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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1947-05-01 · 5 (5.1947) · p. Seite 4

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
IX (1947)
Issue
5 (5.1947)
Date
1947-05-01
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Pág. 4 BOLETIN INFORMATIVO Arturo Toscanini Chile und die Juedische Einwanderung Zusammenkunft des “Comité Representativo” njit Don Dario Poblete, Generalsekretaer der Regierung Dem seltenen Genie Dem grossen Kuenstler Dem guten Menschen. Am 25. Maerz beging fern von allem Getriebe, der groesste in unsern Tagen lebende Dirigent, seinen 80. Geburtstag. Zweifellos werden dem “Meister des Taktstocks” Ehrungen aus allen Teilen der Welt dargebracht werden und auch die juedische Welt wird dem General aller Generaele (so pflegt man die Generalmusikdirektoren zu titulieren) seine -Ovationen bereiten. Wohl kaum ein zweiter lebender Kuenstler, duerfte jene Widmung der Graefin Therese Brunswick an Beethoven, verdienen, als die, ■welche wir als Motto dieser Huldigungsadresse vorangestellt haben. Denn Arturo Toscanini ist der wirklich grosse Beethoven — Dirigent. Interpretieren bedeutet fuer Toscanini stets und immer “dienen”. Der kaum 19 jaehrige Cellist reist mit einem italienischen Orchester nach Suedamerika, da will es ein Zufall, dass in Rio de Janeiro der Opernkapellmeister erkrankt; der junge Toscanini springt ein, fuehrt mit staunenswert sicherer Hand das Orchester, erteilt Saengern und Chor praegnante Einsaetze, man spielt die Oper “Aida”, und dies geschieht alles so selbstbewusst und mit einer Selbstverstaendlichkeit, wie man es nur von geuebten und routinierten Dirigenten gewohnt ist. Was Wunder, dass nun ein Aufstieg sondersgleichen folgt und Toscanini bald die Aufmerksamkeit der ganzen Welt auf sich lenkt? Sein unvergessliches Verdienst in Italien ist die Restaurierung und Reorganisierung der Mailaender Scala. Leoncavallo und Puccini und viele andere, uebertragen die Erstauffuehrung ihrer Werke dem Meister. Bald geniesst er den Ruf als der grosse Wagner und Verdi — Interpret, und vertauscht 1908 die Leitung der Scala, mit der der Metropolitan Opera in New York. Seine Antrittsauffuehrung ist wiederum die Oper Aida, in den Hauptrollen waren beschaeftigt-Enrique Caruso und Ernmy Destinn. 1921 kehrte Toscanini an die Scala zurueck. Er war niemals einer von den “Stock—Konservativen”, wie die Leiter des Berliner Philharmonischen Orchesters oder des Gewandhausorchesters, die sich fuerohteten ueber den Rahmen klassischer oder romantischer Musik hinauszugehen und Neuland zu betreten. Schoenberg, Honegger, Stravinsky, Milhaud, Kodaly und vielen anderen verschaffte er Gehoer, ja selbst jetzt als Greis, scheut er sich nicht, ewig jung wie vordem, fuer eine sich den Weg bahnende junge amerikanische Kuenstlergeneration einzusetzen. Es ist klar, dass ein solcher Mann, Weltbuerger par excellence, wie es nur wenige gibt, neben dem verstorbenen Praesidenten F. D. Roosevelt und Thomas Mann, jedem chauvinistischen Nationalismus femsteht und dem Lande des Musso— Faschismus, seinem Heimatlande, den Ruecken kehrt. Nun folgt eine Zeit, da der Meister mit seinem Taktstock eine ganze Welt in Bann haelt. Seien es die New Yorker, Berliner oder Wiener Philharmoniker, mit denen er seine Triumphe feiert, seien es die Salzburger oder Bayreuther Festspiele, denen er die Krone aufsetzt. Und worin besteht eigentlich das Geheimnis dieses Magiers? Unerbittlich kaempft er gegen den traditionellen Schlendrian, unerbittlich arbeitet er an sich und an den Musikern, feilt und feilt und probt und probt; er ist ein Fanatiker und mit eiserner Energie erzwingt er eine unuebertreffliche Vollkommenheit. Ein grosser Zuchtmeister und einer der Auserlesenen, der den Weg Buelows und Gustav Mahlers fortfuehrt, durch Objektivitaet in der Interpretation; “Werktreue” geht ihm ueber alles, und diese Werktreue inspiriert ihn, die Werke Beethovens, Mozarts, Verdis und Wagners erklingen in einem Klangzauber, der uns Hoerer oftmals den Atem verschlaegt und uns in der Stunde der Beglueckung, leise stockend das Wort erpresst: “danke, Maestro”. Am 21. April fand eine neuerliche Unterredung des “Comité Representativo”, vertreten durch die Herren Samuel Goren, Fernando O. Friedman, Robert Levy und Gil Sinay, mit der Einwanderungskommissicn der chilenischen Regierung statt, die von deren Generalsekretaer, Don Dario Poblete, praesidiert wird, und die fernerhin von den Herren Alberto Sepúlveda (Chef des Konsulatamts des Aussenministeriums), Humberto Trueco und Grez (Subsekretaere des Aussen- und Innenministeriums), Raúl •Monteemos (Chef der Auslaenderabteilung) und Juan Bravo (Subohef des Konsulatamts), gebildet wird. Zu Beginn der Zusammenkunft bezogen sich die Herren Samuel Goren und Roberto Levy auf die Bedeutung der letzten Einwanderung fuer die chilenische Wirtschaft, insbesondere deren Industrie, auf die Moeglichkeiten einer zukünftigen beschraenkten Einwanderung, auf das kulturelle und soziale Leben der juedischen Kollektivitaet und die Leistungen ihrer Intellektuellen und schjiesslich auf die schreckliche Lage der Ueberlebenden in den Laegern Europas und den tiefen" Wunsch ihrer Angehoerigen in Chile, ihnen hier ein neues Heim zu bereiten. Gleichfalls wurden Fragen der Mitglieder der Einwanderungskommission beantwortet, die sich auf die Taetigkeit der Juden in den verschiedenen Wirtschaftszweigen bezogen. Anschliessend daran wurden saemtliche Probleme diskutiert, die mit dem Aufenthalt, der Naturalisation und der zukünftigen Einwanderung von Juden nach Chile in Zusammenhang stehen, und daraufhin, in gemeinsameil Einverstaendnis, folgende Besohluesse gefasst,- AUFENTHALT UND EINBUERGERUNG (PERMANENCIA Y NATURALIZACION) In Bezug auf Aufenthaltsgenehmigung- und Einbuergerung wurde festgestellt, dass alle Antraege nach chronologischer Reihenfolge behandelt werden, und dass Personen mit laengerem Aufenthalt in Chile zuerst abgefertigt werden, so wie es die Verfassung vorsehreitot ANFORDERUNGEN VON FAMILIEN ANGEHOERIGEN Die Einwanderungskommission gab ihren Beschluss bekannt, dass in Zukunft nur die Antraege auf Einwanderungserlaubnis fuer Eltern, Als das unvergessliche Jahr 1933 kam, sollte Toscanini wiederum in Bayreuth die Meistersinger dirigieren: wie hing doch der Kuenstler• an der Wirkungsstaette Wagners, und es mag manch inneren Kampf gekostet haben, zukünftig auf die Mitwirkung verzichten zu muessen; aber nur ganz, ganz wenige Kuenstler haben sobald nach der Machtergreifung die Konsequenzen gezogen, wie es Toscanini tat. Seine Absage an das Haus Wagner, war begruendet mit dem politischen Wechsel in Deutschland, mit dem er sich niemals einverstanden erklaeren konnte. Im Jahre 1936 geschieht etwas Aeusserordentliches: Bronislaw Hubermann geht an die Gruendung des Palaestina-Orchesters. Von weit her, aus aller Herren Laender geben international bekar.nte Kuenstler ihre Zusagen. Man moechte glauben eine internationale Elite gibt sich ein Stelldichein. Musiker aus Deutschland, Polen, Litauen, Oesterreich, der Tschechoslowakei und Palaestiha versammeln sich, und siehe, es sind tatsaechlich fast alle Solisten. War das Ziel Hubermanns die Schaffung des hervorragendsten Orchesters im kleinsten Lande, um wieviel hoeher musste die Tatsache vermerkt werden und bei den Juden der ganzen Welt staerksten Widerhall finden, als der groesste und gefeiertste Dirigent unserer Tage, ein Nichtjude, sich spontan bereit erklaerte, die Eroeffnungskonzerte zu dirigieren. Dankbarkeit und Jubel loeste die Freundschaftsgeste Tosca- Kinder, Brueder und Schwestern und deren respektive Kinder toeruecksichtigt werden, die dem Konsul in Europa Dokumente vorlegen, die ihre gute Fuehrung, ihren Beruf und ihren Verwandtschaftsgrad bestaetigen. .Antraege und Gesuche, die durch Intervention dritter Personen der Kommission vorgelegt wer. den, werden nicht berücksichtigt. Die Kommission erklaert sich fernerhin bereit, jedes abgewiesene Gesuch neu zu pruefen, wenn neue Motive fuer eine Revision ihres Beschlusses vorliegen. BESOHRAENKTE EINWANDERUNG INTELLEKTUELLER Die Einwanderungskommission erklaerte sich im Prinzip damit einverstanden, einem Gesuch der “Unión Israelita Polaca” zuzustimmen, das die Einwanderungserlautoiriis fuer eine beschraenkte Zahl (Intellektueller erbat, die sich momentan in europaeisohen Laegern befinden. ERLAUBNIS FUER DIE EINWANDERUNG VON 50 WAISENKINDERN D i e Einwanderungskommission bestaetigte eberfalls die Erlaubnis, die dem “Comité Representativo” von den Ex-Aussenminister, señor Ernesto Barres Jarpa, im Jahre 1942 erteilt worden war, und die die Einwanderung von 50 Waisenkindern gewaehrte, die — einmal in Chile — legal adoptiert werden muessen. Naehere Einzelheiten darueber sind im Sekretariat des “Comité Representativo”, Serrano 202, 2.o piso, Tel. 88076, zu erfahren. BESCHWERDEN UEBER DIE BEHANDLUNG VON EINWANDERUNGSGESUCHEN Jede Beschwerde ueber das Verfahren der Einwanderungskommission, die ein Mitglied unserer Kollektivitaet zu fuehren hat, muss zukünftig dem Sekretariat des “Comité Representativo” zugefuehrt werden, begleitet von Dokumenten, die die Rechtfertigkeit der Beschwerde beurkunden. Das “Comité Representativo” leitet dann die Beschwerde an den Praesidenten der Einwanderungskommission, Don Dario Poblete, weiter, zum Zwecke einer neuen Begutachtung oder Beschleunigung des besagten Gesuches. Dieses Verfahren beweist neuerlich, dass das Vorgehen der Kommission frei von rassischen oder religioesen Vorurteilen ist und gibt eine absolute Garantie fuer eine korrekte Abfertigung jedes Antrages. ninis in Erez Israel aus. Ein Taumel ergriff das kleine juedische Land. Inmitten von haertester Sorge und schwerer Arbeit sprach man in Palaestina von nichts anderem als von den Toscanini-Konzerten. Die Arbeiter Tel Awiws trugen den alten Mann auf ihren Schultern durch die Strassen der Stadt und in Ramot Haschawim wo man ihn -begeistert empfaen-gt, wird er ueberschuettet mit den dortigen Produkten; mit Huehnchen und Eiern beladen kehrt er zurueck. Der Taumel erfasst aber auch die Mitglieder des Orchesters, sie selbst jubeln dem Maestro und sich zu. Sie wetteifern untereinander, die Geiger selbst sind erstaunt ueber die hohe Qualitaet des Orchesters und sie erklaeren rund heraus, solch einen Streichkoerper haben nicht einmal die Wiener Philarmoniker oder das Bostoner Symphonieorchester. Aus obigen Zeilen ist einwandfrei ersichtlich, warum auch wir, die deutsprechenden Juden in Ohile, Arturo Toscanini waermsten -Dank schulden. Und gerade jetzt draengt sich uns in diesem Zusammenhang die Frage auf, ob das Palaestina-Orc-hester nicht eine grosse Mission erfuellen koennte, wenn es durch eine Welttournée den Kontakt hersteilen wuerde mit den Juden in der Galuth, aber auch die nicht juedische Welt ueberzeugen koennte, von dem wahren und unerschuetterliehen Aufbauwillen der Juden in Erez Israel und der ganzen Welt. ERVIN HERPER LAS COMPAÑIAS DE SEGUROS “La Transandina” S. S. A. A. 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