, auf dem Wege positiv juedischer Arbeit im Interesse der Erhaltung und der Weiterentwicklung des juedischen Volkes fortzufahren. Nicht um unsere Generation geht es, sondern um unsere Kinder, also um unsere Zukunft. Kein Opfer kann zu hoch sein, das der Entwicklung unserer Jugend und der Festigung unserer Gemeinde in juedischem Sinne fuer juedische Zukunft gebracht werden muesste. Eine Gemeinde ohne juedische Kinder waere zum Aussterben verurteilt und wuerde sich somit der Verantwortung entziehen, die sie der Zukunft unseres Volkes gegenueber zu tragen hat. In dieser Hinsicht kann es keinen Kompromiss geben! Wer uns seine Kinder entzieht, lehnt seinen Beitrag zur Mitarbeit an Juedischer Zukunft ab und handelt somit entgegen den Zielen und Pflichten unserer Gemeinschaft. Wer in den letzten Monaten Eindruecke ueber das juedische Bewusstsein unserer Gemeindemitglieder gesammelt hat, kann nur mit innigster Befriedigung und voller Stolz die Verbundenheit jedes einzelnen Juden unserer Gemeinde mit unserem Volk, unserer juedischen Heimat und dem Wesen unseres Judentums beobachtet haben. Aus Juden, die nebeneinander lebten, sind Brueder geworden, die miteinander leben, miteinander fuehlen, miteinander zittern und miteinander gluecklich sind. Der Entscheidungskampf unseres Volkes um seine Existenz findet ueberall, auch in unserer Gemeinde, ein einheitliches Ganzes, Bruederlichkeit und Treue und die Bereitschaft, unter Zuruecksetzung der eigenen Person und Bequemlichkeit freudig Opfer zu bringen. Es ist ein glueckliches Zusammentreffen, dass am Tage der Vollendung von 10 Jahren juedischer Arbeit in der S. C. I. “B’ne Jisroel” die Rueckkehr des juedischen Volkes ins Judentum vollzogen und die Rueckkehr ins Judenland bereits eine Realitaet ist. Der junge Staat Israel wird unsere Gemeinde in begeisterter Bereitschaft finden, ihren Platz innerhalb des juedischen Volkes fuer unseren Staat, fuer unser Volk, fuer unsere Zukunft und die unserer Kinder einzunehmen. N CHEWRA, Kultusun4 Bestattungsgemeinschaft ANSCHRIFT: S. FREUDENTHAL CASILLA 13030, CORREO 11 SANTIAGO SEPTEMBER 193S ZU RAUSCHHASCHONO 5699 Rauschhascbono-Jahresanfanft, JauruUasikoraun-Tafi wir die Flücbtlingskonfereiu in Evian, deren seteoovollc des Gedenkens, ln dienen beiden Beieichtninaen, die das Auswirkungen noch nicht tu übersehen sind, und in un DAS ERSTE “MITTEILUNGSBLATT” DER “CHEWRA”